Windkraftanlagen der dänischen Vestas Wind Systems: Der Windfonds Direkt Invest Polen 8 von elbfonds Capital soll dort in einen Windpark mit Anlagen von Vestas investieren. / Quelle: Unternehmen

29.01.14 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck , Windenergie-Investments , Geschlossene Fonds

ECOanlagecheck: Windfonds Direkt Invest Polen 8 von elbfonds Capital

Neustart: Zwar hatte die elbfonds Capital GmbH aus Hamburg den  „Direkt Invest Polen 8 Windenergie Portfolio Fonds“ bereits ab September 2012 verkauft. Seit Juli 2013 gilt aber das neue Kapitalanlagegesetzbuch. Die Anbieterin hat daraufhin die Investitionsstrategie des Fonds geändert und den Vertrieb des Fonds im Dezember 2013 von neuem begonnen. Anleger können sich ab 10.000 Euro plus drei Prozent Agio an dem Fonds beteiligen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Die Fondsgesellschaft Direkt Invest Polen 8 Windenergie Portfolio Fonds GmbH & Co. KG trägt zwar immer noch die Bezeichnung Portfoliofonds im Namen. Gemäß Prospektnachtrag Nr. 2 (im Folgenden: Nachtrag) vom Dezember 2013 handelt es sich aber nicht mehr um einen Portfoliofonds. Ursprünglich sollte der Fonds in Windenergieanlagen an mehreren Standorten in Polen investieren. Laut Nachtrag wird der Fonds nur an einem Standort investieren. Der Fonds hat einen Kaufvertrag über den Erwerb der Geschäftsanteile an einer polnischen Projektgesellschaft abgeschlossen, die über die Projektrechte für das Windparkprojekt Rawicz verfügt. Der Windpark Rawicz soll aus drei Windenergieanlagen bestehen.

Laut Nachtrag hat die Fondsgeschäftsführung den Kaufvertrag für das Windparkprojekt am 19. Juli 2013 abgeschlossen. Das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) gilt seit dem 22. Juli 2013, so dass für den Fonds nach Angaben der Anbieterin ein Bestandschutz für Altfonds gilt, die nach dem 22. Juli 2013 keine weiteren Investitionen tätigen. Im Nachtrag wird nicht erwähnt, ob die Anbieterin ihre Einschätzung bezüglich ihres Fonds von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat überprüfen lassen. Laut Nachtrag ist es nicht ausgeschlossen, dass der Fonds nach Auffassung der BaFin doch in den Anwendungsbereich des KAGB fällt.

Das Angebot

Im Hauptprospekt war mit einem Kommanditkapital von 15 Millionen Euro geplant worden und zudem eine Erhöhungsoption auf bis zu 30 Millionen Euro vorgesehen. Die Platzierung blieb aber hinter der Prognose zurück. Laut Nachtrag (Stand: 4. Dezember 2013) beträgt der Platzierungsstand 716.000 Euro. Für die vollständige Realisierung des Projektes Rawicz werden laut Nachtrag weitere 2,784 Millionen Euro benötigt, so dass sich ein geplantes Kommanditkapital von insgesamt 3,5 Millionen Euro ergibt. Zudem kann das Kommanditkapital laut Nachtrag „insbesondere bei Kostenverschiebung auf Seiten des Anlagenherstellers“ um insgesamt weitere 1,5 Millionen Euro auf dann bis zu 5,0 Millionen Euro erhöht werden.

Die Anbieterin elbfonds Capital GmbH – die laut Jahresabschluss 2011 eine Bilanzsumme von nur rund 200.000 Euro aufweist – wird laut Nachtrag eine Platzierungsgarantie über 2,2 Millionen Euro geben. Das reiche laut Nachtrag aus, um die Kosten zu decken für den Erwerb der Gesellschaftsanteile an der polnischen Projektgesellschaft inklusive Netzanschlussrechtekosten (zusammen 1,64 Millionen Euro laut Nachtrag), für die Erwerbsnebenkosten und für die Fondsnebenkosten. Die Summe aus der Platzierungsgarantie reicht aber nicht aus, um das Projekt zu realisieren und die Windkraftanlagen bezahlen und errichten lassen zu können.

