23.12.11 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Geschlossener Fonds „Cleantech Infrastrukturgesellschaft“der ThomasLloyd-Gruppe: Saubere Technologie ab 25.000 Euro



ThomasLloyd ist nach eigenen Angaben eine Investment-Banking und Investment-Management-Gruppe, die sich auf die Bereiche Erneuerbare Energien und Cleantech spezialisiert hat. Ihre Kunden sind Projektentwickler, Unternehmen und institutionelle Investoren weltweit sowie Privatkunden in Deutschland und Österreich. Die Unternehmensgruppe verwaltet und berät nach eigenen Angaben ein Vermögen von 2,4 Milliarden US-Dollar. Die Fondsanbieterin Cleantech Management GmbH wurde Anfang 2011 gegründet. Der vorliegende Fonds Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG ist ihr erster Fonds für Privatkunden.

Investitionsstrategie

Laut Prospekt wird die Projektgesellschaft, über die der Fonds investieren soll, vornehmlich im Bereich „Cleantech“ tätig sein. „Cleantech“ (saubere Technologien) wird als Oberbegriff für Industriezweige- und unternehmen verwendet, die umweltschonende Verfahren und Produkte anwenden und herstellen. Nach Angaben der Anbieterin wird den Investitionsentscheidungen das so genannte Best-in-class-Prinzip zugrunde gelegt.

Investiert werden könne in Planung, Entwicklung, Projektierung, Finanzierung, Errichtung, Bebauung, Betrieb, An- und Verkauf, Vermietung und Verpachtung von technischen Anlagen, Projekten, Grundstücke und Unternehmen im Bereich der Energie-Erzeugung, - Speicherung, -Infrastruktur und -Effizienz. Zudem sind Investitionen in den Bereichen Mobilität, Luft und Umwelt, Wasseraufbereitung, Fertigung, Werkstoffe, Landwirtschaft sowie Abfall und Recycling möglich. Die durchschnittliche Investitions- bzw. Haltedauer von Projekten und Beteiligungen soll in Abgängigkeit vom jeweiligen Projektstadium sechs Monate bis fünf Jahre betragen.

Die Projektgesellschaft will schwerpunktmäßig in Wachstumsmärkten investieren. Hierzu gehören laut Prospekt insbesondere die Länder Philippinen, Indonesien, Thailand, Vietnam, Kambodscha, Malaysia, China, Südafrika, Mosambik, Nigeria und Türkei. Auch der mittleren Osten, Südamerika und Kanada sollen möglich sein.

Startportfolio

Zum Ende des dritten Quartals 2011 hat der Fonds über die Projektgesellschaft bereits Investitionen in Höhe von rund 20,5 Millionen US-Dollar getätigt bzw. konkret geplant. 6,4 Millionen US-Dollar sollen in eine Projektgesellschaft fließen, die Photovoltaikparks mit einer Nennleistung von insgesamt 76,5 MW in Kalifornien (USA) realisieren will. Die Lieferverträge für die Solarmodule und Wechselrichter sowie der Vertrag für den Generalbauunternehmer sind ausgeschrieben und werden derzeit verhandelt. Als Generalbauunternehmer sind nach Angaben von ThomasLloyd AUO Solar, Q-Cells oder Suntech vorgesehen. Während die Projektgesellschaft des Fonds die Projektentwicklungskosten komplett alleine trägt, soll sie während der Bau- und Betriebsphase der Photovoltaikparks zu 3,47 Prozent, entspricht 7,9 Millionen US-Dollar, an dem Projekt beteiligt sein.

Bei den anderen bereits bekannten Projekten, in die der Fonds über die Projektgesellschaft investiert, handelt es sich um Bioenergieprojekte, für die ThomasLloyd ein Joint Venture mit einem Projektentwickler für Bioenergieprojekte in der Region Asien/Pazifik eingegangen ist. Das größte der drei Projekte befindet sich auf der Insel Maui auf Hawaii (USA). Hier sollen die Produktionskapazitäten einer bestehenden Zuckerrohr verarbeitenden Zuckerfabrik mit integriertem Kraftwerk ausgebaut und optimiert werden. Mit den Ernterückständen der Zuckerernte und den Abfallprodukten der Zuckerproduktion sollen jährlich bis zu 90 Millionen Liter Biodiesel und 120 Millionen Liter Bioethanol hergestellt werden. Die Projektgesellschaft des Fonds ist während der Projektentwicklungsphase, die 2015 abgeschlossen werden soll, mit 3,5 Millionen US-Dollar (29 Prozent der gesamten Projektentwicklungskosten) beteiligt.

