Peter Diessenbacher (37) und Allin Gasparian (35) haben die WeGrow GmbH 2009 als Spin-Off-Unternehmen des Forschungsbereiches Nachwachsende Rohstoffe der Universität Bonn gegründet. Die Diplom-Volkswirtin und der Diplom- Agraringenieur bilden gemeinsam die Geschäftsführung.

27.10.15 Anleihen / AIF

„Die Zertifizierung nach Forst-Standards wie FSC und PEFC spielt bei uns keine Rolle“ – Peter Diessenbacher, WeGrow GmbH

Die WeGrow GmbH aus Bonn baut in Deutschland und Spanien Kiribäume an und bietet dazu Direktbeteiligungen an. Im Interview erklärt das Geschäftsführer-Duo Allin Gasparian und Peter Diessenbacher, wie das Unternehmen dieses ursprünglich japanische Nutzholz in Europa ökologisch einwandfrei anbaut und warum WeGrow dabei trotzdem auf gängige Nachhaltigkeitszertifikate verzichtet. Außerdem spricht die Geschäftsführung über die Risiken ihrer Geldanlagen und nimmt Stellung zu den jüngsten Skandalen, die den Markt für Waldinvestments erschüttert haben.

Die WeGrow GmbH ist Aussteller der Messe Grünes Geld Köln am 21. November 2015 im Gürzenich. Bei freiem Eintritt können sich die Besucher ein umfassendes Bild über aktuelle Trends, Entwicklungen und neue ethisch-ökologisch einwandfreie Investment-Angebote machen. Abgerundet wird die Messe durch ein umfangreiches Vortragsprogramm rund um das „grüne Geld“. Näheres zu der Veranstaltung lesen Sie  hier.

ECOreporter.de: Was genau macht die WeGrow GmbH?

Allin Gasparian:  Wir entwickeln und realisieren Kiri-Anbauprojekte zur nachhaltigen Holzproduktion. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fonds- oder Direktinvestmentanbietern ist WeGrow kein reines Emissionshaus, sondern allem voran ein Produktionsunternehmen. Wir betreiben derzeit neun eigene Gewächshäuser am Standort Tönisvorst (bei Düsseldorf) und haben in der Produktionsperiode 2015 in Eigenproduktion über 180.000 Pflanzen unserer eigenen, beim Deutschen und Europäischen Sortenamt geschützten Kiri-Sorten NordMax21© und Phoenix One produziert. Mit unseren Teams aus 35 Feldarbeitern haben wir über die Anbau-Periode 2015 die operative Plantagenpflege durchgeführt.
 
ECOreporter.de: Kiri-Bäume gelten als besonders schnell im Wachstum. Wie kann man sich das vorstellen?

Peter Diessenbacher:  Die unternehmenseigenen, patentierten Sorten des Kiribaumes von WeGrow sind in der Lage, in einem Zehntel der Zeit so viel Holzvolumen zu produzieren wie eine Eiche. Zuwächse von über drei Metern in den ersten Jahren sind auf den professionell angelegten Plantagen keine Seltenheit. Das fachmännisch produzierte Kiriholz findet dabei trotz seines schnellen Wachstums im Absatz eine weltweit etablierte Verarbeitungsindustrie und attraktive Absatzpreise.

ECOreporter.de: Wie können Anleger derzeit bei WeGrow investieren?

Gasparian:
  Aktuell können sich Investoren ab 5.000 Euro an unserem dritten Beteiligungsangebot, der KiriFonds III Spanien GmbH & Co. KG, direkt als Gesellschafter beteiligen. Geplant ist hier die Investition in 180 Hektar landwirtschaftliche Fläche entlang der wasserreichen Flussläufe Nord- und Zentralspaniens durch deren Kauf oder langfristige Pacht. Hier erfolgt dann die Anlage einer nachhaltigen Produktion von Kiriholz in Plantagenform durch die Pflanzung von Kiribäumen. Der reine Eigenkapitalfonds ist dabei so konzipiert, dass sämtliche Eigentums- und Besitzrechte an Flächen und Bäumen den Investoren direkt gehören. Somit profitieren unsere Anleger sowohl von den erwarteten Holz- als auch Landpreissteigerungen direkt und im vollen Umfang.

