Die Malediven sind nicht nur ein Ferienparadies, sondern auch Standort von Umweltprojekten. Zum Beispiel hat die deutsche juwi-Gruppe auf der Insel Kudahuvadhoo Solaranlagen installiert. Die EWR Umwelttechnik GmbH plant auf den Malediven eine Reststoffverwertungsanlage. / Quelle: juwi

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ECOanlagecheck: Direktinvestments der EWR Umwelttechnik GmbH

Die EWR Umwelttechnik GmbH aus Trier bietet Direktinvestments in Umwelttechnologie-Projekte an. Für 5.000 Euro können Interessenten einen Anteil an einer Reststoffverwertungsanlage kaufen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Derzeit hat die EWR Umwelttechnik GmbH zwei Angebote (Stand: 6. Mai 2014). Es gibt dazu jeweils eine zweiseitige Projektunterlage, genannt „Anlage zum Vertragswerk“. In der Sache handelt es sich jeweils um eine „thermische Reststoffverwertungsanlage zur Verölung von Kunststoffen und biogenen Abfällen mit anschließender Verstromung und Wärmenutzung in Containerbauweise“. Die beiden Anlagen sollen 2014 in Betrieb genommen werden. Eine auf den Malediven, eine in Wolfshagen bei Kassel.

Angebot

Interessenten können für einen Preis von 5.000 Euro einen Miteigentumsanteil (Bruchteilseigentumsanteil, Anteil) erwerben. Neben dem Kaufpreis werden in den ECOreporter.de vorliegenden Projektunterlagen keine weiteren Kosten angeführt. Die Vertriebsprovisionen sind nach Angaben von EWR in den Kaufpreis eingerechnet. Die Höhe der Vertriebsprovisionen nannte EWR gegenüber ECOreporter.de nicht.

Die geplanten Gesamtinvestitionen für die beiden Anlagen belaufen sich auf 4,35 Millionen Euro (Projekt Malediven) bzw. 2,95 Millionen Euro (Projekt Wolfhagen). Bei dem Kaufpreis von 5.000 Euro je Bruchteilseigentumsanteil ergeben sich somit 870 (Projekt Malediven) bzw. 590 Anteile (Projekt Wolfhagen). Wer einen Anteil kauft, bildet zusammen mit den restlichen Käufern eine so genannte Bruchteilsgemeinschaft. Diese ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt.

Jeder Käufer eines Anteils schließt mit dem Kaufvertrag gleichzeitig auch einen Miet- und Rückkaufvertrag mit der EWR Umwelttechnik GmbH ab. Es handelt sich somit um sogenannte Rückmietverkäufe (Sale-and-Lease-Back). Laut den Projektunterlagen zahlt EWR dem Käufer vierteljährlich eine Miete (Leasingrate) von 125,10 Euro bezogen auf den Kaufpreis von 5.000 Euro je Anteil. Im ganzen Jahr ergibt sich somit eine Mietzahlung von 500,40 Euro je Anteil. Der Vertrag sieht vor, dass bei Mietvertragsende nach 4,5 Jahren EWR die Anteile zurückkauft. Der Rückkaufpreis beträgt laut Projektunterlagen 4.336,10 Euro je Bruchteilseigentumsanteil.

Laut Rückmietverkaufvertrag trägt EWR während der Laufzeit des Mietvertrages z.B. alle Reparatur- und Instandhaltungskosten. Zudem verpflichtet sich EWR, die Anlagen während der Laufzeit branchenüblich zu versichern.

Die Miet- und Rückkaufpreiszahlungen, welche die EWR Umwelttechnik GmbH an die Käufer zu leisten hat, sind von der Zahlungsfähigkeit der EWR abhängig. Bei einer Zahlungsunfähigkeit bzw. Insolvenz der EWR besteht für die Käufer das Risiko, dass sie ihr Kapital bzw. einen Teil ihres eingesetzten Kapitals nicht zurück erhalten. Die Käufer haben keinen Einfluss auf die geschäftlichen Aktivitäten der EWR, tragen aber – über den Miet- und Rückkaufvertrag – unternehmerische Risiken von EWR mittelbar mit.

