05.12.11 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Der neue geschlossene Solarfonds „RE01“ von reconcept - südliche Sonne oder spanisches Roulette?



Die Fondsgesellschaft hält über eine deutsche Finanzierungsgesellschaft Anteile an der spanischen Projektgesellschaft. Diese Projektgesellschaft wiederum beteiligt sich an der Betreibergesellschaft des Solarparks. Die vierstufige Konstruktion wurde nach Angaben von reconcept gewählt, um eine Doppelbesteuerung der spanischen Erträge zu vermeiden.

Der Solarpark La Carrasca hat eine Nennleistung von rund zwei Megawattpeak (MWp). Die Module und Wechselrichter des Solarparks wurden von der spanischen Unternehmensgruppe Siliken hergestellt, die auch den Solarpark geplant, realisiert und an den Fonds verkauft hat sowie die technische Betriebsführung übernimmt.

Der Solarfonds ist das erste Beteiligungsangebot der 2011 gegründeten reconcept invest GmbH aus Hamburg. Die Anbieterin ist eine Tochtergesellschaft der reconcept GmbH, die bereits seit 1998 ökologische Finanzprodukte konzipiert und vertreibt. Nach Angaben der Anbieterin wurde die reconcept invest GmbH gegründet, um zukünftige Beteiligungsangebote als Initiatorin zu strukturieren und herauszugeben.

Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtinvestitionsvolumen: 8,955 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 3,1 Millionen Euro (34,6 Prozent)
Platzierungsgarantie: Ja
Agio: 0,155 Millionen Euro (1,7 Prozent)
Fremdkapitalvolumen: 5,7 Millionen Euro (63,7 Prozent)

Eine formale Platzierungsgarantie besteht nicht. Die Fondsgesellschaft hat aber mit der reconcept GmbH einen Vertrag über die Zwischenfinanzierung des Eigenkapitals in Höhe von bis zu 3,1 Millionen Euro abgeschlossen. Laut Prospekt wandelt sich der Restkredit in Kommanditkapital der Fondsgesellschaft um, wenn das Kommanditkapital bis Ende 2012 nicht vollständig platziert sein sollte. Zum Zeitpunkt der Prospektaufstellung lag der Betreibergesellschaft des Solarparks ein Finanzierungsangebot vor, ein sogenanntes „Term Sheet“, einer europäischen Geschäftsbank. Inzwischen ist das Darlehen nach Angaben der Anbieterin abgeschlossen und die Darlehenssumme bereits ausbezahlt worden. Das Darlehen stammt aus dem KfW-Programm. Laufzeit: 18 Jahre, zu 5,25 Prozent Zinsen, 10 Jahre fest. . Für die Zeit nach Ablauf der zehn Jahre kalkuliert die Fondsanbieterin mit einem Zinssatz von 7 Prozent.

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 5,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 6,0 Prozent
Konzeption: 7,7 Prozent
Notar-/Gerichts-/Rechtskosten: 7,7 Prozent
Fremdkapitalvermittlung: 5,0 Prozent
Sonstige Kosten: 0,4 Prozent
Gesamtweichkosten: 31,8 Prozent

Die Weichkostenquote ist hoch: Zum einen bewirkt das relative geringe Fondsvolumen, dass Kosten, die unabhängig vom Eigenkapitalvolumen sind (z. B. die Konzeptionsgebühr), stark ins Gewicht fallen. Zum anderen erforderten die Neuregelungen in Spanien zur Einspeisevergütung von Solarstrom einen erhöhten Beratungsbedarf. Laut Prospekt handelt es sich bei den Notar-/Gerichts- und Rechtskosten zum Teil um einen vorläufigen Schätzwert der Anbieterin.

Der vom Platzierungserfolg unabhängige Fixkostenanteil ist mit über 20 Prozent des Eigenkapitalvolumens hoch. Die Konzeptionsgebühr von 240.000 Euro zugunsten der reconcept GmbH war in gesamter Höhe bereits zwei Woche nach der BaFin-Gestattung des Prospektes fällig. Auch die Provision für die Fremdkapitalvermittlung war zwei Wochen nach Abschluss des Kreditvertrages und Rechnungsstellung durch die reconcept GmbH zahlbar. Da sich der Fonds erst am Platzierungsbeginn befindet, muss er die Zahlung der Provisionen an die reconcept GmbH zwischenfinanzieren, so dass die Zinsbelastung für den Fonds steigt. Das Darlehen, das die reconcept GmbH zur Zwischenfinanzierung des Eigenkapitals an die Fondsgesellschaft vergeben hat, wird mit 8,5 Prozent pro Jahr verzinst.

