Die HSBC-Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe: Garant gegen den Werteverfall

Erinnern Sie sich noch? Vor zwei Jahren war der Klimawandel in aller Munde. Damals entdeckte auch die Finanzbranche das Thema für sich. Es kamen viele Anlageprodukte auf den Markt gebracht, die versprachen, Investoren am Aufschwung für Klimaschutz-Technologien zu beteiligen. Die Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG aus Düsseldorf startete im Mai 2007. Wie hat sich das Wertpapier seither entwickelt? Wie sind die weiteren Aussichten? ECOreporter.de hat das Produkt unter die Lupe genommen.

Der Ansatz
Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert: Bei der Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe handelt es sich um ein Zertifikat. Laut Heiko Weyand, HSBC Direktor der Abteilung Marketing Retail Products, heißt es Anleihe, da es über einen Kapitalschutz verfügt und eine mögliche Zinszahlung enthält. Außerdem gebe es kein Währungsrisiko. Das Zertifikat beruht auf 15 Aktien, die vom Trend zu mehr Klimaschutz profitieren sollen.

Seit der Emission (zu 100 Euro) 2007 sackte das Wertpapier zwar zunächst mehr und mehr bergab, besonders während der allgemeinen Kursstürze 2008. Mit rund 85 Euro erreichte das Zertifikat im Oktober 2008, nachdem die Pleite von Lehman Brothers weltweit massive Kursabstürze ausgelöst hatte, seinen Tiefpunkt. Allerdings: Im Vergleich zu vielen Aktien aus dem Bereich der Klimaschutztechnologien und auch gemessen an vielen Fonds, die auf Umwelttechnologieaktien setzen, steht die Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe nicht schlecht da. Ein Wertverlust von rund 15 Prozent kann sich durchaus sehen lassen. Vor allem im Vergleich mit nachhaltigen Aktienfonds. Die verloren 2008 im Schnitt 44 Prozent! Und im November 2008 setzte das Papier zu einer Erholung an, die seither andauert. Das unter anderem an den Börsen Frankfurt und Stuttgart gehandelte Zertifikat notierte gestern bereits bei einem Briefkurs von 94,68 Euro und bei einem Geldkurs von 93,68 Euro. Der Spread beträgt 1 Prozent.

Weyand verweist darauf, dass die Zeichner der Anleihe die bisherige Wertentwicklung des Zertifikats durchaus entspannt verfolgen konnten. Denn die zu 100 Euro je Stück ausgegebene Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe werde in jedem Fall bei ihrer Fälligkeit im Mai 2011 zu 100 Euro zurückgezahlt. Er ist aber zuversichtlich, dass das Zertifikat bis zum Ende der vierjährigen Laufzeit noch an Wert gewinnt. Wenn der neue US-Präsident Obama wie angekündigt für einen Anschub der Klimaschutztechnologien in den Vereinigten Staaten sorge, werde dies die Geschäfte vieler in dem Sektor tätigen Unternehmen beflügeln. „Diese Entwicklungen könnten sich positiv auf die entsprechenden Aktienkurse auswirken“, sagte Weyand gegenüber ECOreporter.de.

Auswahlkriterien
Nach Angaben von Weyand wurden die 15 Titel im Aktienkorb danach ausgewählt, wie stark die Unternehmen mit ihren Aktivitäten den Klimawandel positiv beeinflussen. Enthalten sind beispielsweise Gamesa und Vestas, weltweit führende Windturbinenbauer, die Solarfirmen Q-Cells und SolarWorld, der österreichische Verbund, der Strom vor allem aus Wasserkraft erzeugt. Auch Autoaktien finden sich in dem Korb: die japanischen Honda und Toyota haben klimaschonende Antriebstechnologien entwickelt und als erste Autos in Serie damit ausgestatte. Sie haben kürzlich angekündigt, jetzt verstärkt darauf zu setzen. Bei den übrigen von HSBC für das Zertifikat ausgewählten Aktiengesellschaften handelt es um herkömmliche Unternehmen, die sich laut Einschätzung der Bank durch Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten positiv von der Konkurrenz abheben. So etwa der US-amerikanische Mischkonzern Emerson, der seine Ressourcen sehr effizient verbrauche, und der niederländische Chemiekonzern Koninklijke DSM, der ein "umfangreiches Nachhaltigkeitskonzept" habe.

Kosten
Für das Zertifikat wird keine jährliche Managementgebühr erhoben. Die 15 Titel werden allerdings auch nicht bewertet und ausgetauscht.

Transparenz
Auf ihrer Opens external link in new windowHomepage informiert die Zertfikate-Abteilung von HSBC tagesaktuell über die Entwicklung des Zertifikats.

Innovation
Bei diesem Produkt handelt es sich um ein so genanntes Garantiezertifikat. Es garantiert die Rückzahlung des Festbetrages, der bei der Emission verlangt wurde. Darüber hinaus kann der Anleger auf eine jährliche Zinsauszahlung von maximal acht Prozent hoffen. Drei Buchungstage stehen dafür noch an: 18. Mai 2009, 17. Mai 2010, 17. Mai 2011.