Um die Ansprüche des Käufers auf Mietzahlung abzusichern, verpflichtet sich die EWR laut Firmenbroschüre, ihre künftigen Ansprüche gegen Dritte aus der Nutzung der jeweiligen Anlage (Verkauf der erzeugten Produkte und Energiegewinnung) an den Käufer der Anlage abzutreten (anteilig).
Was geschieht, wenn die EWR ausfällt? Der Anleger könnte gezwungen sein, seinen Anteil selbst zu verkaufen. Wie und zu welchem Preis er einen Anteil an einer thermischen Reststoffverwertungsanlage z.B. auf den Malediven verkaufen kann – das wäre  sein eigenes Risiko.
Die Informationsbroschüre (Firmenbroschüre) ist mit 28 Seiten (inkl. 2 Seiten Risikohinweisen) vergleichsweise kurz gehalten, so dass ECOreporter.de die Risiken und Aussichten des Unternehmens teilweise nicht fundiert und detailliert beurteilen kann. Auch Anleger müssten der EWR einen Vertrauensvorschuss gewähren. Insgesamt führt das Rückmietverkaufsmodell auch dazu, dass das Angebot teilweise Elemente aufweist, die einer Finanzierung für EWR  ähneln: fester Zins und feste Rückzahlung, gewinn-und verlustunabhängig, abhängig von der Zahlungsfähigkeit. Die EWR selbst bestreitet das.

Unternehmen

Die EWR Umwelttechnik GmbH aus Trier gibt es seit Anfang 2013. 2012 fungierte die Gesellschaft noch unter dem Namen EWR Cleantech Finance GmbH. Ihr Stammkapital beträgt 25.000 Euro. Geschäftsführer der EWR sind Michael Hirth und Stefan Wagner. Die Geschäftsadresse der EWR ist die Max-Planck-Str.8 in 54296 Trier.

Bis November 2013 waren Robert Berg und Roland Göbel Geschäftsführer der EWR Umwelttechnik GmbH. Göbel war auch Geschäftsführer der Trendinvest Beratungs GmbH aus Trier gewesen. Die Trendinvest Beratungs GmbH hat dieselbe Geschäftsadresse wie die EWR Umwelttechnik GmbH. Trendinvest hatte zwischen 2005 und 2010 Finanzprodukte im Bereich Cleantech aufgelegt. Die Verbindungen von EWR zu Trendinvest und ihren Fonds werden in den EWR-Informationsunterlagen, die ECOreporter.de vorliegen, nicht offengelegt. EWR erläutert gegenüber ECOreporter.de: „Die Trendinvest ist an gleicher Adresse zur Zeit noch Untermieter der EWR. Die Trendinvest ist gesellschaftsrechtlich nicht mit der EWR verflochten. Die Nutzung etwaiger geschäftlicher Kontakte der TIV-Fonds und die Nutzung des vorhandenen Knowhows für Umwelttechnologien ist für die EWR hingegen ein Vorteil. Zudem ist die EWR ein operativ tätiges Unternehmen und fällt, genauso wenig wie der Verkauf von ideellen Miteigentumsanteilen an einer Sache selbst, nicht unter das KAGB. Aus diesem Grunde besteht auch keine Prospektpflicht, so dass auf mögliche Verflechtungen, die ohnehin nicht bestehen, in den Angebotsunterlagen nicht hingewiesen werden muss.“

Laut der Internetseite  www.tiv-trendinvest.de, Stand 21.5.2014, ist Roland Göbel Geschäftsführer der Trendinvest Beratungs GmbH.

2010 hat die Trendinvest Beratungs GmbH laut ihrer eigenen Internetseite den TIV Trendinvest BioEnergiefonds 1 aufgelegt. Die Fondsgesellschaft TIV Trendinvest GmbH & Co. BioEnergie Wolfhagen KG beabsichtigt(e) laut Hauptprospekt, am Standort Pommerngelände in Wolfhagen unter anderem Holzvergaser-Blockheizkraftwerke zur Produktion von Strom und Wärme zu erwerben und zu errichten. Eine der von EWR geplanten Reststoffverwertungsanlagen befindet sich ebenfalls am Standort Pommerngelände in Wolfhagen. Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärte EWR, dass es einen Gesellschafterbeschluss der TIV TrendInvest GmbH & Co BioEnergie Wolfhagen KG für den Verkauf der Anlagen an die EWR gebe. Es sei das Ziel, das „Urkonzept der TIV TrendInvest GmbH & Co BioEnergie Wolfhagen KG nun mit neuer effizienter Technik durchzuführen“.