Laufende Kosten

Technische Betriebsführung (inkl. Wartung, Versicherung und Pacht, erstes Jahr): 44,2 Euro pro Kilowattpeak (kWp)
Kaufmännische Betriebsführung (erstes Jahr): 26,0 Euro/kWp
Fondsverwaltung und Anlegerbetreuung (erstes Jahr): 18,0 Euro/kWp
Kostensteigerung (Vertrag Fondsverwaltung und Kalkulation): 2,0 Prozent pro Jahr

Die laufenden Kosten liegen insgesamt über den von ECOreporter.de ermittelten Durchschnittswerten bei Solarfonds. Die jährliche Vergütung des Betriebsführers beträgt 7 Prozent der Netto-Einspeisevergütung. Die in der Prognoserechnung ausgewiesenen laufenden Betriebskosten steigen 2024 gegenüber dem Vorjahr deutlich an. Der Grund für diese Kostensteigerungen ist dem Prospekt nicht zu entnehmen. Nach Aussage der Anbieterin steigen die laufenden Betriebskosten ab 2024, da ab diesem Zeitpunkt aus Vorsichtsgründen außerplanmäßige Kosten, z. B. für eine Reparatur der Wechselrichter, einkalkuliert wurden.

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: 25 Jahre (geplant), erstmaliges Kündigungsrecht zum 31. Dezember 2036
Gesamtausschüttung: 306,7 Prozent (inkl. 105 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös: 0 Prozent
Rendite vor Steuern pro Jahr (IRR): 7,0 Prozent
Einkaufsfaktor (Kaufpreis/prognostizierte Stromerlöse erstes Jahr): 8,3
Gesamtinvestition: 4.331 Euro/kWp
Einspeisevergütung: 0,27 Euro/kWh

Der Fonds erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Laut der prospektierten Steuerkonzeption ist auf Ebene der Anleger die Rendite vor Steuern – ohne Berücksichtigung der Steuerprogression – identisch mit der Rendite nach Steuern. Wesentlicher Grund hierfür ist das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Spanien, das derzeit in der neu verhandelten Version noch nicht in Kraft getreten ist.
Der Kaufpreis für den schlüsselfertigen Solarpark (inkl. Projektierung) ist mit ca. 3.475 Euro/kWp relativ hoch im Vergleich zum deutschen Solarmarkt, wo vergleichbare Solarparks für unter 2.000 Euro/kWp zu erwerben sind. Allerdings zeigt der niedrige Einkaufsfaktor von 8,3, dass dieser höhere Einkaufspreis durch die stärkere Sonneinstrahlung und die höhere Einspeisevergütung in Spanien mehr als ausgeglichen werden kann.

Die Einspeisevergütung für Solarstrom wird in Spanien laut Gesetz für 25 Jahre gezahlt und an die Inflation angepasst. Der Prospektkalkulation liegt eine Inflationsrate von 2,0 Prozent pro Jahr zugrunde. Spanien hat Ende 2010 mit Wirkung zum Januar 2011 Einspeisehöchstgrenzen für Solaranlagen festgelegt, die auch für den Solarpark des Fonds gelten. Die Prognoserechnung geht davon aus, dass die Stromerträge des Solarparks, die über der Einspeisehöchstmenge liegen, über die gesamte Laufzeit nur zu einem Marktpreis von 0,038 Euro/kWh veräußert werden können. Grundsätzlich bewirkt die Einspeisehöchstgrenze, dass sich eventuelle Strommehrerlöse, z.B. aufgrund einer höheren Sonnenscheindauer oder besserer technischer Performance des Solarparks als erwartet, finanziell nur geringfügig auswirken. Selbst eine erhebliche (und unwahrscheinliche) Steigerung des Jahresenergieertrags um 20 Prozent gegenüber der Prognose würde die Renditeerwartung laut Sensitivitätsanalyse nur auf  7,5 Prozent heben.

