Die Windreich AGsetzt auf Offshore-Windkraft. / Quelle: Unternehmen

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ECOanlagecheck: Anleihe der Windreich AG – riskantes Spiel mit der Politik?




Die 6,5 Prozent Anleihe, auch als Inhaber-Teilschuldverschreibung bezeichnet, hat ein Volumen von insgesamt bis zu 50 Millionen Euro. Davon sind bisher 26,3 Millionen Euro platziert worden (Stand: 7. September 2009). Die Anleihe läuft bis zum 28. Februar 2015. Anleger können sich ab 1.000 Euro beteiligen, der Zinssatz ist festgeschrieben auf 6,5 Prozent pro Jahr.

Nebenkosten


Durch die Emission der Anleihe entstehen der Windreich AG nach eigenen Angaben Kosten von bis zu sechs Prozent des Emissionserlöses, also bis zu drei Millionen Euro. Die Kosten setzen sich aus Beratungs- und Strukturierungsgebühren (zwei Prozent), Aufwand für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit (ein Prozent), internen Vertriebskosten (zwei Prozent) und externen Vertriebskosten zusammen (ein Prozent) zusammen.

Laufende Kosten

Vorraussetzung für den Kauf der Anleihe ist das Vorhandensein eines Wertpapierdepots. An laufenden Kosten fallen für den Anleger somit die Depotgebühren seiner Bank an.

Unternehmensprofil Windreich AG

Die Windreich AG aus Baden-Württemberg entstand 2010 durch eine Umwandlung der seit 2000 tätigen FC Holding GmbH in eine Aktiengesellschaft. Der Gründer und Geschäftsführer, Dipl.-Wirt.-Ing. Willi Balz, hält sämtliche Aktien im Wert von 10 Millionen Euro. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert. Die Windreich AG betreibt Windenergieanlagen an Land und will nun verstärkt in den Offshore-Markt einsteigen. Sie entwickelt die Projekte, finanziert und verkauft sie, begleitet den Bau und übernimmt die technische und kaufmännische Betriebsführung von eigenen und fremden Windenergieanlagen.


Seit 2008 investiert die Windreich AG verstärkt in die Planung von Offshore-Projekten. Das erste genehmigte Offshore-Projekt, der Windpark Global Tech I, wurde bereits weitgehend verkauft. Anteile an dem Projekt halten die Stadtwerke München (24,9 Prozent), HEAG Südhessische Energie AG (24,9 Prozent), EGL Renewable Luxembourg AG (24,1 Prozent) und ein süddeutsches „Family Office“ (10 Prozent). Die Windreich AG ist mit 8,5 Prozent als Minderheitsgesellschafter daran beteiligt. Der Windpark mit 80 Anlagen zu je fünf MW und einer geplanten Gesamtinvestition von 1,3 Milliarden Euro soll 2012 fertig gestellt werden.


Mit dem Projekt MEG I wird derzeit der zweite bereits genehmigte Offshore-Windpark vermarktet. Durch die von der Bundesregierung beschlossene Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten kann die Vermarktung erschwert werden, da die kommunalen Versorger angekündigt haben, in diesem Fall ihre Investitionen in erneuerbare Energien zu kürzen. „Die großen kommunalen Versorger, die auch am Global Tech I beteiligt sind, werden ihre Investitionen in Erneuerbare Energien nicht kürzen. Für den Windpark MEG I sind wir auch mit ausländischen Investoren in Verhandlung“, kommentiert die Windreich AG die Situation. Insgesamt sind nach den Angaben im Lagebericht Anlagen mit einer Nennleistung von 7.385 MW seitens der Windreich AG in der Phase der Projektentwicklung, überwiegend vor Genehmigungserteilung. Zum Vergleich: Das ist die Leistung von etwa sieben durchschnittlichen deutschen Atomkraftwerken – deren Laufzeit nun verlängert werden könnte.

Offshore-Windenergiemarkt

Das Potential der Offshore-Windenergie in der Nordsee ist aufgrund der hohen Windgeschwindigkeiten groß. Wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen und die Finanzierungen gesichert sind, kann durch die Offshore-Windenergie zukünftig ein Großteil des gesamten deutschen Strombedarfs erzeugt werden. Alleine die von der Windreich AG geplanten Offshore-Windparks könnten nach Unternehmensangaben über 13 Millionen Menschen mit Strom versorgen. Das entsprechende Einsparpotential an CO2 beträgt ungefähr 18 Millionen Tonnen pro Jahr.


