Aufbau einer Windkraftanlage von Enertrag. / Quelle: Unternehmen

18.06.13 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck , Windenergie-Investments , Genussrechte/Anleihen

ECOanlagecheck: Neue Anleihen: Enertrag Zins 2018/2023

Die Enertrag AG aus Dauerthal bietet neue Anleihen in zwei Varianten an. Das Kapital soll vorrangig in die Entwicklung  von Windenergieprojekten in Deutschland investiert werden. Anleger können ab 2.500 Euro investieren. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Enertrag hat zwei Anleihe-Varianten: Eine mit 6,5 Prozent Zinsen jährlich, die bis Ende 2018 läuft, die andere mit 8,0 Prozent und einer Laufzeit bis Ende 2023. Das Emissionsvolumen beträgt pro Variante sechs Millionen Euro.
Die fixen Nebenkosten (Prospekterstellung, Rechts- und Steuerberatung, Marketing) für die Ausgabe der Anleihe belaufen sich laut Prospekt auf 245.000 Euro (2,0 Prozent des geplanten Anleihekapitals). Die platzierungsabhängigen Vermittlungsprovisionen sind im Prospekt mit 7,1 Prozent des Anleihekapitals beziffert. Der Nettoemissionserlös aus der Anleiheemission beträgt somit laut Prospekt voraussichtlich 10,9 Millionen Euro.

Die Anleihen finanzieren das Unternehmen Enertrag AG als solches. Sie finanzieren also nicht zum Zeitpunkt der Prospekterstellung bereits fixierte, am Netz befindliche Windparkprojekte. Laut Prospekt haben die Verwaltungsorgane der Emittentin beschlossen, den Nettoemissionserlös „vorrangig in konkrete Windenergieprojekte in Deutschland zu investieren, die sich derzeit in einem fortgeschrittenem Entwicklungsstadium befinden“. Grundsätzlich steht das Anleihekapital der Enertrag aber zur freien Verfügung. So kann sie das Kapital beispielsweise auch in ausländische Windenergieprojekte investieren oder als Bestandteil der Gesamtfinanzierung des Unternehmens einsetzen.
Unternehmensprofil Enertrag

Emittentin und Anbieterin der Anleihe ist die Enertrag AG aus Dauerthal in Brandenburg. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und hat rund 180 Mitarbeiter. Alleinaktionärin der Enertrag AG ist die Uckerwerk Energietechnik GmbH aus Dauerthal. Mehrheitsgesellschafter der Uckerwerk Energietechnik GmbH ist Jörg Müller, Vorstandsvorsitzender der Enertrag AG.

Das Aktienstammkapital der Enertrag AG beträgt rund 5,8 Millionen Euro. Das aus vorherigen Emissionen eingeworbene Anleihenkapital liegt bei 24 Millionen Euro. Bei Verbindlichkeiten von insgesamt 69,6 Millionen Euro und einem Gewinnvortrag/Bilanzgewinn von 36,1 Millionen Euro (jeweils Zwischenabschluss 2012) lag die Eigenkapitalquote der Enertrag AG Ende September 2012 bei 32,6 Prozent.

Die Enertrag AG hat laut Prospekt bislang ca. 520 Windenergieanlagen mit einer Gesamtnennleistung von rund 900 MW selbst oder durch ihre Beteiligungsgesellschaften projektiert und errichtet. Von den rund 520 Anlagen befinden sich rund 420 in Deutschland, rund 90 in Frankreich und 8 in Großbritannien. Die Enertrag AG behält viele von ihr errichtete Windenergieanlagen im Eigenbestand. Zum Zeitpunkt der Prospekterstellung waren nach Angaben der Emittentin 198 Windenergieanlagen mit rund 355 MW Nennleistung mittelbar oder unmittelbar im Bestand der Enertrag AG. Bei der Vermarktung von Windenergieanlagen im Rahmen von geschlossenen Fonds besteht – aufgrund entsprechender Regelungen in den Fondsprospekten – zudem für Enertrag häufig die Möglichkeit und/oder die Pflicht, die Anlagen nach einer gewissen Zeit (ca. 16 Jahre) zurück zu erwerben. Nach eigenen Angaben verkauft Enertrag in der Regel nur die im Ausland errichteten Windenergieanlagen dauerhaft.

Im Geschäftsjahr 2011/2012 (1.4.-31.3.) hat das Unternehmen 40 Windenergieanlagen mit einer Gesamtnennleistung von 97,4 MW in Betrieb genommen. Die Umsatzerlöse beliefen sich auf rund 166 Millionen Euro (Vorjahr: 102 Millionen Euro). Laut Jahresabschluss sind von den rund 166 Millionen Euro Umsatzerlösen rund 140 Millionen Euro mit Windparkprojekten in Deutschland und rund 26 Millionen Euro mit Windparkprojekten in Frankreich erwirtschaftet worden. Der Jahresüberschuss 2011/2012 lag bei rund 13,8 Millionen Euro (Vorjahr: 2,6 Millionen Euro). Inklusive des Gewinnvortrags von rund 22,1 Millionen Euro betrug der Bilanzgewinn somit rund 35,9 Millionen Euro.

