Bio-Ethanol macht aus Benzin Biokraftstoff. Im Bild ein Ethanolvermenter der Verbio AG. / Quelle: Unternehmen.

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Droht Deutschlands Biokraftstoff-Branche der Einbruch?

Biokraftstoffe waren in Deutschland bisher ein Wachstumsmarkt: Zum einen sollen sie helfen, den Verkehr „grüner“ zu machen, zum anderen sind sie mittlerweile deutlich billiger als fossile Brennstoffe. Doch mit einem neuen Gesetz, das eine EU-Richtlinie umsetzen soll, droht der Branche ein Markteinbruch. Ohnehin hat die internationale Konkurrenz die Marktlage für hiesige Hersteller erschwert.

Bioethanol, oft aus Energiepflanzen wie etwa Rüben gewonnen, ist ein zentraler Biokraftstoff. Sowohl die Produktion als auch der Absatz sind 2013 gestiegen. Während die Produktion auf Jahressicht 9,6 Prozent zulegte, stieg der Absatz des Kraftstoffs Super E10 mit 10 Prozent Bio-Ethanol-Anteil um 5,6 Prozent. Dieser Kraftstoff erreichte damit 15 Prozent Anteil am Gesamtmarkt. Zugleich wurde der Preis entgegen des Trends für Benzin und Diesel aus fossilen Quellen billiger. Das geht aus aktuellen Studien hervor.

Preisverfall setzt Biokraftstoffhersteller unter Druck
Doch gerade der Preisverfall setzt Unternehmen wie dem börsennotierten Mannheimer Hersteller CropEnergies AG zu: Das erste Quartal 2014/2015 (Bilanzstichtag 31. Mai 2014) beendete CropEnergies mit knapp 71 Prozent weniger Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) als im Vorjahreszeitraum. Dafür sei vor allem der Preisverfall bei Bioethanol verantwortlich, so die Unternehmensführung. Auch Biotreibstoffhersteller, die zum Teil auf andere Rohstoffe setze, wie beispielsweise die Vereinigte BioEnergie AG (Verbio) aus Zöbrig oder der Borkener Bio-Dieselhersteller Petrotec AG, beklagen einen zunehmenden Preis- und Konkurrenzdruck aus dem Ausland. Die Verbio AG hilet sich bisher dennoch in der Erfolgsspur, weil das Unternehmen seine Kosten senken konnte. Das führte dazu, dass die Firmenspitze die ihre Prognose für das Gesamtjahr erhöhte (mehr dazu lesen Sie  hier). Die auf Bio-Diesel aus Altspeisefetten spezialisierte Petrotec AG korrigierte dagegen ihre Prognose für den weiteren Geschäftsverlauf unlängst nach unten (ECOreporter.de  berichtete).

Bild: Ein Zapfhahn mit Biokraftstoff von CropEnergies. / Foto: Unternehmen


Die unterschiedlichen Marktsituationen dieser drei Unternehmen spiegeln sich im Kursverlauf ihrer Aktien wieder. Die im Bioenergie-Sektor vergleichsweise breit aufgestellte Verbio AG konnte dem Preisverfall bislang gut trotzen. Stand heute legte die Verbio-Aktie auf Jahressicht knapp 115 Prozent zu. Die Petrotec AG war nach einem wirtschaftlichen 2013 Aufwärtstrend im ersten Quartal des laufenden Jahres wieder in die roten Zahlen geraten. Ihr Aktienkurs verbucht vor diesem Hintergrund auf Jahressicht knapp 30 Prozent Zugewinn. Bei der CropEnergies AG kommt zum gestiegenen Preisdruck noch hinzu, dass das Unternehmen erst 2013 seine Produktionskapazitäten deutlich erweitert hat und in seiner aktuellen Prognose zweistellige Millionenverluste für das laufende Jahr nicht ausschließt (mehr lesen Sie  hier). Die CropEnergies-Aktie verbucht aktuell 24,2 Prozent Kursverlust auf Jahressicht.

Schwerere Marktbedingungen ab 2015?

Nun befürchtet Deutschlands Biokraftstoffbranche einen Markteinbruch für 2015, weil ein neues Gesetz auf dem Weg ist. Bislang musste ein Teil des gesamten Kraftstoffs am Markt Biokraftstoff sein und es wurde darum gerungen, wie hoch dieser Anteil für die einzelnen Produktionsarten sein sollte. Die Reform des Bundesemissionsschutzgesetzes könnte dies ab 2015 ändern: Der aktuelle Gesetzentwurf, der jetzt das Bundeskabinett passiert hat, sieht vor, das fortan entscheidend sein soll, wieviel Treibhausgase die Industrie bei der Produktion einspart. Aktuell sollen es demnach 3,5 Prozent sein. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VBI) sieht den heimischen Markt damit bedroht. „Ohne entsprechende Kontrollen ist die Vorgabe für die Minderung der Treibhausgasemissionen anfällig für falsche Angaben“, sagt VBI-Geschäftsführer Elmar Baumann. Solches Geschäftsgebahren erwartet sein Verband offenbar vor allem von der Konkurrenz aus dem Ausland: Die Bemühungen der Deutschen Hersteller um immer CO2-ärmere Produktion könnten sich als vergeblich erweisen, „weil Biokraftstoffe mit falschen, zu hohen Angaben zur Treibhausgasreduktion den deutschen Markt ab dem Jahr 2015 überschwemmen“, fürchtet der Geschäftsführer.


Baumann fordert, dass besondere Kontrollen des Treibhausgaswertes für den deutschen Markt in einer Verordnung geregelt werden. Außerdem sei der Emissionswert von 3,5 Prozent zu niedrig, so der
VBI-Geschäftsführer weiter. Seine Forderung liegt hier bei mindestens 4 Prozent. „Kommt das Gesetz so, wie es der Entwurf jetzt vorsieht, dann steigen die Emissionen im Verkehrssektor, der Biokraftstoffeinsatz sinkt, und Deutschland verliert ein weiteres Stück seiner Energieunabhängigkeit“, sagt Baumann. Der Gesetzentwurf wird nun in mehreren Lesungen im Bundestag beraten und auch der Bundesrat muss sich mit ihm befassen. Die endgültige Entscheidung soll dann im November 2014 fallen.

CropEnergies AG: ISIN DE000A0LAUP1 / WKN A0LAUP
Petrotec AG: ISIN DE000PET1111/ WKN PET111
Vereinigte BioEnergie AG (Verbio): ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W
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