27.10.09

Die DZ Bank setzt auf ‚grüne’ Zertifikate – ist das ÖkologieAktiv Pro Indexzertifikat ein überzeugender Anfang?



Die DZ Bank, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank mit Hauptsitz Frankfurt, will auf steigende Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen mit „grünen“ Zertifikaten reagieren. Mit dem Indexzertifikat ÖkologieAktiv Pro ist nun das erste Produkt in der Zeichnungsphase. „Das neue Anlagekonzept bildet den Grundstein für ein umfassendes Produktangebot“, erläutert Peter Schirmbeck, Bereichsleiter Privatkundengeschäft der DZ Bank. „Wir gehen davon aus, in fünf Jahren bis zu 20 Prozent unseres Zertifikateabsatzes mit nachhaltigen Produkten zu erzielen.“ Das Indexzertifikat ÖkologieAktiv Pro soll ihm zufolge wie die übrigen Zertifikate der Produktlinie ‚Anlage Zukunft’ auf Aktien „von verantwortungsvollen und gleichzeitig ertragreichen Unternehmen basieren, deren Geschäft auf Zukunftstechnologien fußt“, so Schirmbeck weiter. Die Zeichnungsfrist für das ÖkologieAktiv Pro Zertifikat  reicht vom 5.10. bis 6.11.2009. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbefristet. Die Börseneinführung ist für Frankfurt und Stuttgart geplant. Die Börsennotierung und damit die erst Kursfeststellung soll am 13.11.2009 erfolgen.

Der Ansatz

Das Wertpapier bildet 1:1 die Wertentwicklung des neuen DZ Bank ÖkologieAktiv Index ab. Dieser Performanceindex besteht aus mindestens 8 bis maximal 20 Aktien von Unternehmen, die in den Bereichen Regenerative Energien / Energieeffizienz, Wassereffizienz / Wasseraufbereitung, Recycling & Abfallmanagement / Emissionsreduktion oder weiteren ökologischen Sektoren aktiv sind. Die Gewichtung der einzelnen Titel darf nicht über 15 Prozent liegen. Bei der erstmaligen Zusammensetzung des Index am 9.11.2009 werden alle berücksichtigten Wertpapiere gleichgewichtet in den Index aufgenommen. Die Zusammensetzung des Index werde mindestens viermal im Jahr überprüft und gegebenenfalls angepasst, erklärt dazu Silvia Conesa, Pressesprecherin der DZ Bank.

Auswahlkriterien

Wie werden die Aktien ausgesucht? Laut Conesa wählt eine Nachhaltigkeitsagentur zunächst 400 besonders ökologisch und sozial arbeitende Unternehmen aus. In einem zweiten Schritt prüft das Aktienresearch der DZ Bank, ob die Unternehmen mindestens mit „Kaufen“ oder „Halten“ zu bewerten sind. Die Fondsexperten von Union Investment selektieren in einem dritten Schritt Unternehmen aus den genannten ökologischen Sektoren, die sie positiv bewerten.

Das Auswahlverfahren hat Conesa zufolge dazu geführt, dass der Index zunächst nur acht Titel enthält. Es handelt sich um die beiden Solarkonzerne SolarWorld aus Bonn und SunPower aus Kalifornien, den spanischen Windturbinenbauer Gamesa, den Grünstromprojektierer EDP Renovaveis, eine Tochtergesellschaft des portugiesischen Energieversorgers Energias do Portugal,  den Wiener Kartonhersteller Mayr-Melnhof und drei Wasseraktien: den Schweizer Sanitärtechnik-Anbieter Geberit AG und die Wasseraufbereiter Kurita Water (Japan) und Calgon Carbon (USA).

Kosten

Für das Zertifikat erhebt die DZ Bank eine jährliche Managementgebühr in Höhe von bis zu 1,75 Prozent des Indexkurses. Banksprecherin Conesa wies aber auf Nachfrage darauf hin, dass derzeit nur 1,3 Prozent erhoben werden und aller Voraussicht nach die Gebühr auf diesem Niveau bleibe. Der Ausgabeaufschlag für das Wertpapier beträgt 2,5 Prozent. Es besteht kein Anspruch auf laufende Ausschüttungen aus dem Basiswert, also etwa Dividendenzahlungen. Das Kapital wird zu 100 Prozent in die Aktien im Index investiert.

Transparenz

Die Zusammensetzung des DZ Bank ÖkologieAktiv Index soll tagesaktuell unter Opens external link in new windowwww.akzent-invest.de dokumentiert werden.

