Viele Anleiheanleger von German Pellets haben ein Angebot zum Verkauf ihrer Wertpapiere erhalten. Wie reagieren? Im Bild: eine Werkshalle von German Pellets. / Foto: Unternehmen

14.03.16 Anleihen / AIF

Deutsche Investoren Union will Anleihen von German-Pellets aufkaufen – ein gutes Angebot?

Vielen Anleiheanlegern der insolventen German Pellets GmbH wird derzeit ein Übernahmeangebot für ihre Wertpapiere unterbreitet. Es geht um die Anleihe von 2014, die 2019 zur Rückzahlung fällig ist. Sollte man dieses Angebot annehmen oder ausschlagen?

Ersten Schätzungen zufolge dürfte die Insolvenz der German Pellets GmbH rund 12.000 Anleger betreffen, die vor allem in Anleihen und Genussrechte des Pelletherstellers aus Wismar investierten. Schon bevor German Pellets am 10. Februar Insolvenz beantragt hatte, stürzten die Börsenkurse von drei Anleihen und einem Genussrecht der German Pellets GmbH ins Bodenlose. Ihre börsennotierten Genussrechte notierten zuletzt bei 1,25 Prozent und die Kurse der drei Anleihen zwischen 2,27 und 2,6 Prozent.

Der Verein Deutsche Investoren Union, dem Christian Öfele vorsteht, buhlt um die Gunst der Anleger, um bei den anstehenden Gläubigerversammlungen einen Kandidaten für das Amt des Gemeinsamen Vertreters der Gläubiger ins Rennen schicken zu können. Um Stimmrechte dafür zu erlangen, unterbreitet der Verein den Gläubigern der jüngsten der drei Anleihen von German Pellets ein Übernahmeangebot. Es handelt sich um die Anleihe aus dem Jahr 2014 (DE000A13R5N7), die 2019 zur Rückzahlung fällig wäre. Ihr Börsenkurs lag am Freitag, 11. März 2016 gegen Mittag bei 2,27 Prozent. Für eine Anleihe im Nominalwert von 1.000 Euro erhalten Anleger damit aktuell noch 22,70 Euro. Das Angebot der Deutschen Investoren Union, welches den Anlegern per Post von der Depotbank unterbreitet wird, liegt mit 0,7 Prozent noch deutlich darunter. Anleger die darauf eingehen, erhalten 7,00 Euro für eine Anleihe. Allein schon aufgrund dieser Differenz raten Fachanwälte davon ab, das Angebot anzunehmen. Der Rechtsanwalt Peter Mattil von der Münchner Kanzlei Mattil und Kollegen ist ein solcher Fachanwalt für Kapitalanlagerecht. Er nennt das Angebot fragwürdig und sagt: „Hier stehen wohl eher eigene Interessen des Anbieters im Vordergrund, als die Interessen der Anleger.“

Finstere Aussichten für Anleger

Seit Wochen wird darüber spekuliert, wie die Insolvenzquote für die Anleger der German Pellets GmbH ausfallen kann. Problematisch für die Anleger ist vor allem die komplexe Unternehmensstruktur von German Pellets und die Tatsache, dass das Unternehmen viel Geld an zwei US-Pelletwerke weitergereicht hat, die zwar von German Pellets genutzt wurden, aber nicht zur Insolvenzmasse gehören. Prekär dabei: eines dieser beiden Werke ist wie die German Pellets GmbH selbst im vorläufigen  Insolvenzverfahren. Mehr dazu, warum die Aussichten der geschädigten Anleger auf Rückflüsse aus der Insolvenzmasse nicht rosig sind, lesen Sie außerdem  hier.

Was gegen die Offerte der Deutschen Investoren Union spricht


Trotzdem erscheint es ratsam, sich über das Angebot der Deutschen Investoren Union zumindest mit einem Fachanwalt zu beraten. Bis die tatsächliche Insolvenzquote feststeht wird es noch einige Zeit dauern. Die Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde von der Kanzlei White&Case aus Hamburg peilt die Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens für April 2016 an. Erst dann können die Anleger ihre Forderungen an der Insolvenztabelle anmelden. Erfahrungsgemäß kann es danach noch eine lange Zeit dauern, bis die Insolvenzverwaltung sich zur Insolvenzquote äußern kann. Schmudde hatte vor kurzem erklären lassen, dass die Produktion in Deutschland wieder aufgenommen wurde. Dabei war angeklungen, dass es bereits Interessenten für eine Übernahme gebe. Wie hoch die Insolvenzquote ausfallen kann, wird maßgeblich davon abhängen, was bei Verhandlungen mit potenziellen Investoren herauszuholen sein wird.

Einzelne Insolvenzverfahren sind schwerlich vergleichbar. Dennoch: Oft liegen Insolvenzquoten im einstelligen oder im unteren zweistelligen Prozentbereich. Von der Pleite der Solar Millennium AG in 2012 beispielsweise waren knapp 16.000 Anleiheanleger betroffen. Hier liegt die bisherige Insolvenzquote bei 9,75 Prozent. Dieses Verfahren läuft noch und der Insolvenzverwalter von Solar Millennium hatte eine weitere Abschlagszahlung in Aussicht gestellt. Derzeit bittet die Insolvenzverwalterin von German Pellets die Gläubiger der insolventen Unternehmen der German-Pellets-Gruppe, sich  hier  zu registrieren, um ihr Bild von der Gesamtlage zu vervollständigen.

Staatsanwaltschaft ermittelt  - Dürfen Anleger auf Schadenersatz hoffen?
Die Situation rund um German Pellets hat einige Anleger dazu bewogen, die Verantwortlichen zu verklagen. Deshalb ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft Rostock. Einige Anleger versuchen inzwischen, mit juristischem Beistand Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Der Ansatzpunkt dazu ist die Haftung der German-Pellets-Verantwortlichen für die Wertpapierprospekte der Anleihen und Genussrechte. Lesen Sie auch  diesen Beitrag  dazu, was Fachanwälte German-Pellets-Anlegern raten.
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