20.01.12 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Geschlossener Fonds Q1 Solarkraft Deutschland

Ihren ersten Solarfonds hat die Q1 Capital GmbH aus Husum aufgelegt. Der Q1 Solarkraft Deutschland ist als Blind-Pool konzipiert. Ende 2011 hat der Fonds eine erste Solaranlage übernommen. Anleger können sich ab 10.000 Euro plus fünf Prozent Agio beteiligen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.
Die erste Solaranlage des Fonds befindet sich auf dem Dach einer Klärschlamm-Veredelungsanlage in Handewitt bei Flensburg in Schleswig-Holstein. Die Solaranlage hat eine Nennleistung von 745 Kilowattpeak (kWp) und wurde nach Angaben der Fondsanbieterin Ende Dezember 2011 fertig gestellt und vom Netzbetreiber abgenommen. Drei weitere Anlagen hat die Geschäftsführung des Fonds laut Prospekt im Visier: eine Dachanlage in der Nähe von Flensburg und eine Dachanlage bei Leipzig. An einer großen Freiflächenanlage in Schleswig-Holstein will die Fondsgesellschaft einen Anteil von rund zwei Prozent erwerben.

Der Solarfonds Q1 Solarkraft Deutschland GmbH & Co. KG ist der erste Publikumsfonds der Fondsanbieterin Q1 Capital GmbH. Das 2009 gegründete, inhabergeführte Investmenthaus vermittelt Beteiligungsangebote (z. B. Schiffs-, Container- und Private Equity-Fonds) und ist im Vermögensmanagement tätig. Zudem entwickelt und realisiert es eigene Beteiligungsprojekte (z. B. vier Doppelhaushälften in Mildstedt, Solar-Privatplatzierung in Torgau). Den Schwerpunkt legt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf die Anlageklasse der Erneuerbaren Energien. 2010 hat Q1 Capital laut Prospekt den Solarfonds eines norddeutschen Emissionshauses mit initiiert. Als Referenzanlagen der Q1-Gruppe werden im Prospekt zudem sechs Solaranlagen mit einer Nennleistung von durchschnittlich 478 kWp aufgeführt, die privat platziert wurden.

Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtinvestitionsvolumen: 16,65 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 4,85 Millionen Euro (29,2 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Agio: 0,24 Millionen Euro (1,4 Prozent)
Fremdkapitalvolumen: 11,56 Millionen Euro (69,4 Prozent)

Das Eigenkapitalvolumen kann um bis zu 1,75 Millionen Euro auf bis zu 6,6 Millionen Euro erhöht werden. Es wurden noch keine Darlehensverträge abgeschlossen (Stand: 4. Januar 2012). Die Anbieterin kalkuliert mit Fremdkapitalzinsen von 4,8 Prozent (2011 bis 2020) und 5,0 Prozent (2021 bis 2029).

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 5,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 7,0 Prozent
Konzeption: 1,5 Prozent
Fremdkapitalvermittlung: 1,2 Prozent
Marketing und Prospektdruck: 1,9 Prozent
Sonstige Kosten: 0,9 Prozent
Gesamtweichkosten: 17,5 Prozent

Die Gesamtweichkosten liegen leicht unter dem Durchschnittsbereich der Solarfonds mit Parks aus Deutschland, die ECOreporter.de innerhalb des letzten Jahres untersucht hat. Die Kosten für die Fremdkapitalvermittlung sind laut Prospekt ein Schätzwert, da hier noch kein Vertrag abgeschlossen sei.

Laufende Kosten

Technische Betriebsführung (inkl. Wartung, erstes Jahr): 8,0 Euro pro Kilowattpeak (kWp)
Kaufmännische Geschäftsführung (inkl. Fondsverwaltung, erstes Jahr): 8,0 Euro/kWp
Kostensteigerung (Vertrag): 1,0 Prozent pro Jahr (Kaufmännische Geschäftsführung und Fondsverwaltung); 2,0 Prozent pro Jahr (Technische Betriebsführung und Wartung)

Die Kosten für die technische Betriebsführung je kWp liegen deutlich unter dem Durchschnitt bei Solarfonds. Allerdings umfasst die mit dem technischen Betriebsführer vertraglich vereinbarte Vergütung von 8 Euro/kWp eventuell nicht alle anfallenden Kosten, da laut Prospekt dem Betriebsführer der den Vertrag überschreitende Aufwand für die An-/Abfahrt mit 150 Euro netto und pro Arbeitsstunde mit 60 Euro netto vergütet wird.

