30.06.10 Fonds / ETF

„Die Solarbranche wird für Anleger künftig besonders interessant sein“- Interview mit Dr. Thomas Deser, Union Investment Luxembourg S.A.



ECOreporter.de: Welche Anlagestrategie verfolgt der UniSector: Klimawandel?

Dr. Thomas Deser: Der Fonds investiert in Aktien von Unternehmen aus dem Bereich Umwelttechnik, deren Produkte und Technologien gegen das Phänomen Klimawandel arbeiten. In der Praxis bedeutet dies, wir investieren in die Segmente Solar- und Windenergie sowie Wasseraufbereitung, Recycling und Energieeffizienz. Dabei legen wir Wert darauf, dass es sich bei diesen Unternehmen um solche handelt, die ihr Kerngeschäft mit den genannten Produkten und Technologien bestreiten. Das bedeutet für uns, investierbare Unternehmen sind die, die im Bezug auf ihre jeweilige Größe mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes so erzielen.


ECOreporter.de: Wie ist der aktuelle Platzierungsstand?


Deser:
Der Fonds verwaltet aktuell 37,7 Millionen Euro, Stand 25. Juni.


ECOreporter.de: Wie entwickelte sich der Fonds im Bezug auf seinen Ausgabepreis?


Deser:
Im Vergleich zum Ausgabepreis liegt der Fonds aktuell bei minus 35 Prozent. Dabei ist zu bedenken, dass die Auflage eines Fonds immer das Ergebnis eines längeren Prozesses ist. Die Union Investment hat den Fonds nicht zum 1. Oktober 2007 lanciert, weil wir Analysten und Fondsmanager dies für den idealen Zeitpunkt erachtet haben, sondern weil es der Union Investment wichtig war, ein derartiges Finanzinstrument im Repertoire zu haben.


ECOreporter.de: Was unterscheidet den UniSector: Klimawandel von anderen nachhaltigen Aktienfonds?


Deser:
Das gesamte Konzept. Der UniSector: Klimawandel funktioniert nicht nach sozialen, ethischen oder ökologischen Ausschlusskriterien. Er ist also kein Nachhaltigkeitsfonds, sondern ein reiner Klimafonds. Das bedeutet, er konzentriert sich ausschließlich auf Unternehmen, die gegen das Phänomen Klimawandel arbeiten.


ECOreporter.de: Heißt das, das Portfolio wird „nur“ nach ökonomischen Gesichtspunkten umstrukturiert?

Deser:
Das stimmt. In erster Linie sind ökonomische Gründe ausschlaggebend. Glücklicherweise ist die Auswahl an investierbaren Unternehmen im Vergleich zum Start 2007 mittlerweile wesentlich größer. Es gab seitdem allerdings keinen Anlass, ein Unternehmen aus dem Portfolio zu nehmen.


ECOreporter.de: Dortmund wird derzeit von einem Umweltskandal erschüttert, bei dem gegen das Recycling-Unternehmen Envio AG wegen unsachgemäßem Umgang mit dem Umweltgift PCB unter anderem wegen Körperverletzung ermittelt wird. Das Unternehmen galt bis dahin als vorbildlich und nachhaltig. Wie würden sie mit so einem Fall umgehen?

Deser: In solchen Fällen gilt es zu prüfen, ob das was die Börse daraus macht übertrieben ist oder nicht. Eine Frage lautet zum Beispiel: Sind die Folgekosten was eventuelle Widergutmachungszahlungen für Schäden oder Rückstellungen betrifft richtig bewertet? Das gilt im Übrigen auch für einen Fall wie BP. Klar ist aber: Wenn ein Konzern vorsätzlich gegen geltendes Recht verstößt, ist das mit Sicherheit ein Ausschlusskriterium.


ECOreporter.de: Wie ist der Fonds durch das Krisenjahr 2009 gekommen? Hat sich die Unsicherheit am Finanzmarkt auf die Performance ausgewirkt?

Deser: Speziell in den Segmenten Wind- und Solarenergie hat die Heckwelle der Krise spürbare Probleme verursacht, weil die Projektfinanzierung zunehmend schwieriger wurde. Als Gegenmaßnahme haben wir das Portfolio aktiv umgesteuert, den Schwerpunkt mehr auf die Bereiche Wasserwiederaufbereitung und Energieeffizienz gelegt, und die Anteile in den Bereichen Windkraft- und Solarenergie entsprechend reduziert. Diese Strategie hat sich ausgezahlt.


ECOreporter.de: Es gibt  Statistiken, die besagen, dass indexgesteuerte Geldanlagen, so genannte ETFs (Exchanche Traded Funds), genauso gute oder bessere Wertentwicklungen erzielen, wie Geldanlagen, die von professionellen Fondsmanagern verwaltet werden. Was ist davon zu halten?

Deser: Besonders in Nischenbereichen wie beim Thema Klimawandel sind aktiv gemanagte Fonds gegenüber ETFs nach wie vor im Vorteil. Während der Inhaber eines ETF-Zertifikats einen eventuellen Wertverlust voll mitnimmt, kann ein Fondsmanager seine Anleger schützen in dem er unmittelbar auf zeitweise Schwankungen reagiert und Maßnahmen ergreift. Bei der Union Investment haben wir zudem die Erfahrung gemacht, dass unsere Kunden Wert darauf legen, dass es ein verantwortliches Gesicht zu dem Produkt gibt. Es ist wichtig, dass es jemanden gibt, der langfristig für das Produkt steht. Beides gilt im übrigen gleichermaßen für die thematisch breiter aufgestellten Produkte unseres Hauses.


ECOreporter.de: Der UniSector: Klimawandel ist ein Branchenfonds. Inwiefern setzt er regionale Schwerpunkte?


