09.03.10 Aktientipps

Die Überflieger: was spricht für die Aktie der First Solar?

First Solar aus dem US-Bundesstaat Arizona zählt zu den wachstumsstärksten der börsennotierten Photovoltaikunternehmen. Nach dem Start der kommerziellen Produktion in 2002 erreichte es bis 2005 eine Produktionskapazität von 25 Megawatt (MW). Seither wurde diese auf mehr als ein Gigawatt (GW) vervierzigfacht. Damit hat sich das Unternehmen zum weltweit größten Hersteller von Solarmodulen gemausert. Bis 2011 wollen die Amerikaner die Jahresleistung noch einmal verdoppeln; dem Unternehmen lagen Anfang 2010 Bestellungen und Anfragen bis 2012 im Umfang von sechs GW vor. Das entspricht der Energieleistung von sechs Atomkraftwerken.

Weltmeister bei den Produktionskosten

Basis dieses enormen Wachstums sind die günstigen Produktionskosten. Als erstes Solarunternehmen der Welt hat es First Solar geschafft, sie auf unter 1 Dollar pro Watt zu reduzieren. Bis Ende 2009 sanken sie auf 0,8 Dollar. Die Konzernspitze hat das Ziel ausgegeben, bis 2014 einen Wert zwischen 0,52 und 0,63 Dollar zu erreichen. Kein anderer Solarproduzent produziert auch nur annähernd so günstig. Entscheidend wirkt sich hier die Spezialisierung der Amerikaner auf Dünnschicht-Module aus. „Herkömmliche Solarmodule durchlaufen von der Verarbeitung des Basisrohstoffes Silizium bis zum Endprodukt mindestens vier Fertigungsstufen“, erläutert Sebastian Fasbender, Sprecher für die deutsche Tochter von First Solar. Sein Unternehmen komme bei den Dünnschichtmodulen dagegen mit einem Arbeitsgang aus. Eine Halbleiterschicht mit dem Grundstoff Cadmiumtellurid (CdTe), die Sonnenlicht in Energie umwandelt, werde auf ein Rückglas aufgebracht und mit Hilfe eines Frontglases luftdicht verschlossen - fertig.

Die so hergestellten Module verwandeln Sonnenlicht zwar nicht so effizient in Energie wie herkömmliche Module auf Siliziumbasis. Deren Wirkungsgrad beträgt bis zu 24 Prozent, Produkte von First Solar erreichen nur die Hälfte. Aber insbesondere weil sie schwaches Licht besser verwerten, kommen Anlagen mit Modulen von First Solar im Jahresdurchschnitt auf eine mindestens so hohe Ausbeute wie herkömmliche Module. Umso stärker schlägt daher die billige Produktion ins Gewicht. Sie ermöglicht einen großen Preisvorteil. Vor allem für Abnehmer, die große Solarprojekte umsetzen und daher viele Module benötigen, ein wichtiges Argument. Im Februar 2010 wurden Dünnschichtmodule laut PVXchange im Schnitt zu rund 1,55 Euro angeboten, während herkömmliche Module knapp 2 Euro kosteten.

Anbieter herkömmlicher Module wettern zuweilen gegen den Einsatz von CdTe als nicht nachhaltig, da die Verbindung hochgiftig ist und nur mit hochaggressiven Säuren gelöst werden kann. Doch der Umweltbelastung durch ihre Produkte nach der Verwendung baut First Solar durch ein Recyclingprogramm vor, das eine Studie von Murphy&Spitz aus Bonn als „vorbildlich“ bezeichnet. 95 Prozent des Halbleitermaterials werde in einem geschlossenen Recyclingprozess zurück gewonnen und zu neuen Solarmodulen verarbeitet. Bereits beim Kauf der Produkte bezahlt der Kunde dafür, dass First Solar die Module nach Ablauf der Lebensdauer übernimmt und wieder aufbereitet.

Schwerpunkt in Europa wird verlagert

Das US-Unternehmen hat 2009 Umsatz und Nettoergebnis um 84 Prozent gesteigert. Für 2010 kündigte es weiteres Wachstum an. Dennoch hat sich der Aktienkurs von First Solar vom Frühjahr 2009 bis zum Frühjahr 2010 in etwa halbiert. Damit reagieren die Börsianer zum einen auf den starken Preisverfall bei Solarmodulen. Überkapazitäten infolge der erschwerten Finanzierung von Solarprojekten haben zu Überkapazitäten geführt, auch First Solar musste Preise senken und damit schwächere Gewinnmargen hinnehmen. Zum anderen befürchten die Börsianer Absatzprobleme ab dem Juli 2010. Denn dann gelten in Deutschland stark verringerte Vergütungssätze für Solarstrom. Große Solarparks werden fortan weniger rentabel sein, es droht ein starker Rückgang der deutschen Nachfrage.

