Der Hauptsitz der PNE Wind AG in Bremen. / Foto: Unternehmen

10.06.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„Die Selbstbedienungsmentalität muss ein Ende haben“ – Aufsichtsrat Volker Friedrichsen zum Streit an der Spitze der PNE Wind AG

Der 16. Juni 2015 wird für die PNE Wind AG und ihre Anleger ein Tag wegweisender Entscheidungen: Auf der PNE-Hauptversammlung soll ein seit Monaten schwelender Machtkampf an der Spitze des Unternehmens entschieden werden. Die Führung ist über mutmaßliche Ungereimtheiten und den Kaufpreis beim Erwerb der WKN AG durch die PNE Wind AG in Streit geraten. Sie steht sich seither in zwei Lagern gegenüber. Im Fokus stehen vor allem Vorstandschef Martin Billhardt auf der einen Seite und Aufsichtsrat Volker Friedrichsen auf der anderen Seite. Die Aktionäre werden entscheiden: Wer muss gehen, wer darf bleiben? Beide Seiten haben sich im Vorfeld öffentlichkeitswirksam schwere Vorwürfe gemacht. Außerdem ist die PNE-Tochter WKN AG ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten, weil es fragwürdige Provisionszahlungen bei Geschäften mit Vestas gegeben haben soll. Im ECOreporter.de-Interview nimmt Volker Friedrichsen zu alldem Stellung.

ECOreporter.de: Sie, Herr Friedrichsen, sowie die beiden Aufsichtsräte Astrid Zielke und Peter Baron von le Fort sollen auf Vorschlag des Vorstands bei der PNE-Hauptversammlung am 16. Juni als Aufsichtsräte abgewählt werden. Es habe mehrfach Unstimmigkeiten gegeben, sagt das Unternehmen. Worüber konkret sind Sie in Streit geraten?

Volker Friedrichsen:
  Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich nur für mich sprechen kann, da Frau Zielke und Herr Baron von le Fort als Aufsichtsratsmitglieder völlig unabhängig sind. Ich kritisiere an der Führung der PNE Wind vor allem, dass der Vorstand mit strategischen Fehlentscheidungen den langfristigen Erfolg des Unternehmens gefährdet. Beispiele hierfür sind das risikoreiche YieldCo-Modell und eine einseitige Konzentration auf Offshore-Projekte. Ich kritisiere den Vorstand und auch die Mehrheit im Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Herrn Kuprian aus anderen Gründen: Das fängt bei einer unverhältnismäßig hohen Vergütung an, setzt sich bei einem lockeren Ausgabenverhalten fort und hört bei einer mangelnden Kontrolle durch den Aufsichtsrat auf. Auf diese Weise wird signifikanter Wert für die Aktionäre vernichtet.


ECOreporter.de: Sie kritisierten den Aufsichtsratsvorsitzenden und einen weiteren Kollegen unter anderem, weil sie in der Vergangenheit „Entscheidungen zugunsten der Privatkasse und nicht im Sinne der Aktionäre“ gefällt haben sollen. Können Sie das anhand eines Beispiels präzisieren?

Volker Friedrichsen:  Am besten lässt sich die Selbstbedienungsmentalität von Herrn Billhardt und Herrn Kuprian beim Thema Vergütung veranschaulichen. Hier spielen sich Vorstand und Aufsichtsratsmehrheit gegenseitig die Bälle zu. Während die PNE im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro Verlust gemacht hat und der Aktienkurs über 12 Monate fast 20 Prozent im Minus ist, hat Herr Billhardt als Vorstandsvorsitzender so gut verdient wie selten zuvor: rund 1,3 Millionen Euro. Eine solch hohe Vergütung ist weder leistungsgerecht noch entspricht sie den Branchenstandards. Dasselbe Bild beim Aufsichtsratsvorsitzenden: Herr Kuprian hat im vergangenen Jahr rund 229.000 Euro erhalten. Das Unternehmen macht Verlust und die Unternehmensführung lässt es sich gut gehen. Diese Selbstbedienungsmentalität muss endlich ein Ende haben.