Die beiden anderen Bioenergie-Projekte befinden sich in den Philippinen. Hier sollen zwei neue Biomassekraftwerke mit Bruttostromkapazitäten von jeweils rund 19 Megawatt errichtet werden. Als Brennstoff für die Anlagen sollen hauptsächlich die bei der Ernte und Verarbeitung von Zuckerrohr entstehenden Abfallprodukte verwendet werden. Die auf den Feldern verbliebenen Zuckerrohrblätter und  -stängel wurden früher als störendes und wertloses Abfallprodukt von den Bauern auf den Feldern verbrannt. Dagegen werden die Bauern nach Angaben von ThomasLloyd mit der Inbetriebnahme der Biomassekraftwerke zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf der Abfallprodukte erzielen können. Die Projektgesellschaft ist an den prognostizierten Projektentwicklungskosten beider Kraftwerke mit insgesamt 3,4 Millionen US-Dollar (72 Prozent der gesamten Projektentwicklungskosten)  beteiligt. Während der Bau- und Betriebsphase soll der Anteil der Projektgesellschaft 7,4 Millionen US-Dollar (4,6 Prozent der Gesamtprojektkosten) betragen. Die Inbetriebnahme der Projekte ist nach jeweils zweijähriger Bauzeit für das erste Quartal 2014 bzw. das vierte Quartal 2014 geplant.

Beteiligungsstruktur

Das Fondskonzept sieht vor, dass sich die Fondsgesellschaft Cleantech Infrastrukturgesellschaft über die Zeichnung einer stillen Beteiligung an der Cleantech Projektgesellschaft GmbH beteiligt. Die Projektgesellschaft investiert in Projekte, in die auch ThomasLloyd und andere institutionelle Investoren investieren. Die Fondsgesellschaft hat als stiller Gesellschafter laut Prospekt keine Informations-, Kontroll- und Mitspracherechte und kann in die Geschäftsführung der Projektgesellschaft nicht eingreifen.

Laut dem „Vertrag über die Errichtung einer typische stillen Gesellschaft“ soll die Fondsgesellschaft über die stille Einlage am Gewinn und bis zur Höhe der stillen Einlage am Verlust der Projektgesellschaft teilnehmen. Die Vertragsparteien gehen laut Vertrag „einvernehmlich“ davon aus, dass die Gesamtausschüttung laufzeitdurchschnittlich „bis zu“ 22,5 Prozent pro Jahr bezogen auf die stille Einlage betragen „kann“.

Rechtliche Konstruktion

Die Anbieterin des Fonds, die Cleantech Management GmbH, ist gleichzeitig auch die Komplementärin (persönlich haftende Gesellschafterin) der Fondsgesellschaft - eine  ungewöhnliche Konstruktion. Als Geschäftsführer der Anbieterin/Komplementärin fungiert Klaus-Peter Kirschbaum, der auch Vorsitzender der Geschäftsleitung der geschäftsführenden Kommanditistin (ThomasLloyd Global Asset Management (Schweiz) AG) der Fondsgesellschaft ist. Zudem ist Kirschbaum auch Geschäftsführer der Treuhandkommanditistin der Fondsgesellschaft und vertritt somit die Interessen/Ansprüche der Anleger gegenüber Anbieterin und Fonds-Geschäftsführung, also gegenüber sich selbst.

Die Projektgesellschaft wird von zur ThomasLloyd-Gruppe gehörenden oder mit ihr verbundenen Unternehmen beraten und muss dafür eine Vergütung in unbekannter Höhe zahlen. Nach Angaben von ThomasLloyd sind die Vergütungen nicht ausgewiesen, da sie zum derzeitigen Zeitpunkt aufgrund der aktiv gemanagten Portfoliostruktur nicht für eine Fondslaufzeit von 20 Jahren definiert werden können und größtenteils von den Projektbetreibergesellschaften (und damit nur kapitalanteilig von der Cleantech Projektgesellschaft) getragen werden. Laut Prospekt soll die Vergütung zu „marktüblichen Konditionen“ erfolgen. Interessenskonflikte sind nicht auszuschließen.

