Windwärts will weiter den Schwerpunkt auf die Entwicklung und Vermarktung von Windparkprojekten in Deutschland legen. / Quelle: Unternehmen

26.02.13 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

ECOanlagecheck: Windwärts Genussrecht 2012/2013

Die Windwärts Energie GmbH aus Hannover bietet ein neues Genussrecht an. Das Kapital soll das Wachstum des Unternehmens sowie weitere Wind- und Solarprojekte im In- und Ausland finanzieren. Anleger können ab 1.000 Euro investieren. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Windwärts bietet zwei Genussrechts-Varianten an: Eine mit 6,5 Prozent Zinsen jährlich, die sieben Jahre läuft, die andere mit 7,25 Prozent und zehn Jahren Laufzeit. Nach Ablauf von sieben oder zehn Jahren verlängert sich die Laufzeit um jeweils ein Jahr, wenn der Anleger nicht mit einer Frist von einem Jahr kündigt. Das Emissionsvolumen beträgt pro Variante drei Millionen Euro.
Windwärts bietet die Genussrechte selbst an. Ein Teil kann aber auch über externe Vertriebspartner vermittelt werden. An diese zahlt Windwärts maximal sechs Prozent Provision, insgesamt also höchstens 360.000 Euro. Aufgrund der Erfahrungen mit dem Vertrieb des vorherigen Genussrechts hat Windwärts Provisionszahlungen von bis 100.000 Euro eingeplant.

Unternehmensprofil Windwärts

Emittentin und Anbieterin der Genussrechte ist die Windwärts Energie GmbH aus Hannover. Das Unternehmen, 1994 gegründet, hat inzwischen 130 Mitarbeiter in Deutschland sowie 23 Mitarbeiter in ausländischen Tochtergesellschaften. Die Windwärts Energie GmbH hat bislang Projekte mit einem Investitionsvolumen von 417 Millionen Euro entwickelt und realisiert. 20 Projekte wurden als geschlossene Fonds konzipiert, an denen sich insgesamt rund 2.500 Anleger mit 46 Millionen Euro Eigenkapital beteiligt haben; das Investitionsvolumen lag hier bei 164 Millionen Euro. 24 Projekte mit einer Gesamtleistung von 135 MW wurden an institutionelle Investoren verkauft. Einen Teil der Projekte hat Windwärts nicht an Investoren verkauft, sondern bislang selbst behalten. Derzeit betreibt das Unternehmen mittels seiner hundertprozentigen Tochtergesellschaften 16 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von zusammen 24,7 Megawatt (MW) und eine Solaranlage mit 0,115 MW Leistung.

Der Unternehmensschwerpunkt von Windwärts ist die Entwicklung und der Betrieb von Windenergieanlagen in Norddeutschland. 143 Windenergieanlagen und 34 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 278,5 Megawatt wurden bislang in Betrieb genommen. Neben Deutschland ist Windwärts mit Tochtergesellschaften in Frankreich und Italien vertreten. Die – volumenmäßig geringeren – geschäftlichen Aktivitäten in Griechenland sowie das Geschäftsfeld Biogas wurden bzw. werden laut Prospekt aufgrund fehlender Perspektiven eingestellt.

Das Stammkapital der Windwärts Energie GmbH beträgt 525.000 Euro. Das aus vorherigen Emissionen eingeworbene Genussrechtskapital liegt bei 14 Millionen Euro und stärkt aufgrund der rechtlichen Ausgestaltung (Verlustbeteiligung der Genussrechte) die Eigenkapitalbasis des Unternehmens. Bei Verbindlichkeiten von 5,4 Millionen Euro und einem Gewinnvortrag von 6,5 Millionen Euro (jeweils laut Jahresabschluss 2011) lag die Eigenkapitalquote der Windwärts Energie GmbH Ende 2011 bei hohen 73,5 Prozent.

Umsatzzahlen weist Windwärts nicht aus, da die Umsatzerlöse sehr stark von der Projektrealisierung abhängig sind, daher von Jahr zu Jahr deutlich schwanken und ein verzerrtes Bild abgeben können. Das Rohergebnis (Umsatzerlöse plus weiterer Erträge minus Materialaufwand inkl. Bestandsveränderungen) betrug 2011 rund 12,6 Millionen Euro (2010: 8,6 Millionen Euro). Laut Prospekt resultierten 2011 und 2010 jeweils rund 91 Prozent der Umsatzerlöse aus dem Verkauf von schlüsselfertigen Projekten. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (vor Steuern) belief sich 2011 auf 2,97 Millionen Euro (2010: 1,71 Millionen Euro), der Jahresüberschuss auf 1,78 Millionen Euro (2010: 1,0 Millionen Euro).