Die Gesamthöhe der Fondsnebenkosten beträgt laut Nachtrag insgesamt 23 Prozent (inkl. 3 Prozent Agio) des Kommanditkapitals. Darüber hinaus fallen Vergütungen an für die Projektvermittlung, die Ankaufsberatung und die Fremdkapitalvermittlung, welche die elbfonds Estate GmbH erhält.
Die Laufzeit des Fonds ist mit rund elf Jahren kalkuliert. Anleger können ihre Beteiligung frühestens zum 31. Dezember 2023 kündigen.

Die Investition

Der Fonds hat – mittelbar über seine polnische Projektgesellschaft – die Projektrechte für den Windpark Rawicz in Polen erworben. Im Windpark Rawicz sollen drei Windenergieanlagen des dänischen Herstellers Vestas mit einer Nennleistung von jeweils 2 Megawatt errichtet werden. Laut Nachtrag wurde für den Windpark nur ein Windgutachten erstellt, das als Grundlage für die Investition in den Windpark Rawicz diene. Branchenüblich ist zur Absicherung die Erstellung von zwei oder drei Windgutachten. Nach Angaben der Anbieterin wurden am direkten Standort des Windparks Rawicz in Nabenhöhe Windmessungen innerhalb des Zeitraumes 16. Juli 2009 bis 31. März 2011 vorgenommen. Das Windgutachten, das im Januar 2013 erstellt wurde, war vom Verkäufer der Projektrechte in Auftrag gegeben worden. Die Windgeschwindigkeit auf Nabenhöhe (105 m) der geplanten Windenergieanlagen liegt laut Windgutachten bei rund 6,4 m/s.

Laut einer Branchenstudie zur Windenergie in Polen von Juli 2013, erstellt von Germany Trade & Invest (gtai), der bundesdeutschen Gesellschaft zur Außenwirtschaftsförderung, ist der Netzanschluss eines der Probleme auf dem polnischen Windenergiemarkt. So werde immer häufiger berichtet, dass Netzbetreiber wegen fehlender Kapazitäten keine neuen Netzanschlussbedingungen herausgeben wollten. Bereits erteilte Anschlussbedingungen verlören oftmals ihre Gültigkeit, wird in der Studie weiter ausgeführt.

Der Kaufvertrag für den Windpark Rawicz steht laut Nachtrag unter der aufschiebenden Bedingung der rechtswirksamen Übertragung des Netzanschlusses durch den Verkäufer des Windparks auf die polnische Projektgesellschaft des Fonds. Laut Nachtrag kann der Fonds von den abgeschlossenen Verträgen zurücktreten, sollte die Übertragung des Netzanschusses nicht bis Ende Februar 2014 erfolgt sein. In diesem Fall besteht laut Nachtrag das Risiko, dass die Anleger mit der Liquidierung des Fonds ihre Einlagen nur teilweise oder gar nicht zurückerhalten. Laut Nachtrag wird die bindende Netzanschlusszusage erst dann auf das Projekt übertragen, sobald die Kaufpreiszahlung vollständig geleistet ist. Nach Angaben der Anbieterin liegt die bindende Netzanschlusszusage mittlerweile vor. Sie ist nach Angaben der Anbieterin auch bereits auf das Projekt übertragen worden.

Die Fondskalkulation

Unter anderem sind wesentliche Verträge, die den geplanten Windpark des Fonds betreffen, zum Zeitpunkt der Erstellung des Nachtrages noch nicht geschlossen, so dass die im Nachtrag dargestellte Liquiditäts-Prognoserechnung deutlich von der Realität abweichen könnte. Sowohl Kaufverträge mit dem beabsichtigten Hersteller der Windenenergieanlagen als auch Darlehensverträge sind noch nicht abgeschlossen. Gemäß der Kalkulation soll der Windpark – auf Ebene der Projektgesellschaft – zu rund 70 Prozent fremdfinanziert werden.

