Die Umsetzung von Biogas-Projekten in Deutschland und die Produktion von Biostrom sollten Investitionsziel der Anleihe von probiogas sein. Im Bild eine Biogas-Baustelle: Quelle: Fotolia (Chris 74)

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ECOanlagecheck: Anleihe NSV 1+ der probiogas GmbH (gestoppt)

Die probiogas GmbH & Co. KG aus Landshut hatte im zweiten Halbjahr 2013 eine Anleihe auf den Markt gebracht. Das eingeworbene Kapital wollte das Unternehmen hauptsächlich in Biogasanlagen-Projekte investieren. Die Namensschuldverschreibung (Anleihe) der probiogas GmbH & Co. KG mit der Bezeichnung „NSV 1+“ hatte eine Laufzeit von fünf Jahren plus das Zeichnungsjahr.

Anleger konnten die Anleihe ab 1.000 Euro zeichnen. Der Zinssatz betrug 7,0 Prozent pro Jahr. Das Emissionsvolumen belief sich auf 20 Millionen Euro. Die Anleihe war hinsichtlich der Rückzahlung mit einem qualifizierten Nachrang versehen. Die Erfüllung des Anspruches der Anleger auf Rückzahlung ihres Kapitals ist in diesem Fall so lange ausgeschlossen, wie die Rückzahlung zur Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit bei der Emittentin führen würde.

Schnelles Aus

Ende Januar 2014 erstellte ECOreporter.de einen ECOanlagecheck zur Anleihe der probiogas GmbH & Co. KG. ECOreporter.de sendete den ECOanlagecheck an die Emittentin und gab ihr die Möglichkeit einer Stellungnahme. Daraufhin führte die Emittentin aus: „Die auch in Ihrer Anfrage dargelegte sich stetig verschlechternde Investitionssituation, nebst den gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Errichtung von Biogasanlagen und die Energieerzeugung aus Biogas hat uns bewogen, die aktive Geschäftstätigkeit der probiogas GmbH & Co. KG einzustellen und das Produkt nicht mehr am Markt anzubieten. Die probiogas GmbH & Co. KG ist bis zum heutigen Tage kein Investment eingegangen. Die Summe des gezeichneten Kapitals hat bislang insgesamt einen Betrag von 20.000 Euro nicht überschritten. Mit den bisher zeichnenden Anlegern wird die schadlos stellende Auflösung der Kapitalanlage vereinbart werden.“

Das Unternehmen probiogas

Anbieterin und Emittentin der Anleihe war die probiogas GmbH & Co. KG aus Landshut. Sie wurde 2013 gegründet und hat laut Prospekt ein Kommanditkapital von 1.000 Euro. Der Kommanditist der Emittentin ist laut Prospekt Markus Fischer. Er ist auch geschäftsführender Gesellschafter der probiogas Beteiligungs GmbH aus Landshut, die als persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin) bei der Emittentin fungiert.  Die Komplementärin wurde 2013 gegründet und hat ein Stammkapital von 25.000 Euro.

Zweck der Emittentin ist laut des prospektierten Gesellschaftsvertrages „die Verwaltung von Gesellschaftsanteilen an Kapitalgesellschaften, die ihrerseits Biogasanlagen betreiben oder Biogasenergie erzeugen und nutzen beziehungsweise entsprechende Anlagen betreiben sowie die Beteiligung an Kapitalgesellschaften, welche mit erneuerbaren Energien handeln oder diese nutzen oder an der Optimierung des Herstellungsprozesses forschen.“
Laut Prospekt wollte die Emittentin an anderen Gesellschaften nur Minderheitsbeteiligungen in Höhe von 10 bis 25 Prozent eingehen. So bestand das Risiko, dass die Emittentin keinen Einfluss auf die Zielgesellschaften ausüben konnte. Die Rückzahlungsansprüche der Emittentin gegen die Zielgesellschaften sollten laut Prospekt mit einem qualifizierten Nachrang versehen werden.
Die Emittentin sollte laut Prospekt vermögensverwaltend tätig werden. Damit bestand eine Wahrscheinlichkeit, dass sie den Vorschriften des seit dem 22. Juli 2013 geltenden Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) unterliegen würde. Das hätte sowohl zu Mehrkosten bei der Emittentin führen können als auch ein Vertriebsverbot für die Anleihe zur Folge haben können.

Investitionen

Zum Zeitpunkt der Prospekterstellung hatte die Emittentin noch keine Investitionen in Anlageobjekte getätigt. Laut Prospekt war der Fortbestand staatlicher Förderungsmaßnahmen – beispielsweise in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt – maßgeblich für die Tätigkeit der Emittentin. Demnach hätten die Pläne des deutschen Wirtschafts- und Energieministers Gabriel, die er im Januar 2014 vorstellte und die deutliche Einschnitte bei der Förderung für Biogasanlagen vorsehen, ein hohes Risiko für die Geschäftstätigkeit der Emittentin beinhalten können.

