In Bayern gelten große Mindestabstände für neue Windkraftanlagen. Das macht es Windkraftprojektierern offenbar schwer, Standorte für neue Anlagen zu finden. / Quelle: Fotolia

28.02.17 Erneuerbare Energie

Der Windkraft in Bayern droht der Stillstand

In Bayern hat die Politik die Windkraft ausgebremst. Dort wurden 2016 keine Genehmigungen mehr für neue Windkraftanlagen gestellt. Das ist offenkundig eine Reaktion auf eine Gesetzesänderung der bayrischen Landesregierung von 2014. Deren Ziele für den Ausbau der Erneuerbarer Energien erscheinen nun utopisch.

Eine an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführte wissenschaftliche Analyse hat untersucht, wie sich die so genannte 10H-Regel auf die Windkraft in Bayern auswirkt. Diese Regel hatte die Landesregierung Ende 2014 eingeführt. Damit erweiterte sie erheblich den Abstand zu Wohngebäuden, der in Bayern beim Bau neuer Windräder eingehalten werden muss. Der Abstand muss seither mindestens das Zehnfache der Höhe des Windrads betragen.

Ausschlaggebend ist die Gesamthöhe inklusive des Rotors. Die 2016 in Bayern neu aufgestellten Windrädern hatten laut dem Bundesverband Windenergie im Durchschnitt 116 Meter Rotordurchmesser. Multipliziert mit dem Faktor zehn ergibt das einen Mindestabstand zum nächsten Wohnhaus von über einem Kilometer. Zum Vergleich: Der Abstand bayrischer Atommeiler zu Siedlungen beträgt häufig nur wenige Hundert Meter.

Durch die 10H-Regel gibt es deutlich weniger Flächen in Bayern, die für neue Windräder in Frage kommen. Dabei hinkte der Freistaat schon 2014 beim Ausbau der Windkraft hinter den meisten Bundesländern hinterher, hatte erst begonnen, diesen Rückstand aufzuholen. Nun aber droht die Windkraft in Bayern zu stagnieren. Das verdeutlicht die wissenschaftliche Analyse "Entwicklung der Windkraft in Bayern unter dem Einfluss der 10-H Abstandsregelung und der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2017" von Karina Tyroller.

Tyroller stellte in der an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführten Studie fest, dass im vergangenen Jahr in Bayern keine Genehmigungsanträge für den Bau von Windkraftanlagen mehr gestellt wurden. In 2014, also dem Jahr, an dessen Ende die 10H-Regel eingeführt wurde, seien es noch 215 Anträge gewesen. Ferner ermittelte Tyroller, dass die Zahl der erteilten Genehmigungen von 244 in 2014 auf 13 im Jahr 2016 gesunken ist.

Ausbauziele für Erneuerbare Energien in Gefahr

"Da die Ausbaupotenziale und die Rahmenbedingungen für Wasserkraft, Bioenergie und Photovoltaik sehr begrenzt sind, kann nur die Windkraft hierzu einen nennenswerten Beitrag leisten", stellt dazu Hans-Josef Fell fest, früherer Grünen-Bundestagsabgeordnete und einer der Väter des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). "Ohne sie kann der große Anteil an Atomstrom in Bayern bis 2022 nicht ersetzt werden. Der Atomausstieg ist dadurch massiv gefährdet", warnt Fell.

Laut dem Bundesverband Windenergie wurde 2016 mit zusammen 340 Megawatt (MW) neun Prozent weniger Windkraftleistung neu installiert als im Vorjahr. 124 Windräder gingen im Freistaat 2016 neu ans Netz. Diese Anzahl dürfte künftig stark sinken. Bis 2025 soll der Anteil Erneuerbarer Energien in Bayern von aktuell 40 auf rund 70 Prozent steigen, davon nur fünf bis sechs Prozent Windenergie. Doch bisher hat die Windkraft im Freistaat nur einen Anteil von etwas unter vier Prozent erreicht. "Die 30 Prozent Steigerung bei Erneuerbaren Energien bis 2025 ohne die Windkraft ist absolut unrealistisch", sagt Fell dazu.
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