Der Bau und Betrieb von Windparks in Deutschland und Polen ist Kerngeschäft von Prokon / Bildquelle: Fotolia (Prochasson).

15.01.14 ECOanlagecheck , Windenergie-Investments , Genussrechte/Anleihen

Die Prokon-Genussrechte im ECOanlagecheck von 2012

Über 847 Millionen Euro hat das Erneuerbare-Energien-Unternehmen Prokon inzwischen mit Hilfe seiner Genussrechte eingeworben (Stand: 24. Mai 2012). Trotz des windschwachen Jahres 2010 hat Prokon 2011 wieder acht Prozent Zinsen an die Genussrechteinhaber ausgeschüttet. Das Unternehmen hat in den letzten zwei Jahren die Aktivitäten außerhalb des Bereichs Windenergie deutlich verstärkt. Steigt dadurch das Risiko für die Prokon-Genussrechte? Der ECOanlagecheck gibt die Antwort.

Unternehmensprofil Prokon-Gruppe


Prokon war in den ersten Jahren nach der Unternehmensgründung 1995 zunächst fast nur im Bereich Windenergie tätig, hat Windparkprojekte geplant und die Betriebsführung der fertiggestellten Windparks übernommen. Nach Angaben des Unternehmens aus Itzehoe arbeiten 291 Mitarbeiter im Geschäftsbereich Windenergie (Stand: 30. November 2011). Der Umsatz lag laut Prokon in den ersten elf Monaten 2011 bei rund 141 Millionen Euro.
Derzeit bereitet Prokon den Einstieg in die Produktion von eigenen Windenergieanlagen vor. Im März 2012 hat Prokon die Genehmigung für den Bau der Fertigungshalle für Windenergieanlagen erhalten. Ab 2013 will Prokon die Gondeln (Maschinenhäuser) selbst herstellen, ab 2015 auch Rotorblätter.
Bildnachweis: Windparks sind das Kerngeschäft von Prokon. / Quelle: Fotolia

Seit 2001 ist Prokon im Bereich Biogene Kraftstoffe aktiv, der 2009 durch die Mehrheitsübernahme (82,6 Prozent) des Bio-Ölwerks Madgeburg deutlich an Bedeutung gewann. Seit der Inbetriebnahme einer neuen Anlage im April 2012 ist das Bio-Ölwerk Madgeburg nach Angaben von Prokon in der Lage, jährlich über 700.000 Tonnen Rapsaat zu verarbeiten und daraus 280.000 Tonnen Pflanzenöl zu gewinnen, das dann zu bis zu 255.000 Tonnen Biodiesel verarbeitet werden kann. Alternativ könne das Pflanzenöl laut Prokon auch in der Lebensmittelbranche verwendet werden. Im Geschäftsbereich Biogene Kraftstoffe sind 132 Mitarbeiter tätig (Stand: 30. November 2011). Der Umsatz des Geschäftsbereiches betrug nach Angaben von Prokon 2011 rund 244 Millionen Euro.

Seit 2010 kooperiert Prokon im neuen Geschäftsbereich Biomasse mit der HIT Holzindustrie Torgau GmbH, die vorwiegend Holzpaletten produziert. Nach Angaben von Prokon hat HIT Holzindustrie Torgau im Geschäftsjahr 2010 rund 5 Millionen Holzpaletten (2011: 6,7 Millionen Holzpaletten, Angabe Prokon) hergestellt, 30.000 Kubikmeter Pfahlen, Palisaden und Bretter sowie über 788.000 Raummeter Holzhackschnitzel, Sägespäne und Rinde (2011: 1,24 Millionen Raummeter, Angabe Prokon). Zudem hat HIT laut Prokon-Genussrechte-Geschäftsbericht seit Ende 2010 über eine rumänische Tochtergesellschaft rund 13.000 Hektar Wald in Rumänien erworben, um ihre Holzwerke ausreichend mit Holz versorgen zu können. Bei HIT Holzindustrie Torgau arbeiten 561 Mitarbeiter (Stand: 30. November 2011). Der Umsatz im Geschäftsbereich Biomasse lag nach Angaben von Prokon 2011 bei 96 Millionen Euro.

