18.10.11 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Nachhaltigkeitsfonds 04 von White Owl Capital – Solaranlagen in italienischer Sonne



Der Fonds hat Kaufverträge für acht Solaranlagen mit einer Nennleistung von insgesamt rund 15,8 Megawattpeak (MWp) abgeschlossen. Fünf der Anlagen sind bereits im April und Mai 2011 an Netz gegangen, die restlichen drei Anlagen im August 2011. Zusätzliche Investitionen plant der Fonds nicht. Grundsätzlich kann der Fonds aber laut Prospekt weitere bereits an das Netz angeschlossene Solaranlagen erwerben. Hierfür kann das Emissionskapital auf bis zu maximal 25 Millionen Euro erhöht werden. Der Fonds beteiligt sich grundsätzlich mittelbar über deutsche Investitionsgesellschaften an den italienischen Objektgesellschaften der Solaranlagen.

White Owl Capital hat seit 2008 drei Solarfonds angeboten, zwei davon mit Projekten in Spanien und einer mit dem Investitionsziel Frankreich. Zwei der Fonds haben derzeit ihr Kapital noch nicht komplett investiert. Die Ausschüttungen verliefen laut Prospekt zum Nachhaltigkeitsfonds 04 plangemäß. Die rückwirkenden gesetzlichen Änderungen für die Solarstromvergütung in Spanien können nach Angaben der Anbieterin Auswirkungen auf den WOC Nachhaltigkeitsfonds 01 haben. Die Anlagen der anderen WOC-Fonds fallen den Angaben nach nicht unter diese Änderungen  in Spanien.

Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtinvestitionsvolumen: 62,2 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen: 15,8 Millionen Euro (25,4 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Agio: 0,8 Million Euro (1,3 Prozent)
Fremdkapitalvolumen: 45,6 Millionen Euro (73,3 Prozent)

Das Eigenkapital kann bis auf 25,6 Millionen Euro erhöht werden. Eine Platzierungsgarantie besteht nicht. Anfang September 2011 war das Mindest-Eigenkapitalvolumen von einer Million Euro nach Angaben der Anbieterin allerdings bereits erreicht. Bei den drei Vorgängerfonds hat sich White Owl Capital als platzierungsstark erwiesen und insgesamt rund 153 Millionen Euro eingeworben.

Das Fremdkapital soll auf Ebene der Objektgesellschaften aufgenommen werden. Nach Angaben der Anbieterin stehen die Finanzierungsverhandlungen mit den Banken kurz vor Abschluss (Stand: 15. September 2011).

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 5,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 7,0 Prozent
Fondskonzeption: 6,5 Prozent
Projektvermittlung: 1,5 Prozent
Vorabverwaltung: 1,6 Prozent
Sonstiges: 0,2 Prozent
Gesamtweichkosten: 21,8 Prozent

Die Gesamtweichkosten liegen im Durchschnittsbereich der von ECOreporter.de in den letzten zwölf Monaten analysierten Solarfonds, die in Italien investieren. Die Kosten für die Fremdkapitalvermittlung können laut Prospekt noch nicht beziffert werden und sind daher in der Aufstellung nicht enthalten.

Laufende Kosten

Betriebskosten (inkl. technische und kaufmännische Betriebsführung, Pacht, Versicherung, 2013): 81,9 Euro pro Kilowattpeak (kWp)
Kaufmännische Geschäftsführung (inkl. Fondsverwaltung, 2013): 19,9 Euro/kWp
Kostensteigerung (Kalkulation): 2,0 Prozent pro Jahr

Die Betriebskostenquote (Betriebskosten/Stromerlöse) liegt über die Fondslaufzeit gesehen durchschnittlich bei 17 bis 18 Prozent pro Jahr. Die Kosten für die kaufmännische Geschäftsführung sind im Vergleich zu anderen italienischen Solarfonds als marktüblich zu bezeichnen.