First Solar hat bislang die Hälfte der Umsätze in der Bundesrepublik erzielt, in Frankfurt/Oder sogar eine große Produktion aufgebaut. Aber vieles spricht dafür, dass die Amerikaner eine schwäche Nachfrage aus Deutschland in anderen Märkten ausgleichen können. Matthias Fawer von der Bank Sarasin rechnet damit, das sich das weltweite Wachstum der Photovoltaik fortsetzt, aber auf mehr Länder als bisher verteilt. Dazu zählt er etwa den französischen Solarmarkt. Nahe Bordeaux will First Solar noch in diesem Jahr die größte Solarfabrik des Landes starten. Sie soll bis 2012 eine Kapazität von 100 MW pro Jahr erreichen. Mit seiner Grünstromtochter beteiligt sich der Energiekonzern EDF nicht nur an der Finanzierung dieser Solarfabrik. Er hat auch bereits vorab die gesamte Produktion der ersten zehn Jahre erworben.

Stärken im US-Geschäft

Besonders große Absatzchancen eröffnen sich für First Solar im Heimatmarkt USA. geht davon aus, dass sich dort die Menge der neu installierten Solarstromleistung bis 2012 jedes Jahr verdoppeln wird, auf eine Marke von drei GW. Mit dieser Menge an neu aufgestellter Kapazität war Deutschland 2009 der weltweit wachstumsstärkste Solarmarkt. Die Dünnschicht-Spezialistin kann vor allem im Geschäft mit US-Energieversorgern die Preisvorteile ihrer Module ausspielen. Die werden nicht nur durch Vorgaben der Bundesstaaten zunehmend verpflichtet, in Grünstromprojekte zu investieren. Sie bevorzugen dabei auch große Freiflächenanlagen, benötigen also große Mengen an Modulen.

Einen weiteren Vorteil hat sich First Solar im März 2009 eingekauft: mit der Übernahme der kalifornischen OptiSolar. Sie ist auf den Bau und den Betrieb großer Solarparks spezialisiert. Ihren US-Kunden kann First Solar daher nicht nur Module anbieten, sondern im Gesamtpaket gleich ganze Solarprojekte. Durch die Umsetzung der Projekte von OptiSolar sind zudem Mindestabsatzmengen garantiert. Das Unternehmen kann daher ohne Risiko große Stückzahlen produzieren und dadurch weitere Kostensenkungen ermöglichen.

Aussicht auf gute Geschäfte hat First Solar auch in China. In Peking hat das Unternehmen einen Vorvertrag über einen Auftrag mit einer Gesamtkapazität von zwei GW abgeschlossen. Ein Vorteil: bereits seit 2008 verfügt es über eine Produktion in Asien - in Malaysia. Sie wird zügig ausgebaut, um noch günstiger fertigen und auch den aufstrebenden Solarmarkt Chinas beliefern zu können.

Fazit

Das Unternehmen dürfte seine Abhängigkeit vom deutschen Solarmarkt rechtzeitig verringern und fortan verstärkt in anderen Märkten hohe Einnahmen erzielen. Aufgrund seines Preisvorteils wird es langfristig zu den Gewinnern der aktuellen Umstrukturierung im weltweiten Solarmarkt zählen. Aktienkurse von über 200 oder gar 300 Euro wie vor der Finanzkrise sind so bald nicht mehr zu erwarten. Ein Zuwachs auf rund 120 Euro erscheint aber mit Sicht auf zwölf Monate realistisch.

First Solar Inc.
ISIN: US3364331070
Umsatz 2009: 2,1 Milliarden Dollar
Gewinn 2009: 640,1 Millionen Dollar
Marktkapitalisierung: 6,9 Milliarden Euro
Aktienkurs (Frankfurt, 8.3.2010): 78,80 Euro

Bildhinweis: Solarpark mit Modulen von First Solar. / Quelle: Phoenix Solar
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