Die Prokon-Genussrechtsgesellschaft

Die Prokon Regenerative Energien GmbH & Co. KG (im Folgenden: Prokon-Genussrechtsgesellschaft) aus Itzehoe gibt die Genussrechte heraus. Sie verleiht das Geld, das auf diese Weise hereinkommt, an andere Gesellschaften der Prokon-Gruppe.

Das Finanzanlagevermögen der Prokon-Genussrechtsgesellschaft beträgt laut Jahresabschluss 2010 rund 467 Millionen Euro. Davon entfielen 78,4 Prozent auf den Unternehmensbereich Windenergie, 11,4 Prozent auf den Bereich Biogene Kraftstoffe und 10,2 Prozent auf den Biomasse-Bereich. Bei dem Finanzanlagenvermögen handelt es sich im Wesentlichen um längerfristig angelegte Ausleihungen an verschiedene Gesellschaften der Prokon-Unternehmensgruppe. Neu hinzugekommen sind im Geschäftsjahr 2010 Ausleihungen an die HIT Holzindustrie Torgau GmbH, mit der Prokon eng kooperiert.

Erst im Februar 2012 hat Prokon den Geschäftsbericht 2010 der Genussrechtsgesellschaft veröffentlicht. Laut Prokon-Rundbrief von Februar 2012 steckte „der Teufel im Detail“. Die Komplexität der ökonomischen Zusammenhänge habe ein hohes Maß an Abstimmung notwendig gemacht.
Wenn nicht gesondert erwähnt, sind die im vorliegenden Text genannten Zahlen dem Geschäftsbericht 2010 oder den aktuellen Jahresabschlüssen der Prokon-Gesellschaften für 2010 entnommen. Die Zahlen sind gerundet.

Finanzsituation der Prokon-Genussrechtsgesellschaft und Weichkosten

Die Prokon-Genussrechtsgesellschaft erwirtschaftete 2010, nach Auszahlung der Zinsansprüche der Genussrechtsinhaber, einen Jahresüberschuss von 32.500 Euro. Die Kerngesellschaft der Prokon-Unternehmensgruppe, die Prokon Projektierungs- und Betriebsführungsgesellschaft für regenerative Energiesysteme mbH (kurz: Prokon Energiesysteme GmbH), verzichtete für 2010 auf Vergütungsansprüche in Höhe von 10,7 Millionen Euro aus der Einwerbung von Genussrechtskapital.
Laut Geschäftsbericht 2010 erhält die Prokon-Kerngesellschaft für die Platzierung der Genussrechte grundsätzlich sechs Prozent des Genussrechtskapitals von der Prokon-Genussrechtsgesellschaft. Die Kosten für die Einwerbung des Genussrechtskapitals, die bei der Genussrechtsgesellschaft bislang entstanden sind, belaufen sich nach Angaben von Prokon auf insgesamt 29,3 Millionen Euro (Stand: 30. November 2011).

Die Verbindlichkeiten der Prokon-Genussrechtsgesellschaft gegenüber Gesellschaften der Prokon-Unternehmensgruppe haben sich von 0,56 Millionen Euro (2009) auf 14,67 Millionen Euro (2010) erhöht. Im Jahresabschluss 2009 der Prokon-Genussrechtsgesellschaft waren Verpflichtungen aus Dienstleistungen für die Einwerbung von Genussrechtskapital in Höhe von ca. 14,5 Millionen Euro nicht als Verbindlichkeiten erfasst. Dadurch war laut Jahresabschluss-Anhang die Ertragslage entsprechend positiv beeinflusst und die Vergütung für das Genussrechtskapital, die die Anleger erhalten haben, entsprechend zu hoch. Im Jahresabschluss 2010 wurden erstmalig die vereinbarten Vertriebskosten unabhängig von der Fälligkeit vollständig als Verbindlichkeit erfasst. Durch den Verzicht der Prokon Energiesysteme GmbH auf die Vergütung von 10,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2010 wurde laut Anhang „die im Vorjahr zu hohe Genussrechtszinsabrechnung grundsätzlich nachträglich insoweit näherungsweise bereinigt bzw. geglättet“.

