26.07.12 Erneuerbare Energie

Droht dem italienischen Solarmarkt die Vollbremsung?

Das Wachstum des italienischen Solarmarktes droht ins Stocken zu geraten. Mit hohen Zubauraten von bis zu sieben Gigawatt (GW) oder 7.000 Megawatt (MW) pro Jahr wie in 2011 war er zum zweitgrößten Photovoltaikmarkt weltweit aufgestiegen. Experten warnen nun, dass der schon zum Jahresende einbricht und Italien auf Jahre hinaus nicht mehr zu den größten Solarmärkten zählen wird. Denn die Fördermittel seien stark zusammengeschmolzen.

In Italien hat der Staat ein Budget festgeschrieben, aus dem die Tarifansprüche der Betreiber meldepflichtiger Solaranlagen bedient werden. Das sorgt bereits in diesem Jahr für Probleme. Das 6 Milliarden Euro schwere Budget des bisherigen Vergütungssystems (Conto Energia IV) zur Solarförderung in Italien war Mitte Juli ausgeschöpft worden. Es war etwa ein Jahr lang in Kraft. In dieser Zeit  gingen in ganz Italien knapp 150.000 Photovoltaikanlagen mit rund 6.000 MW Leistungskapazität ans Stromnetz. Mit Erreichen dieser Zielmarke hat eine 45 tägige Übergangsfrist begonnen, bis das neue Conto Energia V in Kraft tritt. Die Neuregelung bedeutet faktisch eine Kürzung der Vergütungssätze um rund 40 Prozent (Näheres dazu erfahren Sie Opens external link in new windowhier).

Erst am 27. August 2012 startet das Conto Energia V. Der Gesetzgeber hat dafür ein Budget in Höhe von 700 Millionen Euro festgelegt. Doch ein großer Teil davon könnte schon bis Ende dieses Jahres aufgebraucht sein. Davor warnt etwa die auf Umwelttechnologien ausgerichtete Marktforschungsgesellschaft IHS Research aus dem britischen Wellingborough. Sie weist darauf hin, dass zahlreiche Bauherren derzeit versuchen ihre meldepflichtigen Solaranlagen in der Übergangsfrist bis zum 27. August 2012 in Betrieb zu nehmen, um so noch die höhere Einspeisevergütung der Vorgängerregelung zu bekommen. Schon jetzt seien davon etwa 400 Millionen Euro verbraucht. Spätestens zum Jahresende, vielleicht aber schon früher werde das Budget ausgeschöpft. Eine Vollbremsung für den italienischen Photovoltaik-Markt wäre die Folge. Fortan wären Betreiber von neuen Solaranlagen gezwungen, ihren Solarstrom am freien Markt zu verkaufen.

Trotz der sehr guten Einstrahlungswerte im sonnenverwöhnten Italien wäre das aber Marktbeobachtern zufolge erst in ein bis zwei Jahren rentabel. Allerdings nur im Süden des Landes. Und das auch nur, wenn die Preis für Solarkomponenten weiter so stark sinken wie zuletzt. Für Investoren, etwa deutsche Solarfonds, wäre der italienische Solarmarkt dann nicht mehr attraktiv. Schon in diesem Jahr war der geschlossene Solarfonds Enrexa Azzurro Uno UG & Co. KG mit dem Versuch gescheitert, für Photovoltaikanlagen in Italien von Anlegern genügend Eigenkapital einzuwerben (wir Opens external link in new windowberichteten). Für Hersteller und Projektierer aus Deutschland würde zudem ein wichtiger Markt wegfallen oder zumindest stark an Bedeutung verlieren.

Noch aber besteht Hoffnung darauf, dass die italienische Regierung schnell ein neues Conto Energia VI auf den Weg bringt. Doch es ist überaus fraglich, dass dies schnell geschieht. Bislang hat es immer etliche Monate gedauert, bis ein neues Vergütungssystem verabschiedet werden konnte. Und das hoch überschuldete Land, dessen Verbleib in der Eurozone ungewiss ist, muss derzeit viele zumindest gleichrangige Probleme lösen.
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