31.01.12 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Geschlossener Windfonds „Windpark Maierfeld“ der Beermann Windkraft GmbH: Auch in Bayern drehen sich immer mehr Rotoren



Die Beermann Windkraft GmbH & Co. Maierfeld KG investiert in vier Windkraftanlagen auf einer Hochfläche der fränkischen Alb zwischen Nürnberg und Ingolstadt. Die Anlagen des deutschen Qualitätsherstellers Enercon leisten jeweils 2,3 Megawatt (MW). Sie sollen laut Prospekt im September 2012 in Betrieb gehen.

Die Fondsanbieterin Beermann Windkraft GmbH aus München hat den Windpark geplant und projektiert. Sie übernimmt auch die Fondsgeschäftsführung sowie die Betriebsführung des Windparks. Von 1999 bis 2006 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben zwölf Windkraftprojekte in Bayern realisiert, u.a. die Windenergieanlage in München auf dem Müllberg neben der Allianz-Arena. Nach einer rund vierjährigen Pause folgte 2011 ein weiteres Projekt. Sieben der dreizehn Projekte hat die Anbieterin als Publikumsfonds konzipiert.

Die im Prospekt dargestellte Kurz-Leistungsbilanz (Stand: 31. Dezember 2010) zeigt, dass sie die prospektierten Investitionskosten bei allen sechs Fonds eingehalten hat. Die zusammengerechneten Erträge der Windfonds liegen zwischen 82,4 Prozent und 117,9 Prozent im Bezug auf den jeweiligen Sollwert. Im Durchschnitt haben die Windenergieanlagen der sechs Fonds 98,6 Prozent der prognostizierten Erträge erreicht. Also geringfügig weniger als vorausgesagt.

Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtinvestitionsvolumen: 15,76 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 4,85 Millionen Euro (30,8 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Fremdkapitalvolumen: 10,91 Millionen Euro (69,2 Prozent)

Das Eigenkapitalvolumen kann um bis zu fünf Prozent auf insgesamt rund 5,09 Millionen Euro erhöht werden. Nach rund zwei Wochen Platzierungsphase wurde bereits mehr als vier Millionen Euro gezeichnet (Stand: 27. Januar 2012). Inklusive des noch freigehaltenen Kontingents für Anwohner ist der Fonds damit nach Angaben der Anbieterin schon sehr weitgehend verkauft.
Die Fremdfinanzierung soll aus Mitteln des KfW-Umweltdarlehen Programm 270 erfolgen.

Die Anbieterin kalkuliert mit einem Zinssatz von 2,8 Prozent für das Hauptdarlehen (20 Jahre Laufzeit, Volumen 10 Millionen Euro) sowie 2,4 Prozent für das zweite Darlehen (10 Jahre Laufzeit, Volumen 0,91 Millionen Euro). Ein Disagio soll bei beiden Darlehen laut Prospekt nicht anfallen. Nach Ablauf der zehnjährigen Zinsbindungsfrist für das Hauptdarlehen kalkuliert die Anbieterin weiterhin mit einem sehr günstigen Zinssatz von 2,8 Prozent. Die Darlehensverträge wurden nach Angaben der Anbieterin inzwischen zu den prospektierten Konditionen abgeschlossen.

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 7,0 Prozent
Konzeption: 2,3 Prozent
Prospekterstellung und Werbung: 1,3 Prozent
Fremdkapitalvermittlung: 4,5 Prozent
Geschäftsführung Investitionsphase: 0,7 Prozent
Sonstiges: 1,5 Prozent
Gesamtweichkosten: 17,3 Prozent
Die Weichkostenquote liegt leicht unter dem Durchschnitt der Kostenquoten derjenigen deutschen Windfonds, die ECOreporter innerhalb des letzten Jahres untersucht hat.

Laufende Kosten

Wartung und Instandhaltung (ab 2015, pro Jahr): 46.700 Euro/Windenergieanlage (WEA)
Technische Betriebsführung (pro Jahr): 7.300 Euro/Windenergieanlage (WEA)
Pacht (pro Jahr): 0 Euro/WEA
Kaufmännische Geschäftsführung (inkl. Fondsverwaltung, pro Jahr): 14.700 Euro/WEA
Kostensteigerung (Wartung und Instandhaltung (Kalkulation): 0,0 Prozent pro Jahr

Mit dem Anlagenhersteller soll laut Prospekt der Vollwartungsvertrag Enercon Partner Konzept abgeschlossen werden. Demnach erhält Enercon für Wartung, Reparatur und Instandsetzung eine Vergütung von 1,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Jahresenergieertrag der Windenergieanlagen. Dafür garantiert Enercon über die Laufzeit von 15 Jahren eine technische Verfügbarkeit der Windenergieanlagen von 97 Prozent. Der Vertrag enthält laut Prospekt eine indexierte Preisgleitklausel, die zu Mehrkosten bereits während der vereinbarten Erstlaufzeit führen kann. Die Prognoserechnung geht davon aus, dass die Kosten während der ersten 15 Jahre nicht steigen. Zudem sieht die Prognoserechnung vor, dass auch für nach 2027 ein Anschluss-Vollwartungsvertrag auf dem Preisniveau von 2012 abgeschlossen werden kann. Das ist angesichts der normalen Preissteigerungsraten eine optimistische Annahme. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Reparaturanfälligkeit von Windkraftanlagen mit der Zeit steigt, so dass allein deswegen schon die nach 15 Jahren neu zu vereinbarende Vergütung aus der Sicht eines Anlagenhersteller ansteigen müsste.