Unternehmensbereich Windenergie

Das im Bereich Windenergie investierte Genussrechtskapital ist 2010 gegenüber dem Vorjahr um 114 Millionen Euro auf 366 Millionen Euro gestiegen. Allerdings hat Prokon 2010 mit dem Geld nur ein Windrad errichtet. Daneben hat die Prokon-Unternehmensgruppe 2010 zwei bereits seit 2001 produzierende Windparks mit insgesamt 16 Windenergieanlagen erworben. Die 16 Anlagen des Herstellers NEG Micon haben zusammen eine Nennleistung von nur 14,5 Megawatt (MW). Zudem war Ende 2010 nur ein Genussrechtskapital von 0,6 Millionen Euro in den beiden Windparks investiert. Somit flossen von den 114 Millionen Euro schätzungsweise nur ca. 3 Millionen Euro in Windenergieanlagen, die 2010 den Bestand der Prokon-Unternehmensgruppe an fertiggestellten Windparks erhöhten. Es wurden aber 2010 auch Windparks teilerrichtet, die dann 2011 fertiggestellt wurden. Der Wert aller 2011 errichteten Windparks betrug nach Angaben von Prokon rund 60 Millionen Euro.
Bildnachweis: Ein Windrad in Deutschland. / Quelle: Fotolia

Laut Jahresabschluss-Lagebericht 2010 der Prokon Energiesysteme GmbH (Prokon-Kerngesellschaft) sind ihre Erlöse aus der Tätigkeit als Generalunternehmer zur Erstellung schlüsselfertiger Windparks von 25,5 Millionen Euro (2009) auf 2,2 Millionen Euro (2010) eingebrochen, da nur die oben erwähnte eine Anlage errichtet wurde. Allerdings konnte die Prokon Energiesysteme GmbH durch den Verkauf von in der Projektierung befindlichen Projekten (teilfertige Projekte) ihr Jahresergebnis deutlich verbessern. Die Gesamtleistung in diesem Bereich stieg von 12,8 Millionen Euro (2009) auf 73,3 Millionen Euro (2010). Die  Umsatzerlöse aus dem Verkauf von teilfertigen Projekten erreichten 76,5 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht hat die Prokon-Kerngesellschaft 2009 und 2010 rund 90,2 Millionen Euro und somit 18,9 Prozent des Genussrechtskapitals in die Projektentwicklung neuer Windparks investiert. Die teilfertigen Projekte sind laut Lagebericht an eine Prokon-Betreibergesellschaft verkauft worden, um diese in einem weiteren Schritt direkt an die Genussrechtsgesellschaft anzugliedern. Bei den teilfertigen Projekten handele es sich laut Lagebericht „um Projekte mit einem sichtbaren Projektfortschritt, der durch die bis zu 7 Jahre dauernde Projektierungsphase teilweise aus den Vorjahren stammt“.


Neue Bilanzierungs-Methode erschwert Beurteilung


Im Geschäftsjahr 2009 war der Großteil des Genussrechtskapital in der Prokon 2. Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG investiert, in der laut Geschäftsbericht die Prokon-Windparks aus den einzelnen Betriebsgesellschaften zusammengeführt wurden . 2010 folgte die Übertragung des Großteils der Windpark-Gesellschaften von der Prokon 2. Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG auf die Prokon Wind –Energie für eine lebenswerte Zukunft- GmbH (vormals: Kroppenstedter Pflanzenöl GmbH). Die Prokon Wind GmbH ist mit 322 Millionen Euro 2010 der mit Abstand größte Schuldner der Genussrechtsgesellschaft. Nach Angaben von Prokon ist die Prokon Wind GmbH mittlerweile mit der Genussrechtsgesellschaft verschmolzen, so dass die Genussrechtsgesellschaft unmittelbar Eigentümer der Windparks geworden sei.