Biogasanlagen erzeugen Strom aus Erneuerbarer Energie. / Bildquelle: Fotolia


Die Geschäftstätigkeit der Emittentin war nicht auf Deutschland beschränkt. Laut Prospekt war es möglich, dass sich die Emittentin an ausländischen Unternehmen beteiligt. Hinsichtlich der geplanten Investitionen erklärte die probiogas GmbH & Co. KG gegenüber ECOreporter.de: „Die Gesellschaft plante, Engagements in Deutschland, Ungarn und Polen einzugehen. Zur Investitionsstrategie der Gesellschaft gehörte es nicht, Engagements außerhalb der EU einzugehen. Ein ursprüngliches Zielengagement der Gesellschaft in Ungarn kam nicht zum Tragen, da sich die Zielgesellschaft bereits vor dem Zustandekommen eines Investment von der Beteiligung an der Biogasanlage getrennt hat.“

Im Flyer der probiogas GmbH & Co. KG befand sich ein möglicher Hinweis auf eine vielleicht mögliche Beteiligung der Emittentin. Im Flyer wird ausgeführt: „Urs Erös von der Biogasanlage Szarvas AG ist einer von den Unternehmern im Hintergrund, die auf der Produktionsebene den Grundstoff für die Arbeit der probiogas GmbH & Co. KG liefern. „Ein interessantes und angenehmes Umfeld für Anleger“, verspricht der Biogas-Experte allen Zeichnern der Namensschuldverschreibung.“ Urs Erös bzw. Urs Eroes ist nicht nur – laut Flyer – Biogas-Unternehmer und Biogas-Experte, sondern als Rechtsanwalt in eigener Kanzlei in Regensburg tätig. Zudem ist Urs Eroes auf der Internetseite der „die FIT AG“ (im Folgenden: FIT AG) in der Rubrik „Menschen“ unter „Beratung“ aufgeführt. Bei der FIT AG handelt es sich um das Unternehmen, das mit dem Vertrieb der Anleihe der probiogas GmbH & Co. KG beauftragt war.


Handelnde Personen und Verflechtungen
Vorstand der FIT AG, die die Anleihe der Emittentin probiogas GmbH & Co. KG vermitteln hatte bzw. sollte, ist Markus Fischer. Er ist auch der Kommanditist der Emittentin und geschäftsführender Gesellschafter der Komplementärin der Emittentin. Die Vermittlerin und die Emittentin haben dieselbe Geschäftsadresse in Landshut.

Ebenfalls an derselben Geschäftsadresse ist laut Unternehmensregister die FIT Fondsinitiator und Treuhand GmbH ansässig. Ihr Geschäftsführer ist ebenfalls Markus Fischer. Die FIT Fondsinitiator und Treuhand GmbH hält laut Jahresabschluss 2011 100 Prozent der Anteile an der Debi Select Beteiligungstreuhand GmbH aus Landshut. Die Debi Select Beteiligungstreuhand GmbH ist laut des Fondsprospektes der Debi Select classic Fonds 2 GmbH & Co. KG (im Folgenden: Debi Select classic Fonds 2) die Treuhandkommanditistin des Debi Select classic Fonds 2.

Laut den Angaben im Prospekt des Debi Select classic Fonds 2 ist Markus Fischer seit 2003 in der Geschäftsführung bzw. der Anlegerverwaltung mehrerer geschlossener Fonds tätig. Bei diesen Fonds handele es sich um sogenannte Venture-Capital bzw. Private-Equity-Fonds. Im Prospekt des Debi Select classic Fonds 2 wird zudem ausgeführt, dass Markus Fischer „die Herausgabe und den Inhalt des Prospekts durch die Erstellung der in Kap. 8 enthaltenen Finanzinformationen sowie den Inhalt des Angebots der Vermögensanlage durch die Entwicklung der Fondskonzeption wesentlich beeinflusst hat“.

Laut Prospekt des Debi Select classic Fonds 2 sollten 50 Millionen Euro (ohne Agio) von Anlegern eingeworben werden. Laut des Jahresabschlusses des Debi Select classic Fonds 2 zum Geschäftsjahr 2011 betragen die Kapitalanteile der Kommanditisten zwar rund 49,4 Millionen Euro, aber das Eigenkapital des Fonds beträgt nur noch rund 1,4 Millionen Euro. Der wesentliche Grund für das reduzierte Eigenkapital ist ein Jahresfehlbetrag nach anteiliger Auflösung der Rücklagen von rund 41,5 Millionen Euro, der laut Jahresabschluss 2010 des Debi Select classic Fonds 2 für das Jahr 2010 ausgewiesen wurde.

Auf der Internetseite von Debi Select sind zwei Sachstandsberichte aus 2012 veröffentlicht, die auf die Situation der insgesamt drei Debi Select Fonds eingehen. Gemäß der Ausführungen in den Berichten ist es möglich, dass die Recherchen des Handelsblattes stimmen, dass das Kapital der Fonds indirekt zu großen Teilen in den inzwischen insolventen Stromanbieter Teldafax geflossen ist. Im Sachstandsbericht Nr. 2 wird weiter ausgeführt, dass die drei Fonds „nunmehr möglicherweise letztendlich in zehn Energieortsgesellschaften in Weißrussland, Russland usw. investiert sind“. Auf der Debi-Select-Internetseite ist eine Meldung eingestellt, in der es um Biogasanlagen in Weißrussland geht.

ECOreporter.de lagen, bevor die Emittentin die folgenden Erklärung gegenüber ECOreporter.de abgegeben hat, keine Informationen vor, ob die auf der Debi-Select-Internetseite benannten Biogasanlagen in Weißrussland auch ein Beteiligungsziel für die probiogas GmbH & Co. KG, die Emittentin der hier vorliegenden Anleihe, hätten sein können. Die Emittentin erklärte dazu gegenüber ECOreporter.de: „Investitionen der von Ihnen benannten Fondgesellschaft wurden nicht unterstützt und es bestand zu keinem Zeitpunkt die Absicht sich in irgendeiner Art mit Investments der Fondgesellschaft zu befassen.“ ECOreporter.de zweifelt die Aussage der Emittentin nicht an.
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