Der Marble House Clean Growth Fund setzt auf Umwelttechnologie, wozu auch der Bereich Recycling gehört. Recyclinganlage für Solarmodule. / Quelle: First Solar

24.07.12 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Geschlossener Fonds Clean Growth von Marble House – Geldanlage mit sauberen Unternehmen

Der „Marble House Clean Growth Fund“ der Fondsanbieterin Marble House Capital aus Hamburg soll weltweit in saubere mittelständische Unternehmen investieren. Anleger können sich ab 50.000 Euro plus fünf Prozent Agio an dem Fonds beteiligen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Der Fonds Marble House Clean Growth ist ein Private Equity-Fonds. Als Private Equity wird die Beteiligung mit Eigenkapital an nicht börsennotierten Unternehmen bezeichnet. Im vorliegenden Fall beteiligt sich die Fondsgesellschaft nicht unmittelbar an Unternehmen, sondern erwirbt auf dem Zweitmarkt Anteile an anderen Private Equity-Fonds („Zielfonds“). Die Zielfonds investieren ihrerseits in Unternehmen („Portfoliounternehmen“) aus den Bereichen Clean Growth und Clean Tech, also Umwelttechnologie.

Der Bereich Clean Tech kann gemäß der gängigen Definitionen sehr viele Industriebereiche umfassen. Laut der Definition im Gesellschaftsvertrag des Fonds sind dem Bereich Unternehmen zuzurechnen, die der verantwortlichen Nutzung von natürlichen Ressourcen dienen, die darauf abzielen, Ressourcen effizienter einzusetzen, Prozesse zu optimieren und negative Umwelteinwirkungen zu verringern oder zu vermeiden. Die Portfoliounternehmen, in die der Fonds über Zielfonds investieren soll, können laut Gesellschaftsvertrag insbesondere in den Märkten für Landwirtschaft, Recycling, Energie, Transport, Werkstoffe, verarbeitende Industrie, Luft und Umwelt sowie Wasser und Abwasser tätig sein.

Der Fonds will vor allem – über die Zielfonds – in Clean Growth-Unternehmen investieren (Wachstumskapital). Der Prospekt nennt Clean Growth-Unternehmen diejenigen, deren Technologien schon entwickelt sind, die einen „soliden“, regionalen Kundenstamm aufgebaut haben und die sich in der Expansionsphase befinden.

Die SAM Private Equity AG (neuer Name nach geplanter Wandlung: SAM Sustainable Asset Management AG) aus Zürich berät die Fondsgesellschaft bei der Auswahl der Zielfonds. SAM ist auf nachhaltige Investitionen und den Clean Tech-Sektor spezialisiert.

Fondsinitiatorin und Leistungsbilanz

Die Fondsinitiatorin und Fondsanbieterin MHC Marble House Capital AG aus Hamburg, gegründet 2005, hat seit 2007 fünf Private Equity-Fonds mit einem Eigenkapitalvolumen von 156 Millionen Euro initiiert und auf dem Markt platziert. Die im Prospekt abgebildete Kurz-Leistungsbilanz ist nur eingeschränkt aussagekräftig, da bei den meisten Fonds die Investitionsphase noch andauert und sich generell bei Private Equity-Fonds der wirtschaftliche Erfolg des Fonds meist erst beim Verkauf der Portfoliounternehmen näher bemessen lässt.

Bislang haben die ersten beiden Fonds des Initiators an die Anleger ausgeschüttet. Der zweite Fonds ist ebenfalls – wie der hier besprochene Marble House Clean Growth Fund – auf Zweitmarkttransaktionen spezialisiert. Der Fonds wurde Mitte 2010 geschlossen und hat bereits rund 7,86 Millionen Euro an die Anleger ausgeschüttet, das entspricht rund 8,57 Prozent des Kommanditkapitals (Stand: 31. Dezember 2011).

Die beiden Vorstände der Fondsanbieterin verfügen laut Prospekt zusammen über 28 Jahre Erfahrung im Bereich Private Equity-Geschäft. Sie waren in leitenden Positionen bei verschiedenen deutschen Geschäftsbanken im Bereich Private Equity tätig. Das vorliegende Beteiligungsangebot Marble House Clean Growth ist der erste Publikumsfonds der Anbieterin mit Fokussierung auf den Bereich Clean Tech. 2011 hatte sie bereits ein Private Placement im Bereich Clean Tech initiiert.

Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtinvestitionsvolumen: 26,25 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 25,0 Millionen Euro (95,2 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Agio: 1,25 Millionen Euro (4,8 Prozent)

Es besteht weder ein Mindest- noch ein Höchstbetrag des Eigenkapitalvolumens, so dass das Eigenkapitalvolumen in Abhängigkeit vom Platzierungsverlauf deutlich von der Prognose abweichen kann. Die Fondsgesellschaft finanziert sich grundsätzlich allein mit Eigenkapital.

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 5,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 4,0 Prozent
Konzeption und Strukturierung: 3,0 Prozent
Externe Beratung: 0,8 Prozent
Gesamtweichkosten: 12,8 Prozent

Die Weichkostenquote bezieht sich nur auf die Nebenkosten, die auf Ebene des Fonds Marble House Clean Growth entstehen. Aufgrund der Dachfondskonzeption entstehen teilweise doppelte Kostenstrukturen, da der Fonds Marble House Clean Growth sich an anderen Fondsgesellschaften (Zielfonds) beteiligt, die ihrerseits auch Nebenkosten aufweisen.

Laufende Kosten

Fondsmanagement, Fondsverwaltung und Anlegerbetreuung (für Marble House, pro Jahr): 0,95 Prozent des Eigenkapitals
Investment-Management (für SAM, pro Jahr): 1,0 Prozent des Eigenkapitals (sinkt ab dem Jahr 2018 um 0,1 Prozentpunkte pro Jahr)
 
Der Fonds Marble House Clean Growth hat noch nicht in Zielfonds investiert (Stand: 26. Juni 2012). Daher stellt der Fondsprospekt die laufenden Kosten auf Ebene der Zielfonds, an denen sich der Fonds beteiligen wird, nicht dar. Laut Prospekt wird die Vergütung des Management der Zielfonds in der Regel 1,5 bis 2,2 Prozent des gezeichneten Fondsvolumens pro Jahr betragen und sich normalerweise nach Ablauf der Investitionsphase reduzieren. Da sich die Zielfonds bereits in der Investitionsphase befinden bzw. diese auch schon beendet sein kann, ist nach Angaben der Anbieterin durchschnittlich mit niedrigeren Management-Vergütungen zu rechnen.

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: bis zum 31. Dezember 2019, Verlängerung um zweimal um bis zu zwei Jahren durch die Komplementärin möglich
Einkunftsart: Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Laut Prospekt können die Ausschüttungen an die Anleger aufgrund des Blind-Pool-Charakters des Fonds sowohl in ihrer Höhe als auch im zeitlichen Anfall kaum prognostiziert werden. Auf Basis eines typischen Private Equity- und Wachstumkapitals-Fonds sei zu erwarten, dass in den Anfangsjahren keine oder nur geringe Ausschüttungen geleistet werden. Da die Fondsgesellschaft Anteile von Private Equity-Fonds (Zielfonds) auf dem Zweitmarkt mit entsprechend kürzeren Restlaufzeiten erwirbt, kann der Fonds aber eventuell schon während der bis 2015 andauernden Investitionsphase Rückflüsse aus den Zielfonds erhalten.

Wenn die Anleger eine Gesamtausschüttung erhalten haben, die einer rechnerischen Verzinsung von 8 Prozent pro Jahr (Vorzugsrendite) bezogen auf das gebundene Kapital (ohne Agio) entspricht, erhält die Fondsanbieterin und Gründungskommanditistin Marble House Capital eine Erfolgsbeteiligung von 10 Prozent der die Vorzugsrendite übersteigenden Ausschüttungen. Zudem erhält sie beim Erreichen der Vorzugsrendite-Grenze rückwirkend 11,11 Prozent des Betrages der Vorzugsrendite. Laut Prospekt leitet die Fondsanbieterin die Erfolgsbeteiligung an den Investmentberater SAM weiter. Auf Ebene der Zielfonds werden laut Prospekt voraussichtlich marktübliche Erfolgsbeteiligungen von 20 Prozent der erwirtschafteten Nettogewinne an die jeweiligen Fondsinitiatoren geleistet.