Technik und Erträge

Der Solarpark La Carrasca mit einer installierten Leistung von 2,067 MWp liefert seit Juli 2011 Strom ins Netz. Er ist mit polykristallinen Modulen des Typs SLK60P6L des  spanischen Herstellers Siliken Modules bestückt. In einem Test des Fachmagazins Photon wurde dieser Modultyp 2010 als bestes Modul ausgezeichnet. Die Module sind nach den Standards IEC 61215 (Leistungsbeständigkeit) und IEC 61730 (Sicherheit) vom TÜV Rheinland zertifiziert. Der Hersteller garantiert, dass seine Module 90 Prozent der Modulnennleistung für zehn Jahre und 80 Prozent der Modulnennleistung für 25 Jahre erreichen, die Produktgarantie besteht über 10 Jahre. Die verwendeten Wechselrichter der Typen SE500Ni, SE100Ni und SE85Ni kommen von Siliken Electronics. Die Produktgarantie beträgt fünf Jahre.

Generalunternehmer und Betriebsführer des Solarparks ist Siliken Energy, S.L.. Siliken , S. A.  garantiert eine Verfügbarkeit des Solarparks von 98 Prozent. Die beiden spanischen Gutachter, die Alatec-Gruppe und das Unternehmen Coenersol, ermittelten im Durchschnitt eine Performance Ratio von 78,4 Prozent und einen voraussichtlichen Stromertrag von 1.583 kWh/kWp. Mit 0,5 Prozent setzt die Anbieterin die jährliche Degradation der Module relativ hoch an. Die endgültige Abnahme des Solarparks soll Ende November erfolgen. Nach Angaben von reconcept sind bislang keine technischen Probleme aufgetreten.

Ökologische Wirkung

Der Solarpark La Carrasca liegt in der Region Murcia im Südosten Spaniens und hat ca. 300 Sonnentage im Jahr. Die Gutachter ermittelten für den Standort des Solarparks Globalstrahlungswerte von rund 1.770 kWh/m². Zum Vergleich: In Deutschland können je nach Region Globalstrahlungswerte von 900 bis 1.200 kWh/m² erreicht werden. Aufgrund der hohen Sonneinstrahlung erzielt der Solarpark einen höheren Stromertrag und damit eine bessere ökologische Wirkung als es in Deutschland bei gleicher Fläche und Technik möglich wäre. Laut Prospekt kann der Solarpark nach seiner Betriebsdauer in eine landwirtschaftliche Nutzfläche zurückgebaut werden, da keine Betonfundamente verwendet wurden.

Mit der Stromproduktion des Solarparks können voraussichtlich jährlich circa 2.200 Tonnen CO2 gegenüber der Stromgewinnung aus konventionellen Kraftwerken eingespart werden. Mit der produzierten Strommenge können bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh ungefähr 930 Haushalte jährlich versorgt werden.

Risiko

Der Solarparks des Fonds ist bereits errichtet und am Netz, so dass kein Fertigstellungsrisiko besteht.
Die reconcept GmbH hat der Betreibergesellschaft des Solarparks eine Zwischenfinanzierung des Bankdarlehens in Höhe von bis zu 5,7 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 8,5 Prozent pro Jahr zur Verfügung gestellt. Nach Angaben von reconcept ist das Darlehen aber inzwischen vollständig getilgt worden, so dass kein Rückabwicklungsrisiko mehr bestehe.

Die Module und Wechselrichter des Parks stammen von der spanischen Unternehmensgruppe Siliken, die auch den Solarpark realisiert hat sowie die technische Betriebsführung übernimmt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Siliken-Unternehmensgruppe oder eine ihrer Tochterunternehmen während der Fondslaufzeit insolvent werden. In dem Fall könnte der Fonds seine Ansprüche aus den Garantien und Gewährleistungen, die Siliken als Modul- und Wechselrichterhersteller und im Rahmen des Generalunternehmer- und Betriebsführervertrages abgegeben hat, voraussichtlich nicht mehr durchsetzen.