Bei den einzelnen Windpark-Betriebsgesellschaften hat Prokon für das Geschäftsjahr 2010 in den meisten Fällen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Jahresabschlüsse erstmalig nach dem Bilanzmodernisierungsgesetz aufzustellen. Aufgrund des dadurch unterbrochenen Bilanzzusammenhangs ist ein Vergleich mit den Zahlen der Jahresabschlüsse aus 2009 deutlich erschwert. Umso mehr, als Prokon bei den Windpark-Gesellschaften die für kleine Kapitalgesellschaften vorgesehene Möglichkeit nutzt, keine Jahresüberschüsse bzw. Jahresfehlbeträge in den Jahresabschlüssen (inkl. Anhang) auszuweisen. Bei einer Windpark-Gesellschaft, Prokon New Energy V Beteiligung Nr. 3 GmbH & Co. KG, wird das Jahresergebnis genannt. Das Eigenkapital dieser Gesellschaft erhöhte sich trotz eines Jahresfehlbetrages von 1,52 Millionen Euro um 1,25 Millionen Euro, da sich das Anlagevermögen aufgrund der erstmaligen Aufstellung des Jahresabschlusses nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz um 2,77 Millionen erhöhte.

Insgesamt erhöhte sich das Anlagevermögen der Prokon-Windparks aufgrund der Wertberichtigung um mindestens einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Im Geschäftsbericht 2010 wird das außerordentliche Ergebnis der Windparks mit 52,3 Millionen Euro (Vorjahr: - 6,7 Millionen Euro) angegeben - entstanden „durch Aufdeckung stiller Reserven aus Verkäufen von Beteiligungen, Forderungsverzichten von Banken, Leasingunternehmen sowie innerhalb der Prokon-Unternehmensgruppe im Zusammenhang mit der Zusammenfassung der Windparks“. Dementsprechend erhielt die Prokon-Genussrechtsgesellschaft von den Windparks 2010 Zinsen in Höhe von 37,2 Millionen Euro (Vorjahr: 11,0 Millionen Euro), obwohl 2010 ein sehr windschwaches Jahr war. Laut Geschäftsbericht stand „für die Zinszahlungen nicht nur der Überschuss zur Verfügung, sondern auch – aber nur ausnahmsweise und kurzfristig – die Abschreibungsbeträge, da diese nicht liquiditätswirksam sind und somit kein Kapital aus der Prokon-Unternehmensgruppe dafür abfließt. Grundsätzlich werden die Abschreibungen für die Tilgung des eingesetzten Kapitals – somit auch für das eingesetzte Genussrechtskapital – benötigt und sind langfristig kalkuliert.“


Unternehmensbereich Biogene Kraftstoffe

Das im Bereich Biogene Kraftstoffel investierte Genussrechtskapital ist 2010 gegenüber dem Vorjahr um rund 41 Millionen Euro auf 53 Millionen Euro gestiegen. Nach Angaben von Prokon ist es bis November 2011 um 78 Millionen Euro auf insgesamt rund 110 Millionen Euro gewachsen. 110 Millionen Euro sind 21 Millionen Euro weniger als es rechnerisch sein müsste, falls kein Genussrechtskapital zwischendurch abgeflossen ist. Nach Angaben von Prokon handelt es sich bei den 21 Millionen Euro um die Umverteilung von Genussrechtskapital aus dem Bereich Biogene Kraftstoffe in andere Bereiche, vornehmlich in den Bereich Windenergie.

Im Geschäftsjahr 2010 trennte sich Prokon von dem Bereich Pflanzenöl-Reinkraftstoff, da der Markt für biogene Reinkraftstoffe in Deutschland preislich nicht konkurrenzfähig zum mineralischen Diesel sei. Der seit 2001 bis zum Jahresende 2010 entstandene Gesamtverlust in Höhe von 24,5 Millionen Euro wurde laut Geschäftsbericht von der Prokon Energiesysteme GmbH und in Höhe von 10 Millionen Euro von der Prokon Holding GmbH & Co. Verwaltungs-KG übernommen. In den ersten elf Monaten 2011 lagen nach Angaben von Prokon die Betriebskosten des Geschäftsbereichs Biogene Kraftstoffe aber – wie auch 2010 – weiterhin über den Umsatzerlösen (Umsatz: 220,1 Millionen Euro, Betriebskosten: 221,5 Millionen Euro).