Auf der Einnahmenseite ist der Fonds davon abhängig, dass der geplante Windpark eine auskömmliche Vergütung für den produzierten Strom erhalten wird. Windstrom wird in Polen nicht durch eine feste Einspeisevergütung wie in Deutschland vergütet. Stattdessen gibt es grüne Zertifikate, die an der Strombörse verkauft werden. Aufgrund eines Überangebotes stürzte laut gtai der Preis pro Zertifikat und MWh von 300 Złoty Ende 2011 auf 100 Złoty Anfang 2013 ab und lag im Oktober 2013 wieder bei rund 200 Złoty. Der Fonds kalkuliert mit einem Zertifikatspreis von 228 Złoty.
Zudem erhält ein polnischer Windpark für den Verkauf des eingespeisten Stroms derzeit einen von der polnischen Regulierungsbehörde festgelegten Strompreis. Die Gesamtvergütung aus Strompreis und Zertifikate wird in der Prognoserechnung mit 0,409 Złoty je kWh (umgerechnet derzeit rund 10 Eurocent je kWh) angesetzt. Zum Vergleich: Die deutsche Einspeisevergütung für Strom aus neuen Windenenergieanlagen liegt derzeit bei meist 9,1 Cent pro kWh.

Seit 2010 dauern Arbeiten an einem neuen Erneuerbaren-Energien-Gesetz in Polen an. Nach Angaben von gtai ist bei Investoren eine deutliche Verunsicherung zu spüren. Im Prospekt und im Prospektnachtrag war auch damit gerechnet worden, dass ein neues EEG ab 1. Januar 2013 bzw. ab 1. Januar 2014 gelten würde. Mitte November 2013 wurde nach Angaben von gtai, welche sich auf eine Analyse der Consulting-Firma Dresdner Beratung für Internationale Strategien (Dreberis) beziehen, in Polen ein Gesetzentwurf veröffentlicht, in dem das System der grünen Zertifikate durch Auktionspreise ersetzt werden soll. Im Prospektnachtrag Nr. 2 steht zwar auf der letzten Seite „Stand: 4. Dezember 2013“, allerdings wird der Gesetzentwurf vom 13. November 2013 (Quelle: Dreberis), der gravierende Auswirkungen auf den Fonds haben könnte, im Prospektnachtrag nicht erwähnt.

Laut gtai hat beim vorgesehenen Auktionsmodell der Erzeuger von Strom (z. B. eine Windparkgesellschaft) ein Produktionsrisiko, denn er verpflichte sich gegenüber der Regulierungsbehörde zu einer Lieferung einer bestimmten Menge zu dem von ihm gebotenen Preis. So könnte es in schwachen Windjahren zu Schwierigkeiten kommen, wenn dadurch die vereinbarte Menge unterschritten werde. In diesem Fall seien Strafzahlungen vorgesehen.
Das neue Energiegesetz soll voraussichtlich Ende 2014 in Kraft treten. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre können aber Verzögerungen und Änderungen nicht ausgeschlossen werden. So ist es möglich, dass für den geplanten Windpark des Fonds noch das grüne Zertifikate-Modell gelten wird, insbesondere falls der Windpark noch dieses Jahr ans Netz gehen sollte.

Grundsätzlich bestehen aufgrund der unklaren Lage in Polen Unsicherheiten hinsichtlich der Vergütungen, die der geplante Windpark des Fonds für den erzeugten Strom erhalten kann. Das betrifft sowohl die prognostizierten laufenden Einnahmen als auch den für 2023 kalkulierten Verkaufserlös für den Windpark. Denn der Verkaufserlös für einen Windpark bestimmt sich hauptsächlich aus den (abgezinsten) laufenden Einnahmen (und laufenden Ausgaben), mit denen der Käufer eines Windparks kalkuliert.

Fazit

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen bestehen derzeit Unsicherheiten hinsichtlich der Rahmenbedingungen für die Windenergie an Land. In Polen ist sogar ein Systemwechsel bei der Vergütung für Windstrom geplant, der ein beachtliches Risiko für den geplanten Windpark des Fonds darstellen könnte. Die derzeitigen gesetzgeberischen Unsicherheiten können beispielsweise auch dazu führen, dass der Abschluss einer Fremdfinanzierung erschwert wird und sich der Bau des Windparks verzögert. Das Chancen-Risiken-Verhältnis des Angebotes überzeugt daher nicht.
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