14.04.10 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

„Die Solarthermie wird in den außereuropäischen Märkten noch schneller wachsen als bei uns“. - ECOreporter.de-Interview mit Andrew Murphy, Murphy&Spitz Green Capital AG




ECOreporter.de: Was müssen Unternehmen mitbringen, in die Murphy&Spitz Green Capital investiert?

Andrew Murphy: Die Unternehmen, in die wir investieren, müssen aus den Themenbereichen erneuerbare Energien oder nachwachsende Rohstoffe kommen. Dabei ist die gegenwärtige Entwicklungsphase unerheblich. Wir investieren sowohl frühphasig – also bei der Gründung von Unternehmen mit entwickelter Technologie - als auch in etablierte Unternehmen. Ein gutes Beispiel für eine Frühphasenfinanzierung war die CTF Solar, ein Photovoltaik-Dünnschichthersteller. Ein gutes Beispiel für ein Later stage Investment ist die gerade erfolgte Finanzierung der KBB Kollektorbau, die schon seit 1993 in der Herstellung von solarthermischen Kollektoren tätig sind. Die Investitionshöhe ist unterschiedlich, liegt aber meist zwischen  0,5 Millionen Euro und  2 Millionen Euro. Wobei wir des Öfteren mit Partner syndizieren, um höhere Finanzierungsrunden zu ermöglichen.

ECOreporter.de: Welche Bereiche von erneuerbaren Energien sind im Portfolio?

Murphy: Gegenwärtig sind wir in der energiesparenden Haustechnik, in der Solarthermie und im Aufbau eines IPP (Independent Power Producer) durch Photovoltaikanlagen investiert. In der Prüfung sind wir im Bereich Elektroautos und Energieeffizienz. Unser Schwerpunkt liegt sicherlich im Themenfeld der Nutzung solarer Energie. Wir sind davon überzeugt, dass in diesem Bereich noch nicht ansatzweise das ganze Potential abgeschöpft ist. Hier verfügen wir über ein breites Netzwerk von Kontakten.

ECOreporter.de: Welche Schwerpunkte werden gesetzt?

Murphy: Es ist gut vorstellbar, dass wir den Schwerpunkt weiterhin auf die Nutzung der Solarenergie setzen. Dabei liegt unser Augenmerk nicht unbedingt auf der Photovoltaik. Viel versprechende Entwicklungen wie in der Concentrating Solar Power (CSP), also im Bereich thermische Solarkraftwerke, und in der solaren Kühlung werden von uns sehr genau beobachtet.
Einen gut entwickelten Markt wie die Solarthermie sollte man aber nicht unterschätzen. Wenn wir über staatliche Förderung sprechen, dann denkt jeder direkt an die Photovoltaik. Einen tatsächlichen Eingriff durch aktive finanzielle Förderung erfolgt aber in der Gewinnung von Wärme durch die Kraft der Sonne. Das geht sogar viel weiter, stellen Sie sich vor, wir würden in NRW ein Gesetz erhalten, nachdem es Pflicht für jeden Bauherrn wäre, eine PV-Anlage auf sein Dach zu setzten. Wenn Sie ein neues Haus bauen wollen, kommen sie an der Solarthermie nicht mehr vorbei. Dafür hat der Gesetzgeber gesorgt – ohne im  Kreuzfeuer der Kritik zu stehen. Die Mittelständler agieren da viel geschickter, keiner kann die Gewinnspannen an der Börse sehen, wie bei Solarworld und Q-Cells. Und durch die Senkung der Einspeisevergütung in PV-Bereich, wird nach Einschätzung von Murphy&Spitz ab nächstes Jahr auch der „Kampf auf dem Dach“ wieder neu entflammen. Die Nutzung auf dem Dach wird dann auch wieder aus Rentabilitätsgründen für die Solarthermie sprechen. Richtet man den Blick auf die Senkung des CO2-Ausstoßes, so hätte man solarthermischen Anlagen den Vorzug geben müssen.

ECOreporter.de: Wird die Nachhaltigkeit der in Frage kommenden Unternehmen analysiert? Welche Rolle spielt dieser Faktor?