ECOreporter.de: Der Teil der Unternehmensführung um Herrn Billhardt wirft Ihnen einen „dauerhaften Interessenkonflikt“ vor. Die Argumentation: Sie sind als Alleineigentümer der Volker Friedrichsen Beteiligungs-GmbH einerseits PNE-Großaktionär und andererseits habe die Friedrichsen Beteiligungs-GmbH als als WKN-Mehrheitseignerin dem Unternehmen die WKN AG verkauft. Zudem sind Sie Eigentümer des Emissionshauses reconcept GmbH aus Hamburg, das unter anderem Windkraftbeteiligungen initiiert.
 
Volker Friedrichsen:  Die Vorwürfe von Herrn Billhardt sind ebenso haltlos wie durchschaubar. Sie dienen einzig und allein dazu, meine Person zu desavouieren und mich als kritisches Aufsichtsratsmitglied loszuwerden. Zu den Vorwürfen gegen meine Person kann ich sagen: Die reconcept GmbH ist kein Wettbewerber der WKN AG. Seit einigen Jahren und bereits vor meiner Wahl in den Aufsichtsrat der PNE Wind AG wussten die Herren Billhardt und Kuprian von meiner Beteiligung an der reconcept. Zu keiner Zeit hat das irgendwelche Bedenken ausgelöst. Erst als ich mich kritisch zu der unangemessen hohen Vergütung von Herrn Kuprian und Herrn Billhardt geäußert habe, wurde daraus plötzlich ein Problem konstruiert.


ECOreporter.de: Ein Vorwurf, den Herr Billhardt inzwischen auch öffentlich gemacht hat: PNE soll WKN zu einem überhöhten Preis gekauft haben. Dazu soll es gekommen sein, weil bei der Wirtschaftsprüfung vor dem Verkauf zu 15 Projekten unvollständige beziehungsweise falsche Angaben zu der Werthaltigkeit gemacht worden sein sollen. Was sagen Sie dazu?

Volker Friedrichsen:  Die Vorwürfe sind Gegenstand eines Schiedsgerichtsverfahrens und werden sich als haltlos herausstellen. Der Vorwurf überhöhter Projektbewertungen entbehrt jeglicher Grundlange. Dies sind falsche Anschuldigungen ohne jeden faktischen Beleg.


ECOreporter.de: Trifft es zu, dass Peter Baron von le Fort auf Ihren Wunsch hin die Abberufung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Dieter Kuprian, beantragt hat und schließlich auch gerichtlich mit dem Ansinnen scheiterte? Mit welcher Argumentation wurde der Antrag auf Abberufung begründet?

Volker Friedrichsen:  Was heißt hier auf meinen Wunsch? Herr Baron von le Fort ist ein unabhängiges Aufsichtsratsmitglied und als bestellter Wirtschaftsprüfer sehr erfahren in der Aufsichtsfunktion. Er hatte die Abwahl von Herrn Kuprian als Vorsitzender des Aufsichtsrats beantragt. Dafür gab es leider im Aufsichtsrat keine Mehrheit. Herr Baron von le Fort hat sich dann an das Gericht gewandt, um die Rechtmäßigkeit der Abstimmung im Aufsichtsrat überprüfen zu lassen. Das Gericht hat die Bedenken des Herrn von le Fort nicht geteilt. Diese Gerichtsentscheidung sagt aber nichts über die Amtsführung von Herrn Kuprian aus.


ECOreporter.de:  Medienberichten zufolge soll es beim Kauf von Vestas-Windrädern durch die WKN AG systematische Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Vestas-Mitarbeiter sollen über Jahre überhöhte Rechnungen an WKN gestellt haben, um so 18 Millionen Euro über Provisionszahlungen in die eigene Tasche zu wirtschaften. Wie bewerten Sie den Bericht?

