24.02.11 Fonds / ETF

„Die Investoren sind eindeutig offener für das Thema Nachhaltigkeit geworden.“ – ECOreporter.de-Interview mit Roman Limacher, Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG

Wie wird sich der nachhaltige Finanzmarkt weiter entwickeln? Ist eine Aktie wie die der Deutschen Bank für Nachhaltigkeitsfonds geeignet? Über diese und weitere Fragen sprachen wir mit Roman Limacher, Direktor Ethik-Investments der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG. Sie zählt zu den über 30 Ausstellern der Messe Messe Grünes Geld, die am 26. März 2011 in Hamburg stattfindet. Besucher können die Veranstaltung zum Nachhaltigen Investment kostenlos im Curio-Haus an der Rothenbaumchausee besuchen.

ECOreporter.de: Was ist das Kerngeschäft der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG? Und wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung entwickelt? Inwiefern stehen Sie in Zusammenhang mit Hauck & Aufhäuser Frankfurt/Main?

Roman Limacher: Die Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG ist eine Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft. Zum einen verfügen wir über eine 15jährige Expertise im Bereich ethisch-nachhaltige Investments. Diese ist über die Publikumfonds der Prime Value Familie auch dem Kleinanleger zugänglich. Zum anderen bieten wir eine breite Dienstleistungspalette für Family Offices an.  Entstanden ist die Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG zum Jahresanfang aus dem Zusammenschluss der Dr. Höller Vermögensverwaltung AG (ethisch-nachhaltige Investments) und der Bastei Privatfinanz AG (Family Office). Beide Gesellschaften waren 100-prozentige Töchter der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA aus Deutschland. Dies gilt auch für die fusionierte Gesellschaft.

ECOreporter.de: Wie wird sich der nachhaltige Finanzmarkt, speziell im Bereich Aktien, in Zukunft weiter entwickeln? Was wird die Entwicklung maßgeblich beeinflussen und welche Branchen und Regionen sind aus ihrer Sicht die großen Zukunftsthemen für nachhaltige Anleger?

Limacher: In den vergangenen Jahren haben immer mehr Finanzinstitute das eine oder andere Nachhaltigkeitsprodukt lanciert. Wir hoffen, dass sich dieses Vortasten in einen noch stärkeren Trend verwandelt. Klar ist, dass sich die Geschäftswelt den ökologischen und ethischen Aspekten ihres Wirtschaftens stellen muss. Aktuelle ökologische, ökonomische und soziokulturelle Trends wirken als Katalysatoren für nachhaltige Investments. Eine aussagekräftige Analyse eines Unternehmens muss neben der finanziellen Beurteilung auch Nachhaltigkeits-Aspekte bewerten. Früher haben Unternehmen vor allem wegen ihrer Reputation ethische und nachhaltige Kriterien berücksichtigt.  Es wird aber immer mehr wahrgenommen, dass Nachhaltigkeits-Analysen auch „immaterielles Kapital“ offenlegen – zum Beispiel das Wissen um die Bedürfnisse der verschiedenen Anspruchsgruppen (Lieferanten, Mitarbeiter, Kunden etc.). Dessen Bedeutung für die Wertschöpfung wird zunehmend höher eingeschätzt.
Als vier Kernthemen mit langfristig gutem Wachstumspotenzial sehen wir die Erneuerbare Energie, sauberes Wasser, die Reduktion von Schadstoffemissionen im weiteren Sinne (so auch Energieeffizienz) und neue Materialien (inklusive der Materialkreisläufe). Diese vier Bereiche decken wir auch über unseren Aktienfonds Prime Values Green ab.

ECOreporter.de: Das Glücksspiel-Engagement der Deutschen Bank einerseits und die BP-Katastrophe andererseits haben sich auch auf Nachhaltigkeitsfonds und -indizes ausgewirkt. Ist die Deutsche-Bank-Aktie für Nachhaltigkeitsfonds geeignet? Und wie geht Ihr Fondsmanagement mit den Bereichen Öl-Industrie und Petrochemie um?