ECOreporter.de: Wie ist der Stand der Dinge bei dem KiriFonds III?

Gasparian:  Mit der erfolgten vertraglichen Sicherung von Produktionsflächen an den Standorten bei Barcelona und Madrid hat in diesem Jahr bereits die Realisierung des aktuellen KiriFonds III Spanien planmäßig begonnen. Die Bepflanzung der ersten Fonds-Fläche „La Portella“ mit 25.000 Kiribäumen ist im Frühjahr erfolgt. Nach nur drei Monaten haben die ersten Bäume der Fonds-Fläche bereits eine Größe von über drei Metern erreicht. Aktuell ist der Fonds bereits zu über 60 Prozent verkauft, eine Vollplatzierung und Schließung des Fonds ist zum Ende dieses Jahres vorgesehen.

ECOreporter.de: Was für Renditen können die Anleger erwarten?

Gasparian:  Prognostiziert wird eine mehr als Verdoppelung des eingesetzten Kapitals nach zehn Jahren der Fondslaufzeit (215,1 Prozent Gesamtmittelrückflüsse). Die ersten Ausschüttungen sind ab dem fünften Jahr vorgesehen. Neben dieser Renditeaussicht bietet der KiriFonds III Spanien zudem eine relativ hohe Unabhängigkeit von den Kapitalmärkten und eignet sich sehr gut als stabilisierender Baustein in privaten und institutionellen Geldanlagestrategien. Unsere Anleger profitieren zudem von einer Vielzahl ökologischer Vorteile, wie zum Beispiel der hohen CO2-Bindung.

ECOreporter.de: Bei Holzinvestments wird in die Renditeprognose häufig eingerechnet, dass das Holz im Laufe der Zeit immer teurer wird. Inwiefern kalkulieren Ihre Fonds mit solchen Preissteigerungen und wie hat sich der Preis für Kiriholz seit 2010 entwickelt?

Gasparian:
  Die Rendite-Prognose unseres KiriFonds III Spanien basiert auf einer sehr konservativ angesetzten jährlichen Holzpreissteigerung von 2,5 Prozent. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes lag die durchschnittliche Holzpreissteigerung der letzten zehn Jahre bei über 6 Prozent. Nach Angaben uns gut bekannter asiatischer Holzeinkäufer ist der Preis für Kiri-Holz in letzter Zeit weiterhin stark gestiegen.

ECOreporter.de: Bislang gab es zwei Vorgängerangebote zum KiriFonds III, eines aus 2010 und eines aus 2012. Inwiefern erfüllen diese Fonds ihre Wachstums- und Renditeprognosen?

Gasparian:  Heute haben wir auf über 30 Kiribaum-Plantagen in West- und Norddeutschland auf einer Gesamtfläche von 250 Hektar über 150.000 Kiribäume erfolgreich gepflanzt und die geplanten Investitionen der ersten beiden KiriFonds realisiert. Die größten Bäume der Fonds ragen im vierten Wachstumsjahr bereits über acht Meter in die Höhe. Beide KiriFonds befinden sich planmäßig in ihrer Entwicklungs- und Wachstumsphase. Die prognostizierten Erträge aus den Holzernten werden im Jahr 2019 erwartet. Auch die aktuellen Entwicklungen deuten darauf hin, dass die weitestgehend endfälligen Rückflusszahlungen an die Anleger unserer KiriFonds erfüllt oder sogar übertroffen werden können.

ECOreporter.de: Was geschieht mit dem Holz, dass Sie produzieren, wofür wird es verwendet?

