Minen von Bergbaukonzernen verwüsten oft ganze Landstriche. Trotzdem setzt der erfolgreichste nachhaltige Aktienfonds des Monats stark auf diese Branche. / Quelle: Fotolia

  Fonds / ETF, Fonds des Monats

Die besten nachhaltigen Aktienfonds im August

Im August haben die meisten nachhaltigen Aktienfonds an Wert verloren. Nur 16 der 140 in Deutschland zugelassenen nachhaltigen Aktienfonds schnitten den vergangenen Monat im Plus ab. Davon verbesserten sich ganze neun um mindestens ein Prozent. Das geht aus unserer Fondsdatenbank ECOfondsreporter hervor. Dagegen verzeichneten 25 Fonds für den August einen Wertverlust von mindestens Prozent, drei gaben sogar um mehr als sechs Prozent nach. Das Schlusslicht des Monats bildete der Ökoworld Growing Market mit einem Minus von sieben Prozent.

Der nachhaltigen Aktienfonds mit der besten Wertentwicklung, der Sunares - Sustainable Natural Resources, verzeichnete ein Plus von fast sieben Prozent. Damit wurde er wie schon im Juli zum Fonds des Monats. Dieser Fonds der Luxemburger Kapitalanlagegesellschaft (KAG) HSBC Trinkaus Investment Managers S.A. ist seit 2008 auf dem deutschen Markt und notiert in Euro. Er verfügt über ein Anlagevolumen von rund 14 Millionen Euro. Er wird von den Anlageberatern Rometsch & Moor Ltd. aus London und Sutterlüty Investment Management GmbH aus Österreich gemanagt, namentlich von zwei Personen: Colin Moor und Udo Sutterlüty. Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 1,85 Prozent. Anfallende Gewinne werden an die Anleger ausgeschüttet.

Allerdings ist die Anlagetsrategie des Sunares aus Nachhaltigkeitssicht durchaus problematisch. Der NameSunares steht für SUstainable NAtural RESources, der Fonds investiert folgerichtig überwiegend in Aktien aus dem Rohstoffsektor. „Wir setzen auf Aktien von Unternehmen mit Bezug zu den Elementen Erde und Wasser“, erläutert Fondsmanager Udo Sutterlüty. Hintergrund sei die Ausrichtung nach den Prinzipien von Ying und Yang in der asiatischen Philosophie, die auf einem Gegensatz dieser beiden Prinzipien basiert. Die Elemente Erde und Wasser stünden für das Yin-Prinzip, die Elemente Feuer und Luft für das Prinzip Yang. “Der Sunares meidet den Bereich des Yang“, so Sutterlüty. Das bedeute zum Beispiel, dass Aktien aus dem Finanzsektor, der das Element Luft repräsentiere, für das Fondsmanagement nicht in Frage kämen. Seit der Aufgabe des Gold-Standards in den 1970er Jahren sei dieser Sektor zu einem Luft-System mutiert und er trage über den Zufluss von Finanzmitteln wesentlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen bei.

Ebenfalls tabu für den Sunares sind Aktien von Unternehmen, die das Fondsmanagement dem Element Feuer zuordnet. Dazu zählen laut Sutterlüty etwa Aktien von Autobauern, vor allem aber Wertpapiere von Firmen aus dem Rüstungssektor. Dazu gehören aber auch wichtige Dienstleister von Militär und Rüstungsfirmen wie der US-amerikanische IT-Riese IBM. „Der Sunares ist in erster Linie ein Antikriegsfonds“, betont der Fondsmanager. Ein herkömmliches Nachhaltigkeitsrating findet bei dem Fonds nicht statt, wie Sutterlüty erklärt. Das Fondsmanagement bewerte selbst die Nachhaltigkeit der Investments. Dass er auf Basis ethischer Grundsätze bestimmte Beteiligungen ausschließt, macht den Sunares zu einem Nachhaltigkeitsfonds, auch wenn seine Titelauswahl in sozialer und ökologischer Hinsicht nicht überzeugen kann.

Denn für einen Nachhaltigkeitsfonds ungewöhnlich ist der mit rund 70 Prozent hohe Anteil an Investments in die Bergbau- und die Metallindustrie, auch Aktien von Unternehmen, die Gold und Uran abbauen, zählen zu den Beteiligungen. Einige der größten Positionen des Sunares sind etwa McEwen Mining, Royal Gold und Alumina Ltd. Über diese Beteiligungen setzt das Fondsmanagement gemäß der Anlagestrategie auf das Element Erde. Sutterlüty räumt ein, dass der Rohstoffsektor große Nachhaltigkeitsprobleme birgt. Das Fondsmanagement bevorzuge aber Titel von den Akteuren, die in Sachen Umwelt und Soziales in ihrer Branche die besten Standards aufweisen. Regional liegt der Fokus des Portfolios mit rund 70 Prozent des Portfolios auf Nordamerika vor Australien mit rund zehn Prozent.

