18.01.12 Fonds / ETF , Fonds des Monats

Die besten nachhaltigen Mischfonds im Dezember und Gesamtjahr 2011 – Mehrheit auf Jahressicht schwach


Die Datenbank ECOfondsreporter führt aktuell 35 nachhaltige Mischfonds. Rund 88 Prozent davon haben bis Jahresende 2011 Verluste eingefahren. Die vier größten Verlierer des Jahres büßten zwischen 12,5 und 14,7 Prozent ein. Die  jahresbesten Mischfonds hingegen legten zwischen 0,6 und knapp drei Prozent zu.

ECOreporter.de-Mischfonds des Jahres wurde der Meag FairReturn A. Die Meag Munich Ergo Kapitalgesellschaft aus München hat den Mischfonds 2009 auf den Markt gebracht. Laut ECOfondsreporter verbuchte der MeagFair Return für das Gesamtjahr 2011 rund 4,83 Prozent Wertsteigerung.

Dieser Fonds investiert vor allem in Anleihen, Aktien und Schuldentitel von Unternehmen, die möglichst nachhaltig wirtschaften. Zum 30. Dezember verwaltete der Fonds 121,6 Millionen Euro.  Fondsmanager Marc Decker legt dieses Vermögen weltweit nach dem Best-In-Class-Ansatz an. Dabei stützt er sich auf die Nachhaltigkeitsanalyse der oekom Research AG aus München. Aus 200 Herausgebern von Aktien und Anleihen filtert die Nachhaltigkeitsrating-Agentur diejenigen heraus, die in Ihrer jeweiligen Branche als ökologische oder sozial-ethische Vorreiter gelten können.  Direkt vom Investment ausgeschlossen sind Konzerne aus der Rüstungsindustrie. Ebenfalls tabu sind Firmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes im Bereich grüne Gentechnik erzielen. Diese „Fünf-Prozenthürde“ gilt ebenso für Konzerne die Geld mit Tabakwaren, Alkohol oder Glücksspiel verdienen. Unternehmen, die mit Pornografie zu tun haben, dürfen nicht mehr als zehn Prozent ihres Gesamtumsatzes in diesem Geschäftsfeld erzielen.

Das Nachhaltigkeitsrating bei Staatsanleihen orientiert sich nach den ökologischen Kriterien des Environmental Sustainability Index (ESI) der US-Universitäten Yale und Columbia und des Weltwirtschaftsforums, den Korruptionskriterien des Corruption Perceptions Index der Nichtregierungsorganisation Transperancy International sowie den Demokratiestandards der Freedom House List (FHL). Letztere wird von der gleichnamigen Nichtregierungsorganisation aus Washington herausgegeben.

Den jüngsten verfügbaren Informationen zufolge zählen neben Staatsanleihen und Pfandbriefen Unternehmensanleihen und Aktien von Finanzdienstleistern, Kommunikationsunternehmen und Konzernen aus der Öl- und Gas Branche zu den am stärksten im Portfolio enthaltenen Positionen. Für viele nachhaltige Investoren gelten diese Branchen wegen der starken Umweltbelastungen bei der Öl- und Gasproduktion als nicht nachhaltig. „Die Meag hat sich dazu entschlossen, Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie über den Best-In-Class-Ansatz zu motivieren, nachhaltiger zu wirtschaften“, erklärte dazu Fondsmanager Marc Decker im Opens external link in new windowECOreporter.de-Interview.

Der Aktienanteil soll laut Fondskonzeption nie mehr als 49 Prozent der Gesamtaufteilung ausmachen. Aktuell liegt er bei 13,4 Prozent. Mehr als zwei Drittel des Portfolios besteht  aus Rentenpapieren von europäischen Emittenten. Besonders stark setzt das Fondsmanagement unter anderem auf deutsche und finnische Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten.
 
Aufgelegt wurde der Meag FairReturn im März 2010. Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 0,9 Prozennt.

Der auf Jahressicht zweitstärkste Mischfonds 2011 ist der Fonds für Stiftungen Invesco. Er verteuerte sich auf Jahressicht um 3,01 Prozent auf 54,79 Euro. Den jüngsten verfügbaren Informationen zufolge verwaltet der Fonds 15,5 Millionen Euro.  Im dritten Quartal 2011 wurde der Fonds mit einem weiteren nachhaltigen Mischfonds aus dem Hause Invesco verschmolzen (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete). Diese Zusammenführung brachte nach Angaben der Initiatorin Kapitalgesellschaft Invesco KGA drei Millionen Euro in den Fonds ein.

