08.10.09 ECOanlagecheck

ECOanlagecheck Öko-Energie Umweltfonds: Heizöl aus Kunststoffabfällen herstellen – eine gute Geldanlage?


Der Fonds Öko-Energie Umweltfonds GmbH & Co. KG soll in eine Betreibergesellschaft investieren. Diese wiederum soll in Mannheim vier gleiche Anlagen errichten. Sie sollen aus Kunststoff Heizöl herstellen. Hersteller der Anlagen ist die Nill Tech GmbH aus Holzgerlingen in Baden-Württemberg. Die Anlagen sollen 2010 und 2011 in Betrieb gehen.
Der Öko-Energie Umwelt ist der dritte Fonds der 2005 gegründeten Ventafonds aus Bremen.  Fondsgeschäftsführer Oscar Edler von Schickh, ein Kaufmann, beschäftigt sich nach eigener Aussage erst seit 2005 mit der Möglichkeit, aus Kunststoffabfällen Öl zu produzieren. Wie von Schickh im Gespräch mit ECOreporter.de darlegte, hätten sich alle bisher analysierten Anlagen als nicht technologisch ausgereift erwiesen.


Technik

Die Technik für die Gewinnung von Heizöl aus Kunststoff wurde von der NILL AG in Mannheim entwickelt. Ihr Kerngeschäft ist der Bau von Anlagen zur Behandlung von Abwasser.

Seit 2005 gibt es in der Schweiz eine Pilotanlage. Dieser Vorläufer der vier zu bauenden Anlagen soll laut von Schickh durch laufende Verfahrens- und Inputoptimierungen wirtschaftlich arbeiten. Von der Größe her entspricht die Anlage in der Schweiz in etwa einer der vier in Mannheim geplanten Anlagen.


Ökologische Wirkung

Die Deponierung von unbehandeltem Müll ist in Deutschland seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt. Stattdessen soll der Müll verwertet werden. Dies kann durch die Verbrennung (das heißt dann „energetische Verwertung“) in Müllverbrennungsanlagen (MVA) geschehen oder auch durch Recycling. Bei der Verbrennung wird natürlich nur die Energie zurückgewonnen, die im Rohstoff steckt, nicht die Energie, die in die Herstellung des Produktes eingeflossen ist. Bei der thermischen Verwertung sind rund 30 Prozent der Energie, die im Rohstoff steckt, wieder herauszuholen. Mit Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen noch mehr. Die Anlagen von Nill sollen laut von Schickh, zirka 80 Prozent der im Müll gespeicherten Energie wieder als Heizöl nutzbar machen. Dieses aus Kunststoff gewonnene Öl enthält laut ECOreporter.de vorliegender schriftlicher Bestätigung der NILL Tech GmbH weniger Schadstoffe (z.B. Schwefel) als herkömmliches Heizöl.
Die Abfälle für die Anlagen sollen in einem Umkreis von 50 Kilometern eingesammelt werden.  

Die „energetische Verwertung“ von Müll ist sicherlich ökologischer als die Deponierung oder schlichte Verbrennung. Die Zukunft jedoch wird Stofftrennungsanlagen gehören, die den Kunststoff nicht in Öl verwandeln, sondern wieder zu formbarem Kunststoff aufbereiten.


Risiko

Der Fonds birgt eine Reihe von Risiken. So handelt es sich um eine Technologie, die noch nicht in Serie gefertigt wird. Eine Pilotanlage reicht noch nicht aus, um die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems über eine Fondslaufzeit von vielen Jahren sicher beurteilen zu können.
Zudem sind noch keine  Baugenehmigungen für die Anlagen erteilt. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist die „Rohstoffversorgung“, hier also die Versorgung mit Kunststoffabfällen. Es ist nicht sicher, dass diese zu einem geringen Preis über Jahre verfügbar sein werden. Erinnert sei an die Berechnungsfehler für Altholzverwertungsanlagen, die vor 20 Jahren geplant wurden: Auch da wurde davon ausgegangen, Altholz sei kostenlos oder zu geringen Preisen zu erhalten. Nach wenigen Jahren war das nicht mehr der Fall, die Anlagen erwiesen sich als unrentabel.

