28.02.12 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Biogasfonds DSK NawaRo Energie 2



Die geplante Biogasanlage soll auf einem Grundstück im dem Ort Rackith in Sachsen-Anhalt entstehen. Das Grundstück hat die Fondsgesellschaft von der im Ort ansässigen Agrargenossenschaft gekauft. Diese Agrargenossenschaft soll die Biogasanlage laut Vertrag zehn Jahre mit den Einsatzstoffen (Substrate) versorgen. Laut Prospekt liegen sämtliche zum Bau und Betrieb der Biogasanlage benötigten erforderlichen behördlichen Genehmigungen vor.

Fondsanbieterin und Leistungsbilanz

Anbieterin des Fonds ist die 2010 gegründete Deutsche Sachwert Kontor Emissionshaus GmbH. Sie hat Ende 2010 ihren ersten Biogasfonds auf den Markt gebracht. Der Fonds investierte in eine Biogasanlage in Nordrhein-Westfalen, die nach Angaben der Anbieterin Ende 2011 planmäßig in Betrieb ging und die vorausgesagte Leistung erbringt. Aufgrund der kurzen Zeit liegt noch keine Leistungsbilanz der Anbieterin vor.

Komplementärin und Geschäftsführerin des hier dargestellten Fonds ist die MEE Managementgesellschaft für erneuerbare Energien mbH aus Leipzig. Die Deutsche Sachwert Kontor Emissionshaus GmbH als Fondsanbieterin und die MEE Managementgesellschaft als Fondsgeschäftsführerin sind gesellschaftsrechtlich nicht miteinander verflochten. Der Geschäftsführer der MEE Managementgesellschaft ist zugleich Geschäftsführer der Biogasfarm Projekt GmbH. Sie projektiert die Biogasanlage des Fonds, und sie hat die Substratlieferverträge vermittelt.

Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtinvestitionsvolumen: 3,4 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 0,95 Millionen Euro (27,9 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Agio: 0,05 Millionen Euro (1,5 Prozent)
Fremdkapitalvolumen: 2,4 Millionen Euro (70,6 Prozent)

Das Eigenkapitalvolumen kann bis auf 1,2 Millionen Euro erhöht werden. Für das Fremdkapital gibt es laut Prospekt eine Kreditbereitschaftserklärung, aber noch keine verbindliche Zusage. Den Zinssatz kalkuliert die Anbieterin mit 4,2 Prozent.

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 5,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 10,0 Prozent
Sonstiges: 5,5 Prozent
Gesamtweichkosten: 20,5 Prozent
Angesichts des niedrigen Fondsvolumens sind die sonstigen Kosten betragsmäßig gering.
Laufende Kosten
Produktionsaufwand (v. a. Substratkosten, Betriebsführung (2013)): 417.000 Euro
Reparatur und Instandhaltung (2013): 82.000 Euro
Geschäftsführung und Anlegerbetreuung (2013): 32.000 Euro
Kostensteigerung (Kalkulation): 1,0 Prozent pro Jahr

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: 20 Jahre (Prognosezeitraum), erstmaliges Kündigungsrecht zum 31. Dezember 2025
Gesamtausschüttung: 257 Prozent (inkl. 105 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös: 0 Prozent
Renditeprognose vor Steuern pro Jahr (IRR): 6,7 Prozent
Einspeisevergütung (Kalkulation): 19,7 Eurocent/kWh

Technik und Erträge

Die Anlage soll laut Prospekt voraussichtlich eine Leistung von 600 Kilowatt (kW) haben und nach Angaben der Anbieterin im „hochwertigen Industriestandard“ gebaut werden. Die Anlagetechnik soll erst kurz vor Baubeginn endgültig festgelegt werden. Die Anbieterin erklärt dazu, die Verhandlungsposition für den Fonds sei 2012 günstiger, nachdem 2011 die Preise aufgrund der starken Nachfrage nach Biogasanlagen relativ hoch gewesen seien.

In der Planrechnung wird davon ausgegangen, dass die Biogasanlage 7.950 Stunden im Jahr läuft. Der Wert liegt im oberen Bereich des marktüblichen Kalkulationsrahmens, so dass die Annahme leicht optimistisch ist. Im Vergleich zu der theoretisch maximalen Stundenzahl von 8.760 Stunden pro Jahr entspricht dies einem Sicherheitspuffer von rund neun Prozent.  Nach Angaben der Anbieterin liegen die Erfahrungswerte bisheriger Referenzanlagen über 8.000 Stunden.

