18.12.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„Der Staat sollte ausschließlich die Forschung unterstützen“ – ECOreporter.de-Interview mit Achim Zolke, systaic AG

Die deutsche Solarbranche sieht sich wachsendem internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Braucht sie mehr Unterstützung durch die Politik? Wie kann sie sich im Preiskampf mit vor allem asiatischen Herstellern positionieren? Über diese und weitere Fragen sprach ECOreporter.de mit Achim Zolke, Sprecher der Düsseldorfer systaic AG. Über die drei Geschäftsbereiche Systaic Energiedach, Automotive und Solarkraftwerke bietet das Unternehmen Solarsysteme für Häuser aber auch Autos und photovoltaische Großkraftwerke an.


ECOreporter.de: Herr Zolke, Ärgert es Sie, dass die Regierung zeitweise im Dauereinsatz war, um das deutsche Automobil-Fossil Opel zu retten und nun die deutsche Solarwirtschaft kalt abserviert?
Achim Zolke: Natürlich halten wir es grundsätzlich für sinnvoll, definitive Zukunftstechnologien am Standort Deutschland zu unterstützen. Smart wäre gewesen, insbesondere der Elektromobilitäts-Forschung bei Opel massiv zu helfen statt zu versuchen, den gesamten Betrieb künstlich zu reanimieren. Aber so richtig kalt abserviert wurde die Solarwirtschaft bislang auch nicht.


ECOreporter.de: Worunter leiden die deutschen Photovoltaik-Hersteller: Unter dem Druck aus China oder unter mangelnder staatlicher deutscher Unterstützung?
Zolke: Sie leiden in erster Linie unter mangelnder Innovationsfähigkeit. Noch sind in Deutschland hergestellte Zellen qualitativ hochwertiger als die meisten asiatischen Produkte – aber diese Aussage hat nur so lange Bestand, wie unsere Forschung in der Lage ist, die Effizienzschraube weiter nach oben zu drehen. In der Solarbranche gilt, dass der Staat ausschließlich die Forschung subventionieren sollte.


ECOreporter.de: In der deutschen Photovoltaikbranche soll es gut 80.000 Arbeitsplätze geben (Stand Ende 2008). Setzt die deutsche Regierung das alles mutwillig auf´s Spiel?
Zolke: Laut Koalitionsvertrag bekennt sich auch die neue Regierung zum Solarstandort Deutschland. Radikale Anti-Solar-Tendenzen können wir bislang nicht erkennen. Die systaic AG sagt seit jeher, dass die Vergütung von Solarstrom mittelfristig gekürzt werden muss, um Anreize zu schaffen, diesen sauberen Strom wettbewerbsfähig zu machen.


ECOreporter.de: Etliche Unternehmen, die kurzfristig eine Affäre mit der Solarenergie eingegangen waren, ziehen sich derzeit wieder zurück – z.B. Wacker. Andere, wie Bosch, weiten die Solar-Aktivitäten aus. Kann es sein, dass selbst die Fachleute und Insider den Markt sehr unterschiedlich einschätzen?
Zolke: Der Solarmarkt ist größer und damit komplexer geworden. Die systaic AG beispielsweise bewegt sich in der Automobil-, der Bau- und der PV-Branche gleichermaßen. Es kommt heute darauf an, Kundenlösungen zu bieten, die synergetisch große Effizienz und hohe Ästhetik mit sinnvoller Dachtechnologie verbinden. Was in Europa nicht mehr ausreicht, ist der bloße Versuch, Solarzellen und Module preisgünstig auf den Markt zu werfen.

ECOreporter.de: Herr Zolke, wir danken Ihnen für das Gespräch.

systaic AG: ISIN DE000A0JKYP6 / WKN A0JKYP
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