Deser: Der Fonds ist einerseits sehr amerikalastig und hat andererseits einen sehr hohen Länderanteil in Dänemark. Was auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich erscheint, ist allerdings simplen Tatsachen geschuldet. Als Branchenfonds ist der UniSector: Klimawandel in den Bereichen Wasser und Umwelttechnik verstärkt nach Amerika gegangen, weil hier Branchenschwerpunkte liegen. Auch die Beteiligung am US-Solarkonzern First Solar sorgt für diese Amerikalastigkeit. Der große Länderanteil in Dänemark liegt vor allem am Windradhersteller Vestas Wind Systems, der allein mit sieben Prozent vertreten ist Hinzu kommt noch die ebenfalls dänische Novozymes. Zusammen machen die Unternehmen 13 Prozent des Portfolios aus.


ECOreporter.de: Sie selbst klassifizieren den Fonds laut Produktinformation als eine Geldanlage mit „hohem Risiko“, der dritten von vier möglichen Risikoklassen. Das klingt als sei er nicht unbedingt für den „kleinen“ Privatanleger gemacht. Für welchen Anlegertyp wurde der Fonds entwickelt?


Deser:
Klimawandel ist eine Nische, die unter anderem stark von der öffentlichen Wahrnehmung geprägt ist. Kommt es zu einer Katastrophe wie aktuell im Golf von Mexiko oder steht die Welt unmittelbar vor einer Klimakonferenz, dann stehen die Segmente Erneuerbare Energien und Umwelttechnik stärker im Fokus und es fließt viel Geld in diese Branchen. Dazwischen gibt es aber immer wieder Ruhephasen, in denen ihnen weniger Geld zufließt. Wir haben die hohe Risikoklasse bewusst gewählt, um diese erhöhte Volatilität abzubilden. Das bedeutet nicht, der Fonds würde sich nicht auch für Privatanleger eignen. Die Grundidee hinter dem Fonds ist, ihn als Beimischung innerhalb des Aktienanteils im Portfolio von Anlegern anzubieten, die dieses Segment neben Immobilien und anderen Assetklassen abgedeckt haben möchten. Der Fonds ist allerdings nicht als „alleiniges Basisinvestment innerhalb der Assetklasse Aktien“ konzipiert.


ECOreporter.de: Welche Gebühren werden verlangt? Mit welcher Mindestinvestition ist der Einstieg möglich?


Deser:
Eine Mindestanlagesumme gibt es nicht. Als Ausgabeaufschlag werden vier Prozent vom gezeichneten Anteilswert berechnet. Die Verwaltungsgebühr liegt aktuell bei 1,55 Prozent jährlich. Sie kann maximal auf 1,75 Prozent per anno ansteigen. Die jährlichen Ausschüttungen werden immer Mitte November gezahlt. Als Aktienfonds sind die Anlagen im UniSector: Klimawandel grundsätzlich an jedem Börsenhandelstag verfügbar.


ECOreporter.de: Wie kam es zur Auflage des UniSector: Klimawandel? War die Auflage eine Reaktion auf eine bestimmte Nachfrage?

Deser:
Wir haben den Bereich Umwelttechnik seit langem für uns entdeckt. Im Grunde schon seit dem Jahr 2000. Mit dem UniSector: Klimawandel führen wir in gewisser Weise die Expertise fort, die wir mit dem Vorläuferprodukt UniSector: NatureTech von 2001 bis 2005 aufgebaut hatten. Während der Branchenkrise zwischen 2003 und 2005, als sehr viele Fonds zusammengeschnürt wurden, wurde der Fonds vom Markt genommen. Allerdings haben wir nicht aufgehört, den Markt zu beobachten. 2007 wurde klar, dass die Union Investment nicht auf ein solches Finanzinstrument verzichten möchte und der UniSector: Klimawandel wurde aufgelegt.


ECOreporter.de: Orientiert sich das Fondsmanagement bei der Wertentwicklung an einer Benchmark?

Deser: Die Leistung des Managements wird gegen eine branchenübliche Benchmark gemessen. Ziel ist es, diese Wertentwicklung zu übertreffen.


ECOreporter.de: Wie werden sich die im Anlageuniversum abgebildeten Märkte in der nahen Zukunft entwickeln? Wo sehen sie Potenziale und wo würden sie derzeit eher nicht investieren?

Deser:
Der Bereich Wasser und Wasseraufbereitung wird sich in den nächsten Jahren moderat entwickeln und stetig aber unspektakulär wachsen. Der Bereich Windenergie wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine gut erkennbare Wachstumsphase durchlaufen. Besonders interessant dürfte die Solarbranche sein. Angesichts der stetig fallenden Preise und der Aussicht auf CO2-freie Stromerzeugung aus der kostenlosen Energiequelle Sonne mit Technologie, die auf unbewegliche Teile zurückgreift. Grundsätzlich gilt: Technologien müssen ohne Subventionen besser und billiger sein als das, was aktuell am Markt ist. Deshalb ist die Brennstoffzellen-Technologie zwar vom technischen Standpunkt her hoch interessant, aus Anlegersicht jedoch eher weniger. Diese Branche ist mittelfristig gesehen noch zu stark von Subventionen abhängig


ECOreporter.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung des Themas Nachhaltigkeit am Fondsmarkt und wie wird sie sich weiter entwickeln?

Deser: Das Thema Nachhaltigkeit hat in der Fondswelt auf jeden Fall seinen Platz gefunden. Dort hat sich eine Nachfrage entwickelt die spürbar gestiegen ist. Nicht umsonst ist der Bereich auch der bei Union Investment am stärksten wachsende in der jüngeren Vergangenheit gewesen.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Interview!

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