Ökologische Wirkung

Biogasanlagen können die Umwelt schonen, weil sie im Vergleich zu Kraftwerken, die z.B. mit Kohle oder Öl arbeiten, insgesamt gesehen weniger Kohlendioxid-Emissionen verursachen und damit den Klimawandel nicht beschleunigen. Wichtig dabei ist es, die Wärme zu nutzen, die bei der Verstromung entsteht. Bei diesem Projekt fehlt noch ein Wärmekonzept. Der Verkauf von Wärme ist laut Prospekt nur „gegebenenfalls“ möglich. Nach Angaben der Anbieterin ist das Konzept „vorgesehen“. Wie ökologisch eine Biogasanlage insgesamt ist, hängt insbesondere auch davon ab, mit welchen Stoffen sie arbeitet (so genannte „Substrate“). Hier sollen es sein: Rund 48,3 Prozent Schweinegülle, 24,1 Prozent Hühnertrockenkot, 17,4 Prozent Maissilage, 8 Prozent Grassilage. Hinzu kommen 2,1 Prozent Nerzfestmist – also Mist aus einer Nerzzucht. Der geringere Maisanteil ist positiv, da so weniger landwirtschaftliche Anbaufläche für die Biogasanlage nötig ist. Viele der anderen Anteile stammen jedoch aus intensiver Tierhaltung und Tierzucht. Sie sind, trotz der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen, oftmals sowohl ökologisch als auch tierethisch bedenklich.

Risiko

Die 2008 gegründete Biogasfarm Projekt GmbH, die die geplante Biogasanlage des Fonds projektiert hat, ist nach eigenen Angaben auch auf die Errichtung und den Betrieb von Biogasanlagen spezialisiert. Laut Prospekt hat sie bislang acht Biogasanlagen realisiert. Laut Fondsprospekt ist es noch unklar, ob die Biogasfarm Projekt GmbH bei diesem Fonds zum Zug kommen wird: Es stehe noch nicht fest, ob sie „selber als Generalübernehmer fungieren oder aber einen geeigneten Generalübernehmer ermächtigen wird, das Projekt am Standort Rackith zu bauen“. Beim Vorgängerfonds war eine andere Firma, die Biogas AG aus Leipzig der Generalübernehmer der Biogasanlage. Ein Geschäftsführer der Biogas AG, ist ebenfalls Geschäftsführer der Biogasfarm Projekt GmbH. Beide Unternehmen sind Tochtergesellschaften der Kling Beteiligungs-Holding GmbH & Co. KG aus Leipzig. Die Komplementärin MEE Managementgesellschaft gehört laut Prospekt zu 100 Prozent der Kling BeteiligungsHolding AG. Die Biogasfarm Projekt GmbH, die Biogas AG und die MEE Managementgesellschaft haben dieselbe Geschäftsadresse.

Wenn die Biogasfarm Projekt GmbH Generalübernehmer der Biogasanlage des Fonds werden sollte, wären teilweise in einer Person Auftraggeber und Beauftragter vereint. Das birgt Potential für Interessenskonflikte. Beispielsweise könnte der Fonds Schadensersatzansprüche gegenüber dem Generalübernehmer haben, wenn die Biogasanlage nicht (termingerecht) fertiggestellt wird oder technische Mängel aufweist. In diesem Fall müsste der Geschäftsführer der Komplementärin des Fonds sich auf die Seite des Fonds oder auf die Seite seines eigenen Unternehmens, der Biogasfarm Projekt GmbH, stellen. Da es laut Prospekt noch nicht sicher ist, ob die Biogasfarm Projekt GmbH der Generalübernehmer wird, ist auch noch kein entsprechender Generalübernehmer-Vertrag geschlossen worden. Auch den Generalübernehmer-Vertrag würde der Generalübernehmer Biogasfarm Projekt GmbH quasi mit sich selbst aushandeln.

Der Treuhandvertrag sieht vor, dass die Treuhand-Kommanditistin Holtermann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH aus Radebeul Stimmrechte auf den Gesellschafterversammlungen entsprechend den Weisungen der Treugeber vornimmt. Treugeber sind die Anleger, die sich nicht direkt als Direktkommanditisten an der Fondsgesellschaft beteiligen, sondern über die Treuhand-Kommanditistin. Werden keine Weisungen erteilt, übt die Treuhand-Kommanditistin laut Treuhandvertrag das Stimmrecht entsprechend dem Vorschlag der Fondsgeschäftsführer aus. Das ist keine anlegerfreundliche Regelung. Nach Ansicht der Anbieterin kann diese Regelung wichtig werden, um unternehmerisch handlungsfähig zu sein und Entscheidungen treffen zu können, wenn gegebenenfalls ein Großteil der Anleger bei Versammlungen nicht erscheint oder sich enthält. Laut Gesellschaftervertrag ist die Gesellschafterversammlung beschlussfähig, wenn die Komplementärin sowie die Treuhandkommanditistin anwesend bzw. mindestens 30 Prozent (des Kapitals) vertreten sind.