In der Zwischenübersicht für die ersten neun Monate 2012 wird ein vorläufiger Verlust von 0,47 Millionen Euro ausgewiesen. Ein Grund hierfür ist, dass Windwärts 2012 – da sich der Abschluss zweier Windkraftprojekte nach 2013 verschob – nur vier Windenergieanlagen mit zusammen 9,2 MW in Betrieb genommen hat. 2011 waren es 15 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 33,75 MW. Daher wurden 2012 auch weniger Erlöse aus dem Verkauf von neugebauten Windparks erzielt. Die Umsatzerlöse sanken von 61,7 Millionen Euro (2011) auf ca. 28,7 Millionen Euro (2012). Da mit niedrigeren Umsatzerlösen ein niedrigerer Materialeinsatz bzw. ein höherer Bestandsaufbau einhergeht, sind die Unternehmenszahlen für 2012 trotz des Umsatzrückgangs voraussichtlich positiv. Windwärts rechnet derzeit, da noch nicht alle Positionen für 2012 gebucht sind, mit einem Rohergebnis von ca. 11,4 Millionen Euro, einem Betriebsergebnis von ca. 2,4 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von ca. 0,5 Millionen Euro.

Unternehmensausblick

Den Schwerpunkt der Unternehmenstätigkeit von Windwärts werden auch in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich die Entwicklung und Vermarktung von Windparkprojekten in Deutschland bilden. Laut Prospekt befinden sich derzeit vier genehmigte Projekte mit mehr als 30 MW in der Verkaufsphase.  Bei weiteren Windkraftprojekten mit insgesamt 140 MW läuft das Genehmigungsverfahren.

Der Geschäftsbereich Photovoltaik in Deutschland ist von den deutlich gesunkenen Einspeisevergütungen für Solarstrom betroffen, so dass insbesondere Freiflächenanlagen, die ab 2013 fertig gestellt werden, kaum mehr rentabel zu betreiben sind. 2011 und 2012 hatte Windwärts noch Solaranlagen mit einer Nennleistung von 5,8 MWp bzw. 3,2 MWp errichtet. Derzeit gibt es keine konkreten Projekte in diesem Geschäftsbereich.

In Frankreich und Italien ist Windwärts seit 2002 mit Tochtergesellschaften vertreten. In beiden Ländern ist – vergleichbar mit Deutschland – aufgrund starker Einschnitte bei der Solarstromförderung und neuer Reglementierungen (z. B. Ausschreibungsverfahren) die wirtschaftliche Umsetzung von Photovoltaikprojekten, insbesondere Freiflächenanlagen, deutlich erschwert. In 2013 plant Windwärts in Frankreich die Realisierung eines 2,3 MWp-Solarprojektes, das aus mehreren Dachanlagen besteht und nicht dem neuen Ausschreibungsverfahren unterliegt.

Im Bereich Wind hat die französische Windwärts-Tochter laut Prospekt Projekte mit einer Gesamtleistung von 60 MW im Genehmigungsverfahren und 123 MW in der Planung. In Italien hält die Windwärts-Tochter die Rechte an einem 30 MW-Windkraftprojekt auf Sardinien, dessen Baugenehmigung laut Prospekt nach mehrjährigem Stillstand für 2014 erwartet wird.

Ökologische Wirkung

Windwärts hat bislang 143 Windenergieanlagen und 34 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 278,5 Megawatt in Betrieb genommen. Die Anlagen produzieren zusammen jährlich ca. 550 Millionen kWh Strom, mit denen rechnerisch rund 160.000 Haushalte versorgt werden können – legt man drei Personen pro Haushalt zugrunde, wäre rechnerische ungefähr eine Großstadt wie Nürnberg (510.000 Einwohner) mit Strom aus Windwärts-Projekten belieferbar. Die jährliche CO2-Ersparnis im Vergleich zum konventionellen Strommix liegt bei ca. 330.000 Tonnen pro Jahr. Mit dem Kapital aus den Genussrechten werden voraussichtlich weitere Wind- und Solaranlagen hergestellt, die diese positive Umweltbilanz weiter verbessern.

Nicht nur die von Windwärts geschaffenen Werte sind nachhaltig, sondern das Unternehmen an sich ist ganzheitlich auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Beispielsweise wurde es für die systematische Optimierung seiner Büroorganisation unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes 2010 als „Ökoprofit-Betrieb“ ausgezeichnet. Für sein Mobilitätskonzept, das CO2-Emissionen senkt, erhielt das Unternehmen Ende 2012 von B.A.U.M. e.V. und der Stadt Hannover den ersten Preis als fahrradfreundlichster Arbeitgeber Hannovers. Zudem wurde es 2012 zum dritten Male für seine familienfreundliche Personalpolitik und Unternehmensausrichtung zertifiziert.

Risiko

Die Genussrechte gewähren dem Anleger nachrangige Gläubigerrechte und keine Gesellschafterrechte, so dass er die Unternehmensentwicklung nicht beeinflussen kann. Dementsprechend ist er davon abhängig, dass die Geschäftsführung Entscheidungen trifft, die die Verzinsung und Rückzahlung des Genussrechtskapitals ermöglichen. Wenn das Ergebnis und die Liquidität eines Jahres nicht ausreichen, um die Zinszahlungen an die Genussrechteinhaber zu leisten, verschiebt sich der Zahlungsanspruch auf das Folgejahr. Die Genussrechte nehmen auch an Verlusten des Unternehmens teil, so dass der Anleger seine Einlage nicht vollständig zurückerhält, wenn am Ende der Laufzeit ein nicht ausgeglichener Fehlbetrag bestehen sollte.