Im Geschäftsjahr 2012/2013 hat Enertrag 20 Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von zusammen 39,4 MW errichtet. Laut Angaben im Jahresabschluss des Vorjahres erwartete Enertrag für das Geschäftsjahr 2012/2013 Umsatzerlöse von 80 bis 85 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 1 bis 1,5 Millionen Euro. Die geprüften Zahlen für das Ende März beendete Geschäftsjahr 2012/2013 liegen derzeit noch nicht vor. Vorläufige Zahlen zum Geschäftsjahr liegen ECOreporter.de ebenfalls nicht vor. Der Prospekt führt als Grund für den voraussichtlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang Verzögerungen bei der Neuauslegung des Regionalplans der Region Uckermark/Barnim auf. Dadurch komme es zu Verschiebungen bei der Projektrealisierung. Die Region Uckermark/Barnim in Brandenburg ist ein wichtiger Teilmarkt der Emittentin.
Unternehmensausblick

Die Schwerpunkte der Unternehmenstätigkeit von Enertrag werden in den nächsten vier Jahren laut Unternehmensplanung die Entwicklung, Realisierung und Vermarktung sowie der Betrieb von Windparkprojekten in Deutschland und Frankreich bilden.
Sechs Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von 12,3 MW befanden sich in den beiden Ländern Anfang April 2013 in der Bauphase. Zum Zeitpunkt der Prospekterstellung (April 2013) lagen laut Prospekt Baugenehmigungen für Projekte mit einer Nennleistung von insgesamt rund 319 MW vor. Davon entfallen rund 317 MW auf Projekte in Frankreich und rund 2 MW auf Projekte in Deutschland. Ende Juni 2012 lagen nach Angaben der Emittentin Baugenehmigungen für rund 198 MW vor, von denen 188 MW auf Windkraftprojekte in Frankreich und 10 MW auf Projekte in Deutschland entfielen. Für die nächsten vier Jahre plant Enertrag im Rahmen der Projektentwicklung von Windkraftprojekten rund 44,4 Millionen Euro in Deutschland und rund 28,3 Millionen Euro in Frankreich zu investieren. In den genannten Beträgen sind laut Prospekt nur die Kosten für notwendige Gutachten, Baugenehmigungen, Standortsicherungen sowie Sicherung der Netzanschlusskapazitäten enthalten.

Derzeit wird die Geschäftsentwicklung von Enertrag in Deutschland aufgrund von Verzögerungen bei der Neuauslegung des Regionalplans der Region Uckermark/Barnim belastet. Laut Prospekt können in diesem für Enertrag wichtigen Heimat- und Teilmarkt erst nach der Ausweisung neuer Windeignungsgebiete „einige“ Projekte umgesetzt werden. Laut eines Artikels der Märkischen Oderzeitung, der Aussagen von Enertrag zitiert, gehe es um 70 bis 100 Standorte, die für Windenergieprojekte geeignet seien.

Neben Deutschland und Frankreich ist Enertrag  in Großbritannien, Polen und Bulgarien vertreten. Bislang hat Enertrag in diesen Ländern einen Windpark (in Großbritannien) errichtet. In den nächsten vier Jahren sind laut Prospekt Projektentwicklungs-Investitionen von rund 2,1 Millionen Euro in Großbritannien, rund 11,1 Millionen Euro in Polen und rund 3,3 Millionen Euro in Bulgarien geplant. Insbesondere Projekte in Osteuropa sollen laut Prospekt zukünftig einen wesentlichen Teil zu den Umsätzen von Enertrag beisteuern.
Eine Prognoserechnung ist im Prospekt nicht enthalten.
Ökologische Wirkung

Enertrag hat bislang 520 Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von 900 Megawatt in Betrieb genommen. Die Anlagen produzieren zusammen jährlich ca. 2 Millionen MWh Strom, mit denen rechnerisch rund 600.000  Haushalte, somit ungefähr eine Stadt wie Hamburg, versorgt werden können. Die jährliche CO2-Ersparnis im Vergleich zum konventionellen Strommix liegt bei ungefähr 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Mit dem Kapital aus den Anleihen werden voraussichtlich weitere Windenergieanlagen hergestellt, die diese positive Umweltbilanz weiter verbessern werden.

Enertrag projektiert und errichtet nicht nur Windprojekte, sondern erforscht und entwickelt zusammen mit industriellen Partnern Speichertechnologien für Windstrom. Im Oktober 2011 hat das Unternehmen das nach eigenen Angaben weltweit erste industrielle Wasserstoff-Wind-Biogas-Hybridkraftwerk in Betrieb genommen. Für das Hybridkraftwerk hat Enertrag zwei Umweltpreise erhalten.
Risiko

Die Anleihen gewähren dem Anleger keine Gesellschafterrechte, so dass er die Unternehmensentwicklung nicht beeinflussen kann. Dementsprechend ist er davon abhängig, dass die Geschäftsführung Entscheidungen trifft, die die Verzinsung und Rückzahlung des Anleihenkapitals ermöglichen. Der Anleger trägt somit die operativen Risiken des Unternehmens mit. Die Anleihe ist nicht dinglich besichert.