Die jährlichen Vergütungen für die technische Betriebsführung und die kaufmännische Geschäftsführung sind abhängig von den jährlichen Erlösen aus der Stromeinspeisung. Oben sind die Zahlen angegeben, die sich bei einem prognosegemäßen Verlauf des Windparks ergeben.
Die für die Errichtung der Windenergieanlagen erforderlichen Grundstücke werden laut Prospekt für insgesamt rund 279.000 Euro (inkl. Nebenkosten und Steuern) erworben. Laut Prospekt liegen notarielle unwiderrufliche Verkaufsangebote der Eigentümer vor. Die Angebote sind nach Angaben der Anbieterin inzwischen angenommen.
Die zwingend abzuschließende Haftpflichtversicherung ist mit jährlich 150 Euro je Windenergieanlage in der Liquiditätsprognose berücksichtigt. Über eventuell weitere Versicherungen soll die erste ordentliche Gesellschafterversammlung entscheiden.

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: 26 Jahre (Prognosezeitraum), Kündigung frühestens zum 31. Dezember 2026 möglich
Gesamtausschüttung: 284 Prozent (inkl. 100 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös: 0 Prozent
Renditeprognose vor Steuern pro Jahr (IRR): 8,1 Prozent
Einkaufsfaktor (Kaufpreis/Prognose Stromerlöse pro Jahr): 9,7
Gesamtinvestition: 1.712 Euro/kW
Einspeisevergütung: 9,41 Cent/kWh

Die oben genannte Einspeisevergütung beinhaltet auch den Systemdienstleistungsbonus von 0,49 Eurocent/kWh, den die Anlangen laut Prognose erhalten sollen. Der Einkaufsfaktor ist relativ hoch, obwohl die Gesamtinvestition pro kW relativ gering ist. Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch ist das – im Vergleich zu vielen norddeutschen Regionen – geringere Windangebot am bayrischen Standort des Windparks.

Technik und Erträge

Bei den Windkraftanlagen des Fonds handelt es sich um vier getriebelose Enercon E-82 E2 mit Nennleistungen von jeweils 2,3 MW und einer Nabenhöhe von 139 Metern. Seit Februar 2009 gingen weltweit von diesem Anlagentyp mehr als 650 Anlagen ans Netz.

Für den Windpark Maierfeld wurde nur ein Windgutachten erstellt, von Dr. J. Guttenberger (Wind & Regen - Büro für technische Meteorologie) aus Velburg. In rund vier Kilometer Entfernung zum Standort des geplanten Windparks Maierfeld sind bereits seit sieben Jahren zwei Anlagen des Anbieters in Betrieb. Deren Erträge wurden bei der Erstellung der Gutachten berücksichtigt. Zudem wurde das Gutachterergebnis laut Prospekt mit den tatsächlichen Erträgen weiterer Windkraftanlagen in der näheren Umgebung abgeglichen. Die Auswertung der Daten habe – umgerechnet auf 139 Meter Nabenhöhe – eine Windgeschwindigkeit von 5,8 Metern pro Sekunde ergeben.

Für die Prognoserechnung wurde ein Sicherheitsabschlag von fünf Prozent auf den Gutachterwert vorgenommen. Branchenüblich ist eher ein Sicherheitsabschlag von sieben Prozent. Zudem berücksichtigt die Prospektkalkulation Verfügbarkeitsverluste von drei Prozent, aber keine elektrischen Verluste. Insgesamt ist die Ertragskalkulation leicht optimistisch, so dass es auch problematisch erscheint, dass nur ein Gutachten vorliegt. Positiv ist zu vermerken, dass der Fonds prognosegemäß bis 2014 einen Liquiditätsbestand von rund 1,8 Millionen Euro aufbauen soll, so dass voraussichtlich windschwächere Jahre durchgestanden werden können.

Ökologische Wirkung

Mit der Stromproduktion der Windkraftanlagen des Windparks Maierfeld können voraussichtlich jährlich circa 9.000 Tonnen CO2 gegenüber der Stromgewinnung aus konventionellen Kraftwerken eingespart werden. Mit der produzierten Strommenge können bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh rund 4.400 Haushalte jährlich versorgt werden.
Der Windpark befindet sich in Bayern, das nur rund zwei Prozent der in Deutschland insgesamt installierten Windenergieleistung auf sich vereint. Volkswirtschaftlich und ökologisch ist der Ausbau in Bayern sinnvoll, da die Industrie in Süddeutschland viel Strom verbraucht. Es ist einfacher, den Strom in Süddeutschland zu erzeugen, als ihn über neue Stromtrassen aus Norddeutschland zu transportieren.