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: 20 Jahre (geplant), erstmaliges Kündigungsrecht zum 31. Dezember 2031
Gesamtausschüttung: 225 Prozent (inkl. 105 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös: 0 Prozent
Renditeprognose vor Steuern pro Jahr (IRR): 6,5 Prozent
Einspeisevergütung: 0,2612 Euro/kWh (erste Investition des Fonds)

Laut Prospekt werde in den Pachtverträgen grundsätzlich vereinbart, dass die Pacht nach 20 Jahren um zweimal je vier Jahren verlängert werden kann. In der Prognoserechnung wird auch das Szenario einer Verlängerung der Fondslaufzeit bis 2036 betrachtet. Die für diesen Fall prognostizierte Gesamtausschüttung von rund 328 Prozent (inkl. Kapitalrückzahlung) beruht auf der Annahme, dass der Solarstrom nach Ende der 20-jährigen EEG-Vergütung für 20 Eurocent/kWh verkauft werden kann.

Wenn die tatsächlichen Ausschüttungen über der Prospektprognose liegen, erhält die kaufmännische Betriebsführerin und Fondsverwalterin, die Q1 Fondsverwaltungs GmbH & Co. KG aus Husum, 20 Prozent des Mehrergebnisses. Bei geringerer tatsächlicher Ausschüttung als prospektiert erfolgt keine Rückzahlung des Erfolgsbonus. Jedoch werden Minderausschüttungen in den nachfolgenden Jahren mit Mehrausschüttungen verrechnet.

Technik und Erträge

Die Investitionen des Fonds sind noch nicht abschließend bekannt. Im Prospekt werden vier Solaranlagen beschrieben, deren Kauf die Fondsgeschäftsführung plant. Eine der vier Anlagen hat der Fonds bereits übernommen. Bei den Anlagen handelt es sich um drei Dachanlagen mit Nennleistungen von 1.040 kWp, 745 kWp und 330 kWp sowie um einen Anteil von 193 kWp an einer Freiflächenanlage. Die Anlagen sind bestückt mit kristallinen Modulen des chinesischen Hersteller Yingli Solar (77 Prozent bezogen auf die Gesamtnennleistung) und von Hyundai (8 Prozent) sowie mit Dünnschichtmodulen vom taiwanesischen Hersteller Nexpower (15 Prozent). Die Wechselrichter kommen von den deutschen Herstellern Refusol (45 Prozent), Helios (41 Prozent) und SMA (14 Prozent).

Nach Angaben der Anbieterin liegt für drei der vier Anlagen jeweils ein Ertragsgutachten vor. Für die drei Dachanlagen sei auch jeweils ein statisches Gutachten erstellt worden. Bei weiteren Anlagen gilt laut Investitionskriterium: Für Anlagen unter 500 kWp-Leistung muss kein Ertragsgutachten und kein statisches Gutachten (Dachanlagen) erstellt werden. Es wird aber nach Angaben der Anbieterin für jede Photovoltaikanlage eine Berechnung mit der Software PV-Sol durchgeführt. Die Verkäufer und Betriebsführer der Anlagen geben keine Ertrags- oder Verfügbarkeitsgarantien.

Ökologische Wirkung

Es ist noch nicht bekannt, welche Projekte der Fonds letztendlich kaufen wird, so dass die ökologische Wirkung des Fonds noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Grundsätzlich ist es positiv zu bewerten, dass der Fonds voraussichtlich überwiegend Dachflächenanlagen erwerben wird.

Risiko

Der Fonds ist als Blind-Pool konzipiert. Die konkreten Investitionsobjekte stehen noch nicht verbindlich fest, sondern befinden sich teilweise noch in einem Prüfungsprozess. Die Fremdfinanzierungen sind noch nicht gesichert (Stand: 4. Januar 2012). Die Werthaltigkeit der geplanten Investitionen kann somit noch nicht abschließend beurteilt werden. Es besteht das Risiko, dass sich der Erwerb von Solarparks verzögert und damit einhergehend Kostensteigerungen verbunden sind.

Nach den im Prospekt dargestellten Investitionskriterien ist nicht ausgeschlossen, dass der Fonds neben dem Bauherrenrisiko auch Fertigstellungsrisiken trägt. Insgesamt sind die aufgeführten Investitionskriterien sehr umfangreich, aber qualitativ insgesamt nicht überzeugend. So gibt es keine Investitionskriterien, die die Wirtschaftlichkeit der Solaranlagen betreffen, wie eine Mindestrenditeerwartung oder ein maximaler Einkaufsfaktor. Insofern ist es zulässig, dass der Fonds Solaranlagen auch zu hohen Preisen erwirbt.

