21.03.13 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck , Solarenergie-Investments

ECOanlagecheck: Solarpark Zorbau der regioX GmbH


Verkäuferin des Solarparks ist die Solarpark Zorbau GmbH & Co. KG aus Hürth, vertreten durch ihre Komplementärin regioX GmbH aus München. Vermittelt wird das Kaufangebot von der BadenInvest Consulting GmbH aus Karlsruhe. Der Solarpark Zorbau ist in 135 rechtlich eigenständige Anlagen unterschiedlicher Größe aufgeteilt, die einzeln verkauft werden. Die einzelnen Anlagen haben mehrheitlich eine Nennleistung von durchschnittlich ca. 31,5 Kilowattpeak (kWp) bei einem sich dann ergebenden Kaufpreis von jeweils rund 100.000 Euro inkl. Umsatzsteuer.

Der Solarpark

Der Solarpark Zorbau liegt in Sachsen-Anhalt und hat eine Nennleistung von 3,9 Megwattpeak. Er wurde nach Angabe der Verkäuferin Ende 2011 EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) konform fertiggestellt und erhält den Angaben nach  die zum damaligen Zeitpunkt für Konversionsflächen geltende EEG-Einspeisevergütung von 22,07 Eurocent je Kilowattstunde (kWh).
Die wirtschaftliche Inbetriebnahme des Solarparks konnte erst Ende 2012 erfolgen, da laut Aussage der Verkäuferin „die Herausforderungen bei der Verlegung der Kabeltrasse gelöst werden mussten“. Der Solarpark ist mit polykristallinen Solarmodulen des chinesischen Herstellers Shanghai Solar bestückt. Die Wechselrichter kommen vom US-amerikanischen Hersteller Power-One Inc.

Es wurde nach Angaben der Verkäuferin ein unabhängiges Ertragsgutachten von der meteocontrol GmbH aus Augsburg erstellt, welches 999 kWh je Kilowattpeak (kWp, Übersetzung: Spitzenleistung) prognostiziert. Ein weiteres zweites Gutachten sei in Bearbeitung. In der Kalkulation, die zur Präsentation gehört, wird  ein jährlicher Ertrag von 960 kWh/kWp angenommen.
Das Gelände ist für 20 Jahre plus einer Verlängerungsoption von zweimal fünf Jahren gepachtet. Da der Solarpark das erste Jahr 2012 keinen Strom erzeugte, betragen sowohl der EEG-Vergütungszeitraum als auch der Pachtzeitraum nunmehr nur noch 19 Jahre. Der Käufer einer der 135 Anlagen schließt einen Unterpachtvertrag ab mit der Verkäuferin der Solaranlage, die ihrerseits die Fläche gepachtet hat. Der Käufer einer Solaranlage ist somit davon abhängig, dass der Pachtvertrag für den Solarpark von der Verkäuferin verlängert wird, falls er (der Käufer) seine Solaranlage nach Ablauf der 19 Jahren weiterbetreiben möchte. Für den Fall, dass ein Käufer seinen Unterpachtvertrag nicht verlängert, wird nach Angaben der Verkäuferin sie selbst die Anlage ohne Kosten für den Käufer übernehmen.

Die Investitionskosten

Da der Einkaufsfaktor (Kaufpreis des Solarparks/prognostizierte Stromerlös erstes Jahr) für den Solarpark aus Sicht des privaten Käufers mit 12,5 hoch ist, ist es möglich, dass nicht ausgewiesene Provisionen und/oder Vergütungen im Kaufpreis enthalten sind.

Die technische und kaufmännische Betriebsführung des Solarparks übernimmt laut Kaufvertrag die regioX GmbH, die Verkäuferin des Solarparks. Die vereinbarten laufenden Vergütungen für die Betriebsführung liegen im marktüblichen Bereich. Allerdings ist der Leistungsumfang vergleichsweise gering, so dass zusätzliche, nicht einkalkulierte Kosten für den Käufer der Anlage entstehen können. Nicht abgedeckt sind durch die Verträge beispielsweise das Befreien der Module von Staub/Schnee außerhalb des halbjährigen Wartungsmodus, Ersatz-, Verbrauchs- und/oder Verschleißteile und die Objektbewachung. Grundsätzlich trägt der Käufer einer Anlage unmittelbar die unternehmerischen Risiken und Kosten, z B. im Falle einer eventuellen gerichtlichen Geltendmachung von Gewährleistungs- und Garantieansprüchen gegenüber dem chinesischen Modulhersteller.

Laut Pressemitteilung der Vermittlerin kann der Erwerb einer der 135 Anlagen des Solarparks Zorbau  mit der Aufteilung eines Mehrfamilienhauses in Eigentumswohnungen verglichen werden. Allerdings ist der unternehmerische Charakter bei einem Solarinvestment stärker ausgeprägt. Beispielsweise hat eine Immobilie bei regelmäßiger Instandhaltung nach 20 Jahren in der Regel nicht oder kaum an Wert verloren, wogegen eine Solaranlage nach 20 oder 25 Jahren voraussichtlich nur noch einen sehr geringen Restwert hat.

In der Präsentations-Kalkulation wird davon ausgegangen, dass der Käufer den Erwerb seiner Anlage zu 80 Prozent fremdfinanziert. In diesem Fall (31,05 kWp-Anlage) wird für die ersten 15 Jahre ein monatlicher Einnahmenüberschuss von lediglich sieben Euro prognostiziert, was knapp kalkuliert ist und die Bildung einer angemessenen Liquiditätsreserve kaum zulässt. Bei einer Fremdfinanzierung des Kaufes ist das mögliche maximale Risiko einer Privatinsolvenz zu berücksichtigen.

Fazit

Ein Direktkauf einer Solaranlage erfordert  – auch während der Betriebsjahre – eine hohe unternehmerische Kompetenz beim Käufer. Im Vergleich zu einem geschlossenen Solarfonds hat der Direktkäufer mehr Betreuungs-Aufwand und muss eventuell Eigeninitiative auf einem Gebiet entwickeln, für das er kein Experte ist. Einem Kaufinteressenten ist zudem zu empfehlen, Rücksprache mit seinem Steuerberater zu halten, da es teilweise auch von der individuellen Steuersituation des Käufers abhängen kann, ob das Direktkaufangebot zu empfehlen ist.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x