Bildausschnitt eines Fotos von der Montage einer Windkraftanlage. Der Prospekt der reskap Projekt GmbH & Co. KG ist kaum aussagekräftiger als dieses Foto. / Quelle: Fotolia, Herbert Esser

10.01.14 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck , Windenergie-Investments , Genussrechte/Anleihen

ECOanlagecheck: Erneuerbare-Energie-Genussrechte der reskap Projekt GmbH & Co. KG

Die reskap Projekt GmbH & Co. KG aus Wiesloch im nördlichen Baden-Württemberg bietet Genussrechte mit sehr kurzer Laufzeit an. Mit dem eingeworbenen Kapital sollen laut Prospekt Erneuerbare-Energien-Projekte entwickelt werden. Eine Zeichnung ist ab 10.000 Euro plus 5 Prozent Agio möglich. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Die Genussrechte laufen bis Ende 2015. Die Emittentin kann die Laufzeit um ein Jahr bis Ende 2016 verlängern. Die Genussrechteinhaber nehmen nicht an Gewinnen oder Verlusten der Emittentin reskap Projekt GmbH & Co. KG teil, sind aber von deren Liquidität abhängig. Die Genussrechte sind mit einem qualifizierten Nachrang ausgestattet. Der Anspruch der Anleger auf Verzinsung und Rückzahlung der Genussrechte ist solange und soweit ausgeschlossen, wie die Verzinsung/Rückzahlung die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bei der Emittentin herbeiführen würde. Zudem ist die Emittentin laut Prospekt berechtigt, weiteres Kapital aufzunehmen, dass vorrangig gegenüber den Genussrechten ist.

Der Zinssatz der Genussrechte beträgt 1,0 Prozent pro Monat. Die Zinsen werden aber erst am Ende der Laufzeit an die Anleger ausgeschüttet – falls die Liquidität der Emittentin ausreicht. Wenn aufgrund fehlender Liquidität keinen Zinsen gezahlt werden können, haben die Anleger keinen Nachzahlungsanspruch. Der Ausschluss des Nachzahlungsanspruches ist ungewöhnlich. Auch die Rückzahlung des Genussrechtskapitals steht unter dem Vorbehalt einer ausreichenden Liquidität. In den Genussrechtsbedingungen finden sich keine Angaben dazu, wie konkret verfahren wird, falls die Rückzahlung der Genussrechte am Laufzeitende nicht (vollständig) möglich sein sollte.

Das Emissionsvolumen beträgt laut Prospekt 7,5 Millionen Euro. Die Vermittlungsprovisionen werden laut Prospekt mit 13 Prozent des Genussrechtkapitals „angesetzt“. Für Vertriebskoordination, Konzeption und Strukturierung sowie Prospekterstellung werden laut Prospekt von der Anbieterin weitere 6,0 Prozent veranschlagt bzw. angesetzt. Somit ist die Belastung durch Weichkosten für eine Genussrechtsemmission sehr hoch – im Vergleich zu den Weichkosten, die von ECOreporter.de in den letzten zwei Jahren analysierte Genussrechte im Durchschnitt auf- und auswiesen.

Die Anbieterin

Anbieterin und Emittentin der Genussrechte ist die reskap Projekt GmbH & Co. KG aus Wiesloch. Sie wurde im August 2013 gegründet und hat ein Kommanditkapital (Eigenkapital) von nur 1.000 Euro. Laut Prospekt ist eine Aufnahme von weiterem Eigenkapital auch nicht geplant. Alleinige Kommanditistin der Emittentin ist die Reskap GmbH, ebenfalls aus Wiesloch. Sie wurde im Juli 2013 mit einem Stammkapital von 25.000 Euro gegründet. Die Reskap GmbH ist auch alleinige Gesellschafterin der reskap Management GmbH, der Komplementärin (Geschäftsführerin) der Emittentin. Die Komplementärin hat ihren Sitz ebenfalls in Wiesloch und wurde mit einem Stammkapital von 25.000 Euro im August 2013 gegründet.

Geschäftsführender Gesellschafter beider Unternehmen, der Reskap GmbH und der reskap Management GmbH, ist Michael Bauer. Bauer ist nach eigenen Angaben seit zehn in der Beteiligungsbranche aktiv, insbesondere im Vertrieb von geschlossenen Fonds. Von 2010 bis 2012 war er Vorstand der Brenneisen Capital AG. Seit 2012 ist er Geschäftsführer der Amagnus Consult GmbH, die laut eigener Internetseite „neuen Initiatoren die Übernahme von Interims-Aufgaben in der Prozesskette von Beteiligungsmodellen, beginnend mit der strategischen Ausrichtung der Fondsidee, der vertrieblichen Begleitung in der Platzierungsphase bis hin zur Berichterstattung in der Bestandsverwaltung“ anbietet. Im Prospekt wird nicht erwähnt, wer der Ideengeber und Initiator des vorliegenden Anlageproduktes ist.

Gegenstand der reskap Projekt GmbH & Co. KG ist laut des aktuellen Gesellschaftsvertrages vom September 2013 „die Projektierung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sowie die Beratung von Unternehmen, die in der Projektierung von erneuerbaren Energien tätig sind“. Zudem kann sich die Gesellschaft auch an Unternehmen beteiligen, die in dem Bereich tätig sind.