Die Höhe und Berechnung der Zinszahlung hängt von der Kursentwicklung der 15 Unternehmen ab, die den Aktienkorb dieses HSBC-Zertifikates bilden. Angewandt wird dabei ein so genannter Lock-In-Mechanismus. Wie Heiko Weyand gegenüber ECOreporter.de erklärte, wird für jede Aktie, die an einem Buchungstag mindestens das Niveau des Schlusskurses vom 21. Mai 2007 erreicht, ein Zins von acht Prozent eingetragen. Dieses Verfahren wird laut Weyand auch für Titel mit zuvor negativer Performance angewandt. Wenn also zum Beispiel Gamesa an den ersten beiden Buchungstagen jeweils unter dem Kurs des Vorjahres liegt, aber am dritten Buchungstag im Plus, würde für 2010 und auch für 2011 ein Zins von acht Prozent für diese Aktie eingetragen. Als Anleger erhält man jedoch einen Zins ausgezahlt, der sich aus dem Durchschnittswert aller Performancewerte der 15 Titel im Korb ergibt. Daher werden die acht Prozent nur dann erreicht, wenn alle Aktien an wenigstens einem Buchungstag eine positive Performance erreicht haben. Somit schwankt der mögliche Zins zwischen Null und acht Prozent.

Ökologische Wirkung
Generell ist die ökologische Wirkung von Zertifikaten gering. Zertifikate, die auf Aktien etwa von Erneuerbare-Energie-Unternehmen setzen und so die Nachfrage dafür erhöhen, können immerhin Kurszuwächse anstoßen. Je höher die Aktien steigen, desto leichter fällt es dem jeweiligen Unternehmen, Kapital für weiteres Wachstum und die Weiterentwicklung einzuwerben. Zudem kann es seine Aktie leichter als Mittel einzusetzen, um andere Unternehmen zu erwerben und effizienter zu wirtschaften. Die ökologische Wirkung der Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe ist damit indirekt.

Chancen/Risiken
Es sieht derzeit nicht danach aus, als würden die 15 Titel im Aktienkorb bereits am nächsten Buchungstag, also im Mai 2009, alle eine positive Wertentwicklung erzielen. Die Anteilsscheine verzeichnen seit 2007 mehr oder weniger große Kursverluste. Vieles spricht jedoch dafür, dass bis zum Ende der Laufzeit im Mai 2011 etliche Aktien aus dem Korb im Vergleich zum Mai 2007 an Wert gewinnen. Viele Experten gehen davon aus, dass etwa im Bereich der Erneuerbaren Energien für 2010 mit einem Aufschwung des Marktes zu rechnen ist. Und an der Börse werden solche Entwicklungen vorweggenommen. Ein Erfolg der Weltklimakonferenz, die im Dezember 2009 in Kopenhagen stattfindet, würde zudem Aktien von Unternehmen mit Vorteilen beim Klimaschutz gewiss Auftrieb verleihen. Doch auch unabhängig davon erscheinen solche Firmen für die Zukunft aussichtsreich aufgestellt.

Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass Besitzer der Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe von HSBC am Ende der Fälligkeit einen Zinsanspruch erheben können. Der kann zwar nicht über 8 Prozent liegen, dafür sind aber die 100 Euro je Stück garantiert. Das macht das Zertifikat vor allem für Neueinsteiger interessant. Wer jetzt über die Börse das Papier erwirbt, erzielt also auf jeden Fall einen Gewinn, solange der Kurs – wie derzeit - unter 100 Euro.

Fazit
Die Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe von HSBC hat zwar bislang die Hoffnungen auf eine gute Wertentwicklung nicht erfüllt. Allerdings: Wenn man vergleicht, in welche Tiefen andere Zertifikate und Fonds gefallen sind, wird dieses Zertifikate die Anleger hoch erfreut haben. Die Auswahl der Aktien eröffnet aber die Aussicht auf einen zumindest moderaten Zinsanspruch. Hinzu kommt der garantierte Gewinn, den Anleger einstreichen können, die jetzt in das Papier einsteigen. Auch aus Nachhaltigkeitssicht kann die Titelauswahl überzeugen, obwohl der ökologische Nutzen bei der Zeichnung eines Zertifikats eher gering ist. Insgesamt ist dieses Zertifikat empfehlenswert.

HSBC Klimaschutz-Garant-Topzins-Anleihe
WKN: TB0SLM
ISIN DE000TB0SLMN
Laufzeit: bis zum 24.05.2011
Börsennotiz: Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, München

Sicherheitshinweis für das Investment in Zertifikate
Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen der Bank, die das Wertpapier emittiert. Das bedeutet, dass der Anleger sein eingesetztes Kapital verliert, sollte die Emittentin in Konkurs gehen. Das unterscheidet Zertifikate etwa von Fonds. Diese sind Sondervermögen der Banken und werden nur von ihnen verwaltet. Auch bei einer Insolvenz bleiben die Fondsanteile Eigentum der Anleger.
Daher ist die Bonität der Emittentin ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Zertifikats. So sollten Anleger solche Wertpapiere nicht nur von einer einzigen Bank erwerben, sondern das Risiko streuen. Wie schnell aus dem potentiellen ein reales Risiko werden kann, zeigte im Frühjahr 2008 der Fall der US-amerikanischen Großbank Bear Stearns. Das traditionsreiche Unternehmen geriet im Zuge der Finanzkrise in den USA binnen kurzer Zeit in wirtschaftliche Not und setzte den Handel seiner Zertifikate vorübergehend aus. Nur mit Not konnte die Bank die Pleite abwenden.
Ein weiterer Schwachpunkt von Zertifikaten ist die Preisbildung. Der Preis orientiert sich hier nicht unbedingt am Basiswert, zum Beispiel dem zu Grunde liegenden Index. Vielmehr ist die Bonität der Emittentin für die Wertbestimmung der Papiere im Markt mitentscheidend. Wenn die emittierende Bank ins Trudeln gerät, stellt sie keine Preise mehr. Die Anleger können dann ihre Zertifikate nicht verkaufen, selbst dann nicht, wenn die Papiere über Börsen handelbar sind.

Bildhinweis: Windräder von Gamesa im Einsatz. / Quelle: Unternehmen
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