Fondsnebenkosten

Nach den Angaben im Hauptprospekt war die Erhebung eines Agios ursprünglich nicht vorgesehen. Im April 2011 wurde der Gesellschaftsvertrag geändert; nunmehr liegt das Agio bei bis zu 7,5 Prozent. Insgesamt kalkuliert die Anbieterin mit platzierungsabhängigen Vertriebsprovisionen in Höhe von 11 Prozent des gesamten Kommanditkapitals (5,5 Millionen Euro bei Vollplatzierung). Die platzierungsabhängigen Weichkosten für Fondsstrukturierung, Prospekterstellung und Marketing betragen bei Vollplatzierung 3,7 Millionen Euro.

Es besteht keine Platzierungsgarantie. Nach den Angaben der Anbieterin wurde bislang ein Eigenkapital von über 15 Millionen Euro (Stand: Anfang Dezember 2011) eingeworben, so dass nicht mehr das im Prospekt genannte Risiko bestehe, dass das Eigenkapital „weitgehend oder vollständig für die mit der Emission verbundenen Kosten verbraucht wird und für Investitionen nicht zur Verfügung steht“.

Fazit:

Finanziell


Der Fonds investiert mittelbar als stiller Gesellschafter einer Projektgesellschaft weltweit im Cleantech-Bereich. Die Projektgesellschaft beabsichtigt, breit gestreut in ein diversifiziertes Portfolio zu investieren, das aus mindestens zehn Projekten bestehen wird. Das Startportfolio setzt sich aus Photovoltaik- und Bioenergieprojekten zusammen. Das Fondskapital finanziert dabei überwiegend die späten Projektentwicklungsphasen der einzelnen Projekte. Projekte könnten ganz scheitern. Zudem investiert der Fonds plangemäß teilweise auch in Schwellenländern, deren Rechtssystem und Investorschutz nicht dem deutschen Standard entsprechen.

Die auf der Ebene der Projektgesellschaft anfallenden Kosten und Vergütungen sind nicht ausgewiesen. So kann nicht konkret nachvollzogen werden, ob die prognostizierte Ausschüttungen von bis zu 22,5 Prozent pro Jahr auf Ebene der Fondsgesellschaft erreichbar sind. Die Fondsgesellschaft hat als stiller Gesellschafter der Projektgesellschaft keine Informations-, Kontroll- und Mitspracherechte und kann in die Geschäftsführung der Projektgesellschaft nicht eingreifen. Daher müssen die Anleger auf die Kompetenz und Fairness der Thomas-Lloyd-Gruppe vertrauen.

Nachhaltigkeit

Die prospektierte Investitionsstrategie ist weit gefasst. Zudem sind die meisten Investitionen, die während der Fondslaufzeit getätigt werden sollen, derzeit noch nicht bekannt. Daher kann die ökologische und soziale Nachhaltigkeit des Fonds noch nicht abschließend bewertet werden. Für bereits bekannte Projekte des Fonds hat die Anbieterin Unterlagen zur Verfügung gestellt, die belegen, dass sie Nachhaltigkeitsaspekte im größeren Umfang bei der Investitionsentscheidung und der Projektumsetzung berücksichtigt hat.

ECOreporter.de-Empfehlung
Nicht nur die Renditeprognosen, sondern auch die Risiken des Fonds sind hoch.

Basisdaten

Anbieterin, Prospektverantwortliche und Komplementärin: Cleantech Management GmbH, Frankfurt am Main
Fondsgesellschaft (Emittentin): Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG, Frankfurt am Main
Treuhänderin: Cleantech Treuvermögen GmbH, Frankfurt am Main
Geschäftsführende Kommanditistin: ThomasLloyd Global Asset Management (Schweiz) AG, Zürich
Beteiligungsform: Treugeber oder Direktkommanditist

Fondswährung: Euro
Gesamtinvestitionsvolumen: 50 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 50 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 25.000 Euro
Agio: bis zu 7,5 Prozent
Laufzeit: unbestimmt, erstmalige Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2032

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Nein
IDW-Prospektprüfungsbericht:  Ja
Mittelverwendungskontrolle: Nein (im Prospekt), Ja (auf Projektebene)
Sensitivitätsanalyse: Nein (im Prospekt), Ja (auf Projektebene)
Prospekthaftung: 6 Monate
Haftsumme: 0,1 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent (Innenverhältnis)
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