Wie stark muss das Stromnetz in Deutschland ausgebaut werden? Eine Studie der Deutschen Energieagentur zeigt große Sparpotenziale bei Verteilernetzen. / Foto: Pixabay

  Erneuerbare Energie

Deutsche Energieagentur: Ausbau der Verteilernetze zum Teil überflüssig

Laut einer neuen Studie der Deutschen Energieagentur (dena) müssen die Verteilerstromnetze im Zuge der Energiewende nicht so massiv ausgebaut werden wie geplant. Würden die bereits auf dem Markt vorhandenen Speicher-Technologien flexibel eingesetzt, könnte mindestens auf den Ausbau der regionalen Verteilernetze zum großen Teil verzichtet werden, so das Ergebnis der dena.


Aktuell sind 55 Prozent der Solaranlagen mit einem Batteriespeicher verbunden. Es gibt zudem 18 kommerzielle Großbatterien und erste Power-to-Gas-Anlagen, wo Windenergie in Wasserstoff oder Methan und Sauerstoff zerlegt wird, um daraus später in Generatoren wieder Strom zu erzeugen. Auch Power-to-Heat-Anlagen, die den Strom in Wärme umwandeln, sind auf dem Markt. Hinzu kommen in absehbarer Zeit zahlreiche Elektroautos. Diese Technologien könnten laut der dena-Studie bei flexibler Nutzung bis zu 60 Prozent der Ausbaukosten der Verteilernetze einsparen.

Dafür müsse es allerdings Anreize für die Besitzer solcher Anlagen geben, sie auch für das Netzmanagement bereitzustellen. Derzeit gebe es diese Anreize noch nicht. Solarspeicher würden zum Beispiel fast nur benutzt, um damit den Eigenstromanteil zu erhöhen. Sie könnten aber ihre Kapazitäten für die Netzoptimierung freigeben, wenn es entsprechende dynamische Netzentgelte gäbe. "Der Ball liegt jetzt auch beim Gesetzgeber: Das heißt zum Beispiel, die Netzentgeltsystematik für eine Mehrfachnutzung von Flexibilitätstechnologien weiterzuentwickeln", sagte Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung.

Gleichzeitig müsste der Netzbetreiber rechtlich die Möglichkeit haben, auf die Flexibilitätstechnologien der Anlagenbetreiber zuzugreifen, um dadurch das Stromnetz bei Bedarf steuern und stabilisieren zu können, hieß es.

Nach den Berechnungen der dena müssten die Speicherbesitzer nur in zwei Prozent der Zeit Einschränkungen hinnehmen und dafür entschädigt werden. Das wäre deutlich günstiger als der geplante Netzausbau.
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