Volker Friedrichsen: 
Sollten die angesprochenen Medienberichte zutreffen, wären WKN und damit auch ich als damaliger Hauptaktionär der WKN die Geschädigten gewesen. Ein mögliches Fehlverhalten ehemaliger WKN-Mitarbeiter wäre schlimm. Wie aus den Medien bekannt, richten sich die Vorwürfe und staatsanwaltlichen Ermittlungen nicht gegen mich. 

ECOreporter.de: Spielen diese Vorwürfe im Zusammenhang mit Vestas beim aktuellen Streit an der Führungsspitze der PNE Wind AG eine Rolle?


Volker Friedrichsen:  Nein, das sind zwei vollständig getrennte Sachverhalte.


ECOreporter.de: Wie geht es weiter, wenn Sie auch nach der PNE-Hauptversammlung im Aufsichtsrat bleiben? Müssten sich dann der amtierende Vorstandsvorsitzende Martin Billhardt und der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Herr Kuprian bei der PNE Wind AG komplett zurückziehen, oder gibt es andere denkbare Optionen?

Volker Friedrichsen:
  Ich setze mich auf der Hauptversammlung dafür ein, dass Herr Billhardt als Vorstandsvorsitzender nicht entlastet wird. Herr Billhardt ist maßgeblich für das erneut enttäuschende Jahresergebnis und die schlechte Aktienkursentwicklung des Unternehmens verantwortlich. Zudem setze ich mich für die Absetzung der Aufsichtsratsmitglieder Kuprian, Fischer und Abhari ein, es geht mir um die Kontrollfunktion gegenüber dem Vorstand. Sie sollten meiner Meinung nach durch unabhängige und erfahrenere Persönlichkeiten ersetzt werden. Deshalb schlage ich drei erfahrene und unabhängigere Kandidaten für den Aufsichtsrat vor: Wilken von Hodenberg, Andreas Rohardt und Stefan ten Doornkaat.  


ECOreporter.de: Ein wichtiger strategischer Schritt, den die PNE Wind AG auf den Weg gebracht hat, ist die Gründung einer sogenannten YieldCo. , das ist ein Unternehmen, das alle fertigen PNE-Projekte zunächst übernehmen soll. Wird die PNE Wind AG diesen Weg in jedem Fall weitergehen, und inwiefern sehen Sie Bedarf für Kurskorrekturen bei der Unternehmensstrategie?

Volker Friedrichsen:  Ich halte die YieldCo. grundsätzlich für den richtigen Weg, bin aber überzeugt davon, dass die Art und Weise, wie die PNE-Führung das Modell umsetzt, hochriskant ist. Die Führung der PNE verzichtet in der Aufbauphase bewusst auf externe Investoren, um so nach eigenem Belieben Projekte in die YieldCo schieben zu können. Damit bündelt sie das Risiko während dieser Zeit im eigenen Unternehmen und riskiert Liquiditätsengpässe. Ich plädiere dafür, externe Investoren mit ins Boot zu holen. Damit wird das Risiko auf mehrere Schultern verteilt und die finanzielle Schlagkraft erhöht.  Ein weiterer wichtiger Schritt wäre die Gewinnung größerer Investoren als Aktionäre der PNE. Auf mich sind mehrere Interessenten zugekommen. Herr Kuprian hat mir jedoch klar zu erkennen gegeben, dass man „keinen Großaktionär wünsche“, da man mit Kleinaktionären vollkommen zufrieden sei.

ECOreporter.de: Danke für das Gespräch, Herr Friedrichsen.


Zur Person:
  Volker Friedrichsen ist im Aufsichtsrat der PNE Wind AG und größter Einzelaktionär des Windkraftprojektierers aus Cuxhaven. Zugleich ist er Alleineigentümer der Volker Friedrichsen Beteiligungs-GmbH. Über dieses Unternehmen ist der Unternehmer und ehemalige Banker Eigentümer des Emissionshauses reconcept GmbH aus Hamburg. Bis zum Verkauf an die PNE Wind AG war die Volker-Friedrichsen-Beteiligungs-GmbH Mehrheitseigner der WKN AG aus Husum.

PNE Wind AG: ISIN DE000A0JBPG2 / WKN A0JBPG
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