06.08.12 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

„Die finanzielle Beteiligung der Bürger am Ausbau der Erneuerbaren schafft Akzeptanz“ - ECOreporter.de-Interview mit Alexander Koffka, ABO Wind AG

Am 29. September 2012 findet in Hamburg die Messe 'Grünes Geld' statt. Der Eintritt zu der Ausstellung mit Kongress ist kostenlos. Dort stellen Anbieter nachhaltiger Investments die ganze Vielfalt dieses Anlagesegments vor: vom fest verzinsten Genussschein für Erneuerbare-Energie-Kraftwerke über Windfonds bis zu Bürgersolarprojekten. Der Eintritt ist kostenlos.

Zu den Ausstellern zählt auch die ABO Wind AG. konzipiert und baut europaweit Windkraftanlagen. Pressereferent Alexander Koffka erklärt im ECOreporter.de-Interview unter anderem, wie sich die Euro- und die Bankenkrise auf das Geschäft mit Windparks auswirkt und welche Herausforderungen Projektierer in Auslandsmärkten meistern müssen.

Mehr über die Messe 'Grünes Geld' in Hamburg erfahren Sie Opens external link in new windowhier.

ECOreporter.de: Die Euro- und die Bankenkrise ist in aller Munde. Inwiefern belastet diese Krise die Geschäfte der Abo Wind AG? Ist es zum Beispiel schwieriger oder aufwändiger geworden, Windparks zu finanzieren?

Alexander Koffka: Die Windpark-Finanzierung in Deutschland bleibt von den Krisen bislang unbelastet. Für deutsche Projekte profitieren wir im Gegenteil von sehr niedrigen Zinsen. In anderen Ländern sieht das zum Teil anders aus. Um für unsere irischen oder bulgarischen Projekte Finanzierungen zu erwirken, müssen unsere Kaufleute deutlich härter arbeiten. Noch schmerzhafter sind die Risikoaufschläge der Banken.

ECOreporter.de: Ihr Unternehmen ist auch im Ausland aktiv. Inwiefern müssen Sie sich dort auf andere Marktbedingungen einstellen, wo liegen die Vorteile und inwiefern binden Sie Partner vor Ort in Auslandsprojekte ein?

Koffka: Wir agieren in den verschiedenen Märkten mit unterschiedlichen Konzepten. In Irland zum Beispiel ist ein Großteil der Netzanschlusskapazitäten für die nächsten Jahre bereits an in Planung befindliche Projekte vergeben. Um dort kurz- und mittelfristig Windparks zu realisieren, haben wir Projekte von kleineren Entwicklern übernommen, die sich schwer taten, selbst eine Finanzierung zu bekommen. Wir akquirieren dort auch selbst neue Projekte. Diese Windparks lassen sich aber erst langfristig realisieren.
In einigen Ländern wie Spanien ist es notwendig, mit einem prinzipiell anderen Geschäftsmodell als in Deutschland zu agieren. Dort kommt es darauf an, mit möglichst großen Unternehmen vor Ort Partnerschaften zu vereinbaren, um Genehmigungen zu erhalten.    

ECOreporter.de: In Deutschland engagieren sich verstärkt Stadtwerke im Bereich der Erneuerbaren Energien. Wie erklären Sie sich das? Inwiefern arbeitet Abo Wind mit Stadtwerken zusammen?

Koffka: Der Ausstieg aus der Atomkraft und der Ausbau der Erneuerbaren bieten den Stadtwerken die Möglichkeit, stärker an der Stromerzeugung zu partizipieren als in der Vergangenheit. Das Bewusstsein für die mit der Dezentralisierung verbundenen Chancen ist mittlerweile sehr ausgeprägt. Einige Stadtwerke haben zudem erkannt, dass die Kooperation mit einem erfahrenen Projektentwickler vorteilhaft ist. Eigene Kapazitäten für die Windkraftplanung aufzubauen, wäre mit großem zeitlichen Aufwand verbunden. Wir arbeiten bei der Flächenakquise mit Stadtwerken zusammen, die regional gut vernetzt sind. Davon profitieren beide Seiten. Die Frankfurter Mainova hat sich zusätzlich mit einem Anteil von zehn Prozent an ABO Wind beteiligt. Das zeugt von der Zufriedenheit des Partners mit der Qualität unserer Arbeit.  

ECOreporter.de: Mit welcher Geschäftsentwicklung rechnet Ihr Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr, was wird diese prägen?

Koffka: Die Energiewende in Deutschland prägt unser Geschäft sehr vorteilhaft. Auch Frankreich, unser zweitwichtigster Markt, hat nach einer Durststrecke deutlich an Dynamik gewonnen. Schwieriger sieht es derzeit in Spanien und Argentinien aus. In diesen Ländern agieren wir mit gedrosseltem Aufwand, weil sie kurzfristig nicht zum unternehmerischen Erfolg beitragen können. Dort brauchen wir einen längeren Atem. Insgesamt zeichnet sich ab, dass 2012 für uns ein noch besseres Jahr wird als das bereits gute 2011.

Bildhinweis: Aufbau einer Anlage für ein Projekt der Abo Wind AG. / Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de: Die Energiewende kommt in Deutschland nur schleppend voran. Wie bewerten Sie die Entwicklung und welche Auswirkungen hat diese auf die Abo Wind AG?

Koffka: Unsere tägliche Arbeit wird von der Begeisterung für Windkraft beflügelt, die in vielen Regionen neuerdings das Handeln der politisch Verantwortlichen prägt. Von "schleppend" kann dabei keine Rede sein. Bei der Projektierung neuer Windparks profitieren wir jedenfalls sehr von dem gesellschaftlichen Konsens zur Energiewende. Entscheidend ist, dass die im Erneuerbaren Energie Gesetz gesetzten Bedingungen - also der Einspeisevorrang sowie eine auskömmliche Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien - erhalten bleiben. Windkraft an Land ist die günstigste Form, um klimafreundlich Strom zu erzeugen. Daher sind wir zuversichtlich, dass der Gesetzgeber den weiteren Ausbau dieser akzeptierten und ausgereiften Technik ermöglichen wird.

ECOreporter.de: Warum bringt ABO Wind Beteiligungsangebote auf den Markt? Was wird mit dem Anlegerkapital finanziert?

Koffka: Die finanzielle Partizipation der Bürger am Ausbau der Erneuerbaren schafft Akzeptanz und stellt die Energiewende auf eine noch breitere gesellschaftliche Basis. Mit der von ABO Wind gegründeten Bürgerwindaktie ABO Invest hat jeder die Möglichkeit, Miteigentümer eines wachsenden Portfolios aus Windparks in verschiedenen europäischen Ländern zu werden. Rund 1.500 Anleger haben sich bislang beteiligt. Je mehr neue dazu kommen, umso schneller wächst der Bestand an Windparks. Ziel ist eine gleichmäßige Kurssteigerung der Aktie um acht Prozent jährlich. Das ist bislang hervorragend gelungen.

ECOreporter: Herr Koffka, vielen Dank für das Gespräch!
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