07.01.13 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Genussrecht der EEV AG – Offshore-Windkraft plus Bioenergie



Das Emissionsvolumen beträgt 38 Millionen Euro; eine Platzierungsgarantie besteht nicht. Die Genussrechte haben eine unbefristete Laufzeit. Anleger können ihre Beteiligung erstmals zum Ablauf des fünften vollen Beteiligungsjahres kündigen. Die Grundverzinsung beträgt 6 Prozent pro Jahr. Ab 2014 werden Anleger zudem zu einem Fünftel an eventuellen Jahresüberschüssen beteiligt, bis zu einer Gesamtverzinsung von max. 9 Prozent pro Jahr (6 Prozent Grundverzinsung, 3 Prozent Erfolgsbeteiligung).
Laut Prospekt beabsichtigt die EEV AG, die Genussrechte selbst zu verkaufen. Eine Teilplatzierung durch Dritte (Banken, Finanzdienstleister) sei aber möglich. Die Gesamthöhe der Provisionen beträgt laut Prospekt 5,32 Millionen Euro bei Vollplatzierung. Somit werden bezogen auf das Emissionsvolumen 14 Prozent des Genussrechtskapitals für Provisionen verwendet. 14 Prozent sind für eine Genussrechtemission eine äußerst hohe Provisionsquote. Nach Aussage der Anbieterin ist 14 Prozent die feste Obergrenze, die tatsächliche Provisionsquote könne daher auch niedriger liegen.

Die Projekte

Die EEV AG hat für 15 Millionen Euro ein Biomassekraftwerk in Niedersachsen gekauft und für 11,5 Millionen Euro eine Offshore-Wind-Projektentwicklungsgesellschaft. Mit den noch einzuwerbenden 38 Millionen Euro Genussrechtskapital sollen die beiden Kaufpreise bezahlt werden. Zudem sollen die Zinsen für die Kaufpreisstundung (mind. 1,3 Millionen Euro) beglichen werden -  bis jetzt ist der Kaufpreis nicht bezahlt. Zudem soll die Weiterentwicklung des Windkraftprojektes (3 Millionen Euro laut Prospekt) finanziert werden.

Das Biomassekraftwerk liegt im niedersächsischen Papenburg und ist bereits seit 2003 im Betrieb. Das Kraftwerk wird laut Prospekt mit Altholz betrieben und hat 2010 rund 160 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Der erzeugte Strom wurde nicht über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet, sondern auf dem freien Markt für insgesamt 13,6 Millionen Euro (2010) verkauft. Laut Prospekt wird die EEV AG den Betrieb des Kraftwerkes neu strukturieren und insbesondere technisch und wirtschaftlich verbessern. Zudem soll in Zukunft auch die bei der Stromproduktion entstehende Wärme genutzt werden, so dass aus dem Biomassekraftwerk ein Biomasseheizkraftwerk wird. Laut wirtschaftlicher Planung der Emittentin reichen die laufenden Überschüsse aus dem Betrieb des Kraftwerks bereits aus, um die komplette Grundverzinsung (2,28 Millionen Euro bei Vollplatzierung) für die Genussrechteinhaber decken zu können.

Die EEV AG hält zudem alle Anteile an der OWP (Offshore-Windenergie-Projekte) Skua GmbH, die einen Windpark mit 80 Windkraftanlagen in der Nordsee in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) plant.  Das Windparkprojekt befindet sich laut Prospekt erst in der ersten von dreien Stufen des Genehmigungsverfahrens (Planungsstufe). Die Emittentin geht davon aus, dass diese Planungsstufe in zwei Jahren abgeschlossen werden kann und der „genehmigungsreife“ Windpark 2015 für 50 Millionen Euro verkauft werden kann. Darüber hinaus befindet sich die EEV AG laut Prospekt in Verhandlungen mit einer Projektgesellschaft, die vier weitere Offshore-Windkraftprojekte mit zusammen 320 Windkraftanlagen im Genehmigungsverfahren hält.