Investitionen

Die Investitionen des Fonds sind noch nicht bekannt (Stand: 26. Juni 2012). Das Fondsmanagement plant, auf dem für Privatanleger nicht zugänglichen institutionellen Zweitmarkt 10 bis 20 Private Equity-Fonds aus dem Bereich Clean Tech und Clean Growth (Zielfonds) zu erwerben, die zusammen ca. 100 bis 300 Beteiligungen an Portfoliounternehmen halten werden.

Laut Prospekt sind allein 2010 und 2011 weltweit rund 180 Clean Growth-Fonds neu aufgelegt worden. Nach Einschätzung des Fondsmanagements bieten sich aufgrund der anhaltende Finanzmarktkrise und ihrer Folgen derzeit günstige Kaufgelegenheiten, da sich viele institutionelle Marktteilnehmer aufgrund bilanzieller Probleme, Rückstellungserfordernissen, Liquiditätsengpässen, Umstrukturierungen und aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalunterlegungs-Anforderungen (Basel III (D), Solvency II (EU), Dodd Frank Act (USA)) von ihren Investments trennen müssen.

Das Fondsmanagerin Marble House Management GmbH wird von der SAM Private Equity AG aus Zürich beraten, einer Tochtergesellschaft der ausschließlich auf Nachhaltigkeitsinvestitionen spezialisierten SAM Group Holding AG, gegründet 1995. Die SAM Holding hat ca. 100 Mitarbeiter und laut Prospekt Ende 2011 ca. elf Milliarden US-Dollar für Investoren in Nachhaltigkeits- und Cleantech-Investments verwaltet. Die SAM Group Holding AG gehört zur niederländischen Robeco-Gruppe, die ihrerseits zur niederländischen Rabobank gehört. Laut Prospekt ist der Investmentberater des Fonds das Kompetenzzentrum für Clean Tech Private Equity innerhalb der Robeco-Gruppe. Insgesamt verwaltet der Investmentberater SAM Private Equity AG ca. 1,2 Milliarden US-Dollar an Anlegervermögen im Segment Clean Growth.

Ökologische Wirkung

Es ist noch nicht bekannt, in welche Zielfonds der Fonds Marble House Clean Growth Fund investieren wird, so dass die ökologische Wirkung des Fonds noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Die Zielfonds sollen laut Prospekt „ausschließlich oder überwiegend“ Beteiligungen an Unternehmen aus dem Branchensektor Clean Tech erwerben. Laut Prospekt werden ausschließlich Investitionen in Zielfonds getätigt, deren Management die Grundsätzen für Nachhaltigkeitsinvestitionen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) berücksichtigt. Die Fondsgesellschaft hat aber auf die Investitionsentscheidungen der Zielfonds keinen Einfluss. SAM wird nach eigener Aussage nur investieren, wenn die Zielfonds diese Richtlinien auch im Nachhinein bei ihren Portfoliounternehmen implementieren. Es kann trotzdem nicht ausgeschlossen werden, dass sich unter den bis zu 300 Portfoliounternehmen einige befinden können, deren ökologische Vorteilhaftigkeit zweifelhaft ist und die nicht uneingeschränkt als nachhaltige Unternehmen bezeichnet werden können.

Im Grundsatz sind Clean Tech-Investments unabdingbar und haben eine positive ökologische Wirkung, da sie Unternehmen finanzieren, die Technologien und Produktionsmethoden entwickeln, die beispielsweise Ressourcen effizienter nutzen und weniger Schadstoffe ausstoßen. Der Fonds Marble House Clean Growth hat keine unmittelbare ökologische Wirkung, da er als Zweitmarktfonds in Zielfonds investiert, die bereits ihr Eigenkapital eingeworben hatten. Allerdings hilft der Fonds dabei, dass – in Zeiten, in denen sich andere Marktteilnehmer zurückhalten (müssen) – der Kapitalzufluss in den Bereich Clean Tech stabil bleibt. Der anhaltende Kapitalzufluss ist Voraussetzung dafür, dass innovative Unternehmen mit ihren Clean-Technologien die Märkte vermehrt durchdringen können, sodass der Fonds Marble House Clean Growth eine mittelbare positive ökologische Wirkung hat.

