Rund 70 Prozent ihres Grünstroms erhält die Naturstrom AG aus Wasserkraft. / Quelle: EDP

  Erneuerbare Energie, Anleihen / AIF

„Die Grunddividende unserer Genussrechte beträgt vier Prozent“ - Interview mit Thomas E. Banning, Naturstrom AG, Teil 2

Am 24. August findet die Hauptversammlung des Düsseldorfer Grünstromanbieters Naturstrom AG statt. Unter anderem über Anlageprodukte des Unternehmens und dessen Biogas-Angebot sprachen wir in der Fortsetzung unseres Interviews mit Vorstandschef Thomas E. Banning. Per Mausklick (Link entfernt)gelangen Sie zum 1. Teil dieses Interviews.

ECOreporter.de: Inwiefern können Anleger sich an der Naturstrom AG oder an ihren Projekten beteiligen?

Banning:  Anleger können selbstverständlich Aktien an der Naturstrom AG erwerben, wenn Aktionäre sich gelegentlich von ihren Anteilen trennen wollen. Dafür gibt es allerdings keinen börsennotierten Handel – den wollen wir auch nicht, da er die Gefahr einer feindlichen Übernahme deutlich erhöhen würde.
Darüber hinaus besteht immer wieder die Möglichkeit, sich an von der Naturstrom AG projektierten und betriebenen Ökostrom-Kraftwerken zu beteiligen. Die Beteiligung erfolgt in solchen Fällen zumeist über eine Kommanditeinlage bei einer Projektgesellschaft in Form einer GmbH & Co KG. An dieser Gesellschaft ist die Naturstrom AG selbst als Kommanditistin beteiligt und gewährleistet somit langfristige Stabilität.
So werden sich voraussichtlich ab dem vierten Quartal Interessenten an der Bürgerenergie Merkendorf GmbH & Co. KG beteiligen können, die eine vor kurzem in Betrieb genommene Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von 5,75 MW betreibt. Eine Beteiligung soll ab 10.000 Euro möglichsein, die Betreibergesellschaft rechnet mit einer voraussichtlichen Rendite von 5 Prozent.

ECOreporter.de: Wie hat sich die Verzinsung Ihrer Genussrechte entwickelt?

Banning: Dank der sehr erfreulichen Entwicklung der Naturstrom AG wurde die in Aussicht gestellte Grunddividende in Höhe von 4,0 Prozent bislang immer ausgeschüttet. Ab 2017 winkt nach dem Ende der Bindungsfrist eine zusätzliche variable Dividende von weiteren bis zu 4,0 Prozent, so dass die Anleger eine Dividende von bis zu 8,0 Prozent erzielen können. Wie bei Genussrechten immer der Fall, ist die Auszahlung der Dividende abhängig von der Erzielung ausreichend hoher Jahresüberschüsse.

ECOreporter.de: Woher stammt der Grünstrom von Naturstrom? Welche Bereiche stellen den größten Anteil und warum?

Banning:  Bekanntermaßen beliefern wir als Pionier seit 2008 unserer Kunden überwiegend mit Strom aus EE-Anlagen in Deutschland, die ansonsten gemäß EEG einspeisen und abrechnen würden. So stammte unser Naturstrom in 2012 zu gut 30 Prozent aus Windenergie und zu rund 70 Prozent aus Wasserkraft. Das dürfte der höchste Anteil von Windstrom unter allen bundesweit verfügbaren Tarifen sein.
Wir beziehen den Strom bei fast 200 Betreibern kleinerer bis mittelgroßer Ökostrom-Kraftwerke in Deutschland, die restlichen Strommengen ergänzen wir aus österreichischer Wasserkraft. Durch den Verkauf ihres Ökostroms an uns erhalten die Betreiber statt der EEG-Vergütung einen Marktpreis von uns – mit diesem besonders anspruchsvollen  Stromeinkauf bringen wir die dringend benötigten Systemintegration Erneuerbarer Energien voran.

ECOreporter.de: In welchem Umfang können Sie Ihren Kunden Gas wirklich zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen anbieten? Wie funktioniert das und welche Schwierigkeiten müssen dabei überwunden werden? Welche Perspektiven hat die Versorgung mit regenerativ erzeugtem Gas in Deutschland?

Banning:  Mehr als 9.000 Haushalte und einige kleinere Gewerbe beziehen mittlerweile unser Biogas, wobei rund 70 Prozent den Tarif mit einer Biogasbeimischung von 10 Prozent wählen. Für 100 Prozent Biogas entscheiden sich sechs Prozent der Kunden. Das Biogas beziehen wir aktuell ausschließlich aus Reststoffen – zum weit überwiegenden Anteil von einer Klärgasanlage in Hamburg. Diese Anlage bereitet die ohnehin bei der Klärung des Abwassers anfallenden Faulgase auf Erdgasqualität auf. Im verstärkten Einsatz von Reststoffen wie beispielsweise Klärgas, Abfällen der Lebensmittelindustrie oder auch Landschaftspflegematerial sehen wir einen gangbaren Weg, Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz in der Biogasproduktion in Einklang zu bringen und den Konflikt um die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zu reduzieren.
Der Biogas- steht im Vergleich zum Ökostrommarkt aufgrund der späteren Liberalisierung noch relativ am Anfang. Uns ist es wichtig, genau wie beim Ökostrom auch in diesem Mark mit einem qualitativ führenden Produkt vertreten zu sein.

ECOreporter.de: Herr Banning, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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