Das Anlagekapital investiert er weltweit in Anleihen und Aktien von Staaten und Unternehmen. Im Fondskonzept ist festgelegt, dass der Aktienanteil im Portfolio zwischen minimal 30 und maximal 50 Prozent betragen darf. Stand Ende 2011 setzen die Fondsmanager Manuela von Ditfurth (verantwortlich für Aktien) und Robert Neilson (verantwortlich für Anleihen) zu 38,4 Prozent auf Aktien und zu 37,9 auf Anleihen von Staaten und Unternehmen. Mit 23,7 Prozent war die Barmittelreserve die größte Position im Portfolio.

Regionale Schwerpunkte setzt der Fonds für Stiftungen Invesco auf Europa und Nordamerika: 38,4 Prozent aller im Fonds enthaltenen Wertpapiere stammen von Emittenten aus Europa, 28,4 Prozent entfallen auf Herausgeber aus den USA und Kanada. Japan macht mit 5,1 Prozent ein drittes großes regionales Standbein des Fonds aus.  Der große Europa-Anteil rührt vor allem von den Rentenpapieren im Fonds her. Besonders stark im Portfolio vertreten sind vor allem deutsche Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten (knapp 21 Prozent) und Staatsanleihen aus Polen (rund sechs Prozent) sowie den Niederlanden (4,4 Prozent).

Für die Nachhaltigkeitsanalyse ist der Initiatorin zufolge die Londoner Agentur Eiris verantwortlich. Vom Investment ausgeschlossen sind Unternehmen, die mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes mit Atomkraft erwirtschaften, Pestizide herstellen oder ozonschädliche Chemikalien produzieren. Ebenfalls tabu sind Firmen sobald sie mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit Glücksspiel oder in der Tabakindustrie erzielen. Generell als nicht investierbar eingestuft sind Unternehmen aus der Waffen- und Pornoindustrie. Gleiches gilt für Konzerne, die Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen wie Kinder- und Zwangsarbeit dulden.

Anders als manch anderer Nachhaltigkeitsfonds legt der Fonds für Stiftungen Invesco in der Öl- und Gasindustrie Geld an. Zum 30. Dezember machte diese Branche mit 6,4 Prozent sogar den größten sektoralen Schwerpunkt im Portfolio aus. Außerdem setzt der Fonds stark auf Banken und Arzneimittelhersteller. Die aus Nachhaltigkeitssicht von vielen Experten ebenfalls kontrovers gesehene Metall- und Bergbaubranche spielt mit 3,2 Prozent ebenfalls eine größere Rolle im Portfolio.

Zu den größten Aktienpositionen zählen der Arzneimittelhersteller Eli Lilly sowie der Öl- und Gasspezialist Marathon Oil, beide aus den USA. Ely Lilly aus Indianapolis ist nach eigenen Angaben in 138 Ländern aktiv und zählt zu den weltgrößten Pharmakonzernen. Der Fonds für Stiftungen Invesco setzt zu knapp 2,1 Prozent auf Eliy Lilly-Aktien. Die Marathon Oil Corporation produziert und vermarktet im Kerngeschäft Öl aus Sand und Erdgas. Außerdem fördert das Unternehmen aus Houston in Texas Öl in Angola, Kanada, Äquatorialguinea, Libyen, Norwegen, Indonesien, Großbritannien und den USA. Ungeachtet des Bürgerkrieges in Libyen war Marathon Oil dort 2011 aktiv geblieben. Rund zwei Prozent aller im Fondsportfolio enthaltenen Aktien stammen von Marathon-Oil.

Die Kapitalgesellschaft Invesco hat den Fonds 2003 auf den Markt gebracht. Vertrieben wird das an Stiftungen und ähnliche Investoren gerichtete Beteiligungsangebot von der Bank im Bistum Essen. Der Einstieg ist ab 10.000 Euro möglich. Jährlich werden 0,95 Prozent der jeweiligen Anlagesumme als Verwaltungsgebühr fällig.