Die Investitionen


Zum Zeitpunkt der Prospektaufstellung (Oktober 2013) hat die reskap Projekt GmbH & Co. KG noch keine Investitionen in Projekte getätigt. Investitionskriterien gibt es im Prospekt nicht. Die Anbieterin hat interne Investitionsrichtlinien, die sie ECOreporter.de beschrieben hat. Den Marketingunterlagen der Anbieterin ist eindeutig zu entnehmen, dass in Projektentwicklungen im Bereich Windenergie in Polen investiert werden soll. Die Projekte sollen nach Beendigung der Projektierungsphase verkauft werden.

Auf der Internetseite der Anbieterin wird der Downloadbutton für den Prospekt mit „Verkaufsprospekt reskap Windwerte“ betitelt. Der Prospekt enthält diese Bezeichnung aber nicht. Es ist vielmehr so, dass das Wort „Wind“ – alleinstehend oder in Wort-Kombinationen (z.B. Windpark, Windenergie) – im Prospekt kein einziges Mal vorkommt. Auch der Begriff „Polen“ –  oder ähnliche Begriffe wie z.B. polnisch – fehlen im Prospekt komplett. Daher handelt es sich hier um einen Blind-Pool-Prospekt der besonderen Art, da nicht nur die einzelnen Investitionsvorhaben noch nicht feststehen, sondern selbst die konkrete Investitionsstrategie keinen Eingang in den Prospekt gefunden hat. Laut Aussage der Anbieterin handelt es sich um ein operativ tätiges Genussrecht, bei dem das Geschäftsfeld durch den Prospekt nicht eingeschränkt werden sollte.

Im Factsheet (Download-Abruf: 10. Dezember 2013) der Anbieterin steht, dass Polen den Ausbau von heute 2,5 Megawatt (MW) installierter Windkraft-Nennleistung auf 6 MW im Jahr 2020 erreichen will. Das würde ungefähr bedeuten, dass es in Polen aktuell ein Windrad gibt und es bis 2020 zwei bis drei Windräder werden sollen. Ein ähnlicher Fehler – die Verwechslung von Megawatt und Gigawatt (1 Gigawatt entspricht 1.000 Megawatt) – findet sich auch in der Anlegerbroschüre der Anbieterin. Der Fehler ist von der Anbieterin nach dem Hinweis von ECOreporter.de behoben worden.

Grundsätzlich verfügt Polen über ein hohes Ausbaupotential im Bereich Windkraft, da die Windkraft erst 2,8 Prozent zur Netto-Stromproduktion des Landes beiträgt. Fast 90 Prozent entfallen auf fossile Brennstoffe, insbesondere Braunkohle. Laut einer Branchenstudie von Germany Trade & Invest (gtai) – der bundesdeutschen Gesellschaft zur Außenwirtschaftsförderung - will die polnische Regierung an der Kohle festhalten und erneuerbare Energien nur bis zur Erfüllung der EU-Vorgaben ausbauen.

Beeinträchtigt wird die Entwicklung des polnischen Windmarktes durch die seit 2010 andauernden Arbeiten an einem neuen Erneuerbaren-Energien-Gesetz. Nach Angaben von gtai ist eine Verunsicherung bei Investoren deutlich zu spüren. Windparks werden in Polen nicht durch eine feste Einspeisevergütung wie in Deutschland, sondern derzeit durch grüne Zertifikate, die an der Strombörse verkauft werden, gefördert. Aufgrund eines Überangebotes stürzte laut gtai der Preis pro Zertifikat und MWh von 300 Zloty Ende 2011 auf 100 Zloty Anfang 2013 ab. Das System der grünen Zertifikate soll zukünftig laut gtai gemäß eines neuen, im November 2013 veröffentlichten Gesetzentwurfes durch Auktionspreise ersetzt werden. Laut Aussage der Anbieterin sei dieses Szenario für das Fondskonzept nicht relevant, da nur in Projekte investiert werden solle, bei denen die Abnahme zeitnah gesichert sei.

Insgesamt sind die Entwicklung von polnischen Windparkprojekten und die Genehmigungsverfahren laut der gtai-Studie auch aufgrund der vorherrschenden regulatorischen Rahmenbedingungen und der maroden Infrastruktur (Netzanschluss) komplex und schwierig.

Fazit

Bei der Anbieterin und Emittentin des Genussrechtes handelt sich um ein sehr junges Unternehmen, das zum Zeitpunkt der Prospekterstellung noch keine Investitionen getätigt hat. Die Weichkosten sind hoch, die Transparenz nicht überzeugend. Das Unternehmen strebt den Einstieg in den polnischen Markt für Windkraft-Projektentwicklungen an, der mit erheblichen Risiken einhergeht. Das Angebot überzeugt insgesamt nicht.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: reskap Projekt GmbH & Co. KG, Wiesloch
Anlageform: Nachrangiges Genussrecht
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro
Agio: 5 Prozent
Emissionsvolumen: 7,5 Millionen Euro
Laufzeit: bis 31. Dezember 2015
Verzinsung: 1 Prozent pro Monat
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
BaFin-Billigung: Ja
Handelbarkeit: Keine Notierung an einer Börse
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