26.03.13 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck , Genussrechte/Anleihen

ECOanlagecheck: „Wertzins 2013“ von Grüne Werte Energie

Ab 5.000 Euro können Anleger in die Nachrangdarlehen der Grüne Werte Energie GmbH aus Grünwald bei München investieren. Das Unternehmen möchte in Erneuerbare-Energien-Anlagen im Bereich Biomasse, Solar und Wind investieren. Anleger geben der Darlehensnehmerin Grüne Werte Energie GmbH ein Nachrangdarlehen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Das Angebot

Die Laufzeit der Nachrangdarlehen ist bis Ende 2021 befristet. Eine Kündigung ist – mit einer Frist von zwölf Monaten – zum Ende eines Jahres möglich, erstmals bereits zum 31. Dezember 2014. Die Verzinsung für 2013 beträgt 5,5 Prozent. Sie erhöht sich um 0,5 Prozentpunkte je Kalenderjahr, so dass sie 2021 bei zehn Prozent liegt. Insgesamt soll per „Wertzins 2013“ ein Darlehensvolumen von bis zu fünf Millionen Euro zusammenkommen.

Grundsätzlich sind Zinszahlungen von der Bonität der Darlehensnehmerin abhängig. Ein Nachrangdarlehen ist ein Darlehen, das (z. B. bei einer Insolvenz) erst nach den nicht nachrangigen Darlehen bedient wird. Dieses Nachrangdarlehen ist nachrangig zu allen Forderungen gegenwärtiger und zukünftiger Gläubiger, und es ist nicht besichert. Ein Anspruch der Anleger auf Verzinsung und Rückzahlung der Nachrangdarlehen ist solange und soweit ausgeschlossen, wie die Verzinsung/Rückzahlung die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bei der Darlehensnehmerin herbeiführen würde. Dieser sogenannte „qualifizierte Rangrücktritt“ ist notwendig, da die Anbieterin ansonsten eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) benötigen würde, um ein Einlagengeschäft im Sinne des Kreditwesengesetzes betreiben zu dürfen.

Nachrangdarlehen sind gesetzlich nicht näher geregelt, und sie unterliegen nicht der Prospektpflicht und Prüfung durch die BaFin. Die Darlehensnehmerin stellt Interessenten ein 74-seitiges Beteiligungsexposé inkl. Risikohinweisen zur Verfügung. Während der Darlehenslaufzeit haben die Darlehensgeber (Anleger) keine Gesellschafterrechte (Mitwirkungs- und Informationsrechte) bei der Darlehensnehmerin.

Das Unternehmen

Die Grüne Werte Energie GmbH wurde erst im Oktober 2012 gegründet. Ihr Stammkapital  ist laut Exposé-Ergänzung per Gesellschafterbeschluss vom 5. März 2013 von 50.000 Euro auf 250.000 Euro erhöht worden. Geschäftsführender Gesellschafter ist Philipp Freisem, der seit 1992 in der Finanz- und Vermögensberatung tätig ist. Zudem nimmt er laut Beteiligungsexposé aktuell 25 Beirats- und Verwaltungsratsmandate bei Schiffsbeteiligungen und Immobilienfonds wahr. Kompetenzen im Bereich der Erneuerbaren Energien werden nicht genannt.

Die Grüne Werte Energie GmbH beabsichtigt insbesondere, mittelbar oder unmittelbar Erneuerbare-Energien-Anlagen aus dem Bereich Biomasse, Solar und Wind zu erwerben und gegebenenfalls zu betreiben. Dabei werden laut Exposé neben Standorten in Deutschland auch Standorte in Europa geprüft.
Einen Finanzplan enthält das Beteiligungsexposé nicht. Es fehlen Angaben zu den Kosten (z.B. Erstellung Exposé, Kapitaleinwerbung, Provisionen, Vergütung des Geschäftsführers). Aufgrund des fehlenden Finanzplanes kann nur eingeschränkt fundiert beurteilt werden, ob die angegebene Verzinsung des Nachrangdarlehens realistisch zu erreichen sein wird.

Die Investitionen

Die Geschäftsführung der Grüne Werte Energie GmbH kann das Kapital aus den Nachrangdarlehen nach eigener Entscheidung verwenden; die Darlehensgeber haben keine Mitspracherechte, es gibt keine Investitionskriterien und keine Mittelverwendungskontrolle. Laut Exposé hat das Unternehmen einen ersten Investitionsvertrag geschlossen. Demnach gewährt es der BE-SA Energie GmbH aus Ismaning bei München ein Nachrangdarlehen über bis zu einer Million Euro (Zeitpunkt der Gewährung und Volumen abhängig vom Platzierungsfortschritt) das mit acht Prozent pro Jahr verzinst wird und Ende 2014 zurückgezahlt werden soll. Nähere Informationen zum Investitionsvertrag gibt es im Exposé nicht.

Die BE-SA Energie ist ein Projektentwickler im Bereich Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke und betreibt laut Exposé seit 2012 die erste eigene Anlage zur umweltfreundlichen Erzeugung von Strom und Wärme. Geschäftsführender Gesellschafter der BE-SA Energie GmbH ist Ulrich Zemke, der mehrjährige Erfahrungen in den Bereichen Kraft-Wärme-Kopplung und Biogas aufweist. Ulrich Zemke wird auf der Internetseite der Grüne Werte Energie GmbH als Ansprechpartner genannt. Nach Angabe der Emittentin sollen weitere Projekte vorwiegend gemeinsam mit der BE-SA Energie GmbH als technischem Projektpartner realisiert werden.

Im Exposénachtrag werden fünf weitere Investitionen vorgestellt, über die die Geschäftsführung der Grüne Werte Energie GmbH derzeit verhandele. Es gehe hierbei um drei Standorte in Deutschland und zwei in Italien. Geplant seien Investitionen in Biogasanlagen, Kraft-Wärme-Nutzungskonzepte und gegebenenfalls eine bestehende Dachflächensolaranlage in Italien.

Fazit

Das Beteiligungsexposé ist teilweise bei wichtigen Punkten wenig aussagekräftig. Das Unternehmen Grüne Werte Energie GmbH gibt es erst seit rund einem halben Jahr, so dass Anleger der Emittentin einen hohen Vertrauensvorschuss gewähren müssen. Bei diesem Angebot eines Nachrangdarlehens überwiegen die Risiken.
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