03.08.12 Erneuerbare Energie , Finanzdienstleister

DIW-Studie fordert von Großbanken die Finanzierung der Energiewende als Gegenleistung für die Bankenrettung

Nach der Lehman-Pleite und auch im Zuge der Euro-Krise hat die öffentliche Hand viele Milliarden für die Bankenrettung eingesetzt. Als  Gegenleistung sollte der Staat eine angemessene Beteiligung der Großbanken an der Finanzierung der Energiewende fordern, schlagen Claudia Kemfert und Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) vor.


„Ohne privates Kapital ist die Energiewende deshalb nicht finanzierbar“, stellt Claudia Kemfert fest, die beim DIW die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt leitet und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit ist. Sie führt an, dass die Energiewende Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich erfordert. Das HWWI (Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut) habe die Kosten der Energiewende bis 2030 auf insgesamt 335 Milliarden Euro beziffert. Neben den geschätzten 200 Milliarden Euro für Erneuerbare Energien müssten diese Mittel vor allem in den Ausbau und die Optimierung der Energienetze investiert werden, zum Beispiel in die Einrichtung neuer Stromleitungen und in intelligente Verteilnetze, sowie in Speichertechnologie. Wegen der Ausgaben für die Bankenrettung und für den europäischen Fiskalpakt sei der Staat allerdings in seinen finanziellen Möglichkeiten beschränkt. Dass der Bundestag die jährliche Neuverschuldung auf 0,5 Prozent begrenzt hat, komme erschwerend hinzu.

„In dieser Situation könnte eine Koppelung der Finanzmarkstabilisierung mit der Finanzierung der Energiewende helfen“, meint Kemfert. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise hätten die Staaten einen umfassenden Garantierahmen für Großbanken zur Verfügung gestellt, ohne dass diese bislang substanzielle Gegenleistungen erbracht hätten. Sie und Mitautorin Schäfer schlagen in ihrer Analyse vor, sich hierbei am Vorbild des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) im Jahr 2008 zu orientieren. Damals habe man die Kapitalhilfen an Banken unter anderem auch an eine ausreichende Ausgabe von Mittelstandskrediten gekoppelt. Nun könnte der Staat die Banken verpflichten, sich angemessen an der Finanzierung der Energiewende zu beteiligen.

Dies sei umso wichtiger da es Anzeichen dafür gebe, dass Banken sehr zögerlich Kredite an Projekte zur Energiewende vergeben und die möglichen Risiken dabei in den Vordergrund stellen. Für die mangelnde Finanzierungsbereitschaft werde  unterschwellig die Regulierung verantwortlich gemacht. Die beiden Expertinnen warnen aber davor, sich im Gegenzug bei der Regulierung der Banken und  den Anforderungen an die Höhe ihres Eigenkapitals zurückzuhalten, um ihr Engagement für die Energiewende zu erleichtern. „Nur eigenkapitalstarke Banken können die Finanzierungsvolumina stemmen, die für die Energiewende erforderlich sind, und Eigenkapitalstärke erreicht man nicht durch Deregulierung“, sagt Schäfer.

Bildhinweis: Die Projektrisiken bei Offshore-Windparks schrecken Banken zunehmend von der Finanzierung ab. / Quelle: REpower Systems


Die Finanzexpertin weist auf das Problem hin, dass die Energiewende Investitionen in Pionierprojekte erfordert. Derart neue Projekte würden von Financiers aber für gewöhnlich als risikoreich eingestuft. Oft fehle es an einschlägigen Erfahrungen und Kenntnissen, um die Risiken der anstehenden Vorhaben einschätzen zu können. Daher raten Schäfer und Kemfert dazu, auch Wagniskapitalgeber in die Finanzierung der Energiewende einzubinden. Die Risiken müssten auf möglichst viele Schultern verteilt werden, daher dürfe man auch keine Angst vor solchen Eigenkapitalgebern haben. Zumal diese sehr vertraut damit seien,  für Infrastrukturprojekte hohe Finanzierungsvolumina zu stemmen und dabei die Risiken zu begrenzen.

Weniger Sorgen machen sich die Expertinnen des DIW bei der weiteren Finanzierung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Hier sorge das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit den darin für 20 Jahre festgeschriebenen Tarifen und dem Vorrang für Grünstrom bei der Einspeisung ins Netz für eine hohe Planungssicherheit. Sie warnen jedoch davor, weiter durch Diskussionen über eine Abschaffung oder Anpassung des EEG Investoren zu verunsichern.

Auch bei den Investitionen in die Erneuerbaren Energien sehen Kemfert und Schäfer nun professionelle Investoren verstärkt in der Pflicht. Denn bislang hätten vor allem Privatanleger den Ausbau der alternativen Energieversorgung finanziert. Ihnen müsse man etwa 40 Prozent der bislang installierten Grünstromleistung zuschreiben. Der Anteil von Banken und Fonds sei mit elf Prozent dagegen sehr gering und werde nur noch von den vier großen Energieversorgern mit 6,5 Prozent unterschritten.
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