Diessenbacher:  
Das Kiriholz wird als das „Aluminium“ oder als der „Lightweight Champion“ unter den Hölzern bezeichnet. Seine wabenförmige Zellstruktur verleiht dem Kiri-Holz seine einzigartig hohe relative Festigkeit. Gepaart mit seiner exklusiven Maserung macht es das Kiri-Holz zu einem nachgefragten modernen Werkstoff für die Möbel-Manufaktur, die natürliche Raumgestaltung, die Herstellung von Holz-Markisen und -Jalousien, den Bootsbau, den Wohnmobilausbau, die Sportgeräte- und Musikinstrumentenherstellung sowie für das nachhaltige Bauen. Je nach Hersteller und Händler wird das Kiri-Holz heute unter folgenden Handelsbezeichnungen gehandelt: Kiri, Sherwood, Prinzessinnenholz, Paulonia, Kaiserholz oder Paulownia.
Allein in China werden derzeit über vier Millionen Kubikmeter Kiri-Holz jährlich, in erster Linie in der Möbelindustrie für den Export nach Europa, verarbeitet. Insbesondere hier besteht bereits ein Abnahmeinteresse an den künftigen Ernten der von WeGrow betriebenen Kiri-Plantagen. Die Wirtschaftlichkeit im Holzabsatz wird dabei maßgeblich durch die erzeugten Qualitäten und den Herkunftsnachweis des angebotenen Holzes bestimmt. Auf unseren professionell betriebenen Kiri-Plantagen können weltweit beste Kiriholz-Qualitäten nachhaltig und fair produziert werden. Dies ist insbesondere möglich durch die konsequente Kombination aus Sortenreinheit, sorgfältiger Standortauswahl, nachhaltiger Produktionsform und fachgerechter Pflege. Das erzeugte Kiri-Holz entspricht dabei dem nachgefragten Industriemaß.

ECOreporter.de: Welches sind die wichtigsten Anlagerisiken für potenzielle Investoren?
Gasparian:  Unsere Anleger beteiligen sich an dem Gesamtflächenportfolio, das sich auf mindestens zwei bis drei Regionen verteilt. Im aktuellen KiriFonds III Spanien werden Plantagen bei Madrid und Barcelona errichtet. Neben der richtigen Sorten-Auswahl ist auch die richtige Standort-Auswahl maßgeblich für das wirtschaftliche Anbaupotential und den Erfolg eines Kiri-Projektes. Bereits im Vorfeld prüft deshalb unser interdisziplinäres Experten-Team von WeGrow die Eignung ausgewählter potenzieller Anbauregionen im Hinblick auf die wirtschaftliche und ökologisch erfolgreiche Realisierung von Kiri-Projekten. Dabei fließen sowohl klimatische, bodenkundliche, produktionstechnische und infrastrukturelle als auch politische, rechtliche und ökonomische Standortfaktoren gleichermaßen in die Standortentscheidung mit ein. Dadurch wird die gesamte Anbausicherheit zusätzlich gestützt. Generell handelt es sich bei der Investition in den KiriFonds III Spanien um eine unternehmerische Beteiligung, die mit Risiken verbunden ist. Grundlage für die Beteiligungsentscheidung ist ausschließlich der dazugehörige Verkaufsprospekt nebst Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) einschließlich etwaiger Nachträge mit den dort beschriebenen Chancen und Risiken. Hier können sich Interessenten ausführlich und ganz in Ruhe über das Projekt, seine Investitionsstrategie, unser Unternehmen, den Kiribaum, die Zahlen, die Risiken und Potentiale sowie die relevanten Märkte informieren. Diese Unterlagen werden zur kostenlosen Ausgabe in digitaler und Papierform bei uns bereitgehalten und können jederzeit angefordert werden.

ECOreporter.de: Der KiriFonds III investiert in Spanien. In der Finanzkrise gab es dort harte Einschnitte, die viele ausländische Investoren verprellt haben. Wie hat sich die wirtschaftliche Lage des Landes auf Ihren Fonds ausgewirkt, gab es Schwierigkeiten?

Diessenbacher:
  Während unsere beiden ersten Fonds in Deutschland investiert haben, investiert unser dritter Holzfonds, der KiriFonds III Spanien, ausschließlich in Spanien. Die von Ihnen angesprochenen Einschnitte betreffen die Investitionen des KiriFonds III Spanien nicht, da die Fondsgesellschaft  im Gegensatz zu den meisten Investments aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien vollständig ohne Subventionen arbeitet. Im Gegenteil trägt die geschwächte wirtschaftliche Situation in Spanien maßgeblich dazu bei, dass landwirtschaftliche Flächen, Maschinen und Dienstleistungen zu entsprechend günstigen Preisen eingekauft werden können – dies kommt unmittelbar unseren Investoren zugute. Mit insgesamt über 3,5 Milliarden Hektar landwirtschaftlicher Bewässerungsfläche entlang der  Flussläufe bietet uns Nord- und Zentralspanien derzeit sehr gute Investitionsbedingungen für unsere Kiri-Projekte in Europa.

