Geothermisches Kraftwerk. / Quelle: Fotolia

15.04.14 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Anleihe „Kraftwerke Portfolio Nr. 1“ der Geokraftwerke.de GmbH

Analyse, Test und Bewertung: Die Anleihe „Kraftwerke Portfolio Nr. 1“ der Geokraftwerke.de GmbH (vormals Fröschl Geokraftwerke GmbH) aus Regensburg bietet Anlegern die Möglichkeit, sich an Geothermieprojekten zu beteiligen. Die Anleihe wurde bereits Ende 2010 mit Verlustbeteiligung aufgelegt. Die Zeichnungsfrist wurde inzwischen bis Ende 2014 verlängert. Anleger können ab 1.000 Euro plus 5 Prozent Agio die Anleihe zeichnen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Bei der Anleihe Kraftwerke Portfolio Nr. 1 (vormals Kraftwerke Portfolio 2011 Nr. 1) handelt es sich um Namensschuldverschreibungen. Die Namensschuldverschreibungen sind weder frei handelbar noch frei übertragbar. Die Übertragung per Rechtsgeschäft (Verkauf, Veräußerung, Abtretung) ist laut der Anlagebedingungen ausgeschlossen. Laut des Vermögensanlagen-Verkaufsprospektes in der Fassung des Nachtrags Nr. 3 vom 22. August 2013 (im Folgenden: Prospekt) ist die Übertragung möglich, wenn der Anleger stirbt.

Die Mindestlaufzeit der Namensschuldverschreibungen beträgt sieben Jahre. Eine Kündigung ist – mit einer Kündigungsfrist von einem Jahr – frühestens nach Ablauf der Mindestlaufzeit zum Jahresende möglich. Anleger, die 2011 gezeichnet haben, können somit drei Kalenderjahre früher kündigen als Anleger, die 2014 zeichnen. Das Emissionsvolumen soll bis zu 50 Millionen Euro betragen.

Der Basiszinssatz des Angebotes beträgt 7,25 Prozent pro Jahr. Zudem erhalten Anleger einen „Überschusszins“ bei eventuellen Jahresüberschüssen der Anleiheemittentin Geokraftwerke.de GmbH. Aber auch die Zahlung des Basiszinssatzes steht unter dem Vorbehalt ausreichender Jahresüberschüsse. Durch die Zahlung der Zinsen darf laut der Anlagebedingungen kein Jahresfehlbetrag bei der Emittentin entstehen. Für nicht bediente Zinsansprüche besteht ein Nachzahlungsanspruch aus freien Jahresüberschüssen der nachfolgenden Geschäftsjahre. Dieser Anspruch ist aber auf die Jahresüberschüsse der vier folgenden Geschäftsjahre beschränkt.

Die Namensschuldverschreibungen nehmen an künftigen Verlusten der Emittentin teil, die aufgrund von Wertberichtigungen bei Nachrangdarlehen entstehen, die die Emittentin an Projektgesellschaften vergibt. Laut der Anlagebedingungen nimmt das Kapital aus den Namensschuldverschreibungen in diesem Fall gleichrangig mit dem Eigenkapital – dazu zählen auch die Einlagen der Gesellschafter – an Verlusten teil.

Bei zukünftigen Verlusten aus Wertberichtigungen haben Anleger somit keinen Anspruch auf (vollständige) Rückzahlung ihres eingezahlten Betrages. Zudem sind die Ansprüche auf Rückzahlung mit einem qualifizierten Nachrang versehen. Der Anspruch der Anleger auf Rückzahlung ihres Kapitals ist daher solange und soweit ausgeschlossen, wie die Verzinsung oder die Rückzahlung zur Überschuldung bei der Emittentin führen würde.

Das Unternehmen


Anbieterin und Emittentin der Namensschuldverschreibungen ist die Geokraftwerke.de GmbH (vormals Fröschl Geokraftwerke GmbH) aus Regensburg. Sie wurde 2010 mit einem Stammkapital von 1 Million Euro gegründet. Das Unternehmen verzeichnete laut der veröffentlichten Bilanz 2012 Jahresfehlbeträge von rund 1,7 Millionen Euro (2012) und 1,6 Millionen Euro (2011). Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag belief sich Ende 2012 auf rund 2,4 Millionen Euro.