Initiatoren, Projektpartner und Verflechtungen

Die Genussrechte werden von der EEV AG (Emittentin) mit Sitz in Göttingen in Niedersachsen herausgegeben . Ihr eingezahltes Grundkapital beträgt 500.000 Euro. Sie wurde im Juli 2012 von ihrer Muttergesellschaft, der EEV AG mit Sitz in Wien (im Folgenden: EEV AG Wien) gegründet. Die EEV AG Wien selbst wurde im Juni 2012 gegründet. Angaben zu den Gesellschaftern der EEV AG Wien sind im Prospekt nicht enthalten.

Das von der EEV AG erworbene Biomassekraftwerk gehörte zur N.prior GmbH (vormals Prokon Nord), die sich derzeit im Insolvenzverfahren befindet. Das Biomassekraftwerk wurde aber bereits 2010 an die Etanax Holding GmbH  aus Wien verkauft, von der es die EEV AG erworben hat. Gesellschafter der Etanax Holding GmbH (aufgrund übereinstimmender Firmennummer identisch mit der Etanax Beteiligungsverwaltungs GmbH aus Wien) ist die Familie G. Eisenhauer Vermögensverwaltung KG aus Aurich. Laut Wiener Amtsblatt (Juli 2011) ist bzw. war zudem geplant, dass die Etanax Beteiligungsverwaltungs GmbH die Northern Energy Projekt GmbH aus Westerholt übernimmt.

Diese Northern Energy Projekt GmbH besaß über die OPG Offshore Projekt GmbH alle Anteile an der Projektentwicklungsgesellschaft OWP Skua GmbH, welche die Genussrechteemittentin EEV AG erworben hat. Geschäftsführer der Northern Energy Projekt war bzw. ist Günter Eisenhauer, der auch Geschäftsführer NOW Nordsee-Offshore-Wind GmbH ist. Mit der NOW musste die EEV AG laut Prospekt einen Dienstleistungsvertrag zur Projektentwicklung des Windparks bis zur Baureife abschließen, um die Anteile an der OWP Skua GmbH erwerben zu dürfen. Geschäftsführer der OWP Skua GmbH ist Alexander Dierkes, der auch als Geschäftsführer der NOW GmbH fungiert und nach Angaben der Emittentin ebenfalls Geschäftsführer der Strabag OW EVS GmbH ist.

Die OWP-Projektentwicklungs-Gesellschaft Strabag OW EVS GmbH aus Hamburg ist nach Angaben der Emittentin ein Unternehmen der NOW GmbH und der Strabag SE aus Wien. Das große Bauunternehmen Strabag SE (14,3 Milliarden Euro Umsatz und 77.000 Mitarbeiter  im Geschäftsjahr 2011, eigene Angaben) hat sich 2011 mit 51 Prozent-Mehrheit  an insgesamt 14 Nordsee-Offshore-Wind-Projektentwicklungsgesellschaften der Northern Energy Projekt GmbH von Günter Eisenhauer beteiligt.

Risiko

Die Transparenz des Beteiligungsangebotes ist nicht befriedigend, da Informationen zu den beteiligten Unternehmen und Personen im Prospekt teilweise nicht offen gelegt werden. Daher ist es möglich, dass aufgrund der aufgezeigten Verflechtungen ein Potential für Interessenkonflikte besteht, welches im Prospekt nicht erwähnt wird und daher für Anleger auf Grundlage des Prospektes nicht erkennbar ist.

Sollte die EEV AG einen Jahresfehlbetrag ausweisen, nehmen die Genussrechte anteilig daran teil, so dass sich der Rückzahlungsanspruch der Genussrechteinhaber mindert, wenn der Fehlbetrag nicht in folgenden Jahren durch Überschüsse ausgeglichen werden kann. Im schlechtesten Falle droht dem Anleger ein Totalverlust seines eingesetzten Kapitals. Auch Zinszahlungen erhalten die Anleger nur, wenn und soweit durch die Zahlungen kein Fehlbetrag bei der EEV AG entsteht. Die Genussrechte sind mit einem qualifizierten Nachrang ausgestattet. Das heißt: Ddie Ansprüche der Genussrechteinhaber werden erst nach den Ansprüchen aller anderen Gläubigern befriedigt.