Die besten nachhaltigen Mischfonds im Gesamtjahr 2011

Name

ISIN

Kurs
in EUR

Entwicklung
12 Monate
in %

Meag FairReturn A


DE000A0RFJ25

54,60

4,83

Fonds für Stiftungen  Invesco

DE0008023565

54,79

3,01

Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Yield

LU0288151409

110,32

2,25

Swisscanto (LU) Capital Protect Green Invest 2015

LU0338547812

85,41

0,59

Dexia Sustainable European Balanced Low

BE0159412411

3,60

-1,1

Prime Values Income

AT0000973029

127,57

-1,74

Liga Pax Balance Stiftung-Stiftung-Union

DE0005314215

26,69

-1,92

BNP Paribas L1 Sustainable Diversified Europe Stability C

LU0087047089

323,84

-2,21

WestLB Mellon WerteFonds

DE0007045148

97,19

-2,33

Deka Stiftungen Balance

DE0005896864

54,45

-2,44


Bezogen auf den Dezember 2011 zeigten die meisten nachhaltigen Mischfonds eine solide Wertentwicklung. 62 Prozent aller Fonds dieser Kategorie legten in diesem Zeitraum ein Prozent oder mehr zu, Die Verluste der auf Monatssicht schwächsten fünf nachhaltigen Mischfonds lagen zwischen 0,1 und 3,76 Prozent.

Mit 4,55 Prozent Wertsteigerung Monatsbester im Dezember 2011 ist der Pioneer Funds Austria -  Ethik Fonds. Das aktuell im Fonds verwaltete Vermögen beläuft sich auf 20,5 Millionen Euro. Das Fondsmanagement setzt im Verhältnis drei zu eins auf Rentenpapiere und Aktien aus aller Welt. Ein Teil des Fondsvermögens kann auch als Barmittelreserve gehalten werden. Aktuell besteht das Portfolio zu 67,4 Prozent aus auf Euro lautenden Anleihen und zu 31,7 Prozent aus Aktien. 0,7 Prozent entfallen auf Barmittel und sonstige Finanzinstrumente.

In Puncto Nachhaltigkeit verfolgt der Fonds laut der Initiatorin den Best-Of-Classes-Ansatz. Das heißt, Wertpapiere ökologisch, und oder sozial-ethisch besonders problematischer Branchen, wie Rüstung, Atomkraft sowie Alkohol-, Porno- oder Tabakindustrie sind per se ausgeschlossen. Dies gilt auch, wenn die Emittenten innerhalb ihres Sektors im Vergleich die beste Nachhaltigkeitsleistung zeigen. Im Bezug auf Staatsanleihen sind die Papiere von autoritären Regimen, Staaten in denen die Todesstrafe praktiziert wird und auch von Nicht-Unterzeichnern des Klimaschutzprotokolls von Kyoto für den  Pioneer Funds Austria -  Ethik Fonds tabu. Unternehmen oder Staaten, die auf Erneuerbare-Energien setzen, Umweltstandards einführen oder vorbildliches soziales Engagement zeigen, sammeln bei der Nachhaltigkeitsanalyse von E.Capital-Partners Pluspunkte.

Obwohl Pioneer Investments Austria nach eigenen Angaben für den Pioneer Funds Austria -  Ethik Fonds den Best-Of-Classes-Ansatz verfolgt,  investiert der Fonds auch stark in Konzerne aus der Öl- und Gasindustrie. Dies gelte allerdings nur für Unternehmen, die sich von E.Capital-Partners als Nachhaltigkeitsführer ihrer Branchen eingestuft werden. Unter den aktuellen Top10-Investments finden sich  mit Apple (1,1 Prozent) und Shell (0,5 Prozent) zwei Börsenschwergewichte, in den vergangenen zwei Jahren wegen massiver Umweltschädigung in Afrika (Shell) und fragwürdiger Arbeitsbedingungen bei Zulieferern in Asien immer wieder in der Kritik standen (Hintergründe zur Kontroverse rundum Shell lesen sie Opens external link in new windowhier. Mehr zum Fall Apple finden Sie Opens external link in new windowhier).

Im Hinblick auf Branchen setzt das Fondsmanagement allgemein stark auf Unternehmen aus der IT- und Kommunikationsbranche,  Finanzdienstleister und Konsumgüterhersteller.  Dazu zählen  unter anderem Anteilsscheine der britischen Vodafone sowie AT & T, Microsoft und Proctor & Gamble aus den USA.