Bei außerordentlichen Gesellschafterversammlungen kann die Frist für die schriftliche Einladung der Gesellschafter auf zehn Tage verkürzt werden. Maßgeblich ist das Datum des Versandes der Einladung, nicht des Eingangs beim Gesellschafter. Gleichzeitig müssen die Stimmrecht-Weisungen der Treugeber der Treuhand-Kommanditistin laut Treuhandvertrag bis spätestens fünf Werktage vor einer Gesellschafterversammlung vorliegen, damit die Treuhand-Kommanditistin die Weisungen berücksichtigt. Unter Berücksichtigung der Postlaufzeiten und von Sonn- und Feiertagen ist es möglich, dass etliche Treugeber selbst bei schneller Reaktion ihre Weisungen nicht fristgemäß erteilen können. In diesem Fall würde auf der Gesellschafterversammlung der Vorschlag der Fondsgeschäftsführung angenommen, da die Treuhand-Kommanditistin dem Vorschlag der Fondsgeschäftsführung folgt, wenn keine Weisungen der Treugeber vorliegen.

Es handelt sich hierbei nach Angaben der Anbieterin um eine „Kann-Regelung“, die wichtig sei, wenn in einer Extremsituation ein schneller Gesellschafterbeschluss gefasst werden muss. Nach Angaben der Anbieterin soll diese Regelung nach Rücksprache mit der Geschäftsführung bei der nächsten Gesellschafterversammlung als Tagesordnungspunkt zur Diskussion gestellt werden. Für eine Änderung des Gesellschaftsvertrages wäre eine Mehrheit von 75 Prozent der abgegebenen Stimmen erforderlich.



Fazit:

Finanziell


Mit dem Bau der Biogasanlage soll spätestens im Sommer 2012 begonnen werden, so dass Fertigstellungs- und Bauherrenrisiken bestehen. Zudem sind Interessenskonflikte möglich. Die Stimmrechtsregelung ist derzeit ungünstig für die Anleger. Die Fremdfinanzierung ist laut Prospekt noch nicht gesichert. Eine Platzierungsgarantie für das Eigenkapital besteht nicht.
Die Substrate für die Biogasanlage sind über Lieferverträge von 10 Jahren Laufzeit gesichert. Die Prognoserechnung geht davon aus, dass die Preise für die Substrate um 1,0 Prozent pro Jahr steigen. Nach dem Auslaufen der jeweiligen Lieferverträge für die Substrate besteht das Risiko, dass die Fondsgesellschaft Substrate nur zu höheren Preisen als kalkuliert einkaufen kann.

Nachhaltigkeit

Strom aus Biogasanlagen herzustellen, kann nachhaltig sein. Es fehlt allerdings derzeit noch ein schlüssiges Wärmekonzept. Zudem beruht die Stoff-Versorgung teilweise auf Massentierhaltung.  

ECOreporter.de-Empfehlung

In der derzeitigen Projektphase bestehen Unsicherheiten durch mögliche Interessenskonflikte.

Basisdaten

Anbieterin und Prospektverantwortliche: Deutsche Sachwert Kontor Emissionshaus GmbH, Erding
Fondsgesellschaft (Emittentin): Biogasfarm Rackith GmbH & Co. KG, Rackith
Komplementärin und Geschäftsführerin: MEE Managementgesellschaft für erneuerbare Energien mbH, Leipzig
Treuhänderin: Holtermann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Radebeul
Beteiligungsform: Treugeber, Umwandlung in Direktkommanditist möglich

Fondswährung: Euro
Gesamtinvestitionsvolumen: 3,4 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 0,95 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro
Agio: 5 Prozent
Laufzeit: 20 Jahre (Prognosezeitraum), erstmaliges Kündigungsrecht zum 31. Dezember 2025

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Nein
IDW-Prospektprüfungsbericht: in Arbeit
Mittelverwendungskontrolle: Hennecken & Partner Treuhandgesellschaft mbH, Leipzig
Sensitivitätsanalyse: Ja
Prospekthaftung: 6 Monate
Haftsumme: 5 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent der Kommanditeinlage (Innenverhältnis)
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