Martin Betzold ist Bereichsleiter Marketing & PR sowie Prokurist der Green City Energy AG aus München. / Foto: Unternehmen

26.11.15 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

„Der Sieg der Erneuerbaren Energien ist nicht mehr umstritten. Es geht nur noch darum, wer das Geschäft machen darf“ – Martin Betzold, Green City Energy AG

Zehn Jahre ist die Green City Energy AG inzwischen als Finanzierer der Energiewende und Initiator nachhaltiger Geldanlagen aktiv. Diesen Geburtstag feiert Green City Energy mit einer Anleihe. Im ECOreporter.de-Interview erklärt Martin Betzold wie dieses Investment-Angebot funktioniert und wie das Anleihekapital verwendet werden soll. Außerdem spricht er über die wirtschaftliche Lage von Green City Energy sowie die Chancen und Risiken der Kapitalanlagen des Hauses und nimmt Stellung zu Ausschreibungsverfahren für Erneuerbare Energien in Deutschland.

ECOreporter.de: Warum bietet Green City Energy eine „Jubiläumsanleihe“ an? Ist das mehr als nur ein Marketing-Gag?

Martin Betzold:  Der Name Jubiläums-Anleihe entstand dadurch, dass Green City Energy in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen feiert. Zudem haben wir in diesem Jahr plangemäß unsere Umweltgenussrechte III zurückgeführt, es war also an der Zeit uns über den nächsten Finanzierungsbaustein Gedanken zu machen. Insofern ist die Jubiläums-Anleihe ganz ernst gemeint: Wir wollen damit unsere Kapitalbasis stärken um auch zukünftig den Zubau von Solar-, Wind- und Wasserkraftwerken energisch voranzutreiben.

ECOreporter.de: Worin besteht für Anleger der Vorteil einer Anleihe im Vergleich zu den bisherigen Umweltgenussrechten von Green City Energy?

Betzold:  Die Jubiläums-Anleihe ist als Inhaber-Schuldverschreibung ohne Rangrücktritt und Verlustbeteiligung konzipiert. Damit ist die Anleihe, im Gegensatz zu den bisherigen Umweltgenussrechten, gleichrangig mit allen Gläubigern zu bedienen und bietet somit diesbezüglich ein höheres Maß an Sicherheit. Den rechtlichen Rahmen der Jubiläums-Anleihe bildet das Wertpapierprospektgesetz.

ECOreporter.de: Warum besorgt sich Green City Energy das Kapital für neue Projekte nicht von Banken?

Betzold:  Wir fahren ein mehrgleisiges Finanzierungsmodell. Natürlich finanzieren wir uns auch über Banken, aber dies alleine reicht für unser Geschäftsmodell nicht aus. Wir benötigen für unsere zahlreichen Kraftwerksprojekte ausreichend Liquidität, um diese in der Entwicklungs- und Bauphase vor- und zwischenfinanzieren zu können. Wenn an der die Finanzierungsbasis ein Engpass besteht, können wir unter Umständen den Zugriff auf attraktive Projekte nicht realisieren. Darum die Jubiläums-Anleihe.

Foto: Bauarbeiten am deutschen Windpark Velburg von Green City Energy. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Wie viel Kapital haben Anleger Green City Energy bislang zur Verfügung gestellt? Wie sind Anleger mit Ihren bisherigen Anlageangeboten gefahren, wurden die Prognosen erfüllt?

Betzold:  In den Genussrechtsemissionen I-IV haben wir insgesamt rund 10 Millionen Euro Kapital eingesammelt, 2017 führen wir auch die letzte Tranche zurück. Bislang sind unsere Kapitalgeber sehr gut gefahren, der Kapitalerhalt beträgt 100 Prozent. Zudem haben wir die prospektierten Genussrechtszinsen allesamt pünktlich und in voller Höhe ausbezahlt, darüber sind wir sehr glücklich. Wir haben Wort gehalten. Und fleißig war das Geld auch noch. Jeder Genussrechtseuro wurde 22 Mal investiert, wir haben mit dem Geld rund 300 Millionen Euro Investitionen in Erneuerbare Energien ausgelöst. Einen größeren Hebel für die Energiewende kann Kapital kaum haben. Ich glaube das ist auch ein wichtiger Punkt für unsere Anlegerinnen und Anleger. Sie wollen auch eine ökologische Rendite erwirtschaften – und die ist durchaus bemerkenswert!

