In Kompostieranlagen wie diese will der Fonds investieren. Quelle aller Bilder: Unternehmen (Screenshot ECOreporter.de)

24.05.13 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck , Geschlossene Fonds

ECOanlagecheck: Geschlossener Fonds Astoria Organic Matters

Die Astoria Invest AG aus Walldorf bei Heidelberg bietet ihren ersten Fonds an. Die Fondsgesellschaft Astoria Organic Matters GmbH & Co. KG will in eine noch zu errichtende Kompostierungsanlage in Kanada investieren. Anleger können sich ab 15.000 Euro plus fünf Prozent Agio an dem Fonds beteiligen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Die geplante industrielle Kompostierungsanlage basiert auf der „Super-Compost-Technologie“, die nach Angaben der Anbieterin organisches Material („Organic Matter“) innerhalb von acht Wochen kompostieren kann. Umsätze soll die Anlage hauptsächlich durch Entsorgungsgebühren bei der Anlieferung des organischen Abfalls und in geringerem Umfang durch den Verkauf des Kompostes erwirtschaften. Zum Zeitpunkt der Prospekterstellung stand der genaue Standort der Anlage in Kanada noch nicht fest. Laut Aussage der Anbieterin wurde inzwischen in Ontario ein zu pachtendes Grundstück per Vorvertrag gesichert. Die Größe der Anlage ergibt sich laut Prospekt maßgeblich aus der Höhe des eingeworbenen Eigenkapitals. Die Beteiligung des Fonds erfolgt über eine kanadische Tochtergesellschaft, welche die Anlage betreiben soll.


Fondsinitiatorin und Leistungsbilanz

Der hier vorliegende Fonds ist das erste öffentliche Beteiligungsangebot der Fondsanbieterin Astoria Invest AG, gegründet im September 2012. Sie wurde laut Prospekt ausschließlich gegründet, um industrielle Kompostierungsanlagen nach dem Super-Compost-Verfahren im Rahmen von geschlossenen Fonds zu bauen und zu betreiben. Das Grundkapital der Anbieterin Astoria Invest AG beträgt 50.000 Euro. Ihre alleinige Aktionärin ist die Astoria Private Equity GmbH (Geschäftsbesorgerin des Fonds) aus Walldorf, der auch die Komplementärin des Fonds gehört.

Die Astoria Private Equity GmbH hatte 2012 im Rahmen einer Privatplatzierung Anlegern angeboten, sich als stiller Gesellschafter an ihr zu beteiligen. Das auf diesem Wege eingeworbene Kapital wurde nach Angaben der Anbieterin der Fondsanbieterin Astoria Invest AG als Eigenkapital für die Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt.


Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie


Gesamtfinanzierungsvolumen: 13,83 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 8,0 Millionen Euro (57,8 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Agio: 0,4 Millionen Euro (2,9 Prozent)
Fremdkapitalvolumen: 5,43 Millionen Euro (39,3 Prozent)

Das Eigenkapitalvolumen kann von der Komplementärin auf bis zu 10 Millionen Euro erhöht werden. Das laut Prospekt für die Realisierung der Kompostierungsanlage erforderliche Mindesteigenkapitalvolumen von 1,0 Millionen Euro ist nach Angaben der Anbieterin bereits eingeworben.
Das Fremdkapital soll von der kanadischen Betreibergesellschaft des Fonds in Kanada aufgenommen werden. Eine Finanzierungszusage einer Bank liegt laut Prospekt noch nicht vor. Nach Aussage der Anbieterin liegt inzwischen eine bedingte Finanzierungszusage vor. Im Prospekt gibt es keine Prognoserechnung für die kanadische Betreibergesellschaft, so dass auch Angaben zu den kalkulierten Fremdkapitalkonditionen (Zinssatz, Laufzeit) im Prospekt nicht enthalten sind.


Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 5,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 6,9 Prozent
Vertriebskoordination: 3,0 Prozent
Marketing: 2,1 Prozent
Konzeption und Strukturierung: 2,5 Prozent
Fremdkapitalvermittlung: 0,6 Prozent
Treuhand: 0,4 Prozent
Prospekterstellung und Managementvergütung: 1,6 Prozent
Rechts- und Steuerberatung, Prospektgutachten: 1,6 Prozent
Gesamtweichkosten: 23,7 Prozent

Die Kosten und Vergütungen für Projektvermittlung und Projektsicherung sind in der prospektierten Kostenaufstellung nicht enthalten. Bei den Ausgabepositionen Konzeption, Strukturierung und Fremdkapitalvermittlung handelt es sich um fixe Kosten (insgesamt 250.000 Euro), die in der Höhe unabhängig vom Platzierungsvolumen sind.  Insgesamt ist die Weichkostenquote vergleichsweise hoch.

Laufende Kosten

Kaufmännische Geschäftsführung (pro Jahr): 60.000 Euro zzgl. Umsatzsteuer
Fondsverwaltung und Anlegerbetreuung (pro Jahr): 30.000 Euro zzgl. Umsatzsteuer
Kostensteigerung (laut Vertrag): 3,0 Prozent (laut Vertrag)

Es gibt im Prospekt keine Wirtschaftlichkeitsberechnung (Prognoserechnung) für die kanadische Betreibergesellschaft des Fonds. Die laufenden Kosten und Vergütungen, die auf Ebene der kanadischen Betreibergesellschaft anfallen (z.B. Vergütungen für Management, Betriebsführer und Berater), werden im Prospekt nicht behandelt.

Im Prospekt findet sich der Hinweis, dass zwischen der zu gründenden Betreibergesellschaft und ihrem General Partner, einer Tochtergesellschaft der Astoria Private Equity GmbH (Geschäftsbesorgerin des Fonds und Mutter der Fondsanbieterin und der Komplementärin), zukünftig eine Vereinbarung getroffen werden soll, die eine Erlösbeteiligung „bei gut laufenden Geschäften“ der Betreibergesellschaft beinhaltet. Nach Aussage der Anbieterin ist mit der Erlösbeteiligung eine Bonuszahlung gemeint, die der für die Müllakquise verantwortliche Betriebsführer vom General Partner erhält.

Laufzeit und Ausschüttungen


Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2018 (laut Gesellschaftervertrag), erstmaliges ordentliches Kündigungsrecht zum 31. Dezember 2018, Auflösung der Gesellschaft erfordert 75 Prozent-Mehrheit der abgegebenen Stimmen
Gesamtausschüttung (Prospektprognose): 161 Prozent (inkl. 105 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös (Prospektprognose): ca. rund 100 Prozent
Renditeprognose vor Steuern pro Jahr (IRR, Basis Prospektprognose):  --
Einkunftsart: Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Die prospektierte Prognoserechnung der Fondsgesellschaft endet mit dem Jahr 2016, so dass die IRR-Renditeprognose nicht für die Fondslaufzeit ermittelt werden kann. Die Fondsgesellschaft soll Erträge aus ihrer Beteiligung an der kanadischen Betreibergesellschaft erhalten. Da es aber im Prospekt keine Prognoserechnung für die Betreibergesellschaft gibt, kann die Realitätsnähe der prospektierten Auszahlungen an die Fondsgesellschaft nicht fundiert beurteilt werden. Auch die Verkaufserlös-Kalkulation wird im Prospekt nicht dargestellt, so dass die Gesamtausschüttungsprognose insgesamt wenig belastbar ist.

Falls die Gesamtausschüttungen über 161 Prozent liegen sollte, erhält die Fondsanbieterin laut Prospekt als Mehrerlösbeteiligung 50 Prozent des Betrages, der über 161 Prozent liegt.
Anleger müssen laut Prospekt in Kanada eine Steuererklärung abgeben. Laut der prospektierten Steuerkonzeption unterliegen die Einkünfte in Deutschland aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens beim Anleger lediglich dem Progressionsvorbehalt.


Investition

Der Fonds plant, in Kanada eine Kompostierungsanlage im industriellen Maßstab errichten und betreiben zu lassen. Die Größe der „Super-Compost-Anlage“ ist abhängig vom eingeworbenen Eigenkapital. Im Prospekt wird nicht erwähnt, auf welcher Anlagengröße der Investitionsplan basiert. Nach Angaben der Anbieterin basieren die Prospektzahlen auf einer Anlage mit einer Jahreskapazität von 80.000 Tonnen.