Die spanische Regierung hat im letzten Jahr gesetzliche Regelungen zur Einspeisevergütung rückwirkend geändert und damit den Bestandsschutz für bestehende Solaranlagen verletzt. Anfang 2011 hat das spanische Parlament aber eine Gesetzesänderung verabschiedet, wonach künftige Änderungen nicht rückwirkend auf bestehende Solaranlagen angewendet werden sollen. Es kann dennoch nicht ausgeschlossen werden, dass es wieder zu rückwirkenden Änderungen kommt. Zudem könnte die Zahlung der Einspeisevergütungen ausfallen, wenn sich die Zahlungsfähigkeit von Spanien als Schuldner der Einspeisevergütung verschlechtern sollte. Die wirtschaftliche Situation von Spanien ist angespannt, obwohl das Land mit einer Staatsverschuldung von rund 61 Prozent des BIP (Ende 2010) im Vergleich der Euroländer noch relativ gut dasteht. Allerdings gibt es in Spanien seit der Finanzkrise und dem Zusammenbruch der Bauindustrie vor drei Jahren einen Negativtrend, der sich auch in einer sehr hohen Arbeitslosenquote manifestiert. Der Erfolg des Solarfonds ist somit mittelbar auch davon abhängig, ob die erforderlichen wirtschaftlichen Reformen in Spanien gelingen.

Fazit:

Finanziell


Der Solarpark des Fonds ist bereits am Netz, Fertigstellungsrisiken bestehen daher nicht. Die Fremdfinanzierung ist gesichert. Die Anbieterin hat ihren Markteintritt in Spanien sorgfältig vorbereitet und ist dafür auch eine Partnerschaft mit dem spanischen Solar-Unternehmen Siliken eingegangen, das vor Ort gut vernetzt ist und dessen Produkte in Tests sehr gut abgeschnitten haben. Mit rund 7 Prozent nach Steuern ist die prognostizierte Rendite deutlich höher als bei Solarfonds mit Anlagen in Deutschland. Die Weichkosten liegen über dem Durchschnitt.

Nachhaltigkeit

Die südspanische Sonne sorgt für eine hohe Stromausbeute und ein Nachhaltigkeitsplus.

ECOreporter.de-Empfehlung

Auch auf Solarfonds fixierte Anleger sollten nicht alles auf ein Land setzen. Zur Beimischung in ein ansonsten konservatives Anlageportfolio kann dieser spanische Solarfonds für Anleger mit unternehmerischem Denken geeignet sein.

Basisdaten

Anbieterin und Prospektverantwortliche: reconcept invest GmbH, Hamburg
Fondsgesellschaft (Emittentin): reconcept Solarpark La Carrasca GmbH & Co. KG, Hamburg
Komplementärin: reconcept Capital GmbH, Hamburg
Treuhänderin: TKS Treuhand Kontor Süderelbe GmbH, Hamburg
Gesellschafterin von Anbieterin, Komplementärin und Treuhänderin: reconcept GmbH, Hamburg
Beteiligungsform: Treuhänder, Umwandlung in Direktkommanditist ab 2013 möglich

Fondswährung: Euro
Gesamtinvestitionsvolumen: 8,96 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 3,1 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro
Agio: 5 Prozent
Laufzeit: 25 Jahre (geplant), erstmaliges Kündigungsrecht zum 31. Dezember 2036

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Nein
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja, in Arbeit
Mittelverwendungskontrolle: PKF Maack & Company Steuerberatungsgesellschaft mbH, Hamburg
Sensitivitätsanalyse: Ja
Prospekthaftung:  6 Monate
Haftsumme: 10 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent (Innenverhältnis)

Glossar

Degradation
Leistungsabnahme von Solarmodulen aufgrund von Alterungsprozessen

EEG (Erneuerbare Energien Gesetz)
Regelt die Abnahme und die Vergütung von Strom aus erneuerbaren Energien in Deutschland.

Globalstrahlung
Die gesamte Sonneneinstrahlung, die an der Erdoberfläche auf eine horizontale Empfangsfläche auftrifft

IRR-Rendite (Internal Rate of Return)
Renditeberechnung nach der sogenannten internen Zinsfußmethode
Die Methode berücksichtigt die Zeitpunkte der Ausschüttungen an die Anleger.

Konversionsfläche
Brachliegende Militär- oder Industrieflächen, die durch eine Nutzungsänderung, z. B. dem Bau eines Solarparks, eine Umwandlung (Konversion) erfahren

kWp (Kilowattpeak)
Optimale Leistung von Solarmodulen unter genormten Testbedingungen (engl. peak = Spitze)

Performance Ratio
Verhältnis zwischen dem tatsächlich zu erwartenden und dem theoretisch möglichen Energieertrag einer Solaranlage

Wechselrichter
Wandelt den von den Solarzellen erzeugten Gleichstrom für die Netzeinspeisung in Wechselstrom um

Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x