ECOreporter.de: Wie steht es mit der Nachfrage für Ihre  “Inhaberschuldverschreibungen Kraftwerkspark II”? Worin unterscheidet sich dieses Angebot von der „Jubiläumsanleihe“?

Betzold:  Der Kraftwerkspark II befindet sich bereits im Endspurt, wir haben bereits 90 Prozent der maximal möglichen 50 Millionen Euro platzieren können. Das ist ein großer Erfolg. Wer sich an dem stimmigen Mix aus feststehenden Windparks in Deutschland, Wasserkraftanlagen im nördlichen Italien sowie an Solarkraftwerken in Südfrankreich beteiligen will, sollte schnell sein. Der Unterschied zur Jubiläums-Anleihe besteht eben genau darin: Im Kraftwerkspark stellen Kapitalgeber ihr Geld zur Finanzierung bestehender Anlagen zur Verfügung, dies ist ein sehr sachwertorientierter Ansatz. Bei der Jubiläums-Anleihe handelt es sich mehr um eine Investition in den Antrieb, also das Unternehmen selbst. Denn wenn Unternehmen wir Green City Energy nicht mit ausreichend Kapital ausgestattet sind, können sie die Projekte auch nicht entwickeln. Im Endeffekt ergänzen sich beide Kapitalprodukte wunderbar, wir haben für jeden Anlagetyp etwas im Angebot.

Bildhinweis: Das italienische Wasserkraftwerk Capianello von Green City Energy. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Bei Schuldverschreibungen ist es ja von großer Bedeutung, wie die Anleihen-Emittentin wirtschaftlich dasteht. Wie ist es um Green City Energy bestellt? Wirtschaften Sie profitabel? Inwiefern ist Green City Energy mit Schulden belastet und ist ein ausreichender Mittelzufluss gesichert?

Betzold:  Wir können mit der Entwicklung der wirtschaftlichen Situation der Green City Energy AG durchaus zufrieden sein. Wir haben in zehn Jahren ausnahmslos positive operative Ergebnisse erwirtschaftet und das Unternehmen aus eigener Kraft zu einem Mittelständler mit klarer Marktpositionierung ausgebaut. In diesem Jahr hatten wir einen Sonderfall, durch die Wertberichtigung einiger unserer Biogasanlagen haben wir einen überschaubaren Jahresfehlbetrag erwirtschaftet. Dies ist das Ergebnis unserer konsequenten Verantwortungsübernahme gegenüber unseren Kapitalgebern, wir haben zwei Biogasanlagen wieder aus den entsprechenden Fonds herausgekauft um sie neu zu strukturieren. Die gute Nachricht: Wir haben die Betriebsführung der Anlagen neu ausgerichtet, die Auslastung liegt nun bei über 90 Prozent.
Ohne diese Wertberichtigung hätten wir das beste Jahresergebnis in unserer Geschichte erzielt. Unter dem Strich haben wir mit der Jubiläums-Anleihe die Unternehmensfinanzierung auf neue Beine gestellt, das ist im Hinblick auf die Kapitalausstattung entscheidend. Da bin ich auch für die Zukunft guter Dinge, wir haben zu unseren Kapitalgebern, Kleinanlegern und Banken unisono, ein Vertrauensverhältnis. Darauf kommt es an.

ECOreporter.de: Wofür wollen Sie das Anlegerkapital aus der „Jubiläums-Anleihe“ einsetzen? Was haben Sie vor?

