15.07.10 Aktientipps , Erneuerbare Energie

Der schlafende Riese ist erwacht – in Asien boomt die Nachfrage für Photovoltaik




2009 ist im asiatischen Photovoltaikmarkt eine Wende eingeläutet worden. Denn im vergangenen Jahr ist dort die Solarstromkapazität um knapp ein Gigawatt (GW) angewachsen, wie die US-amerikanische Solarbuzz in einem aktuellen Report über den Solarmarkt in Asien und den Pazifik-Raum feststellt. Damit reicht sie zwar noch nicht an den führenden europäischen Solarmarkt heran. Der Abstand wurde aber gewaltig verkürzt. Die Region erreichte mit dem Zubau für zwölf Prozent der weltweiten Nachfrage.

Der europäische Solarverband, die European Photovoltaic Industrie Association (EPIA), geht davon aus, das die Märkte Asiens weiter stark wachsen werden. Er prognostiziert, dass die Menge der Neuinstallationen sich in der Region von 2009 bis 2014 auf 7,5 GW verneunfachen wird. Diese Menge entspricht der weltweiten Nachfrage in 2009 und liegt zum Beispiel weit über den Prognosen für den Photovoltaikmarkt der Vereinigten Staaten.

Natürlich sind die Gründe für diese sprunghafte Entwicklung in Asien vielschichtig. Ein wesentlicher Faktor ist die Annahme, dass herkömmlich erzeugte Energie immer teurer wird. Auch ist in den asiatischen Schwellenländern der Energiebedarf stark gewachsen und wird er weiter exponentiell zunehmen. Das macht eine regenerative und flexibel einsetzbare Energiequelle wie die Photovoltaik sehr attraktiv, zumal auch der Klimaschutzgedanke in Asien immer wichtiger wird. Den Anstoß für den Boom des letzten Jahres gab jedoch die weltweite Finanzkrise. Vor deren Ausbruch haben Solarhersteller aus der Region fast ausschließlich die Nachfrage aus westlichen Ländern bedient. Die geriet aber durch die Finanzkrise ins Stocken, da es deutlich schwerer wurde, Photovoltaikprojekte zu finanzieren. Um ihre Solarbranche zu stützen, entschlossen sich daher Regierung in Asien, die Nachfrage vor Ort anzukurbeln uns so die Abhängigkeit ihrer Unternehmen vom Westen zu verringern. Zudem wurden Konjunkturprogramme aufgelegt, die wachstumsträchtige Branchen beflügeln sollten – und dazu zählen insbesondere Umwelttechnologien wie die Photovoltaik.

Besonders beeindruckend gelang dies in China. Dort sind die Neuinstallationen in 2009 laut Solarbuzz um über 550 Prozent gewachsen. Mit 228 Megawatt (MW) lag das Milliardenvolk zwar noch immer deutlich hinter wichtigen europäischen Solarmärkten. Aber vieles spricht dafür, dass China 2009 erst Anlauf für noch größere Sprünge genommen hat und das Wachstumstempo stark beschleunigen wird. Schließlich erfolgte die Einführung einer Einspeisevergütung für Solarstrom erst 2009, lag der Schwerpunkt bislang nur auf der Aufdach-Photovoltaik und liegt das Potential von Freiflächenprojekten nach fast brach. Laut der EPIA summiert sich die Pipeline von geplanten Solarprojekten in China schon jetzt auf zwölf GW. Und bis 2020 will Peking die Solarstromkapazitäten auf 20 GW steigern.

Eine wichtige Rolle im chinesischen Solarmarkt spielt schon heute Taiwan. Trotz der politischen Abspaltung vom Festland ist der Inselstaat wirtschaftlich eng mit China verknüpft, was insbesondere für die Photovoltaikbranche gilt. Große Industriekonzerne Taiwans wie TSMC oder UMC verlagern ihr Geschäft mit Computerchips zunehmend auf den Bereich Photovoltaik und investieren dafür Dutzende Millionen US-Dollar. So will etwa TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Corporation) nacheigenen Angaben 50 Millionen in ein Solar-Startup stecken. Laut dem einheimischen Market Intelligence & Consulting Institut (MIC) wurden 2009 bereits 12 Prozent der weltweit produzierten kristallinen Solarzellen in Taiwan hergestellt. Es geht davon aus, dass im kommenden Jahr nur in China mehr Solarzellen produziert werden als in Taiwan und der Inselstaat dann bereits Deutschland und Japan überflügelt.