Der erste Offshore-Windpark Deutschlands, alpha ventus, wurde 2009 in Betrieb genommen. Die Realisierung weiterer Parks verzögert sich, auch weil die Finanzierung der Vorhaben aufgrund der Zurückhaltung der Banken seit der Finanzkrise schwieriger geworden ist. Um die Entwicklung der Windenergie auf See zu forcieren, wurde im EEG 2009 die Vergütung für Offshore-Windstrom deutlich auf 15 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Das am 6. September 2010 von der Bundesregierung verkündete Energiekonzept sieht vor, dass Genehmigungsverfahren vereinfacht werden und der Bau von Windparks in der Nordsee ab 2011 durch die KfW gefördert wird. Demnach sollen die ersten zehn großen Offshore-Windparks verbilligte Kredite in Höhe von fünf Milliarden Euro erhalten.



Von diesen KfW-Krediten würde neben den Windtöchtern der vier großen Stromkonzernen auch die Windreich AG profitieren. Ein Sprecher der Windreich AG erläutert auf Nachfrage von ECOreporter.de: „Die ersten großen Offshore-Windparks sollen für den Fremdkapitalanteil Pionierbürgschaften erhalten. Wenn das auf der Lesung im September beschlossen wird, profitieren wir mit unseren Projekten auch davon. Die Windreich AG ist durch ihren stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, dem ehemaligen Wirtschaftminister Baden-Württembergs, Herrn Dr. Döring, Initiator dieser Bürgschaften.“

Bildnachweis: Dr. Walter Döring, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Windreich AG. Quelle: Unternehmen.


Ein generelles Problem für die Erneuerbaren Energien ist der unzureichende Ausbau der Stromleitungsnetze in Deutschland, ein so genannter Flaschenhals (Engpass) für die Entwicklung der Erneuerbaren Energien. Laut der Regierungsaussagen vom 6. September 2010 soll 2011 ein Konzept erarbeitet werden, das den Netzausbau beschleunigen und den Transport des Nordseestromes nach ganz Deutschland und in die europäische Nachbarländer problemlos ermöglichen soll.

Risiko

Im europäischen Ausland, vor allem vor den Küsten von Dänemark und Großbritannien, sind schon einige Offshore-Windparks gebaut worden. Diese sind aber kleiner und befinden sich in niedrigerer Wassertiefe und näher zur Küste als die geplanten Windparks in der deutschen Nordsee. Die Pionieranlagen der Windreich AG in der Nordsee bergen höhere Risiken als Anlagen am Land, weil umfassende jahrelange Erfahrungswerte noch nicht vorliegen und Bau, Betrieb und Wartung der Offshore-Windparks komplexer und kostenintensiver sind.


Im Offshore-Windpark alpha ventus, der seit Ende 2009 in Betrieb ist und von einer Tochtergesellschaft der großen deutschen Energiekonzernen betrieben wird, sind seit Mai 2010 zwei Anlagen des Typ Multibrid M5000 aufgrund von Getriebeproblemen abgeschaltet. Der Anlagenhersteller Multibrid erklärt die Probleme damit, dass der Getriebelieferant vom Prototyp abgewichen sei und einen Lagerwerkstoff ausgetauscht hat. Das Problem sei mit der Rückkehr zum ursprünglichen Werkstoff zu lösen. Beim ersten Offshore-Windpark der Windreich AG kommen 80 Windenergieanlagen ebenfalls vom Typ Multibrid M5000 zum Einsatz.

Die Windreich AG hat sieben hundertprozentige Tochterunternehmen und hält weitere 13 unmittelbare Beteiligungen. Darunter fallen Offshore-Projektgesellschaften, aber auch strategische Beteiligungen, z.B. am Hersteller Fuhrländer und dem französischem Windenergieunternehmen Theolia. Die wirtschaftliche Entwicklung jeder der 20 Beteiligungen beeinflussen das Ergebnis der Windreich AG und damit auch deren Möglichkeit, die Anleihe zurückzuzahlen und die Zinsen an die Anleger zu zahlen.


Nach den Angaben im Lagebericht der Windreich AG zum Geschäftsjahr 2009 wurde die Anleihe zur Sicherstellung der Liquidität herausgegeben. Die Bilanz des Geschäftsjahres 2009 weist Verbindlichkeiten von 110 Millionen Euro aus, davon haben 98 Millionen Euro eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr. Wenn die Anleihe (Inhaber-Teilschuldverschreibungen) nur teilweise platziert wird, müsste der Emittent eventuell neue Darlehen aufnehmen oder Anlage- und Finanzvermögen veräußern? Ein Sprecher der Windreich AG sagt: „Wir müssen kein Vermögen veräußern. Die Anleihe dient nicht der Ablösung von Verbindlichkeiten. Der Rückfluss und der Umsatz kommen in der zweiten Jahreshälfte aus den Onshore-Projekten.“


Die Inhaber-Teilschuldverschreibungen sind nicht besicherte und nicht nachrangige Verbindlichkeiten der Emittentin. Dagegen sind die Verbindlichkeiten der Emittentin gegenüber den Banken in Höhe von 51 Millionen Euro (Stand: 31. Dezember 2009) gesichert, so dass die Forderungen der Banken vorrangig bedient werden.