Die „Rechts-/Beratungskosten und Fremdleistungen“ belaufen sich laut der Plan-Gewinn- und Verlustrechnung im Prospekt (Nachtrag Nr. 3 von August 2013) für 2011 und 2012 auf zusammen rund 1,3 Millionen Euro (S. 44). Diese Kostenposition war in den Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen im Prospektnachtrag Nr. 1 von Juni 2012 und im Prospektnachtrag Nr. 2 von Dezember 2012 nicht enthalten.

Auch der für die Emittentin kalkulierte Personalaufwand von rund 1,9 Millionen Euro (für die Jahre 2011 bis 2015, laut Nachtrag Nr.3) war in der Prognoserechnung der vorherigen Nachträge nicht aufgeführt. Eventuell war der Personalaufwand teilweise in den allgemeinen Verwaltungskosten von 120.000 Euro pro Jahr enthalten (Nachtrag Nr. 1 und Nachtrag Nr. 2).

Alleinige Gesellschafterin der Emittentin ist die FG Geothermie GmbH (vormals Fröschl Geothermie GmbH) aus Regensburg. 47,5 Prozent der Anteile an der FG Geothermie GmbH hatte die SAM Management Group AG (im Folgenden: SAM AG) aus der Schweiz besessen. Im Februar 2013 hat die Schweizerische Finanzmarktaufsicht Finma den Konkurs über die SAM AG in Liquidation eröffnet. Inzwischen hat die Schikora GmbH, ein Unternehmen aus der FG-Gruppe, die Anteile der SAM AG an der FG Geothermie GmbH erworben.

Nach Angaben der Konkursliquidatoren der SAM AG vom Februar 2014 hat die FG-Gruppe die vertraglich vorgesehene Mindestzahlung von 350.000 Euro für die Anteile überwiesen. In einer Publikation der Konkursliquidatoren vom Mai 2013 wurden die Anteile mit ca. 4 Millionen Euro bewertet. Gemäß den Angaben in der Publikation hatte die SAM AG die FG Geothermie GmbH mit insgesamt ca. 16,5 Millionen Euro und eine weitere Gesellschaft aus Regensburg (Frogress GmbH), deren Geschäftsführer auch die Geschäfte der FG Geothermie GmbH führt, mit ca. 11 Millionen Euro finanziert.

Die SAM Management Group AG steht in keiner Verbindung mit der SAM Sustainable Asset Management AG aus Zürich, welche in der Branche des nachhaltigen Investments unter anderem als Initiatorin des Dow Jones Sustainability Index bekannt ist.

Zur FG-Gruppe gehören mehrere Unternehmen. Neben der Anleiheemittentin und ihrer Muttergesellschaft sind das u.a. Gesellschaften für die Projektentwicklung (Geothermie Management GmbH) und für das Halten der Bergrechte für die Geothermieprojekte (Future Water Energy GmbH). An der der Future Water Energy GmbH ist die FG Geothermie GmbH laut Geschäftsbericht der Emittentin zu 45 Prozent sowie nach Angaben der Anbieterin die FG Green Tech GmbH zu weiteren 45 Prozent beteiligt.

Das derzeit größte bzw. am weitesten entwickelte Projekt der FG-Gruppe ist das Geothermie-Kraftwerksprojekt Kirchweidach. Die FG Geothermie GmbH ist zu 100 Prozent an der Geothermie Management GmbH beteiligt, die ihrerseits zu 50 Prozent an der Geoenergie Kirchweidach GmbH beteiligt ist, welcher das Kraftwerksprojekt gehört.

Gemäß der Angaben im Prospekt ist davon auszugehen, dass die Geschäftsführung der Emittentin Geokraftwerke.de GmbH plant, dass einzuwerbende Anlegerkapital als Nachrangdarlehen an die Geoenergie Kirchweidach GmbH und an weitere Projektgesellschaften der FG Geothermie zu vergeben.

