Ein Angebot mit mit Fokus auf Nachhaltigkeits-Dickschiffe - Das Express-Zertifikat auf den S&P Global Eco Index

Das Angebot hat auf den ersten Blick etwas von der Eier legenden Wollmilchsau. Ein Nachhaltigkeitswertpapier, das die Geldanlage in alternative Energieerzeugung, in Umweltdienstleistungen, in Wasser und Holzwirtschaft ermöglicht, das weltweit ausgerichtet ist und für das keine Managementgebühr erhoben wird. Es gibt einen Kapitalschutz und zugleich die Aussicht auf zweistellige Rendite, zudem ist die Einstiegsschwelle mit 100 Euro niedrig. All dies hat das Express-Zertifikat auf den S&P Global Eco Index zu bieten, das jetzt von Goldman Sachs auf den Markt gebracht worden ist. Noch bis zum 8. Februar läuft die Zeichnungsfrist, ab dem 12. Februar wird es an den Börsen Frankfurt und Stuttgart gehandelt. Allerdings empfiehlt es sich, das Angebot näher zu betrachten. Denn neben vielen Vorteilen enthält das Angebot auch einige Tücken.

Die Emittentin dieses Zertifikats setzt bei der Titelauswahl auf große Unternehmen. Sie wird nicht von Goldman Sachs selbst vorgenommen, sondern von Standard&Poor’s (S&P). Der Finanzdienstleister hat mit dem S&P Global Eco Index einen Index vorgelegt, der „die größten und liquidesten Unternehmen der ökologischen Industrie“ enthält, wie Dirk Heß von Goldman Sachs gegenüber ECOreporter.de erklärt. Sie müssten mindestens eine Marktkapitalisierung von einer Milliarde Dollar vorweisen. Eine Nachhaltigkeitsanalyse finde nicht statt. Die ausgewählten Aktien stammen laut Heß aus vier anderen Indices von S&P. Insgesamt enthält der Global Eco Index 30 Aktien.

Davon kommen zehn Titel aus der Branche der Erneuerbaren Energien. Wie Heß erläutert, werden jeweils fünf Erzeuger alternativer Energie und fünf Hersteller des dazu erforderlichen Equipments dazu aus dem S&P Global Clean Energy Index genommen. Als Erzeuger sind dies etwa die spanische Iberdrola, weltweit führende Betreiberin von Erneuerbare Energie Projekten, das Geothermieunternehmen Ormat Technologies aus den USA und die auf Wasserkraft setzende Companhia Paranaense de Energia (Copel) aus Brasilien. Die Grünstromtochter EDF Energies Nouvelles des in erster Linie auf Atomstrom setzenden EdF-Konzerns aus Frankreich zählt ebenso dazu wie der der nur zum Teil auf Biokraftstoffe setzende Lebensmittelkonzern Archer Daniels Midland Company (ADM). Als Ausrüster sind klassische Nachhaltigkeitswerte im Aktienkorb enthalten: die Windturbinenbauer Vestas und Gamesa sowie die Solarfirmen Q-Cells, First Solar und Renewable Energy Corp. Diese zehn Titel bilden zwar nur ein Drittel der Aktien im Index, ihre Gewichtung liegt jedoch bei über 40 Prozent. Die Gewichtung der einzelnen Werte hängt laut der Emittentin von der Marktkapitalisierung ab, sie ist auf maximal zehn Prozent begrenzt und wird bei der alljährlichen Aktualisierung des Aktienkorbes neu festgelegt. Diese Überarbeitung durch S&P findet jeweils im November statt.

Wasseraktien haben ein sogar noch stärkeres Gewicht im Index, auf den das Zertifikat von Goldman Sachs ausgerichtet ist. Fünf Wasserversorger und fünf Anbieter von Equipments für die Wasserbranche hat S&P aus ihrem Global Water Index für den übergreifenden Global Eco Index ausgesucht. Zu den Versorgern gehören etwa die französischen Unternehmen Veolia und Suez, die Ausrüstern sind Pentair und Itron aus den USA, Kurita aus Japan und Geberit aus der Schweiz. Diese Werte sind auch in den meisten Wasserfonds und –zertifikaten anderer Anbieter enthalten. Allein fünf die Wasserversorger kommen im Global Eco Index auf eine Gewichtung von rund 30 Prozent, die der Zulieferer liegt bei sieben Prozent.

Neben diesen 20 Titel sind fünf Holzaktien aus dem S&P Global Timber & Forestry Index und fünf Titel von Umweltdienstleistern aus dem S&P/Citigroup Environmental & Facility Services Index im Global Eco Index enthalten. Beide Gruppen kommen zusammen auf eine Gewichtung von rund zehn Prozent. Einer der Umweltdienstleister ist zum Beispiel der US-amerikanische Entsorger Waste Management Inc. Zu den Holzaktien gehören etwa die kanadische-chinesische Forstgesellschaft Sino Forest (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom Juli 2007) und der US-Konzern Weyerhaeuser.