Laut Prospekt sind bislang rund 40 Super-Compost-Anlagen weltweit im Betrieb. Hersteller der Technologie und Lieferant für den Fonds ist die UTV Umwelttechnik Vogel AG aus Baden-Baden. Die Bezeichnung Super-Compost ist darauf zurückzuführen, dass die Anlagen nach Angaben der Anbieterin organische Abfälle besonders schnell kompostieren können. Für die Super-Compost-Anlagen müssen keine Gebäude errichtet werden. Die Anlagen bestehen stattdessen aus Membranplanen, die über die zu kompostierenden organischen Abfälle gezogen werden und ein geschlossenes System bilden. Nach Angaben der Anbieterin ist diese Membrantechnologie wesentlich kostengünstiger, einfacher und flexibler als ein Gebäude. Hersteller und Lieferant der Membranplanen ist W. L. Gore & Associates aus München. Der Hauptsitz des beispielsweise für die Goretex-Bekleidung bekannten Unternehmens ist in den USA.

Ökologische Wirkung

In Kanada wird auch organischer Abfall bislang hauptsächlich auf Deponien eingelagert, so dass bei der Zersetzung klimaschädliche Gase wie Kohlendioxid, Methan und Lachgas vermehrt in die Umwelt gelangen können. Bei der Membran-Super-Compost-Technologie können – wenn Wartung und Betriebsführung der Anlagen kompetent und sorgfältig erfolgen – die Emissionen deutlich reduziert werden. Insofern hätte die vom Fonds geplante Anlage eine positive ökologische Wirkung. Zu berücksichtigen ist aber, dass bei der Kompostierungsanlage der Energiegehalt der Abfälle nicht zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt wird, wie es beispielsweise bei einer Biogasanlage der Fall wäre.

Viele Städte und Gemeinden in Kanada haben sich laut Prospekt das Ziel gesetzt, die Deponierung von Abfällen zu vermindern und dafür den Kompostierungsanteil zu erhöhen. Der Fonds ist somit teilweise auch abhängig davon, dass diese politischen Ziele umgesetzt bzw. beibehalten werden.

Der Staat Kanada selbst ist kein ökologisches Vorbild. Er ist aus dem Kyoto-Protokoll ausgetreten und konnte so hohe Strafzahlungen aufgrund seiner stark gestiegenen Treibhausgasemissionen vermeiden. Laut Klimaschutzindex 2013 von Germanwatch e.V. zeigt Kanada „auch dieses Jahr keine klimapolitischen Ambitionen und bleibt weiterhin das am schlechtesten platzierte westliche Land.“ Im Gesamtranking sind nur Kasachstan, Iran und Saudi-Arabien noch schlechter platziert als Kanada. Negative ökologische Auswirkungen haben in Kanada beispielsweise der vermehrte Ölsandabbau und die Abholzung von Urwäldern.

Risiko
Der Fonds ist als Blindpool konzipiert. Inzwischen wurde das Grundstück nach Angaben der Anbieterin durch einen Vorvertrag gesichert. Es bestehen Genehmigungs-, Bau- und Fertigstellungsrisiken. Die projektbezogenen Verträge (z.B. Generalunternehmer, Betriebsführung, Fremdfinanzierung) sind noch nicht abgeschlossen bzw. werden im Prospekt nicht dargestellt, falls sie schon abgeschlossen sein sollten.
Der Prospekt enthält keine Wirtschaftlichkeitsberechnung (Prognoserechnung) für die kanadische Betreibergesellschaft. Auch anderweitige Informationen zur Wirtschaftlichkeit des Projektes gibt es im Prospekt kaum.

So wird beispielsweise der Kaufpreis für die Anlage im Prospekt nicht erläutert, so dass nicht beurteilt werden kann, ob der Kaufpreis marktgerecht und angemessen ist. Das ist umso problematischer, da ein Potential für Interessenkonflikte besteht, da ein Vorstand des Anlagenverkäufers im Aufsichtsrat der Fondsanbieterin sitzt.

Nach rund fünf Jahren soll die Kompostierungsanlage verkauft werden. Im Prospekt fehlen beispielsweise Angaben zur Höhe des kalkulierten Verkaufspreises, zur Wertbeständigkeit solcher Kompostierungs-Anlagen und zum Markt für gebrauchte Kompostierungsanlagen.
Während der Betriebsphase sollen Einnahmen hauptsächlich aus Entsorgungsgebühren, welche die Abfallerzeuger zahlen sollen, erzielt werden. Die Realitätsnähe dieses Planes kann aufgrund der fehlenden Informationen nicht beurteilt werden. Daher ist auch unklar, ob diese Erträge über den (dem Leser des Prospektes nicht bekannten) Betriebskosten einer solchen Anlage liegen könnten.