Das Genussrechtskapital ist laut Geschäftsbericht vor allem für die Erweiterung des Bio-Ölwerks Magdeburg um eine Extraktionsanlage verwendet worden. Mit der Extraktionsanlage könne ein „erheblicher Ertragsvorteil“ herbeigeführt und zudem zusätzlich zu Biodiesel auch „hochwertige Speiseöle“ hergestellt werden. Die Prokon-Genussrechtsgesellschaft hat nicht nur die Ausleihungen deutlich erhöht, sondern 2010 auch Genussrechte der Bio-Ölwerk Magdeburg GmbH in Höhe von 13 Millionen Euro erworben.
Anlagecheck 2012 Teil 2:

Unternehmensbereich Biomasse/Holzindustrie

Der Unternehmensbereich Biomasse ist im Geschäftsjahr 2010 neu hinzugekommen. Das im Bereich Biomasse investierte Genussrechtskapital beträgt 2010 rund 48 Millionen Euro. Nach Angaben von Prokon hat es sich bis November 2011 um weitere 63 Millionen Euro auf insgesamt rund 116 Millionen Euro erhöht.

Das Genussrechtskapital floss in die HIT Holzindustrie Torgau OHG (kurz: HIT), die als Säge- und Produktionswerk hauptsächlich Holzpaletten herstellt. HIT gehört laut Jahresabschluss 2010 der Prokon-Genussrechtsgesellschaft nicht zur Prokon Unternehmensgruppe.

Als offene Handelsgesellschaft (OHG) mit natürlichen Personen als persönlich haftenden Gesellschaftern ist die HIT Holzindustrie Torgau OHG nicht verpflichtet, Jahresabschlüsse offen zu legen. Daher sind die Jahresabschlüsse nicht im Bundesanzeiger veröffentlich; die Transparenz ist somit unterdurchschnittlich.

Laut der Publikation „bpd-aktuell“ des Beratungsunternehmens bpd hatte sich 2007/2008 der Betriebsstart einer neuen Fabrik von HIT verzögert, so dass bereits gekauftes Holz nicht im geplanten Umfang verarbeitet werden konnte. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe dann 2009 zu einem Absatzeinbruch in Verbindung mit dem Verfall der Preise geführt, während der Holzeinkauf vertraglich noch zu hohen Preisen abgewickelt werden musste. Laut bpd-aktuell war eine Rettung der Unternehmensgruppe infolgedessen nur noch durch einen finanzstarken Investor erreichbar, der mit der Prokon-Gruppe gefunden wurde.

Die Prokon-Genussrechtsgesellschaft stellte laut Geschäftsbericht 2010 Genussrechtskapital vor allem für die Ablösung aller Verbindlichkeiten gegenüber Banken und Leasinggesellschaften im Rahmen der Sanierung der HIT zur Verfügung. Die Ablösung der Verbindlichkeiten sei mit Abschlägen in Höhe von ca. 60 Prozent zu Lasten der Banken bzw. Leasinggesellschaften erfolgt. Zudem hat die Prokon Energiesysteme GmbH (Prokon-Kerngesellschaft) laut eigenem Lagebericht eine zügige Wiederaufnahme des Regelbetriebs von HIT gefördert, indem eine Anschubfinanzierung in Form eines Forderungsverzichtes von etwa 8 Millionen Euro gewährt wurde. Die Genussrechtsgesellschaft ist derzeit der einzige Kapitalgeber der HIT Holzindustrie Torgau OHG (Stand: Dezember 2011). Nach Angaben von Prokon hat die Holzindustrie Torgau 2011 ein positives Gesamtergebnis eingefahren.