Das ist insbesondere deswegen problematisch, weil der Fonds die beiden laut Prospekt größten Solaranlagen von der Firma db sun power aus Husum erwirbt, deren Geschäftsführer auch einer von zwei Geschäftsführern der Komplementärin der Fondsgesellschaft ist. Diese Konstellation birgt ein erhöhtes Potential für Interessenskonflikte. Die Anbieterin hat auf Nachfrage ECOreporter.de die (voraussichtlichen) Kaufpreise für drei im Prospekt benannte Zielinvestitionen mitgeteilt. Die bereits vom Fonds übernommene Anlage kostet nach Angaben der Anbieterin 1.899 Euro/kWp und liegt damit ungefähr im marktüblichen Bereich. Bei den anderen Anlagen laufen nach Angaben der Anbieterin noch Kaufpreis-Verhandlungen. Aufgrund der Blind-Pool-Konzeption im Prospekt fehlen die notwendigen Detail-Informationen zu den Solaranlagen und zu den abgeschlossenen Verträgen, um die Angemessenheit der Kaufpreise fundiert beurteilen zu können. Zudem steht es der Fondsgeschäftsführung auch frei, andere oder weitere Anlagen zu erwerben, die im Prospekt nicht genannt werden.

Neben der bereits vom Fonds übernommenen Solaranlage auf der Klärschlammveredelungsanlage, die von db sun power errichtet worden ist, soll der Fonds auch die Solaranlage auf der Rinderzuchtanlage bei Leipzig von db sun power erwerben. Diese mit einer Nennleistung von 1.040 kWp voraussichtlich größte Anlage des Fonds, die aktuell nach Angaben der Anbieterin (Stand: 16. Januar 2012) als Zielinvestment identifiziert wurde, sollte laut Prospekt 2011 fertig gestellt werden, der Bau der Anlage musste aber nach Aussage der Anbieterin auf 2012 verschoben werden. Wie sich die aufgrund der Verzögerung deutlich niedrigere Einspeisevergütung auf den Kaufpreis für die Anlage auswirkt, ist unklar, da der Kaufpreis nach Angaben der Anbieterin noch nicht fixiert ist (Stand: 4. Januar 2012). Auch bei dieser Anlage gilt: Aufgrund der Personenidentität verhandelt der Verkäufer der Solaranlage quasi mit sich selbst über den Kaufpreis, den der Fonds zu zahlen hat.

Laut Prospekt „wird im Rahmen der Prognoserechnungen angenommen, dass bei den gepachteten Dächern zum Teil Pachtvorauszahlungen vereinbart und geleistet werden müssen“. Die Pachtvorauszahlungen werden mit rund 546.000 Euro kalkuliert und belasten die Liquidität der Fondsgesellschaft. Aufgrund der Blind-Pool-Konzeption bleibt unklar, wer oder welche Gesellschaft der Verpächter ist und von der Vorauszahlung profitieren wird.

Fazit:

Finanziell


Der Fonds ist als Blind-Pool konzipiert. Die Investitionen des Fonds sind noch nicht abschließend bekannt. Die bei einem Blind-Pool-Konzeption wichtigen Investitionskriterien überzeugen inhaltlich teilweise nicht. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Interessenskonflikte, die zu Ungunsten der Fondsgesellschaft – und damit der Anleger - gelöst werden könnten. Der Q1 Solarkraft Deutschland ist der erste Fonds der Anbieterin, so dass noch keine Leistungsbilanz vorliegen kann. Eine Platzierungsgarantie gibt es nicht.

Nachhaltigkeit

Weil die Investitionen des Fonds noch nicht abschließend feststehen, ist eine fundierte Aussage noch nicht möglich. Der Investitionsfokus auf Solar-Dachflächenanlagen ist positiv.

ECOreporter.de-Empfehlung
Der erste eigene Solarfonds von Q1 Capital überzeugt nicht und weist derzeit Risiken auf, die vorsichtige Anleger nicht hinnehmen sollten.

Basisdaten

Anbieterin, Prospektverantwortliche und Gründungskommanditistin: Q1 Capital GmbH, Husum
Fondsgesellschaft (Emittentin): Q1 Solarkraft Deutschland GmbH & Co. KG, Husum
Komplementärin: Q1 Solarkraft Deutschland Verwaltungs GmbH, Husum
Treuhänderin: Nein
Beteiligungsform: Direktkommanditist

Fondswährung: Euro
Gesamtinvestitionsvolumen: 16,65 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 4,85 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro
Agio: 5 Prozent
Laufzeit: 20 Jahre (geplant), erstmaliges Kündigungsrecht zum 31. Dezember 2031

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Nein
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja, in Arbeit
Mittelverwendungskontrolle: PKF Arbicon Zink KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft, Oldenburg
Sensitivitätsanalyse: Ja
Prospekthaftung:  6 Monate
Haftsumme: 10 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent (Innenverhältnis)
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