Nach dem Monatssieger hat der Erste Responsible Stock Austria der Erste Sparinvest aus Wien im August am besten abgeschnitten. Er legte 4,5 Prozent zu. Dieser Fonds ist ganz auf Aktien aus Österreich ausgerichtet. Fondsmanager Wolfgang Pinner investiert ausschließlich in österreichische Aktien und orientiert sich bei der Titelauswahl am VÖNIX, dem ersten österreichischen Nachhaltigkeitsindex. Der setzt sich aus 23 Titeln zusammen, die anhand von Nachhaltigkeitsanalysen aus den rund 60 größten österreichischen Unternehmen an der Wiener Börse ausgewählt werden. Die Auswahl erfolgt einmal im Jahr. Träger des VÖNIX ist die VINIS GmbH, eine auf Nachhaltigkeit spezialisierte Tochtergesellschaft der VBV-Pensionskasse AG, mit der die Erste Sparinvest über eine Kooperation verbunden ist. Verantwortlich für die Nachhaltigkeitsanalysen ist die Magister Friesenbichler Unternehmensberatung.

Laut Fondsmanager Pinner basiert die Titelauswahl des Erste Responsible Stock Austria unter anderem auf Ausschlusskriterien wie Rüstung, Nuklearenergie, Glücksspiel oder den ethisch-ökologisch problematischen Einsatz von Gentechnik in Land- und  Viehwirtschaft. Positiv werde es bewertet, wenn Unternehmen ihre Verantwortung in Bereichen wie Arbeitsschutz, Menschenrechte und dem fairen Umgang mit Lieferanten aktiv wahrnehmen. Der Fonds orientiere sich zwar am Vönix, setze aber eigene Schwerpunkte bei der Zusammenstellung des Portfolios.

Zu den aktuell größten Positionen des Fonds gehören die Aktie der Telekom Austria AG, des fast ausschließlich auf Erneuerbare Energien ausgerichtete Versorgers Verbund und des Versicherungskonzerns Vienna Insurance. Eine weitere Top-Position ist die OMV (Österreichische Mineralölverwaltung) AG. Die ist nicht nur das größte börsennotierte Unternehmen Österreichs, sondern auch eines der führenden Erdöl- und Erdgasunternehmen in ganz Europa. Die Titelauswahl nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist also nicht allzu streng. Allerdings beansprucht die OMV für sich, zum Beispiel strenge Auflagen in den Bereichen Arbeitsgesundheit und -sicherheit eingeführt zu haben und sich um die Verringerung der direkten und indirekten Emissionen zu bemühen. Nicht unproblematisch erscheint es zudem, dass der Fonds mit 18 Prozent am stärksten in den Mutterkonzern der Erste Sparinvest investiert ist, der Erste Group Bank AG.

Der Erste Responsible Stock Austria ist seit 2001 auf dem Markt und hat seither ein Volumen von 7,4 Millionen Euro aufgebaut. Die Managementgebühr beträgt 1,5 Prozent.

Die nachhaltigen Aktienfonds mit der besten Wertentwicklung im August

Name

ISIN

Kurs
in EUR

Entwicklung
in %

SUNARES - Sustainable Natural Resources

LU0344810915

   59,37

     6,68

Erste Responsible Stock Austria

AT0000706528

 161,66

     4,48

Meridio GreenBalance

LU0117185156

81,36

     2,64

ÖkoWorld ÖkoVision Europe

LU0309769247

36,76

     2,40

Prime Values Green

LU0470356352

 104,21

     1,44

BayernInvest Aktien Sustainable Value Europa

DE000A0DQCF3

8934,34

     1,43

FG&W Fund - Better World

LU0383804431

258,22

     1,13

Vontobel Fund - Global Responsibility Asia (ex Japan) Equity

LU0384409180

 149,45

     1,11

Superior 4 Ethik - Aktien

AT0000993043

57,70

     1,00

Erste Responsible WWF

AT0000705678

87,80

     0,88



ECOreporter untersucht den Markt der nachhaltigen Geldanlage seit 1997 kontinuierlich. Zunächst im Auftrag des NRW-Umweltministeriums; mittlerweile werden die in der Branche anerkannten Zahlen von ECOreporter.de als ein Ergebnis der eigenen fortlaufenden Marktuntersuchungen veröffentlicht. Als ECOreporter.de 1997 diese Daten erstmals ermittelten, gab es nur zwölf nachhaltige Fonds mit insgesamt lediglich 220 Millionen Euro Volumen. Ende 2012 belief sich das Volumen der 282 nachhaltigen Fonds in Deutschland auf insgesamt 28,1 Milliarden Euro. Unsere Daten zur Wertentwicklung der Fonds stammen in der Regel von den Fondsbörsen.

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