Investitionen

Die Geokraftwerke.de GmbH will das Anlegerkapital in Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien investieren. Laut Prospekt soll der „deutliche Schwerpunkt auf geothermischen Anlagen liegen“. Das Kapital will die Emittentin Projektgesellschaften vorrangig in Form von Nachrangdarlehen zur Verfügung stellen.

Laut Prospekt hat die Emittentin an die FG Green Tech GmbH ein Darlehen in Höhe von 2.050.000 Euro ausgereicht. Mit diesem Darlehen habe die FG Green Tech GmbH von der Future Water Power GmbH 45 Prozent der Geschäftsanteile an der Future Water Energy GmbH erworben. Der Erwerb dieser Geschäftsanteile sei vor dem Hintergrund erfolgt, dass die Future Water Energy GmbH Inhaberin mehrerer Bergrechte ist, die Schwestergesellschaften der Emittentin laut Prospekt für die Entwicklung neuer Geothermiekraftwerke benötigte.

Weitere konkrete Darlehensausreichungen erfolgten nach Angaben der Anbieterin an die Projektgesellschaften in Schnaitsee, in Gars am Inn, in Ammerang und Seebruck.

Laut Prospekt weist das Geothermieprojekt Kirchweidach den weitesten Entwicklungsstatus auf. Hier sind laut Prospekt (August 2013) die Bohrungen abgeschlossen. Nach Angaben der Anbieterin ist man dabei fündig geworden. „Fündig“ bedeutetet, dass geothermisch verwertbares Wasservorkommen gefunden wurde. Nach Angaben der Anbieterin werde „derzeit die  Planung für die Obertageanlage des Kraftwerks und der Fernwärmeauskoppelung aufgrund der neuen Leistungsparameter überarbeitet“. Das Kraftwerk soll laut Prospekt 2014 ans Netz gehen.

Der Kapitalbedarf für die schlüsselfertige Errichtung eines Kraftwerks dieses Typs und dieser Leistung werden im Prospekt – „wenn keine besonderen Schwierigkeiten technischer oder sonstiger Art auftreten“ – derzeit mit ca. 50 Mio. Euro beziffert. Dem Prospekt ist nicht zu entnehmen, ob die Finanzierung gesichert ist. Die Konkursliquidatoren der SAM AG führen in Schreiben an die Gläubiger und Anleger vom 6. Mai 2013 aus, dass für einen „Bau des Kraftwerks Investoren zu suchen wären, die die hohen Investitionssummen bereitstellen müssten“.

Am 6. Februar 2014 haben die Konkursliquidatoren die Gläubiger und Anleger der SAM AG darüber informiert, dass es „weiterhin unsicher ist, ob und gegebenenfalls wann das Kraftwerk in Kirchweidach gebaut werden kann“. Nach Angaben der Anbieterin wurde nach bestätigter Fündigkeit  für das Projekt Kirchweidach zwischenzeitlich Verhandlungen mit Fremdkapitalgebern zur Finanzierung des Kraftwerks bis zur Inbetriebnahme aufgenommen (Stand: 9. April 2014).

Fazit

Geothermieprojekte in der hier geplanten Größenordnung sind komplexe Vorhaben, die mit zahlreichen Risiken einhergehen. Neben den technologischen Risiken bestehen auch Finanzierungsrisiken. Zudem ist es für einen Anleger, der eine Namensschuldverschreibung der Geokraftwerke.de GmbH zeichnet, schwer zu durchschauen, wohin sein Geld letztendlich fließt.

Es kann auch kaum fundiert beurteilt werden, ob die Emittentin die Ansprüche der Anleger auf Zins- und Rückzahlung (vollständig) wird erfüllen können. Aus heutiger Sicht bestehen daran Zweifel. Die Transparenz des Investment-Angebotes ist unterdurchschnittlich. Insgesamt kein überzeugendes Angebot.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x