Aufgrund der fehlenden wirtschaftlich relevanten Projektinformationen können potentielle Anleger, die kein Expertenwissen über den Markt für – auf dem Membransystem basierende – industrielle Kompostierungsanlagen in Kanada mitbringen, die Angemessenheit des Kaufpreises als auch die Wirtschaftlichkeit des Projektes kaum einschätzen. Daher müssen Anleger diesbezüglich vollständig auf die Fondsanbieterin vertrauen.

Die Mittelverwendungskontrolle ist beschränkt auf die Fondsgesellschaft. Die Verwendung der Geldmittel auf Ebene der kanadischen Betreibergesellschaft unterliegt nicht der Mittelverwendungskontrolle des Fonds.
Laut Prospekt besteht das Risiko, dass die nach deutschem Recht auf die Haftsumme beschränkte Kommanditistenhaftung von ausländischen Gerichten nicht erkannt wird, so dass das Risiko einer Haftungserweiterung bestehe.

Stärken                
Stabile Wirtschaftssituation in Kanada
Erprobte Technologie

Schwächen
Keine Prognoserechnung der Betreibergesellschaft im Prospekt
Blindpool-Konzeption
Genehmigungs-, Bau- und Fertigstellungsrisiken
Potential für Interessenkonflikte

Chancen
Steigerung des Kompostierungsanteils in Kanada geplant

Risiken
Rohstoffbeschaffung
Wechselkursentwicklung

Fazit:

Finanziell

Die Anbieterin wirbt mit hohen Ausschüttungserwartungen. Diese sind auf Basis des Prospektes nicht nachvollziehbar, da es keine Prognoserechnung für die kanadische Betreibergesellschaft enthält. Der Gesellschafter des GeneralPartners der Betreibergesellschaft ist auch Muttergesellschaft der Fondsgeschäftsführerin, so dass insbesondere aufgrund der noch nicht abgeschlossen Projektverträge das Risiko besteht, dass die Mittelrückflüsse von der Betreibergesellschaft an die Fondsgesellschaft unter den Erwartungen bleiben, falls aufgrund der Interessenkonflikte – für den Anleger – ungünstige Vergütungsstrukturen bei der Betreibergesellschaft vereinbart werden sollten. Die Weichkostenquote des Fonds ist vergleichsweise hoch.

Nachhaltigkeit

Die Kompostierung von organischen Abfällen mit der Membran-Super-Compost-Technologie ist während der Betriebsphase klimafreundlicher als die offene Kompostierung oder die Deponierung der Abfälle. Die Gesamt-Nachhaltigkeit kann nicht fundiert beurteilt werden.

ECOreporter.de-Empfehlung

Die Wirtschaftlichkeit des geplanten Fondsprojektes ist auf Basis der Prospektunterlagen nicht fundiert zu beurteilen. Anleger sollten den Verlauf des Fondsdebüts der Anbieterin abwarten und bei Erfolg des Fonds gegebenenfalls spätere Fonds ins Auge fassen.


Basisdaten

Anbieterin und Prospektverantwortliche: Astoria Invest AG, Walldorf
Fondsgesellschaft (Emittentin): Astoria Organic Matters GmbH & Co. KG, Walldorf
Komplementärin und Fondsgeschäftsführerin: Astoria PartnerManagement GmbH, Walldorf
Treuhänderin: Convent Beteiligungstreuhandgesellschaft GmbH, Walldorf
Beteiligungsform: Direktkommanditist, Treugeber

Währung: Euro
Gesamtfinanzierungsvolumen: 13,83 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 8,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 15.000 Euro
Agio: 5 Prozent
Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2018, erstmalige Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2018

BaFin-Billigung: Ja
Leistungsbilanz: Nein
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja
Mittelverwendungskontrolle: Treuhand GmbH Franken Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Erlangen
Sensitivitätsanalyse: Nein
Haftsumme: 1 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent der Kommanditeinlage (Innenverhältnis)

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