Limacher: Das Ethik-Komittee beurteilt Glücksspiel zwar kritisch.  Bislang hat es aber nicht zum Ausschluss der Deutschen Bank aus dem Anlageuniversum geführt. Allerdings wurde die Deutsche Bank bis 2005 aufgrund der Beteiligungen im Rüstungssektor und im Bereich der Kernenergie vom Anlageuniversum ausgeschlossen. Nach dem Verkauf dieser Beteiligungen kam grundsätzlich ein Investment infrage. In der Folgezeit wurde die Aktie allerdings erneut vom Ethik-Komitee negativ beurteilt. Ursache hierfür waren eine Reihe kritischer Aktivitäten der Deutschen Bank wie ihre marktbeherrschende Stellung, eine überhöhte Renditeorientierung und die mangelnde Umsetzung ökologischer Aspekte verantwortlich.  
Grundsätzlich beurteilt das Ethik-Komitee Unternehmen kritisch, die natürliche Ressourcen ohne hohes soziales und ökologisches Verantwortungsbewusstsein abbauen. Außerdem steht es allen Firmen, die zentral mit fossilen Brennstoffen zu tun haben, kritisch gegenüber. Obwohl BP in den vergangenen Jahren kontinuierlich in Erneuerbare Energien investiert hat, war der Fortschritt sehr langsam und diese Aktivität blieb gemessen am Gesamtumsatz vernachlässigbar. Aus diesen Gründen wurde BP bisher nie für eine Aufnahme ins Anlageuniversum in Betracht gezogen.

ECOreporter.de: Sie bieten vor allem nachhaltige Aktien und Mischfonds an. Welches sind die wichtigsten Positiv- und Negativkriterien nach denen ihre Investments ausgerichtet sind und woher stammt die Nachhaltigkeitsanalyse dazu?

Limacher: Bei den Positivkriterien bewerten wir das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen, das Produkt- und Dienstleistungsangebot sowie die verschiedenen Prozesse vor, während und nach der Produktion. Außerdem analysieren wir die ökologischen Aspekte im Betrieb und bei den Produkten. Grundsätzlich schließen wir Unternehmen aus, die Menschenrechte missachten, die Waffen produzieren und handeln oder, die an der Herstellung von Produkten oder Technologien beteiligt sind, die gesellschaftlich in hohem Maße kontrovers sind. Der nicht nachhaltige Abbau natürlicher Ressourcen führt ebenfalls zum Ausschluss. Darüber hinaus gibt es noch weitere Kriterien, die wir im Einzelfall berücksichtigen. Unser hauseigenes Ethikresearch erstellt für jeden Titel eine Analyse. Dabei greifen wir auch auf Daten und Informationen der Nachhaltigkeitsrating-Agentur Inrate zurück. Ein interdisziplinär zusammengesetztes Ethik-Komitee, das sich aus unabhängigen Wissenschaftlern zusammensetzt, entscheidet schließlich in regelmäßigen Konferenzen über die Aufnahme der einzelnen Aktien und Anleihen ins Anlageuniversum oder eben deren Ausschluss.

ECOreporter.de: Es heißt nachhaltige Geldanlagen hätten von den Finanzkrisenjahren profitiert. Trifft dies auch auf ihre Fonds zu? Was hat sich für Ihre Angebote konkret verändert? Auf welche zukünftigen Marktherausforderungen haben Sie sich wie eingestellt?

Limacher: Die Investoren sind eindeutig offener für das Thema „Nachhaltigkeit“ geworden. Immer mehr Anleger verlangen eine höhere Transparenz und bessere Corporate Governance. Wir sehen uns in unserem Bestreben für ethische Anlagen somit bestärkt. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen einerseits sicherlich eine offene Kommunikation der Bewertungs- und Anlagekriterien. Andererseits gilt es, die sehr unterschiedlichen Anlagebedürfnisse, vor allem seitens der institutionellen Investoren, zu berücksichtigen. Verschiedene Nachhaltigkeits-Ansätze können sich ergänzen und zum Ziel führen. Hier sind wir offen, um mit den Kunden auch neue Wege zu beschreiten und Lösungen zu finden.

ECOreporter.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld Hamburg präsentieren? Und was erhoffen Sie sich von der Messe?

Limacher: Wir möchten die deutschen Investoren dazu ermuntern, ethisch-nachhaltig zu investieren. In Deutschland entfallen erst rund ein Prozent auf ethische und nachhaltige Kapitalanlagen. Das Potenzial ist also noch enorm. In Hamburg werden wir vor allem über die Prime Values Fonds informieren. Die langfristige Wertentwicklung der Fonds beweist, dass sich mit ethisch-nachhaltigen Investments überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften lassen. Unser führendes Produkt, der Prime Values Income, wurde erst kürzlich erneut vom renommierten Analysehaus Lipper als bester Mischfonds in der Kategorie drei und fünf Jahre ausgezeichnet.

ECOreporter.de: Herr Limacher, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bildhinweis: Blackjack ist ein beliebtes Glücksspiel in Las Vegas, wo die Deutsche Bank ein Casino besitzt. Das hat zum Ausschluss der Aktie aus etlichen nachhaltigen Indices und Fonds geführt. / Quelle: Fotolia
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