Biogasanlage im Bau: die my green invest GmbH will das Kapital von Genussrecht-Investoren unter anderem in Biogasanlagen investieren. / Quelle: Fotolia

26.10.13 ECOanlagecheck , Solarenergie-Investments , Genussrechte/Anleihen

ECOanlagecheck: Genussrechte der my green invest GmbH

Die my green invest GmbH aus Hamburg bietet Genussrechte an. Das eingeworbene Kapital soll laut Prospekt voraussichtlich in Projekte in den Bereichen Biogas, Blockheizkraftwerke, Biomasseanlagen, Photovoltaik und Asphaltrecycling fließen. Eine Zeichnung ist ab 1.000 Euro plus Agio möglich. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Die Genussrechte gibt es in zwei Varianten: Das Genussrecht vom Typ A hat eine Laufzeit von fünf Jahren bei einem Zinssatz von 7,0 Prozent pro Jahr. Typ B läuft zehn Jahre und sieht eine Verzinsung von 8,0 Prozent pro Jahr vor. Die Laufzeit beginnt für jeden Anleger individuell nach Eingang seines Zeichnungsbetrages.

Die Genussrechteinhaber (Anleger) nehmen an Verlusten (inklusive Verlustvorträgen) der Emittentin my green invest GmbH teil, so dass der Anspruch der Anleger auf Rückzahlung eventuell niedriger sein kann als die Summe, die er investiert hat. Der Anspruch auf Verzinsung der Genussrechte ist zudem ausgeschlossen, wenn und insoweit durch die Verzinsung ein Bilanzverlust bei der Emittentin entsteht. Laut der Genussrechtsbedingungen ist die Emittentin nicht verpflichtet, Rücklagen zur Vermeidung eines Bilanzverlustes aufzulösen. Die Genussrechte sind mit einem so genannten Nachrang versehen: Andere Ansprüche können also vorgehen. Die Anleger kommen daher erst nach der Erfüllung der Ansprüche aller nicht nachrangigen Gläubiger an die Reihe.

Das Genussrecht soll ein Volumen von bis zu 15 Millionen Euro bis zum geplanten Platzierungsschluss Ende 2015 erreichen. Die Vermittlungsprovisionen betragen – inklusive des Agios von 4 Prozent (Typ A) bzw. 5 Prozent (Typ B) – laut Prospekt voraussichtlich rund 12,3 Prozent des Genussrechtkapitals. Somit ist die Belastung durch Provisionen im Vergleich zu anderen Genussrechtsemissionen, die von ECOreporter.de bewertet wurden, überdurchschnittlich hoch.
Die laufenden Kosten (Personal, Reise, Büro, Anlegerverwaltung, Beratung) auf Ebene der Emittentin my green invest werden im Prospekt mit rund 220.000 Euro pro Jahr kalkuliert, wobei der Hauptanteil der Kosten nach Angaben der Anbieterin variable Kosten seien.

Die Anbieterin

Anbieterin und Emittentin der Genussrechte ist die my green invest GmbH aus Hamburg. Sie wurde im Mai 2012 gegründet und hat ein Stammkapital von 102.000 Euro. Das Stammkapital wurde zu je einem Drittel gezeichnet von den Gründungsgesellschaftern DIG Deutsche Investitionsgesellschaft mbH aus Glinde, CMB Invest GmbH aus Hamburg und Goldschmidt, Kippenberger & Cie GmbH aus Hamburg. Diese drei Unternehmen wurden zwischen September 2011 und April 2012 gegründet.

Die Emittentin my green invest GmbH beabsichtigt laut Prospekt teilweise oder vollständig Projektgesellschaften zu erwerben, die hauptsächlich in den Geschäftsfeldern Biogas, Blockheizkraftwerke und Biomasseanlagen, Photovoltaik und Asphaltaufbereitung  investieren. Laut Gesellschaftsvertrag ist Gegenstand des Unternehmens „die Investition in erneuerbare Energien und in entsprechende Projekte sowie sämtliche damit im Zusammenhang stehende Tätigkeiten, ausgenommen erlaubnispflichtige, sowie der Handel mit Waren aller Art.“ Nach Angaben der Emittentin besteht bei dieser Formulierung des Geschäftsgegenstandes kein Widerspruch im Hinblick auf das energie- und ressourceneinsparende Asphaltrecycling. Die prospektierten Investitionskriterien sind aber so formuliert (Einspeisevergütung, Netzanschluss), dass sie für den Bereich Asphaltrecycling nicht anwendbar sind.

Die Emittentin my green invest GmbH hatte zum Zeitpunkt der Prospekterstellung noch keine Investitionen vorgenommen. Sie weist in der Zwischen-Gewinn und Verlustrechnung (23. Mai 2012 bis 31. Januar 2013) einen Verlust von rund 42.000 Euro aus, so dass sich das Eigenkapital (und damit auch die Bilanzsumme) auf rund 60.000 Euro reduziert hatte. Die Berechnung findet sich im Prospekt.