Risiken der Genussrechtsstruktur

Die Anleger (Genussrechteinhaber) zeichnen Genussrechte der Emittentin Prokon Regenerative Energien GmbH & Co. KG. Genussrechte gewähren dem Anleger nachrangige Gläubigerrechte und keine Gesellschafterrechte. Er hat kein Mitbestimmungsrecht und keine Einflussmöglichkeiten auf die Unternehmensentwicklung. Dementsprechend ist er z. B. davon abhängig, dass die Geschäftsführung Entscheidungen trifft, die die Verzinsung und die Rückzahlung des Genussrechtskapitals ermöglichen.

Die Ansprüche der Anleger sind gefährdet, wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten gerät: Das kann passieren, wenn die Schuldner der Prokon-Genussrechtsgesellschaft, also andere Gesellschaften der Prokon-Gruppe oder die HIT Holzindustrie Torgau, ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Im Rahmen der Umstrukturierung der Prokon-Gruppe sollen laut Prokon sämtliche Sachwerte unmittelbar in den Besitz der Genussrechtsgesellschaft übergehen. Für die Windparks ist das den Angaben nach bereits erfolgt.
Die Genussrechteinhaber erhalten keine oder eine geringere Verzinsung ihres Kapitals, wenn Jahresergebnis und Liquidität der Genussrechtsgesellschaft nicht ausreichen, um die Zinsen zu zahlen. Bei Verlusten der Prokon Regenerative Energien GmbH & Co. KG vermindern sich die Rückzahlungsansprüche der Genussrechteinhaber in Höhe der Verluste. Im schlechtesten Fall besteht für den Anleger ein Totalverlustrisiko.

Prokon geht davon aus, dass das Genussrechtskapital der Gesellschaft langfristig zur Verfügung steht. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass über 90 Prozent des aktuellen Genussrechtskapitals von den Anlegern aufgrund der Mindestlaufzeit von fünf Jahren noch nicht gekündigt werden konnten. Die Kündigungsquote und damit der Refinanzierungsbedarf könnten in den nächsten Jahren entgegen der Planung deutlich ansteigen. In diesem Fall geht Prokon davon aus, dass eintretende Finanzierungs- und Zinsänderungsrisiken letztlich durch den Verkauf von entsprechenden Vermögenswerten wie zum Beispiel Windparks abgefedert werden können. Gegebenenfalls werde laut Geschäftsbericht eine Anpassung des Zinssatzes für die Genussrechtsinhaber oder eine Verlustbeteiligung vorzunehmen sein.

Risiken der Geschäftsausweitung

Das Geschäftsfeld der Prokon-Unternehmensgruppe hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich erweitert. Damit haben sich auch die Risiken, die von den Genussrechteninhabern mittelbar getragen werden, gewandelt. Während Ende 2009 noch rund 90 Prozent des Genussrechtskapitals im Bereich Windenergie investiert waren, sind es im November 2011 nur noch rund 67 Prozent. Über 200 Millionen Euro an Genussrechtskapital sind in den knapp zwei Jahren in die Bereiche Biogene Kraftstoffe und Biomasse investiert worden. Der Anleger trägt somit über das investierte Genussrechtskapital die üblichen und teilweise erheblichen Risiken eines Industriebetriebes in den Bereichen Beschaffung, Produktion und Absatz mit. Risiken, die beim Betrieb von Windenergieanlagen in der Regel in deutlich geringerem Umfang bestehen. Auch sind bzw. waren beim Bio-Ölwerk Madgeburg und bei der HIT Holzindustrie Torgau OHG erhebliche Investitions- und Sanierungsmaßnahmen notwendig, damit die Unternehmen zukünftig am Markt bestehen können. Nach Aussage von Prokon wird grundsätzlich ihr Investitions-Schwerpunkt zukünftig wieder deutlich stärker auf den Windbereich ausgerichtet sein.

Auch im Bereich Windenergie sind die Risiken gestiegen, da nicht nur in bestehende Windparks, sondern 2009 und 2010 rund 90 Millionen Euro Genussrechtskapital in die Projektentwicklung neuer Windparks investiert wurde. Windparkprojekte in der Projektentwicklungsphase können keine Erlöse aus dem Stromverkauf erzielen, so dass sie zunächst auch keine Erlöse für die Genussrechtsgesellschaft erwirtschaften.