Eine vorzeitige Kündigung der Anleihe durch den Anleger ist nicht möglich. Aber seit dem 19. Juli 2010 ist die Anleihe am Bondm-Segment im Freiverkehr der Börse Stuttgart gelistet und wird dort gehandelt. Es ist trotzdem möglich, dass ein Verkaufsangebot keine entsprechende Nachfrage findet. Die Emittentin kann die Anleihe mit einer Frist von sechs Wochen zum Ende eines Quartals kündigen. Die Kündigung könnte von der Emittentin z.B. ausgesprochen werden, wenn die Finanzierung der Windparks über die angekündigten KfW-Kredite aufgrund niedrigerer Zinsen günstiger ist als über die Anleihe. Nach Aussage eines Windreich-Sprechers soll das nicht eintreffen, da die Windreich AG ihre Anleger durch einen positiven Verlauf an sich binden möchte.


Die derzeit von der Bundesregierung gewollte Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke kann dazu führen, dass Erneuerbare-Energie-Projekte in Mega-Größen nicht mehr so stark wie bisher von Stadtwerken und anderen ähnlichen Investoren finanziert werden. Die wackelige Haltung der Bundesregierung kann somit das Geschäftsmodell der Windreich AG im Bereich Offshore treffen – und damit auch diese Anleihe. Ein Windreich-Sprecher widerspricht allerdings: „Das ist faktisch nicht richtig, wenn man den Kommentar der Regierung zur Kabinettsvorlage berücksichtigt. Auch das Engagement der großen Stadtwerke und Stadtwerkekonsortien wird nicht nachlassen“, erklärt er. Offen ist, inwieweit ausländische Investoren eine mögliche Investitionszurückhaltung der Stadtwerke ausgleichen werden.

Fazit:


Finanziell

Die Windreich AG wurde im März 2010 von der Creditreform Rating AG mit einem Bonitätssiegel und einem Investment Grade BBB versehen. Die Emittentin der Anleihe investiert ihr Kapital überwiegend in die Projektierung und den Bau von Offshore-Windparks. Aufgrund der geringen Erfahrungswerte und der hohen Investitionskosten im Bereich von Offshore-Windparks ergeben sich hier überdurchschnittliche Risiken. Andererseits ist der Ausbau der Windenergie auf See politisch gewollt und Investoren werden mit günstigen KfW-Krediten, EU-Förderungen und hohen EEG-Vergütungen unterstützt, wovon auch die Windreich AG profitieren könnte. Dagegen werden länger laufende Atomkraftwerke zu einem Risiko für große Erneuerbare-Energie-Projekte.

Nachhaltigkeit

Die Offshore-Windenergie hat das größte Entwicklungspotential unter den Erneuerbaren Energien und ist eine nachhaltige Art der Stromerzeugung, so lange die Grenzen des Naturschutzes eingehalten werden.

ECOreporter.de-Empfehlung

Die Anleihe der Windreich AG kann als nachhaltig gelten. Sie ist allerdings mit finanziellen Risiken verbunden, die private Anleger derzeit nur in Kauf nehmen sollten, wenn entsprechende Gewinnchancen gegenüberstünden. Eine Anleihe mit 6,5 Prozent Verzinsung bietet kein angemessenes Chancen-Risiko-Profil. Anleger sollten daher warten, ob die Windreich AG ihre Aktien an der Börse notieren lässt und gegebenenfalls einen Aktienkauf erwägen. Zumindest aber sollte eine endgültige Entscheidung über die Laufzeiten der Atomkraftwerke abgewartet werden.

Basisdaten

Emittentin: Windreich AG, Wolfschlugen
Anlageform: Unternehmensanleihe
Anlagevolumen: 50 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro, höhere Beträge müssen durch 1.000 ohne Rest teilbar sein
Laufzeit: 5 Jahre
Zinsen: 6,5 Prozent pro Jahr
BaFin-Gestattung: Ja
Handelbarkeit: Listing am Bondm-Segment im Freiverkehr der Börse Stuttgart

ISIN: DEOOOA1CRMQ7

Bildnachweis:Turbine vom Typ Multibird M5000. / Quelle: Unternehmen.
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