25.03.11 Finanzdienstleister , Wachhund

Deutsche Bank: Umfangreiche Geldgeschäfte mit Fukushima-Atomkraftwerks-Betreiber Tepco

Finanzdienstleistungen im Wert von 7,8 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank Atomkonzernen zwischen 2000 und 2009 zur Verfügung gestellt – so viele wie kein anderes deutsches Geldinstitut. Dies brachte die Untersuchung „Wie radioaktiv ist meine Bank?“ der Umweltschutzorganisation Urgewald mit Sitz in Sassenberg zu Tage. Die Deutsche Bank hat Kredite für Atomprojekte vergeben und Anleihen für Atomkraftwerksbetreiber und Energiekonzerne emittiert.


Zwischen 2000 und 2007 begab die Deutsche Bank Unternehmensanleihen im Gesamtwert von 30,6 Millionen Euro für den Betreiber des Katastrophenreaktors in Fukushima, Tokio Electric Power Corp. (Tepco). Tepco war schon Jahre vor der Katastrophe mehrfach stark unter Druck geraten, weil eklatante Sicherheitsmängel und ein fragwürdiger Umgang mit den Mitarbeitern bekannt wurden. Bereits 2007 war die mangelnde Erdbebensicherheit des nun havarierten Kraftwerks in Fukushima von japanischen Medien scharf kritisiert worden. Der schlechte Ruf von Tepco hielt die Deutsche Bank laut der Urgewald-Studie nicht davon ab, umfangreiche Geschäfte mit dem Unternehmen zu machen.

„Wo große Gewinne winken, spielen Informationen über massive Sicherheitsprobleme und Störfälle keine Rolle", erklärte Jutta Sundermann vom Netzwerk Attac, das nun gemeinsam mit Urgewald zum Boykott aller Banken aufruft, die laut der Studie mit der Atomindustrie im Geschäft waren. „Die Banken haben sich weder für die bekannte Vertuschung von Mängeln und Störfällen durch Tepco interessiert, noch für die schon vor Jahren offenkundigen Folgen kleinerer Erdbeben in den japanischen AKW“, erklärte Heffa Schücking, Geschäftsführerin von Urgewald. Neben der Deutschen Bank steht unter anderem die West LB als weitere Anleihen-Emittenten für Tepco im Fadenkreuz der Analyse.


Die Deutsche Bank selbst lehnte eine ausführliche Stellungnahme zu den Vorwürfen der NGOs auf Anfrage von ECOreporter.de ab. „Die Deutsche Bank spricht sich für ein ausgewogenes energiepolitisches Gesamtkonzept aus, das sowohl die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen als auch die Zukunftsfähigkeit im Blick hat. Zu einzelnen Kundenbeziehungen äußern wir uns grundsätzlich nicht“, hieß es aus der Pressestelle des Frankfurter Geldhauses.

Aus ihrer unterstützenden Haltung für die Branche machte die Deutsche Bank allerdings nie einen Hehl: Als einzige Bank unterzeichnete sie die Pro-Atomkraft-Kampagne „Energiepolitischer Appell“, bei der sich 40 große deutsche Unternehmen im August 2010 für die Laufzeitverlängerung der 17 Atommeiler in Deutschland stark machten.


Die Studie der Umweltschutzorganisation Urgewald bringt die Deutsche Bank zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit an den Pranger des nachhaltigen Investments. Erst vor knapp drei Monaten war die Aktie der Deutschen Bank aus sieben Indices der Dow Jones-Sustainability-Index-Familie geflogen, weil die Bank in ein Kasino-Projekt in Las Vegas investiert. Der für die Nachhaltigkeitsanalyse verantwortliche Züricher Index-Mitinitiator SAM (Sustainable Asset Management) hatte der Deutschen Bank im Zuge des Ausschlusses allerdings weiterhin großes Nachhaltigkeitspotenzial bescheinigt und die Aktien in den Hauptindizes DJSI Word und DJSI Europe belassen (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete).


Bislang ist die Deutsche Bank unter dem Banner „Banking on Green“ sehr aktiv dabei, ihr Angebot mit ökologischer, sozialer und ethischer Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Das brachte ihre Aktie nach eigenen Angaben in die Nachhaltigkeitsindizes von fünf Anbietern. Neben den DJS-Indizes sind dies die Advanced Sustainable Performance Indices (ASPI),die ECPI Ethical Indices sowie der NASDAQ OMX CRD und der FTSE4Good. Inwiefern sich dies nun ändert, ist offen.

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