Risiko

Beim Fonds Marble House Clean Growth Fund handelt es sich um einen so genannten Blindpool-Fonds, da die Investitionen noch nicht feststehen. Es ist daher ungewiss, welche Risiken auf Ebene der zu erwerbenden Zielfonds und bei den Portfoliounternehmen bestehen werden.
Der Fonds wird sich laut Prospekt voraussichtlich ganz oder überwiegend an Zielfonds beteiligen, die im Ausland ansässig oder tätig sind. Das Fondsmanagement des Marble House Clean Growth Fund plant, dass über die Zielfonds zu jeweils 20 bis 45 Prozent in Unternehmen in Nordamerika, Westeuropa und im Rest der Welt (vor allem Asien) investiert wird. Somit werden die Investitionen voraussichtlich größtenteils nicht in Euro erfolgen, so dass Währungsrisiken (und Währungschancen) bestehen, da sich der Anleger in Euro am Marble House Clean Growth Fund beteiligt.

Stärken:              
Breite Risikostreuung durch Investition in zahlreiche Zielfonds mit mehr als 100 Portfoliounternehmen angestrebt
Fondsanbieterin mit Kompetenz im Bereich Private Equity
Investmentberater mit langjähriger Erfahrung im Bereich Clean Tech
    
Schwächen:
Blind-Pool
Unbekannte Zielfonds- und Portfoliounternehmensrisiken

Chancen:
Wachstumsmarkt Clean Tech
Verkaufsdruck bei institutionellen Inhabern von Private Equity-Fondsanteilen
    
Risiken:
Nicht ausreichend viele rentable Investitionsmöglichkeiten auf dem Zweitmarkt verfügbar

Fazit:

Finanziell


Der Fonds Marble House Clean Growth ist als Blindpool konzipiert. Die Fondsanbieterin und der Investmentberater verfügen über die notwendige Erfahrung für die Auswahl der Zielfonds. Einzelne Private Equity-Investments sind mit erheblichen Risiken behaftet. Denen begegnet die Fondsanbieterin mit der geplanten Risikostreuung über mehrere Zielfonds. Der Fonds erwirbt ausschließlich Zweitmarktanteile, so dass die Anleger voraussichtlich frühzeitiger Ausschüttungen erhalten als bei einem Erwerb von Private Equity-Fonds auf dem Erstmarkt.

Nachhaltigkeit

Der Clean Tech-Sektor ist unter Nachhaltigkeitsaspekten ein unverzichtbarer und wegweisender Bestandteil der globalen Wirtschaft(sentwicklung). Allerdings ist nicht jedes Unternehmen aus dem Bereich Clean Tech zwingend auch ein nachhaltiges Unternehmen. Die Nachhaltigkeit des Fonds kann somit erst abschließend beurteilt werden, wenn –voraussichtlich erst deutlich nach Platzierungsende – die Investitionen des Fonds konkret feststehen.

ECOreporter.de-Empfehlung

Der Fonds ist für finanziell gut gestellte und risikobereite Anleger geeignet, die auf den globalen Wachstumsmarkt Clean Tech setzen und die Möglichkeit wahrnehmen wollen, an einem normalerweise nur institutionellen Anlegern vorbehaltenen Anlagesegment teilhaben zu können.

Basisdaten

Anbieterin und Prospektverantwortliche: MHC Marble House Capital AG, Hamburg
Fondsgesellschaft (Emittentin): Marble House Clean Growth Fund GmbH & Co. KG, München
Komplementärin: Marble House Private Equity Verwaltungs GmbH, München
Fondsmanagement: Marble House Management GmbH, Hamburg
Treuhänderin: BLL Beteiligungs- und Treuhand GmbH, München
Beteiligungsform: Treugeber oder Direktkommanditist

Währung: Euro
Gesamtinvestitionsvolumen: 26,25 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 25,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 50.000 Euro
Agio: 5 Prozent
Laufzeit: bis 31. Dezember 2019 zzgl. Verlängerungsoption

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Kurzdarstellung im Prospekt
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja
Mittelverwendungskontrolle: BLL Services GmbH, München (Vertrag nicht prospektiert)
Sensitivitätsanalyse: Nein
Haftsumme: 0,1 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent der Kommanditeinlage (Innenverhältnis)
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