Der Hauptsitz der Großbank HSBC in London. Zwei schweizerische Tochtergesellschaften stehen wegen eines milliardenschweren Schwarzgeld-Skandals in der Kritik. Das Mutterhaus wird wegen Geldwäsche-Vorwürfen ebenfalls schwer kritisiert. / Foto: Unternehmen

20.03.15 Fonds / ETF

Die 15 fiesesten Unternehmen der Welt

Großbanken, Automobilhersteller und ihre Zulieferer besetzen derzeit die vordersten Plätze in einem Index der Unternehmen, die wegen Nachhaltigkeitsmängeln am stärksten in der Kritik stehen. Unter den Top 15 des aktuellen RepRisk-Index (RRI) finden sich die Bank HSBC, der IT-Riese Apple, der Fastfood-Gigant McDonald‘s sowie die Autohersteller Honda und Toyota. Die Kritik von Medien, Nichtregierungsorganisationen und Verbänden  ist vielfältig. Sie reicht von Korruption über Arbeitsrechtsverletzungen bis hin zu Umweltzerstörung. Dennoch stehen die  Aktien dieser Konzerne vielfach in  Nachhaltigkeitsindizes.
Die Takata Corporation ist ein japanischer Autoteilezulieferer, der 2014 für einen der größten Skandale in der internationalen Automobilindustrie gesorgt hat. Defekte, im wahrsten Wortsinn brandgefährliche  Airbags, die 2001, 2002 und 2012 in einem mexikanischen Werk des Unternehmens hergestellt worden sein sollen, führten im Sommer 2014 zu massiven Rückrufaktionen.  Besonders japanische Hersteller wie Toyota, Nissan, Mazda und Honda waren betroffen. Japanische Medien gingen von bis zu 13 Millionen defekten Fahrzeugen aus. Einem aktuellen Report der US-Behörde National Highway Traffic Safety Administration zufolge haben die defekten Teile von Takata mutmaßlich bisher mindestens 5 Todesopfer und zahlreiche Verletze gefordert.

Skandal um Beihilfe zur Steuerhinterziehung bringt  HSBC in die Kritik

Dieser Skandal ist noch nicht ausgestanden. Er belastet die Reputation der betroffenen Konzerne weiterhin schwer. Das zeigt ein Blick in auf den aktuellen RRI des Züricher Informationsdienstleisters RepRisk AG. Demnach ist der japanische Airbag-Hersteller Takata das derzeit mit Abstand kontroverseste Unternehmen der Welt. Es folgt die schweizerische Tochter der britischen HSBC-Bank auf dem zweiten Rang. Die Bank  steht seit Februar 2015 im Kreuzfeuer der Kritik, weil sie ihren Kunden mit milliardenschweren versteckten Schwarzgeldkonten Beihilfe zur Steuerhinterziehung leistete. Aufgedeckt wurde der Skandal von Journalisten der Süddeutschen Zeitung des NDR und des WDR anhand von Kunden-Dokumenten der Bank. Auf dem dritten Rang im aktuellen RRI steht Honda. Der Konzern zählt zu den Autoherstellern, die besonders von den Folgen des Takata-Skandals betroffen sind. Und Toyota rief  in diesem Zusammenhang 5,4 Millionen Autos zurück.

RepRisk-Index wertet weltweite Kritik zu Nachhaltigkeitsmängeln aus

Studien wie die der National Highway Traffic Safety Administration und  Berichterstattung darüber sowie Kritik von Nichtregierungsorganisationen, Verbänden oder auch Gerichtsurteile sind eine zentrale Grundlage des RepRisk-Index. Die Datenbank fasst diese kritische Berichterstattung weltweit zusammen. Der Index wertet die Berichterstattung nach sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien aus und leitet daraus das Reputationsrisiko von mittlerweile mehr als 50.000 Unternehmen weltweit ab. Die Skala reicht von 0 bis 100 Punkten (minimales bis maximales Reputationsrisiko).  Dabei unterscheidet der RRI vier Risikoklassen: niedrig (bis 25 Punkte), mittel (bis 50 Punkte) hoch (bis 75 Punkte) und sehr hoch (bis 100 Punkte).
Der aktuelle RRI-Spitzenreiter Takata kommt auf 78 Punkte (Stand 17. März 2015). Die schweizerischen HSBC-Töchter stehen bei 70 beziehungsweise 69 Punkten Honda liegt ebenfalls bei 69 Punkten. Unter den aktuellen Top 15 finden sich außerdem der in einen Korruptionsskandal verwickelte brasilianische Ölkonzern Petrobas, der umstrittene Fahrdienst-App-Anbieter Uber Technologies (mittlerweile in Deutschland verboten, weil die Fahrer keine behördliche Genehmigung haben), die von dem Airbag-Skandal betroffenen Autokonzerne General Motors und Toyota, der Technologiekonzern Alstom, die schweizerische Bank Credit Suisse, der IT-Riese Apple und der Fastfood-Gigant McDonald‘s. McDonald‘s steht unter anderem wegen Arbeitsrechtsverletzungen des größten brasilianischen Franchise-Nehmers in Brasilien in der Kritik. Dieser soll seine Belegschaft unterbezahlt und Überstunden nicht entlohnt haben. Zudem wird McDonald‘s vorgeworfen, über das weit verzweigte Firmennetzwerk in Europa systematisch Gewinne klein gerechnet zu haben, um Steuern in Milliardenhöhe zu sparen. Die Großbank Credit Suisse geriet unter anderem ins Fadenkreuz von  Greenpeace. Die Umweltschützer kritisieren die Bank, weil sie Kreditgeberin der APRIL Group sein soll. Dieser Papierhersteller aus Singapur  ist Greenpeace zufolge eine treibende Kraft hinter der fortschreitenden Waldzerstörung in Südostasien. In der aktuellen Top 15 des RRI sind Banken und Unternehmen aus der Automobilindustrie am stärksten vertreten. Gelistet sind jeweils fünf Vertreter beider Branchen.

Bild: Foto einer aus einer aktuellen Deutschland-Kampagne für einen Burger aus dem Sortiment "Wilde Küche". / Foto: Unternehmen


Kritisierte Konzerne in „grünen“ Aktienindizes

Für nachhaltig orientierte Anleger wird der aktuelle RRI brisant, weil viele der kontroversesten Unternehmen in Nachhaltigkeitsindizes enthalten sind. Das bringt deren Aktien auch ins Portfolio einzelner Nachhaltigkeitsfonds. Dies gilt etwa für die Aktien von Apple, Credit Suisse und HSBC, die allesamt im britischen Nachhaltigkeitsindex FTSE For Good gelistet sind. Und die Aktie der Fastfood-Kette McDonald’s ist in einem Nachhaltigkeitsindex des US-Anbieters MSCI enthalten.

Die Top 15 des RepRisk Index im März 2015

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