ECOrepoerter.de: Sind die Plantagen gegen Schädlingsbefall, Feuer, Sturm und andere Wetterextreme versichert?

Gasparian:  Gegen Sturm und Feuer ist der Abschluss flächendeckender Versicherungen vorgesehen. Auch wenn wir in unserer zehnjährigen Praxis auf keiner unserer Pflanzungen Maßnahmen gegen Schädlinge ergreifen mussten, sind diese im Bedarfsfall problemlos möglich – denn wir machen „Landwirtschaft mit Bäumen“ und können im Rahmen einer guten landwirtschaftlichen Praxis gezielt agieren.

ECOreporter.de: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsstandards bei der Holzproduktion? Sind die Plantagen entsprechend zertifiziert?

Diessenbacher:  Eine Zertifizierung nach den aktuellen Forst-Standards wie FSC und PEFC spielt bei uns keine Rolle, da wir die Plantagen auf landwirtschaftlichen Flächen anlegen und die Bewirtschaftung ohnehin nachhaltig gemäß der strengen gesetzlichen EU-Vorgaben erfolgt. Von der Jungpflanzenproduktion bis zu den  fertigen Baumstämmen kann die Produktionskette unserer Projekte in Deutschland und Spanien nachvollzogen werden und ist neben der Wirtschaftlichkeit auch ethisch und ökologisch absolut einwandfrei.

ECOreporter.de: Das neue Kleinanlegerschutzgesetz setzt strengere Maßstäbe für Kapitalanlagen. Müssen Sie das laufende Angebot deshalb anpassen?

Gasparian:  Mit unserem KiriFonds III Spanien erfüllen wir bereits die geltenden Transparenzanforderungen und werden auch künftig die gestiegenen regulatorischen Anforderungen genügen. Im Hinblick auf das neue Kleinanlegerschutzgesetz sind bei unserem KiriFonds III Spanien deshalb derzeit keine formellen Anpassungen nötig.


ECOreporter.de: Planen Sie bereits Nachfolgeprodukte für den KiriFonds III?
Gasparian:  Die Entwicklung von erfolgreichen Kiri-Projekten gehört zu unserem laufenden Tagesgeschäft. Unsere Plantagenflächen zu erweitern und auch künftig in den Wachstumsmarkt der nachhaltigen Holzproduktion durch den fachgerechten Anbau von Kiri-Bäumen zu investieren, ist ein Teil unserer langfristigen Unternehmensstrategie. Welches entwickelte Projekt genau wir als Nachfolger vom KiriFonds III Spanien umsetzen werden, geben wir zum gegebenem Zeitpunkt bekannt. Eins ist jedoch sicher: WeGrow – wir werden auch in Zukunft weiter nachhaltig wachsen.


ECOreporter.de:  Einige Skandale wie die Insolvenzen der Green Planet AG und der Teakholz International AG haben die Holz- und Waldinvestmentbranche erschüttert. Hat sich damit ihr Alltagsgeschäft verändert? Was entgegnen Sie Anlegern, die deshalb verunsichert sind?

Gasparian:  Statt in „Billiglohnländern“ Südamerikas zu produzieren, investieren wir ausschließlich in Ländern wie Deutschland und Spanien. Zwar sind die Produktionskosten hier an mehreren Stellen vergleichsweise höher. Dafür können unsere Investoren sicher sein, dass sich ihre Investition vollständig im europäischen Rechtsraum befindet und die Plantagen ohne weitere Anreisen jederzeit besichtigt werden können. Unsere hohen Qualitätsanspruch an die Plantagen-Bewirtschaftung, die transparente unabhängige Mittelverwendung durch einen deutschen Mittelverwendungskontrolleur sowie die jährliche Testierung der Fonds-Jahresabschlüsse durch unabhängige deutsche Wirtschaftsprüfer wissen unsere Kunden und Partner sehr zu schätzen.  


ECOreporter.de: Wir danken Ihnen beiden für das Gespräch.
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