Risiko

Die Anlagen des Windparks Maierfeld sind noch nicht errichtet. Die Bauphase hat aber schon begonnen: Derzeit werden nach Angaben der Anbieterin die Fundamente errichtet. Mit der Fertigstellung des Windparks rechnet die Anbieterin für September 2012. Die erforderlichen immissionsrechtlichen Genehmigungen liegen laut Prospekt für alle Anlagen vor, sind aber bei den zwei Anlagen auf dem Gemeindegebiet Titting noch anfechtbar. Die Anbieterin geht im Prospekt davon aus, dass die Gemeine Titting Rechtsmittel einlegen wird. Die Zufahrtswege für den Bau der Windenergieanlagen Maierfeld wurden von der Gemeinde zwischenzeitlich gesperrt. Nach Angaben der Anbieterin wurde mit Gerichtsbeschluss aus  Dezember 2011 das Problem zugunsten des Fonds behoben, die Zufahrtswege sind demnach wieder frei. Ein weiteres Problem könnte sein, dass die geplanten Anlagen des Windparks Maierfeld innerhalb des Zehn-Kilometer-Radius um die Wehrtechnische Dienstelle 81 in Greding liegt und deren technische Untersuchungen stören könnten. Nach Angaben der Anbieterin wurde aber für die Windenergieanlagen Maierfeld dieses Problem bereits 2010 mit den zuständigen Stellen geklärt. Es besteht das Risiko, dass sich die Investitionskosten aufgrund höherer Kosten für Rechtsverfahren und Rechtsgutachten erhöhen. Zudem besteht grundsätzlich das Risiko, dass sich der Bau und die Inbetriebnahme der Windenergieanlagen verschieben. Sollten die Anlagen erst 2013 in Betrieb gehen, würde sich die Einspeisevergütung gemäß des aktuellen EEG-Gesetzes um 1,5 Prozent vermindern.

Fazit:

Finanziell


Die vier Anlagen des Windparks Maierfeld sollen bis September 2012 errichtet werden. Es bestehen derzeit noch Fertigstellungs- und Bauherrenrisiken. Die prospektierte Kalkulation ist teilweise leicht optimistisch. Die mit rund 31 Prozent relativ hohe Eigenkapitalquote verringert aber das Risiko, dass die Gesellschaft in windschwachen Jahren Tilgungen und Zinszahlungen nicht vertragsgemäß leisten kann. Durch eine Direktvermarktung des erzeugten Windstromes sind mittel- bis langfristig Mehrerlöse für den Windpark denkbar. Die prospektierte Leistungsbilanz der Anbieterin ist gut. Ein einzelnes Windgutachten kann nicht als ausreichend gelten, auch Windkraftanlagen in der Umgebung liefern nur in wenigen Fällen hundertprozentig vergleichbare, aussagekräftige Daten.

Nachhaltigkeit

Für den dynamischen Ausbau der nachhaltigen Energieversorgung in Deutschland ist eine verstärkte Nutzung der Windenergie in Süddeutschland unverzichtbar. Daher handelt es sich bei Windkraftanlagen in Bayern um nachhaltige Projekte, wenn sie in der vorausberechneten Menge Strom produzieren.

ECOreporter.de-Empfehlung

Die Fondskalkulation scheint teilweise etwas zu optimistisch zu sein. Die – trotz der vielen windschwachen Jahre – insgesamt gute Leistungsbilanz ihrer bisherigen Fonds spricht aber für die erfahrene Anbieterin. Insgesamt also eine nachhaltige Geldanlage, die in einigen Punkten nicht den Standards entspricht und davon nach unten abweicht (beispielsweise bei der Anzahl Windgutachten), aber auch nach oben (geringere Weichkosten, Kauf statt Pacht der Grundstücke).

Basisdaten

Anbieterin, Prospektverantwortliche und Komplementärin der Emittentin: Beermann Windkraft GmbH, München
Beteiligungsgesellschaft (Emittentin): Beermann Windkraft GmbH & Co. Maierfeld KG, München
Treuhänderin: Nein
Beteiligungsform: Direktkommanditist

Währung: Euro
Gesamtinvestitionsvolumen: 15,76 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 4,85 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: 26 Jahre (Prognosezeitraum), Kündigung frühestens zum 31. Dezember 2026 möglich

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Ja (im BaFin-Prospekt enthalten)
IDW-Prospektprüfungsbericht: Nein
Mittelverwendungskontrolle: Rechtsanwalt Dr. Reinhard Wetter, München
Sensitivitätsanalyse: Nein
Haftsumme: 100 Prozent der Kommanditeinlage (Außen- und Innenverhältnis)
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