Anfang 2012 ist laut Rundbrief der erste Prokon-Windpark in Polen in Probebetrieb gegangen. Nach eigenen Angaben verfügt Prokon über eine umfangreiche Projektpipeline in Polen. Alleine für 2012 plant Prokon die Errichtung von neun weiteren Windparks in Polen, von denen nach Angaben von Prokon bereits sieben Windparks errichtet sind. Im Geschäftsbericht 2010 werden neun geplante Windpark-Projekte in Polen mit einer Gesamtnennleistung von 118 MW aufgeführt. Ende 2010 waren bereits rund 12 Millionen Euro an Genussrechtskapital in den polnischen Projektentwicklungen investiert.


Risiken aus der Abhängigkeit von der Prokon Energiesysteme GmbH

Die Prokon Energiesysteme GmbH ist die Kerngesellschaft der Prokon-Unternehmensgruppe und führt das operative Geschäft der Gruppe. Zurzeit baut das Unternehmen die Produktion für eine eigene Windenergieanlage auf. Es besteht das Risiko, dass das Projekt scheitert und sich eine eigene Windkraftanlagenherstellung als unwirtschaftlich herausstellt. Das geplante Investitionsvolumen von zunächst 25 Millionen Euro soll laut Geschäftsbericht „zunächst“ von der Prokon Energiesysteme GmbH getragen werden. Da die Genussrechtsgesellschaft laut Jahresabschluss 2010 aber auch an die Prokon Energiesysteme GmbH rund 43 Millionen Euro verliehen hat, trägt sie die Risiken zumindest indirekt mit.

Die Prokon Energiesysteme GmbH hatte 2010 ein schwieriges Jahr, da sie nur ein Windrad in Betrieb nehmen konnte, auf mehr als 10 Millionen Euro Vermittlungsprovisionen gegenüber der Genussrechtsgesellschaft verzichtet hat und den entstandenen Gesamtverlust von über 20 Millionen Euro im Bereich Biogene Kraftstoffe übernommen hat. Trotzdem hat das Unternehmen ein positives Ergebnis erzielen können, da es für über 70 Millionen Euro Projektentwicklungen an die Prokon-Genussrechtsgesellschaft verkaufen konnte.

Aufgrund dieser Vertragsbeziehungen sind auch Interessenskonflikte möglich, da die drei Geschäftsführer der Prokon Energiesysteme GmbH auch als Geschäftsführer der Komplementärin der Prokon-Genussrechtsgesellschaft fungieren. Zudem ist einer der Geschäftsführer auch der geschäftsführende Kommanditist der Prokon-Genussrechtsgesellschaft.

Die Prokon Energiesysteme GmbH hat eine Rückkaufgarantie nach Ablauf von drei Jahren Haltedauer gegenüber den Genussrechteinhabern abgegeben. Allerdings ist diese bedingt, da durch die Inanspruchnahme der Garantie keine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung im Sinne der Insolvenzordnung eintreten darf.

Fazit:

Finanziell

In den letzten zwei bis drei Jahren haben sich die Geschäftsaktivitäten, die von dem Genussrechtskapital der Anlegern finanziert werden, verstärkt auf Bereiche abseits des Windenergie ausgeweitet. Das von Anfang 2010 bis November 2011 investierte Genussrechtskapital floss ungefähr nur zur Hälfte in den Geschäftsbereich Windenergie, die andere Hälfte entfiel auf Investitionen in die Bereiche Biogene Kraftstoffe und Biomasse (Holzindustrie). Die Investitionen in die Bereiche Biogene Kraftstoffe und Biomasse sind mit höheren Risiken verbunden als der Betrieb von Windenergieanlagen.