Geographisch ist der dem Zertifikat von Goldman Sachs zu Grunde liegende Index breit aufgestellt, mit über 33 Prozent liegt das Schwergewicht dabei auf den USA. Da europäische Länder bei der Staatenverteilung eindeutig überwiegen, hält sich das Wechselkursrisiko trotz des schwächelnden Dollars allerdings in Grenzen. Das kann man über das Verlustrisiko, das der Anleger bei der Zeichnung dieses Zertifikats eingeht, nicht sagen. Ein Totalverlust ist – zumindest theoretisch - möglich.

Dabei bietet die Emittentin durchaus einen Kapitalschutz für das Zertifikat. Allerdings darf der S&P Global Eco Index am Ende der maximalen Laufzeit, dem Fälligkeitsdatum 8.6.2011, nicht mehr als 30 Prozent unter Ausgangswert notieren. Fällt der durchschnittliche Wertverlust der 30 Aktien in der Titelauswahl höher aus, wird der Anleger im Bezugsverhältnis 1:1 am Verlust beteiligt. Im Falle eines durchschnittlichen Einbruchs von rund 34 Prozent, wie ihn Aktien der Branche der Erneuerbaren Energien in den ersten drei Wochen des laufenden Jahres erlitten, würde er von den 100 Euro Stückpreis je Zertifikat nur 66 Euro zurück erhalten. Allerdings ist ein solches Szenario angesichts der breiten Titelauswahl eher unwahrscheinlich. Sollte der Aktienkorb seinen Wert bis zum Fälligkeitsdatum im Juni 2011 behalten oder höchstens 30 Prozent verlieren, käme der Anleger mit einem blauen Auge davon. Ihm steht dann die Rückzahlung der eingezahlten 100 Euro je Wertpapier zu. Der Verlust wäre beschränkt auf das eine Prozent Ausgabeaufschlag, das bei der Zeichnung des Wertpapiers anfällt.

Allerdings eröffnet das Zertifikat auf den S&P Global Eco Index auch Aussichten auf zweistellige Renditen. So wenn der Index beim 1. Stichtag der Laufzeit, dem 8. Juni 2009, an Wert gewonnen hat. Dann erhält der Anleger den eingezahlten Nominalbetrag von 100 Euro zurück und zudem eine Auszahlung von zwölf Euro je Wertpapier. Die Laufzeit endet dann vorzeitig nach diesen 14 Monaten, weshalb Goldman Sachs das Wertpapier als Express-Zertifikat bezeichnet. Hat der Aktienkorb bis zum 1. Stichtag nicht an Wert gewonnen, verlängert sich die Laufzeit bis zum nächsten Stichtag, den 8. Juni 2010. Sollte die Titelauswahl dann den Schwenk in die Gewinnzone schaffen, erhöht sich die zusätzlich Auszahlung von 12 auf 24 Euro, nebst des eingezahlten Nominalbetrages. Hat sich der Indexwert abermals nicht verbessert, läuft das Zertifkat noch ein weiteres Jahr bis zu Datum der Fälligkeit. Wird der Ausgangswert des Global Eco Index am 8. Juni 2011 endlich übertroffen, erhält der Anleger die 100 Euro und obendrein 36 Euro als Rendite.

Fazit:
Über das Express-Zertifikat auf den S&P Global Eco Index können Anleger in recht kurzer Zeit zweistellige Renditen erzielen. Diese werden nicht durch eine jährliche Managementgebühr verringert, was Dirk Heß von Goldman Sachs auf Nachfrage von ECOreporter.de ausdrücklich bestätigte. Allerdings nehmen Zeichner des Zertifikats dafür leichte Abstriche bei der Nachhaltigkeit des Investments in Kauf. Es sind zwar keine Skandal-Unternehmen im Aktienkorb enthalten, aber auch nur wenige Nachhaltigkeitsvorreiter. Unternehmen wie ADM können strenge Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen. Dafür sind die Risken des Investments überschaubar, nicht zuletzt aufgrund der breiten Streuung der Titelauswahl. Insbesondere für durch die Börsenturbulenzen im Januar verunsicherte Anleger können wir das Wertpapier zur Beimischung empfehlen.


Zertifikat auf den S&P Global Eco Index
Emittent: Goldman Sachs
WKN GS0UA5/ ISIN: DE000GS0UA57
Ausgabekurs: 100 Euro
Ausgabeaufschlag: 1 Euro
Zeichnungsfrist: 21. Januar 2008 bis 8. Februar 2008
Feststellungstage: 08.06.2009, 08.06.2010, 08.06.2011
Fälligkeit: 08.06.2011

Bildhinweis: Solarzelle der Q-Cells AG, einem Unternehmen im Aktienkorb des Zertifikats. / Quelle: Q-Cells
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