Ein Fehlbetrag kann beispielsweise durch einen Gewinnvortrag ausgeglichen werden, der sich 2012 bei der Windwärts Energie GmbH auf 7,7 Millionen Euro belief. Zudem bestehe laut Windwärts die Option, einen Teil der Bestandsanlagen zu verkaufen, falls die Liquidität für die Bedienung der Genussrechteinhaber nicht ausreichen sollte. Zu berücksichtigen ist, dass in beiden Fällen keine Verpflichtungen für die Emittentin bestehen, zu Gunsten der Genussrechteinhaber zu handeln. So kann die Gesellschafterversammlung entscheiden, den Gewinnvortrag an die Gesellschafter auszuschütten, und die Bestandsanlagen können kurzfristig verkauft werden, so dass diese mittelbaren Sicherheiten für die Anleger verloren gehen könnten. Dagegen spricht allerdings beispielsweise, dass fast alle Windwärts-Gesellschafter auch selbst im Unternehmen arbeiten und dementsprechend an einer langfristig nachhaltigen ökonomischen Entwicklung des Unternehmens interessiert sein sollten. Die Anleger der bisherigen Genussrechteemissionen haben nach Angaben des Unternehmens ihre Zinszahlungen immer vollständig und termingerecht erhalten. Die erste Windwärts-Genussrechtsemission in Höhe von drei Millionen Euro ist Ende 2013 zur Rückzahlung fällig. Die weiteren acht bis elf Millionen Euro Genussrechtskapital sind ebenfalls fällig, bevor das hier vorliegende Genussrecht 2012/2013 zurückgezahlt werden soll. Insofern kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch Rückzahlung der früheren Genussrechte die Bedienung der neuen Genussrechte erschwert wird.

Hauptsächlich sind die Zins- und Rückzahlungen an die Genussrechteinhaber davon abhängig, ob Windwärts in den nächsten sieben Jahren (Genussrecht Typ A) bzw. zehn Jahren (Typ B) wirtschaftlich erfolgreich sein wird. Die Auslandsaktivitäten des Unternehmens haben bislang nicht den erwarteten wirtschaftlichen Erfolg gebracht. Falls die beiden ausländischen Tochtergesellschaften nicht ab 2013 in dem erschwerten Marktumfeld Projekte zum Abschluss bringen können, fehlen einkalkulierte Rückflüsse. Zudem ist es dann möglich, dass die Muttergesellschaft und Genussrechteemittentin Windwärts zukünftig vermehrt Abschreibungen auf Finanzanlagen (Beteiligungen und Ausleihungen an die ausländischen Tochtergesellschaften) vornehmen muss, die bei ihr zu einem Jahresfehlbetrag und entsprechend zu einer Verlustbeteiligung der Genussrechteinhaber führen können.

Fazit:

Finanziell


Auf dem deutschen Windmarkt ist Windwärts erfahren, gut positioniert und verfügt über eine umfangreiche Pipeline von konkret umsetzbaren Projekten. Risiken können sich kurzfristig aus der geplanten Änderung bei der EEG-Vergütung ergeben. Im Bereich Photovoltaik ist noch offen, wann und in welchem Umfang die Realisierung von Solaranlagen für gewerbliche Endkunden (Eigenverbrauch) das bisherige, auf einer gesetzlichen Einspeisevergütung basierende Projektgeschäft ersetzten kann. Mit einer Eigenkapitalquote von derzeit 73 Prozent, einer Gewinnrücklage von 7,7 Millionen Euro und derzeit 16 im Eigenbestand gehaltenen Windkraftanlagen ist Windwärts gut gerüstet, um auch schwierige Marktphasen meistern zu können.

Nachhaltigkeit

Das hauptsächliche Geschäftsfeld von Windwärts – die Windenergie an Land – ist ökologisch und volkswirtschaftlich sehr nachhaltig. Zudem überzeugt das Unternehmen mit seiner ganzheitlich nachhaltigen Unternehmensausrichtung.

ECOreporter.de-Empfehlung

Mit dem Genussrecht von Windwärts investieren Anleger in ein nachhaltiges Unternehmen, das sich in den letzten Jahren stetig und solide entwickelt hat und das die Voraussetzungen mitbringt, sich in einem ändernden Marktumfeld erfolgreich zu behaupten. Das Rendite/Risiko-Verhältnis des Genussrechts ist angemessen.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: Windwärts Energie GmbH, Hannover
Anlageform: Namensgenussrecht
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Emissionsvolumen: 3 Millionen Euro (Typ A), 3 Millionen Euro (Typ B)
Laufzeit: bis zum 31.12.2019 (Typ A), bis zum 31.12.2022 (Typ B)
Verzinsung: 6,5 Prozent pro Jahr (Typ A), 7,25 Prozent pro Jahr (Typ B)
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
BaFin-Billigung: Ja
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