Von den Umsatzerlösen entfielen in den ersten elf Monaten 2011 mehr als zwei Drittel auf die Bereiche Biogene Kraftstoffe und Biomasse, nur ein Drittel der Umsätze steuerte der Geschäftsbereich Windenergie bei. Das operative Ergebnis wurde aber auch 2011 größtenteils in dem Bereich Windenergie erwirtschaftet, da die dortigen Betriebskostenquoten niedriger sind als in den materialintensiven Kraftstoff- und Biomasse-Bereichen. Zudem wird das erwartete Ertragsniveau in den Bereichen Biogene Kraftstoffe und Biomasse – bei einer erfolgreichen Investition- und Sanierungsphase – erst in den kommenden Jahren erreicht werden können.

Das betrifft teilweise auch das ursprünglich einzige Geschäftsfeld, die Windenergie – hier geht es nun vielfach ums Auslandsgeschäft, vor allem um Projektentwicklung in Polen. Der Kauf von Windparks, die sich noch in der Projektentwicklungsphase befinden, bringt zunächst keine Stromerträge. Daher ist es zweifelhaft, ob die Prokon-Genussrechtsgesellschaft in den kommenden Jahren die Grundverzinsung an die Genussrechteinhaber leisten kann, da zudem die Einmaleffekte des Geschäftsjahres 2010 entfallen und die Windjahre 2010 und 2011 schwach waren. Die Auswirkungen des schwachen Windjahres 2010 bei den einzelnen Windpark-Gesellschaften können nicht fundiert beurteilt werden, da im Rahmen der Unternehmensumstrukturierung der Prokon-Gruppe Gesellschaften zusammengefasst wurden und Prokon die Bilanzierungs-Methodik gegenüber dem Vorjahr verändert hat.

Nachhaltigkeit

Der Prokon-Unternehmensbereich Windenergie ist ökologisch nachhaltig. Ob diese Beurteilung auch für die Bereiche Biogene Kraftstoffe und Biomasse gelten kann, ist nicht eindeutig zu beurteilen, da Biodiesel ökologisch nicht unbedenklich ist und es für Stammholz eine sinnvollere Verwendung als für die Palettenherstellung geben könnte. Positiv ist zu vermerken, dass die Energieversorgung der Werke hauptsächlich über Biomasseheiz(kraft)werke mit nachwachsenden Rohstoffen bzw. deren Restprodukten (Holzreste, Holzpellets, Pressrückständen der Rapsölproduktion) erfolgt.


ECOreporter.de-Empfehlung

Die Prokon-Unternehmensgruppe befindet sich in einer Phase der Umstrukturierung. In den nächsten Jahren soll sich nach der angegebenen Planung von Prokon die Ausrichtung wieder deutlicher in den Bereich Windenergie verlagern. Die Projekte in den neuen Geschäftsbereichen Biogene Kraftstoffe und Biomasse sind hauptsächlich dem produzierenden Gewerbe zuzurechen. Sie befinden sich überwiegend noch in der Investitionsphase, so dass erhöhte Risiken bestehen. Ob die Projekte zukünftig (langfristig) erfolgreich sein werden und somit für das investierte Genussrechtskapital (genug) Erträge erwirtschaften werden, ist aus heutiger Sicht offen. Zumindest in der Übergangszeit der nächsten Jahre könnte es schwierig werden, die Zahlungen plangemäß an die Genussrechteinhaber zu leisten. Anleger sollten bedenken, dass das Versprechen fester Zinsen nur so lange gelten kann, wie das Unternehmen genügend Mittel hat. Obwohl Anleger sich schon mit kleinen Summen beteiligen können, sind diese Genussrechte natürlich kein Sparbuch.

Basisdaten


Emittentin: Prokon Regenerative Energien GmbH & Co. KG, Itzehoe
Komplementärin: Prokon Projektierungs- und Betriebsführungsgesellschaft für regenerative Energiesysteme mbH, Itzehoe
Anlageform: Genussrecht (nicht verbrieft)
Mindestzeichnungssumme: 100 Euro
Laufzeit: früheste Kündigungsmöglichkeit nach 5 Jahren (grundsätzliche Rückkaufgarantie nach 3 Jahren)
Zinsen: 6 Prozent pro Jahr (plus Überschussbeteiligung)
BaFin-Gestattung: Ja
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