Zudem hatte Trendinvest 2006 bzw. 2008 die Fonds TIV Trendinvest GmbH & Co. Umweltfonds KG und TIV Trendinvest GmbH & Co. Umweltfonds Zweite KG auf den Markt gebracht. ECOreporter.de liegen zwei Meldungen von Trendinvest aus August/September 2013 vor, die die beiden Fonds betreffen und die mit „TIV 2 – Sanierungskonzept Vorabinfo“ und „TIV 1 – Zwischeninfo“ betitelt sind. Den Mitteilungen ist zu entnehmen, dass die Fonds im Zusammenhang mit dem Malediven-Projekt der EWR Umwelttechnik GmbH stehen. Den Gesellschaftern der Fonds wird in den Mitteilungen in Aussicht gestellt, dass die Fonds durch die EWR und deren Geschäftsmodell saniert werden können. Zudem werde laut der Mitteilung EWR ihnen (den Fondsanlegern) die Möglichkeit geben, auch den bis dahin erlittenen Renditeverlust weitestgehend wieder aufzuholen.

EWR erklärte dazu gegenüber ECOreporter.de: „Es ist richtig, dass die EWR Vermögenswerte der TIV-Fonds für ihr Geschäftsmodell nutzt und diesen Gesellschaften im Gegenzug eine Sanierung ermöglicht. Das Geschäft der EWR ist jedoch nicht die Sanierung von Drittgesellschaften. Natürlich haben die Gesellschafter dieser Fonds die Möglichkeit, durch eine Investition über die EWR ihren bisherigen Renditeverlust zu kompensieren. Doch das alles ist eine interne Angelegenheit der EWR und hat mit ihren Angeboten M10 und D11 nichts zu tun.“

Investitionen

Die EWR will in zwei thermische Reststoffverwertungsanlagen (TRV) investieren. Hersteller und Verkäufer der Anlagen ist laut Aussage von EWR die Burkauer Stahlbau- und Handelsgesellschaft mbH (BSH GmbH) aus Burkau bei Dresden. Das Unternehmen wurde Ende 2009 mit einem Stammkapital von 44.000 Euro gegründet. auf.  Nach Angaben von EWR ist die BSH GmbH Teil einer internationalen Firmengruppe, von denen mehrere Firmen ihren Sitz in Burkau haben.

Eine der Anlagen soll im Herbst 2014 in Wolfhagen bei Kassel in Betrieb gehen. Die andere Anlage sollte laut der vorliegenden Anbieterunterlagen im April 2014 auf den Malediven in Betrieb genommen werden. Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärte EWR: „Diese Anlage soll nun nicht auf einer kleinen Insel, sondern auf der Müllinsel vor der Hauptstadt Male errichtet werden. Dazu müssen noch einige Verträge mit anderen Personen aufgehoben und mit uns geschlossen werden. Positiv daran ist, dass die logistische Lösung optimaler ist. Es ist aber geplant, noch  in diesem Jahr dort produktiv zu werden. Dadurch haben sich unsere Prioritäten von den Malediven zunächst auf Deutschland (Wolfhagen) verlagert.“

Laut Firmenbroschüre liegen für die Anlagen bzw. für die Verfahren noch keine Erfahrungen über einen längeren Zeitraum vor, so dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass in den kommenden Jahren technische Probleme auftauchen, die heute noch nicht vorhersehbar sind. Nach Angaben von EWR läuft die Anlage in Burkau als Testanlage in Originalgröße seit März 2013 ohne Störfälle im Normalbetrieb.

Fazit

Interessenten erwerben Anteile an Anlagen, für die noch keine Erfahrungen über einen längeren Zeitraum vorliegen. Das gilt auch für die Verfahren, für die verwendeten Grundmaterialien (Abfälle) und für die Preise der Produkte. Insbesondere gilt das für die Anlage auf den Malediven. Dementsprechend können für die Anleger erhöhte Risiken bestehen. Zudem ist der Vertragspartner der Käufer, das Unternehmen EWR Umwelttechnik, noch relativ jung. Nach Beurteilung von ECOreporter.de bestehen bei den beiden Angeboten insgesamt hohe Risiken. Interessenten sollten abwarten, ob die geplanten Anlagen zuverlässig laufen und ob die Geschäftsmodelle funktionieren.
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