Innovation

Bei diesem Produkt handelt es sich um ein standardisiertes Index-Zertifikat. Vergleichsweise aufwändig ist das Verfahren der Titelauswahl, die sich nicht mit einer reinen Auswahl nach Themen begnügt, sondern über verschiedene Filter die sozial, ökologische und finanzielle Nachhaltigkeit der Unternehmen überprüft.

Ökologische / Soziale Wirkung

Generell ist die ökologische Wirkung von Zertifikaten gering. Die ausgewählten Unternehmen im Aktienkorb könne als nachhaltig gelten – aber ihnen kommt das Geld der Anleger nicht zugute. Immerhin könnte es den Anlegern ein besseres Gewissen bescheren, dass er die Entwicklung seiner Anlage an die Kursentwicklung von Unternehmen koppelt, die laut der DZ Bank in Sachen Nachhaltigkeit überzeugen.

Chancen/Risiken

Aktien aus dem Bereich Erneuerbare Energien sind schwankungsanfällig. Deutliche Bewegungen der Wertentwicklung des Aktienkorbes sind zu erwarten, nach unten wie nach oben. Auf lange Sicht spricht aber vieles dafür, dass die Unternehmen in der Auswahl eine positive Entwicklung zeigen. Alle aktuell acht Titel verfügen in ihrer Branche über eine führende Position und haben die Finanzkrise recht gut überstanden. Das kann als Beleg dafür gelten, dass diese Unternehmen eine gute Substanz haben.

Doch es gibt keine Garantien für den Erfolg dieser Gesellschaften, auch wenn viele Experten davon ausgehen, dass nachhaltige Unternehmen wirtschaftliche Vorteile haben. Da die Laufzeit unbegrenzt ist, können Anleger mit langem Atem Schwächeperioden aussitzen. Das Risiko von Verlusten müssen sich Anleger jedoch bewusst machen. Zumal es keine Kapitalgarantie gibt, der vollständige Verlust des eingesetzten Kapitals also möglich ist.

Immerhin besteht bei diesem Wertpapier im Gegensatz zu manch anderem Zertifikat kein Emittentenrisiko. Denn die DZ Bank ist der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR) angeschlossen.

Fazit

Das Zertifikat auf den ÖkologieAktiv Index der DZ Bank punktet mit einer überzeugend nachhaltigen Ausrichtung der Titelauswahl. Der Aktienkorb enthält wachstumsstarke Unternehmen mit vor allem langfristig starker Perspektive. Für Anleger, denen das Investment in Einzeltitel zu gewagt erscheint und die das Anlagerisiko streuen möchten, ist dieses Produkt eine nähere Betrachtung wert.


ÖkologieAktiv Pro
WKN: AK0EVT
ISIN: DE000AK0EVT3
Laufzeit: unbegrenzt
Börsennotiz: Frankfurt, Stuttgart

Sicherheitshinweis für das Investment in Zertifikate

Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen der Bank, die das Wertpapier emittiert. Das bedeutet, dass der Anleger sein eingesetztes Kapital verliert, sollte die Emittentin in Konkurs gehen. Das unterscheidet Zertifikate etwa von Fonds. Diese sind Sondervermögen der Banken und werden nur von ihnen verwaltet. Auch bei einer Insolvenz bleiben die Fondsanteile Eigentum der Anleger.

Daher ist die Bonität der Emittentin ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Zertifikats. So sollten Anleger solche Wertpapiere nicht nur von einer einzigen Bank erwerben, sondern das Risiko streuen. Wie schnell aus dem potentiellen ein reales Risiko werden kann, zeigte im Frühjahr 2008 der Fall der US-amerikanischen Großbank Bear Stearns. Das traditionsreiche Unternehmen geriet im Zuge der Finanzkrise in den USA binnen kurzer Zeit in wirtschaftliche Not und setzte den Handel seiner Zertifikate vorübergehend aus. Nur mit Not konnte die Bank die Pleite abwenden.

Ein weiterer Schwachpunkt von Zertifikaten ist die Preisbildung. Der Preis orientiert sich hier nicht unbedingt am Basiswert, zum Beispiel dem zu Grunde liegenden Index. Vielmehr ist die Bonität der Emittentin für die Wertbestimmung der Papiere im Markt mitentscheidend. Wenn die emittierende Bank ins Trudeln gerät, stellt sie keine Preise mehr. Die Anleger können dann ihre Zertifikate nicht verkaufen, selbst dann nicht, wenn die Papiere über Börsen handelbar sind.
Bildhinweis: Windpark mit Anlagen von Gamesa, einer Position im Aktienkorb des Zertifikates der DZ Bank. / Quelle: Unternehmen
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