Die Emittentin hat Anlaufkosten und laufende Kosten, denen eventuell noch keine entsprechend hohen Erträge aus Projektbeteiligungen gegenüberstehen. Das gilt insbesondere, wenn die Projekte beispielsweise – wie laut Prospekt möglich – noch keine Baugenehmigung erhalten haben. Aufgrund dieser Kosten-/Ertragskonstellation besteht insbesondere in den Anfangsjahren das Risiko, dass Bilanzverluste ausgewiesen werden und Genussrechteinhaber keine Zinszahlungen erhalten. Die Emittentin my green invest geht aber im Prospekt davon aus, dass die Projektgesellschaften unverzüglich mit hohen Auszahlungen an die Emittentin beginnen werden, so dass bei der Emittentin bereits ab 2013 nur Jahresüberschüsse entstehen sollen. Nach Angaben der Geschäftsführung der Emittentin sind diese frühzeitigen Auszahlungen möglich, wenn – wie bei den ersten Investitionen – in bestehende Anlagen investiert wird, bei denen die Bau- und Genehmigungsphase entfällt.

Die Genussrechte laufen fünf bzw. zehn Jahre. Sowohl die Nutzdauer der Energieprojekte als auch die Laufzeit der Bankfinanzierungen sind aber in der Regel deutlich länger als zehn Jahre. Laut Prospekt sollen die Erträge aus den Projekten und damit die Jahresüberschüsse der Emittentin so hoch sein, dass neben der jährlichen Verzinsung auch die Rückzahlung des Genussrechtskapitals aus den Jahresüberschüssen der ersten fünf bzw. zehn Jahren möglich sein soll.

Die Investitionen

Zum Zeitpunkt der Prospekterstellung (März 2013) hatte die my green invest GmbH noch keine Investitionen in Projekte vorgenommen.
Im Prospekt werden „Projektmöglichkeiten“ benannt, die nach einer Prüfung für eine Beteiligung durch my green invest in Frage kommen könnten. Dabei handelt es sich laut Prospekt um zwei Biogasanlagen in Niedersachsen, zwei Photovoltaikanlagen in Italien und eine Photovoltaikanlage in Deutschland. Diese Anlagen sind laut Prospekt teilweise bereits im Betrieb.

Inzwischen hat die Emittentin nach Angaben der Geschäftsführung Beteiligungen an drei bestehenden Biogasanlagen mit einer Leistung von jeweils 250 kW erworben (Stand: 16. Oktober 2013). Die Emittentin ist den Angaben nach wirtschaftlich zu jeweils 25 Prozent an den Biogasanlagen beteiligt. Der jeweilige Landwirt ist zu 50 Prozent beteiligt. Die restlichen 25 Prozent hält die niederländische Archea-Gruppe, welche die Anlagen errichtet hat und auch deren Geschäftsführerin ist.

Beim geplanten Asphaltrecycling handelt es sich laut Prospekt um ein neuartiges Verfahren, für das keine Langzeitstudien vorliegen. Das Verfahren wird von der Storimpex Unternehmensgruppe aus Glinde angewendet und angeboten. Sie teilt sich den Firmensitz und einen Geschäftsführer mit der DIG Deutsche Investitionsgesellschaft mbH, einer Gründungsgesellschafterin von my green invest. Zur Storimpex Gruppe gehören laut ihrer Internetseite sieben Unternehmen, die den Angaben nach unter anderem industrielle Abfälle beseitigen, mit pflanzlichen Ölen und Fetten handeln, mit Biomasse für Energieanlagen handeln, die Lebensmittelindustrie mit pflanzlichen Ölen und Fetten versorgen, mineralische Rohstoffe und Schüttgüter für die Asphalt- und Betonindustrie vertreiben, Asphaltprodukte entwickeln und im Bereich der Vermittlung, Beratung und Service von erneuerbaren Energieanlagen tätig sind.

Fazit

Die Zeichnung eines Genussrechtes mit Verlustbeteiligung setzt in der Regel hohes Vertrauen in das Unternehmen voraus. Daher sind Genussrechte mit Verlustbeteiligung vor allem eine Option für etablierte Unternehmen, die über viele Jahre nachgewiesen haben, dass sie grundsätzlich über ein tragfähiges und mit Jahresüberschüssen verbundenes Geschäftsmodell verfügen. Bei der my green invest GmbH steht ein solcher Nachweis noch aus. Daher ist das Angebot insgesamt nicht überzeugend.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: my green invest GmbH, Hamburg
Anlageform: Genussrecht
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Agio: 4 Prozent (Typ A), 5 Prozent (Typ B)
Emissionsvolumen: 15 Millionen Euro
Laufzeit: 5 Jahre (Typ A), 10 Jahre (Typ B), keine vorzeitige Kündigung möglich
Verzinsung: 7 Prozent pro Jahr (Typ A), 8 Prozent pro Jahr (Typ B)
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
BaFin-Billigung: Ja
Handelbarkeit: Keine Notierung an einer Börse
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