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit (geplant): 21 Jahre, erstmalige Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2032
Gesamtausschüttung: 261 Prozent (inkl. 105 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös: 0 Prozent
Renditeprognose vor Steuern pro Jahr (IRR): 8,1 Prozent
Einkaufsfaktor (Gesamtkaufpreis/Stromerlöse erstes Jahr): 8,0
Gesamtinvestition: 3940 Euro/kWp
Einspeisevergütung für Solarstrom (Durchschnitt der Anlagen des Fonds): 0,282 Euro/kWh plus Marktpreis (Prognose) 0,087 Euro/kWh

Laut Prospekt unterliegen die Gewinne aus Stromproduktion gemäß dem deutsch-italienischen Doppelbesteuerungsabkommen beim Anleger nicht mehr gesondert der Einkommenssteuer, sondern stehen nur unter dem Progressionsvorbehalt.
Die Gesamtinvestition pro kWp liegt im derzeit für den italienischen Solarmarkt üblichen Bereich. Kalkulationsgrundlage für die Prognose der Marktpreis-Entwicklung ist eine Studie von EuPD Research aus dem Juni 2011, die auf Grundlage von Vergangenheitswerten eine jährliche nominale Wachstumsrate der Strompreise in Italien von 5,1 Prozent prognostiziert. Für die Prognoserechnung wird abzüglich eines Sicherheitsabschlages eine Marktpreissteigerung von 4,8 Prozent pro Jahr angenommen. Dagegen wird bei den Kostenpositionen des Fonds mit einem jährlichen Preisanstieg von nur 2,0 Prozent kalkuliert. Aus heutiger Sicht ist die Einschätzung der Marktpreisentwicklung realistisch. Es ist aber möglich, dass der Strompreisanstieg in den nächsten zehn Jahre nicht wie angenommen  deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegen wird.

Technik und Erträge

Der Fonds hat sich acht Freiflächen-Solaranlagen vertraglich gesichert, die alle bereits ans Stromnetz angeschlossen sind. Die Nennleistungen der drei Anlagen des Teilportfolios „Luca Menci“ betragen 3,67 MWp, 1,66 MWp und 1,29 MWp. Die drei Anlagen sind jeweils mit Dünnschichtmodulen des Typs FS 277 vom US-amerikanischen Herstellers First Solar bestückt. Die Wechselrichter des Typs Sunny Central 630 CP bzw. 800 CP kommen vom deutschem Weltmarktführer SMA Solar Technology AG aus Niestetal. Der renommierte und erfahrene Generalunternehmer Gehrlicher Solar Italia S.r.l. übernimmt für die Solaranlagen eine zweijährige Gewährleistungsgarantie hinsichtlich einer Performance Ratio-Minderleistung.

Das Teilportfolio „Ancona“ besteht aus fünf Anlagen mit Nennleistungen von 4,33 MWp, 1,97 MWp, 1,19 MWp, 0,97 MWp und 0,75 MWp. Hier wurden polykristalline Module des Typs JKM240P-60 vom chinesischen Hersteller Jinko Solar verbaut. Die Wechselrichter stammen bei drei Anlagen vom deutschen Hersteller Voltwerk Electronics GmbH und bei zwei Anlagen von der M+W Germany GmbH. Als Generalunternehmer fungiert das Unternehmen M+W Italy S.r.l..

Für jede Solaranlage wurde jeweils ein Ertragsgutachten erstellt. Die Fondskalkulation berücksichtigt eine jährliche altersbedingte Abnahme der Modulleistung (Degradation) von 0,4 Prozent bei den Dünnschichtmodulen und 0,3 Prozent bei den kristallinen Modulen, jeweils ab dem zweiten Betriebsjahr.

Ökologische Wirkung

Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung können Solaranlagen in Italien wesentlich mehr Strom erzeugen als in Deutschland. Für die Standorte der Fondsanlagen wird mit einer horizontalen Sonneneinstrahlung von durchschnittlich 1.560 kWh/m² gerechnet. Dagegen ist der vermehrte Verbrauch von ehemaligen Ackerflächen durch Solaranlagen nicht unbedenklich. Allerdings wurden die Stahlgestelle, auf denen die Module montiert sind, in den Boden gerammt, so dass der Boden nicht durch Fundamente versiegelt wird.

Die verwendeten Dünnschichtmodule von First Solar basieren auf der Cadmiumtellurid (CdTe)-Technologie. Die Entsorgung von alten CdTe-Dünnschichtmodulen ist aufgrund der enthaltenen umweltschädlichen Stoffe problematisch. First Solar hat deswegen ein umfassendes Rücknahme- und Recycling-Programm für seine Module entwickelt, das Fachleute als zuverlässig einschätzen.

Mit der Stromproduktion der Solarparks dieses Fonds können voraussichtlich jährlich circa 13.500 Tonnen CO2 eingespart werden. Mit der produzierten Strommenge können bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh rund 5.900 Haushalte jährlich versorgt werden.