Ein weiteres Risiko ist gegeben, weil die Rückabwicklung des Fonds bei ungenügendem Anlegerinteresse dazu führen kann, dass diejenigen Anleger, die investiert haben, einen Teil ihres Geldes verlieren. Nicht belegt ist zudem, wie sich die Nachfrage nach Heizöl aus Kunststoffabfällen entwickeln wird. Ein hoher Bedarf an Heizöl aus Erdöl bedeutet keinesfalls, dass sich auch Käufer für Heizöl finden, das aus Kunststoff hergestellt wurde.  


Fazit
Finanziell:

Der Fonds richtet sich an private Anleger. Hier stehen allerdings Risiken und Chancen in keinem angemessenen Verhältnis. Absatzchancen des Endproduktes, Anlagenzuverlässigkeit und vieles andere mögen gegeben sein – oder auch nicht. Ein solches Technologie-Vorhaben ist klassischerweise ein Projekt für Risikokapital-Finanzierer mit breitem Polster.

Nachhaltigkeit:
Auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten vermag das Projekt nicht zu überzeugen.


ECOreporter.de-Empfehlung:
Anleger sollten den Fonds nicht zeichnen.



Basisdaten
Name des Fonds: Öko-Energie Umweltfonds GmbH & Co. KG
Vertrieb: VentaCom GmbH, Bremen
Prospektdatum: 24.8.2009
Einkunftsart: Es handelt sich um Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die auf Seiten des Anlegers mit seinem persönlichen Steuersatz zu versteuern sind.
Rechtsform: KG
Geschäftsführung: Ventafonds Öko-Umweltfonds I. Beteiligungs GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Oscar Edler von Schickh sowie Norbert Dinter
Treuhänder und Mittelverwendungskontrolleur: Zahlmann & Partner Treuhand GmbH, Löhne
Gesamtinvestitionsvolumen (exkl. Agio) : 26,8 Millionen Euro
Weichkosten:  6,0 Millionen Euro inklusive Agio
angestrebtes Eigenkapital (exkl. Agio):  26,8 Millionen Euro (kein Fremdkapital)
Laufzeitende der Prognoserechnung: 31.12.2020
Prognostizierte Rückflüsse: 193 Prozent bezogen auf die Anfangsinvestition einschließlich Agio         Frühbucherbonus)
Prognostizierter IRR: 9,25 Prozent vor Steuern (laut Fondsmanagement)
Mindestzeichnungssumme: 10.000 Euro + 5 Prozent Agio
Platzierungsende: 31.12.2010, kann bis zum 30.06.20011 verlängert werden
Anlagenbauer und technische Wartung: Nill Tech GmbH, Holzgerlingen
Prüfung des Prospekts durch Wirtschaftsprüfer nach IDW S4: in Arbeit (soll im Oktober vorliegen)
Prüfung der künftigen Jahresabschlüsse durch Wirtschaftsprüfer: nicht vorgesehen


Bitte sorgfältig beachten:
Geldanlagen sind mit Risiken verbunden, die sich im Extremfall in einem Totalverlust der eingesetzten Mittel niederschlagen können. Die von uns bereit gestellten Informationen sind keine Kaufaufforderungen oder Anlageempfehlungen - denn wir kennen z.B. Ihre persönlichen Vermögensverhältnisse und Ihr Anlegerprofil nicht. Zwischen Lesern und dem Verlag entsteht kein Beratungsvertrag, auch nicht stillschweigend. Die Redaktion recherchiert sorgfältig. Eine Garantie für die Richtigkeit und für richtige Schlussfolgerungen wird dennoch ausgeschlossen - auch uns kann einmal ein Fehler unterlaufen. Finanzdienstleister können sich also nicht allein auf unsere Informationen stützen. Jegliche Haftung wird ausgeschlossen, auch für Folgeschäden, etwa Vermögensschäden. Unsere Texte machen in keinem Falle eine individuelle Beratung und Beschäftigung mit den Angeboten entbehrlich. Bitte beachten Sie, dass sich zwischen unserer Recherche und Ihrer Lektüre Änderungen ergeben können. Weder die Veröffentlichung noch ihr Inhalt, Auszüge des Inhalts noch eine Kopie darf ohne unsere vorherige Erlaubnis auf irgendeine Art verändert oder an Dritte verteilt oder übermittelt werden - andernfalls liegt ein strafrechtlich bewehrter Urheberrechtsverstoß vor.

Ihre ECOreporter: für Sie da unter Opens window for sending emailredaktion@ecoreporter.de (Link entfernt)
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x