Murphy: Schauen wir uns das an einem konkreten Investment, wie bei der gerade erfolgten KBB-Beteiligungs, an: Bis wir eine endgültige Entscheidung für ein Investment fällen, werden mehrere Analysen erstellt. Neben einer technischen und einer Commercial Due Diligence haben wir ein internes Research zur Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten aufgebaut. Die Leiterin, Frau Nicole Vormann, hat sich nicht nur vor Ort ein Bild gemacht, sie hat sich auch die Produktionsprozesse, die Implementierung des Umweltmanagements oder die Bodenbelastung des Grundstückes angeschaut. In der umfangreichen Prüfung haben wir festgestellt, dass es beispielsweise noch Rechtsansprüche der Jewish Claims Conference bzgl. des Grundstückes zu prüfen gibt. Die drei Research-Reports werden zusammen mit einer juristischen Due Diligence sowohl dem Aufsichtsrat als internes Gremium als auch dem Nachhaltigkeitsbeirat als externes Gremium zur Bewertung vorgelegt. Der ganze Prozess hört sich für einen Außenstehenden vielleicht sehr komplex an und das ist er auch. Das rührt aber von unserem Verständnis eines verantwortungsbewussten Investments her.

ECOreporter.de: Warum und in welchem Umfang ist Murphy&Spitz Green Capital nun in die KBB Kollektorbau eingestiegen?

Murphy:  Wir haben nun im ersten Schritt einen Anteil von 7 Prozent erworben. Wir gehen davon aus, dass sich dieser im Laufe der nächsten Jahre noch erhöhen wird. Eingestiegen sind wir in ein sehr etabliertes Unternehmen, das Sonnenkollektoren herstellt. Das geschieht vornehmlich für andere Firmen. Nach dem Top-down-Ansatz, den wir verfolgen,  sieht Murphy&Spitz die Chancen für die Solarthermie in Europa positiv. Im Gegensatz zu PV-Modulen sind Solarkollektoren nicht so komplex. Der weltweite Markt besteht zu 60 Prozent aus der chinesischen Binnennachfrage – also komplett anders als im PV-Markt. Ferner sind die Module preiswert – auch hier in Relation zum PV-Modul. Die Herstellung eines großvolumigen Solarkollektors in China hätte einen 10prozentigen Preisaufschlag zur Folge, würde man den Kollektor hier in Deutschland anbieten wollen. Wir sehen also die Billiglohnländer nicht als die direkten Konkurrenten. Unterstützt wird dieses durch eine Ausrichtung des stark zersplitterten Markts in China auf ineffiziente aber billige Röhrenkollektoren. Technologischer Marktführer in Deutschland ist die Kollektorbau Berlin (KBB).

ECOreporter.de: Wie schätzen Sie die weitere Marktentwicklung im Bereich Solarthermie ein?

Murphy: Die Solarthermie in den außereuropäischen Märkten wird noch schneller wachsen als bei uns. Ungewiss wird dabei sicherlich bleiben, in welchem Tempo das geschieht. Der Solarthermiemarkt ist weit weg von einem linearen Anstieg, die Schwankung ist doch relativ hoch. Umso wichtiger ist es daher, dass man auf ein etabliertes Unternehmen mit etablierten Vertriebsstrukturen aufbauen kann.

ECOreporter.de: Auf welchen Zeitraum legt Murphy&Spitz Green Capital das Engagement bei einem Unternehmen an? Wann erfolgt der Exit?

Murphy:
Grundsätzlich zielt unser Engagement darauf ab, ein festgelegtes Ziel zu erreichen. Dabei wird sicherlich ein Zeitrahmen festgelegt, aber ich habe in meiner beruflichen Laufbahn noch nie gesehen, dass ein Businessplan aufgeht. Das soll jetzt im Umkehrschluss nicht heißen, dass ein Businessplan nicht nötig ist, aber die Entwicklung eines Unternehmens ist von sehr vielen Parametern abhängig, und viele davon liegen wiederum nicht im Einflussbereich eines Partnerunternehmens.
Unser Ziel ist es, die KBB in den kommenden fünf Jahren erheblich, sowohl im Umsatz als auch im Ergebnis, zu steigern. Darüber hinaus wird gegenwärtig über eine Ausweitung der Marktposition nachgedacht. Als Beteiligungsgesellschaft ist es sicherlich unser Ziel, in absehbarer Zeit weiteren Partnerunternehmen finanziell zu helfen. Wie letztendlich der Exit bei der KBB aussehen kann, haben wir noch nicht festgelegt. Durch unsere Struktur als börsennotierter Finanzier Erneuerbarer Energien, haben wir aber auch nicht den Druck, innerhalb eines gewissen Zeitraums – egal ob erfolgreich oder nicht – wieder aussteigen zu müssen. Diesen Druck spüren Unternehmen, die einen Investor haben, der sich über geschlossene Fonds finanziert.

ECOreporter.de: Herr Murphy, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Bildhinweis: Parabolspiegel zur solarthermischen Anwendung. / Quelle: ECOreporter.de
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