Risiko

Der Fonds investiert in acht Solaranlagen, die bereits ans Stromnetz angeschlossen sind. Falls der Fonds – wie geplant – keine weiteren Investitionen tätigt, besteht somit kein Fertigstellungsrisiko. Die acht Anlagen des Fonds sind alle bis Ende August 2011 ans Netz gegangen. Sie fallen daher nicht unter den sogenannten „Deckel“, der für Großanlagen in Italien gilt, die ab September 2011 ans Netz angeschlossen werden.
Die Fremdfinanzierung der Anlagen ist derzeit noch nicht gesichert. Daher ist es grundsätzlich möglich, dass kein Darlehensvertrag abgeschlossen werden kann bzw. die Konditionen der Fremdfinanzierung von der Planung abweichen.Nach Angaben der Anbieterin liegen aber bereits „Term Sheets“ (Darlehensangebote) seitens der Banken vor, die die Annahmen der Fondsprognose bestätigen.

Italien ist von einer hohen Staatsverschuldung und fehlender wirtschaftlicher Dynamik betroffen. Das kann sich auf die Einspeisevergütungen für Solarstrom auswirken. Beispielsweise sind rückwirkende Kürzungen von Einspeisevergütungen zwar rechtlich problematisch, aber was Regierungen in Krisenzeiten berücksichtigen und was nicht, ist wenig kalkulierbar. Die Beispiele Spanien und Tschechien zeigen, dass durchaus rückwirkende Kürzungen der Einspeisevergütungen vorgenommen werden (und teilweise dann wieder zurückgenommen werden). Im Falle einer rückwirkenden Kürzung der Einspeisevergütungen in Italien könnte sich die Wirtschaftlichkeit der Solarprojekte der Fonds verringern.
Das Risiko, dass Italien wegen seiner Staatsverschuldung aus der Eurozone ausscheren könnte, ist wesentlich geringer als etwa bei Griechenland. Insbesondere die hochindustrialisierten Regionen um Turin und Mailand sind auf die Integration in die Währungsunion angewiesen, sie sind auch leistungsstark und müssen den Vergleich mit Deutschland nicht scheuen. Auch norditalienische Regionen wie Südtirol sind sehr stabil.

Fazit:

Finanziell


Der Fonds hat acht Solaranlagen in Italien erworben und ist damit komplett investiert. Alle Anlagen sind bereits am Netz, sie sind nicht von den neuen italienischen Regelungen für Solarstrom betroffen. Die Fondsgeschäftsführung kann das Eigenkapitalvolumen aber erhöhen und somit weitere Anlagen erwerben. Laut Initiator würde es sich bei möglichen zusätzlichen Anlagen wiederum um bereits angeschlossene Anlagen handeln. Die Renditeerwartung ist mit durchschnittlich über 8 Prozent pro Jahr attraktiv. Die Annahmen zu der Strompreisentwicklung in Italien sind leicht optimistisch.

Nachhaltigkeit
Die strahlungsintensive italienische Sonne ist ein Nachhaltigkeits-Pluspunkt. Leichte Abzüge gibt es für den Verbrauch von Ackerflächen.

ECOreporter.de-Empfehlung

Mit der Investition in bestehende Anlagen geht der Fonds zum einen einigen Risiken in Italien aus dem Weg und kann sich zum anderen noch attraktive Vergütungstarife sichern.

Basisdaten

Anbieterin und Prospektverantwortliche: White Owl Capital AG, Berlin
Fondsgesellschaft (Emittentin): WOC Photovoltaik Portfolio 4 GmbH & Co. KG, Berlin
Komplementärin und Geschäftsführerin: WOC Verwaltungs GmbH 04, Berlin
Treuhänderin und Gründungskommanditistin: White Owl Treuhand GmbH, Berlin
Beteiligungsform: Treugeber, Direktkommanditist möglich

Fondswährung: Euro
Gesamtinvestitionsvolumen: 62,2 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 15,8 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro
Agio: 5 Prozent
Laufzeit (geplant): 21 Jahre, erstmalige Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2032

BaFin-Gestattung: Ja
Leistungsbilanz: Ja
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja
Mittelverwendungskontrolle: BHI Treuhand- und Beratungsgesellschaft mbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Kiel
Sensitivitätsanalyse: Ja
Prospekthaftung: 6 Monate
Haftsumme: 1 Prozent der Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent (Innenverhältnis)
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