Dabei boomt auch in Japan die Photovoltaik. Die japanische Solarbranche profitiert dabei von dem staatlichen Förderprogramm, das 2009 eingeführt wurde und eine attraktive Einspeisevergütung für Solarstrom festschreibt. Obwohl erst 2009 eingeführt bewirkte diese Förderung, dass sich die Menge der japanischen Neuinstallationen auf rund 480 MW verdoppelte. Damit entfiel allein auf Japan knapp die Hälfte des Zubaus in Asien. Weiter beflügelt wird das Wachstum hier durch Förderprogramm der einzelnen Provinzen und Kommunen sowie der Wirtschaft. Solarkonzerne wie Sharp oder Sanyo investieren massiv in den Ausbau der Produktion, Stromversorger sammeln Kapital für Photovoltaikprojekte.

Dass ein sprunghaftes Wachstum nicht linear fortgeschrieben werden kann, zeigt das Beispiel von Südkorea. Die Regierung in Seoul hatte schon sehr früh mit Gesetzen den Ausbau der Erneuerbaren Energien gefördert. Das hatte zur Folge, dass der Solarmakrt heiß lief und der Ausbau der Photovoltaik für 2009 gedeckelt wurde. 2009 gingen die Neuinstallationen daher von 276 MW in 2008 auf 98 MW zurück. Das soll nach dem Willen der koreanischen Regierung jedoch nur eine Zwischenbremsung darstellen. Sie will angesichts der hohen Abhängigkeit von Energieimporten weiter auf alternative Energien setzen. Darauf baut auch die einheimische Industrie. Der Großkonzern Samsung hat angekündigt, in den kommenden zehn Jahren über 20 Milliarden Dollar in das Geschäft mit Umwelttechnologie zu investieren.

Ein starkes Wachstum zeigt dagegen mit Indien ein Solarmarkt mit einem wohl nur mit China vergleichbarem Potential. Nicht zuletzt aufgrund von administrativen und bürokratischen Hemmnissen wurden dort 2009 allerdings nur 44 MW an Photovoltaik neu installiert. Experten hatten deutlich mehr Wachstum als diese 22 Prozent erwartet. Die Pipeline indischer Solarprojekte beläuft sich nach Angaben von Solarbuzz aber schon jetzt auf rund fünf GW. Bis 2022 strebt die indische Regierung eine nationale Solarstromkapazität von mindesten 20 GW an.

In all diesen Märkten agieren bereits börsennotierte Solarhersteller. Besonders aussichtsreich erscheinen derzeit einige Unternehmen aus China. Timothy Arcuri, Analyst der Citibank, empfiehlt zum Beispiel die Aktie des Soalrkonzerns Trina Solar aus Chagzhou. Der hat sich im vergangenen Jahr mit einer 90-prozentigen Steigerung der Ausfuhrquote zum fünftgrößten Hersteller von Solarmodulen gemausert. Bei der Vorlage starker Zahlen für das 1. Quartal kündigte das Unternehmen Ende Mai an, im laufenden Geschäftsjahr die Auslieferungen auf 800 MW zu verdoppeln. Arcuri lobt Trina Solar für seine bislang konservativen Prognosen und betont, dass der Solarkonzern bei der Produktion von Solarzellen und –modulen deutliche Kostenvorteile realisiert. Zudem habe er keinen Kapitalbedarf. Das Kursziel des US-Analysten für die Aktie von Trina Solar liegt bei 30 Dollar. Das sind umgerechnet 23,6 Euro. An der Nasdaq wird der Anteilsschein aktuell mit 20,8 Dollar gehandelt, in Frankfurt mit 16,3 Euro.

Vishal Shah, Analyst von Barclays Capital, empfiehlt dagegen die Aktie Yingli Green Energy. Der chinesische Solarkonzern war 2009 der viertgrößte Anbieter von Solarmodulen und will seine Produktionskapazität in diesem Jahr von 700 MW auf ein GW erhöhen. Die Auslieferungen sollen von 523 MW auf mindestens 950 MW ansteigen. Shah meint, dass Yingli in diesem Jahr höhere Preise durchsetzen kann und erhöht seine Prognose für den Gewinn je Aktie deutlich: für 2010 von 0,8 auf 1,2 Dollar, für 2011 von 0,85 auf 1,05 Dollar. Das Kursziel hebt er von 11 auf 14 Dollar (11 Euro) an. An der Nasdaq notiert die Aktie bei 12,2 Dollar, in Frankfurt bei 9,6 Euro.

Trina Solar Ltd.: ISIN US89628E1047 / WKN A0LF3P
Yingli Green Energy Holding Company Limited: WKN A0MR90 / ISIN US98584B1035

Bildhinweis: Solarzellen werden verstärkt in Asien produziert. / Quelle: Q-Cells
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