Betzold: Wir setzen voll auf unser derzeitiges Kerngeschäft. Und das heißt Anlagenzubau, Zubau, Zubau. Dabei konzentrieren wir uns auf die drei rohstofflosen Energieformen Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft in unseren drei Kernmärkten Deutschland, Frankreich und Italien. Vielleicht nehmen wir noch einen weiteren spannenden Auslandsmarkt dazu, es ist richtig und wichtig auf mehreren Beinen zu stehen. Zukunftsthemen wie Stromhandel und Speicher sind heute noch kein Thema, können es aber durchaus werden.

ECOreporter.de: Was sind entscheidende Faktoren für Green City Energy, um in ein Projekt zu investieren?

Betzold:  Die Verbindung wirtschaftlicher und ökologischer Aspekte ist entscheidend. Natürlich müssen die Vorhaben profitabel sein, sonst macht es keinen Sinn. In den Kraftwerksparks haben wir harte Investitionskriterien aufgestellt, wenn ein Projekt sich nicht rechnet fliegt es raus. Profit ist aber sicher nicht alles. Als Tochter einer Umweltorganisation achten wir stark darauf, dass die Kraftwerke auch ökologisch vertretbar sind. Ich muss das Windrad ja nicht mitten ins Naturschutzgebiet stellen. Jede Form der Energieerzeugung hinterlässt jedoch einen ökologischen Fußabdruck, die Frage ist nur, wie groß dieser sein muss.

ECOreporter.de: Wie sicher sind Investitionen in Grünstromprojekte in Frankreich und Italien? Inwiefern verfügen Sie über Partner vor Ort, um die Marktbedingungen einzuschätzen?

Betzold:  Sicherheit ist immer relativ. Am wichtigsten sind die politischen Rahmenbedingungen, und die sind in beiden Ländern gut. Wir haben, ähnlich wie in Deutschland, eine Grünstromprivileg und eine feste, langjährige Einspeisevergütung. Dadurch werden finanzielle Erträge planbar, Wirtschaftlichkeitsberechnungen basieren auf gutachterlich festgestellten Energieertragsprognosen. In Frankreich sind wir seit vielen Jahren mit einer eigenen Niederlassung in Toulouse vor Ort präsent, dort haben wir uns ein breites Netzwerk aufgebaut. In Italien verfolgen wir einen Kooperationsansatz mit mehreren italienischen Projektentwicklern. So haben wir stets Zugriff auf eine gut gefüllte Projektpipeline. Ich bin zuversichtlich, dass wir von den dutzenden Kleinwasserkraftanlagen die wir in Petto haben, zahlreiche bauen werden.

Foto: Französischer Solarpark von Green City Energy. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Die Renditechancen für Solarinvestments haben sich in Deutschland nach den Einschnitten beim EEG massiv verschlechtert und bei der Windkraftförderung stehen in den kommenden Jahren ebenfalls gravierende Veränderungen an. Wie bewerten Sie diese Entwicklung und die Pläne der Bundesregierung für die Erneuerbaren Energien? Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus für Ihr Geschäft?

Betzold:  Unsere Meinung dazu ist eindeutig. Wir lehnen das geplante Ausschreibungsverfahren ab. Statt sich gegen die Vorgaben der EU-Kommission zu wehren, ist die Regierung mit ihr vereint im Angriff auf ein fundamentales Prinzip der Energiewende.  Die konsequente Dezentralisierung der Energieversorgung und des Besitzes der Erzeugungsanlagen soll damit beschnitten werden. Denn eines ist klar geworden – der Sieg der Erneuerbaren Energien ist nicht mehr umstritten. Jetzt geht es eigentlich nur noch darum, wer das Geschäft machen darf. Die Bundesregierung tut im Moment alles dafür, den Konzernen den Weg zu ebnen.
Wir haben das nicht anders erwartet und uns frühzeitig darauf eingestellt. So haben wir bei Green City Energy die Voraussetzungen dafür geschaffen, an Ausschreibungsverfahren erfolgreich teilnehmen zu können. Ob wir es nun mögen oder nicht.

ECOreporter.de: Danke für das Gespräch, Herr Betzold.

ECOreporter.de hat die Jubiläumsanleihe von Green City Energy in einem frei lesbaren  ECOanlagecheck  analysiert.
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