Regional betrachtet ist der Fonds klar auf Europa und die USA  fokussiert: Während das Gros der Anleihen von europäischen Emittenten stammt, sind die mit 14,8 Prozent am stärksten im Portfolio vertretenen Aktien von US-Unternehmen. 

Die Initiatorin Pioneer Investments Austria brachte den Fonds bereits vor 25 Jahren, im November 1986 auf den Markt. Die Managementgebühr beläuft sich auf 0,9 Prozent.

Die besten nachhaltigen Mischfonds im Dezember 2011


Name

ISIN

Kurs
in EUR

Entwicklung
12 Monate
in %

Pioneer Funds Austria - Ethik Fonds  A

AT0000857164

4,39

4,55

Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Yield

LU0288151409

110,32

3,15

BNP Paribas L1 Sustainable Diversified Europe Stability C

LU0087047089

323,84

2,73

Swisscanto (LU) Portfolio Fund (Eur) Green Invest Balanced

LU0208341536

     86,92

2,61

Fonds für Stiftungen Invesco

DE0008023565 

54,79

2,15

First Nachhaltigkeit Wachstum PI 

DE000A0M03X1

47,11

2,12

First Nachhaltigkeit Balance PI 

DE000A0M0307

46,10

2,08

Dexia Sustainable European Balanced Low

BE0159412411

3,60

1,99

BNP Paribas L1 Strategy Growth SRI Europe D

LU0087047592

148,95

                           1,98

BNP Paribas L1 Sustainable Diversified Europe Balanced C

LU0087046354

274,62

1,89


Die zweitbeste Wertentwicklung im Dezember 2011 weist der Swisscanto Portfolio Fund Green Invest Yield auf. Er gewann in dieser Zeit 3,15 Prozent und beschloss das Handelsjahr 2011 bei 110,32 Euro. Der Mischfonds 2007 wurde von der Investmenttochter der schweizerischen Kantonalbank Swisscanto aufgelegt.

Stand 30. Dezember 2011 verwaltet der Fonds knapp 24 Millionen Euro. Der Fonds investiert weltweit in Aktien, Obligationen und Geldmarktinstrumente, deren Herausgeber der Analyse der schweizerischen Nachhaltigkeitsagentur Inrate standhalten. In der Anlagestrategie ist festgelegt, dass sich der Aktienanteil ständig zwischen 10 und 30 Prozent liegen muss.

Der von den Swisscanto-Nachhaltigkeitsexperten zusammengestellte Pool aus Aktien und Anleihen, die für den Fonds als investierbar gelten, wird von der schweizerischen Umweltschutzorganisation WWF kontrolliert. Grundsätzlich ausgeschlossen sind Beteiligungen aus den Bereichen medizinische Gentechnik embryonale Stammzellenforschung, Atomkraft, Luftfahrt (Arline-Betrieb und Flugzeugbau), Rüstung und aus der Tabakindustrie. Gleiches gilt für Unternehmen oder Staaten, die mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen. Emittenten die sich im Bezug auf die Nutzung alternativer Energien, der Umsetzung sozial-ethischer Werte und Umweltschutz positiv hervortun, werden positiv bewertet.

Neben öffentlichen Anleihen (33,8 Prozent) sind Dienstleister aus der Finanz- (50,4 Prozent) und der Telekommunikationsbranche (3,6 Prozent) stark im Portfolio enthalten.  Größte Position ist den jüngsten verfügbaren Daten zufolge der hauseigene Aktienfonds Swisscanto (CH) Equity Fund Greeninvest mit knapp 17 Prozent. Dieser in Schweizer Franken notierende Nachhaltigkeitsfonds setzt auf ein weltweit gestreutes Portfolio. Außerdem sind unter anderem deutsche und niederländische Staatsanleihen stark im Portfolio vertreten.

Der regionale Fokus liegt auf Wertpapier-Emittenten aus Europa vor allem aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich. Der Euro ist mit 52,5 Prozent die stärkste Fondswährung vor dem Schweizer Franken (23,9 Prozent) und dem US-Dollar (8,7 Prozent). 
Als Verwaltungsgebühr veranschlagt die Fondsinitiatorin 1,30 Prozent bezogen auf das eingesetzte Kapital.


Die den Auswertungen zugrundeliegenden Daten beruhen in der Regel aus Aktualitätsgründen auf den Kursen der Fondsbörsen.
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