Enertrag verfügt über einen hohen Gewinnvortrag von 35,9 Millionen Euro, der eine Sicherheit für Anleger darstellen kann. Zudem hält die Enertrag AG viele der errichteten Energieanlagen mittelbar im Eigenbestand, so dass die Option besteht, einen Teil der Bestandsanlagen zu verkaufen, falls die Liquidität für die Bedienung der Anleiheinhaber nicht ausreichen sollte. Es kann aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, dass die Hauptversammlung (kurzfristig) entscheidet, den Gewinnvortrag an die Aktionärin auszuschütten oder die Bestandsanlagen zu verkaufen, so dass diese mittelbaren Sicherheiten für die Anleger verloren gehen könnten.

Die bisherigen Enertrag-Anleiheemissionen in Höhe von 24 Millionen Euro sind zur Rückzahlung fällig, bevor die hier vorliegende Anleihe Enertrag Zins 2023 zurückgezahlt werden soll. Insofern kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch Rückzahlung der früheren Anleihen die Zinszahlungen und die Rückzahlung der neuen Anleihe erschwert werden.

Hauptsächlich sind die Zins- und Rückzahlungen an die Anleiheinhaber davon abhängig, ob Enertrag in den nächsten rund sechs Jahren (Enertrag Zins 2018) bzw. rund elf Jahren (Enertrag Zins 2023) wirtschaftlich erfolgreich sein wird. In den beiden wichtigsten Investitionsstandorten von Enertrag, Deutschland und Frankreich, gibt es derzeit – politisch bzw. gesetzgeberisch bedingte – Unsicherheiten, die die Realisierung von Projekten zumindest verzögern könnten. Gegen die französische Einspeisevergütung für Windstrom läuft eine Klage auf EU-Ebene. Es kann nicht vollkommen ausgeschlossen werden, dass bei einem Erfolg der Klage Windparks keine (auskömmliche) gesetzliche Einspeisevergütung für den erzeugten Strom erhalten. Verzögerungen gibt es auch in Polen, da das als Regierungsentwurf vorliegende polnische Erneuerbare-Energien-Gesetz (noch) nicht in Kraft getreten ist.
Zudem verzögern sich laut Prospekt Windenergieprojekte auch auf dem für Enertrag wichtigen Teilmarkt Uckermark/Barnim. Die Auswirkungen der Verzögerungen bei der Neuauslegung des Regionalplans der Region Uckermark/Barnim können nicht konkret eingeschätzt werden, da die Anzahl und die Größenordnung der in der Region geplanten Projekte im Prospekt nicht angegeben wird.
Fazit:

Finanziell

Auf den französischen und deutschen Windmärkten ist Enertrag erfahren, gut positioniert und verfügt über eine umfangreiche Pipeline von Projekten. Mit einer Gewinnrücklage von rund 36 Millionen Euro und vielen (mittelbar) im Eigenbestand gehaltenen Windkraftanlagen ist Enertrag grundsätzlich gut gerüstet, um auch schwierige Marktphasen meistern zu können. Aktuell bestehen Unsicherheiten insofern, da (noch) keine geprüften Zahlen des Ende März 2013 abgelaufenen Geschäftsjahres vorliegen und sich die Umsetzung mehrerer Projekte verzögert.

Nachhaltigkeit

Das hauptsächliche Geschäftsfeld von Enertrag – die Windenergie an Land – ist ökologisch und volkswirtschaftlich sehr nachhaltig. Zudem kann das Unternehmen im Bereich Speichertechnologien für Windstrom als nachhaltiger Innovationsführer gelten.
ECOreporter.de-Empfehlung

Beide Anleihevarianten eignen sich als Beimischung für erfahrene Anleger, die Wert auf hohe Nachhaltigkeit legen. Enertrag bringt die Voraussetzungen mit, um sich in einem ändernden Marktumfeld erfolgreich zu behaupten und eine Phase von Projektverzögerungen zu überstehen.
Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: Enertrag AG, Dauerthal
Anlageform: Inhaber-Teilschuldverschreibung (Anleihe)
Mindestzeichnungssumme: 2.500 Euro
Agio: 0 Prozent
Emissionsvolumen: 6 Millionen Euro (Typ A), 6 Millionen Euro (Typ B)
Laufzeit: bis zum 31.12.2018 (Typ A), bis zum 31.12.2023 (Typ B)
Verzinsung: 6,5 Prozent pro Jahr (Typ A), 8,0 Prozent pro Jahr (Typ B)
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
BaFin-Billigung: Ja
Handelbarkeit: Keine Notierung an einer Börse vorgesehen
ISIN (Typ A): DE000A1TM2K2
ISIN (Typ B): DE000A1TM2L0
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