Die Zinszahlungen an die Genussrechtsinhaber sollen aus den laufenden Erträgen des Biomassekraftwerkes gedeckt werden können. Allerdings ist es der Emittentin erlaubt, neben dem hier besprochenem Genussrecht in Zukunft weitere Genussrechte oder anderweitige Beteiligungsangebote auf den Markt zu bringen. In diesem Fall könnten die prognostizierten Erträge aus dem Betrieb des Biomassekraftwerkes nicht für die Zinszahlungen für alle Genussrechte ausreichen. Die Erträge aus der Offshore-Wind-Projektentwicklung sind deutlich schwerer zu kalkulieren.

Die EEV AG hat die Anteile an der Projektentwicklungsgesellschaft OWP Skua im August 2012 für 11,5 Millionen Euro erworben und plant, weitere 3 Millionen Euro in die Entwicklung des Windparkprojekts bis zum Abschluss der ersten Planungsstufe zu investieren. 2015 will sie das Projekt für 50 Millionen Euro verkaufen. Der demzufolge erwarteten hohen Gewinnmarge stehen die hohen Risiken gegenüber, die mit der Entwicklung eines Offshore-Windparkprojektes in einer der frühen Genehmigungsstufe verbunden sind.

Fazit:

Finanziell


Die EEV AG will mehrere Offshore-Windpark-Projekte in der Nordsee entwickeln. Eine erste Projektgesellschaft hat das Unternehmen erworben. Zudem hat die EEV AG ein Biomassekraftwerk gekauft, das – im Gegensatz zum schwer kalkulierbaren Offshore-Projektgeschäft – stabile laufende Erträge generieren soll, um die Ansprüche der Genussrechteinhaber bedienen zu können. Aufgrund der enormen Risiken des Offshore-Projektgeschäftes und angesichts der eigenkapitalähnlichen Ausgestaltung (Verlustbeteiligung, Nachrangigkeit) der Genussrechte sind  6 Prozent bis max. 9 Prozent pro Jahr eine dem Risiko kaum angemessene Rendite.

Nachhaltigkeit

Offshore-Windkraft und Biomasseenergie können als Bestandteil einer nachhaltigen Energieversorgung in Deutschland gelten. Das Biomassekraftwerk ist erst dann wirklich nachhaltig, wenn die Abwärme in größerem Umfang genutzt wird.
Die EEV AG investiert laut Satzung in „Energieanlagen, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien“. Nach Aussage der Anbieterin sei aber eine Tätigkeit im Bereich der konventionellen Energien nicht vorgesehen und auch nicht mit ihrem unternehmerischen Selbstverständnis nicht zu vereinbaren.

ECOreporter.de-Empfehlung

Die EEV AG ist ein sehr junges Unternehmen, das bereits erhebliche Investitionen getätigt hat und weitere plant. Über die mit diesen Investitionen verbundenen Unternehmen, Personen und Verflechtungen wird der Leser des Prospektes teilweise im Dunkeln gelassen, so dass aus Gründen mangelnder Transparenz das Genussrecht nicht zu empfehlen ist.

Basisdaten

Emittentin: Erneuerbare Energie Versorgung Aktiengesellschaft (EEV AG), Göttingen
Anlageform: Namens-Genussrecht (nicht verbrieft) mit qualitativem Nachrang
Emissionsvolumen: 38 Millionen Euro
Mindestbeteiligung: 1.000 Euro
Verzinsung: 6 Prozent pro Jahr (Grundverzinsung),  max. bis 9 Prozent pro Jahr (bei evtl. Erfolgsbeteiligung)
Laufzeit: unbefristet, erstmalige Kündigungsmöglichkeit durch den Genussrechtsinhaber zum Ablauf des fünften vollen Beteiligungsjahres
Kündigungsfrist: 12 Monate
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