31.10.07

Ein überzeugendes Angebot? - Das Forest Opportunity-Zertifikat der Berliner Landesbank

Das Forest Opportunity-Zertifikat der Berliner Landesbank (LBB) ist ein Index-Zertifikat, das auf einen Aktienkorb von Unternehmen aus der Holzbranche setzt. Es kostet 100 Euro zuzüglich 2 Prozent Agio und kann noch bis zum 5. November gezeichnet werden. Nach Ablauf der Zeichnungsfrist am kommenden Montag soll das Wertpapier in den Börsenhandel gehen. Dessen Laufzeit ist nicht befristet. ECOreporter.de hat das Holzzertifikat getestet:

Bei diesem Angebot handelt sich um das erste Zertifikat der Landesbank Berlin, das eine ökologisch orientierte Strategie verfolge, erläuterte Firmensprecherin Constanze Stempel gegenüber ECOreporter.de. Ob man weitere Produkte mit Nachhaltigkeitsanspruch auf den Markt bringen werde, hänge unter anderem vom Erfolg dieses Holzzertifikats ab. Bei diesem Angebot handelt es sich um Indexzertifikat, Zeichner des Wertpapiers werden im Bezugsverhältnis 1:1 an der Wertentwicklung des Forest Opportunity Index beteiligt. Dieser bildet laut der LBB ein Portfolio von zehn in der Holzbranche aktiven Unternehmen aus alle Welt nach sowie eine unverzinsliche Geldanlage. Diese werde unter anderem zur Liquiditätssteuerung benötigt; ihr Anteil könne variieren, solle aber möglichst gering ausfallen. Wie Stempel ausführte, müssen die zehn Holz-Unternehmen „ökologische Gütesiegel“ vorweisen können. Ein eigenes Nachhaltigkeitsrating werde nicht durchgeführt. Für die Zusammensetzung des Index sei die Berliner D&D Capital GmbH zuständig. Zu dem Team dieser Beratungsgesellschaft gehört nach Angaben der LBB unter anderem das FSC-Mitglied Reyke Schult.

Das FSC (Forest Stewartship Council) ist eine Nichtregierungsorganisation, die 1993 nach dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro ins Leben gerufen wurde. Sie hat nachhaltige Bewirtschaftungsstandards für Waldprodukte entwickelt. Bei FSC-geprüften Plantagen gelten die Aufforstungen als ökologisch. Die Plantagenbetreiber müssen bestimmte Schutzgebiete ausweisen, beispielsweise an Bachläufen. In diesen Schutzgebieten ist das Fällen von Bäumen verboten. Sämtliche im Forest Opportunity Index enthaltene Unternehmen verfügen laut der LBB über das FSC-Siegel. Die Hälfte dieser zehn Firmen besitzt zusätzlich das Siegel des PEFC (Programm for the Endorsement of Forest Certification Schemes). Dieses will laut eigener Darstellung die kontinuierlichen Verbesserung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung sicherstellen und dabei ökologische, soziale und ökonomische Standards durchsetzen. Grundsätzlich würden der Landesbank Berlin zufolge auch Unternehmen für den Holzindex in Frage kommen, die das Naturland Gütesiegel für Holz aus ökologischer Waldnutzung vorweisen können.

Wie das Finanzinstitut weiter mitteilt, wird die Zusammensetzung des Index, auf den das Forest Opportunity-Zertifikat ausgerichtet ist, fortlaufend an jedem Börsentag überprüft. Das sind Tage, an denen die zehn internationalen Titel im Index zu mindestens 70 Prozent an der Börse gehandelt werden. Spätestens jedes Vierteljahr werde die Zusammensetzung angepasst. Die Auswahl der Titel im Index verläuft der Emittentin zufolge in drei Schritten. Zuerst lege man ein Anlageuniversum aus Unternehmen fest, die weltweit an wenigstens einer Börse notiert sind und die mehr als 49 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften mit dem Anbau, der Kultivierung oder der Weiterverarbeitung von Holz oder dem Handel damit. Aus dieser großen Gruppe kommen für den Forest Opportunity Index jene Gesellschaften in Frage, die eines der genannten Nachhaltigkeitssiegel vorweisen können. Aus diesen werden nach Darstellung der LBB abschließend die in Sachen Wertentwicklung viel versprechensten Titel mittels rein wirtschaftlicher Kriterien ausgewählt. Dazu gehören unter anderem ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis und eine hohe Dividendenrendite, auch müssen die Aktien gut handelbar sein.

Definitiv sind die Titel, die den Index für das Holzzertifikat am Emissionstag bilden sollen, noch nicht festgelegt. Die Emittentin des Holzzertifikats auf diesen Index hat aber die zehn voraussichtlichen Titel vorgestellt. Sie kommen aus Deutschland, Finnland, Portugal, Südafrika, Australien, Brasilien, Kanada und den USA und werden zum Emissionstag gleich gewichtet. Danach kann sich die Gewichtung fortlaufend ändern. Für den Forest Opportunity Index ausgewählt wurden:
• Canfor Pulp
• Timbercorp. Ltd.
• Universal Forest Produkcts
• Gunns Ltd.
• Sino-Forest Corp.
• Sonae Industriea
• Aracruz Celulose
• Sappi Ltd.
• Pfleiderer AG
• UPM-Kymmene

ECOreporter.de hat bei der Pfleiderer AG nachgefragt. Nach Angaben des MDAX-Unternehmens aus dem bayrischen Neumarkt ist deren Pfleiderer Holzwerkstoffe GmbH & Co.KG mit allen Standorten FSC-zertifiziert. „Wir fühlen uns über den wirtschaftlichen Erfolg hinaus verpflichtet, verantwortungsvoll mit Menschen, der Umwelt und den Ressourcen umzugehen. Daher betrachten wir Qualität, Umwelt und Sicherheit als festen Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie“, so Pfleiderer. Mit Gunns und Aracruz befinden sich jedoch Aktien von Unternehmen in der Auswahl für das Forest Opportunity-Zertifikat, deren Nachhaltigkeit umstritten ist. So soll die australische Gunns laut der niederländischen "Milieudefensie Amstelveen" an der Zerstörung der tasmanischen "Old-Growth Forrests" beteiligt sein, dort uralte Wälder in Holzschnitzel verarbeiten. Über die brasilianische Aracruz wird immer wieder berichtet, dass indigene Bevölkerungsgruppen mit ihr in Auseinadersetzungen um Landeigentumsrechte geraten. Allerdings lässt sich nicht eindeutig feststellen, wie berechtigt die Vorwürfe sind.

Die Übergewichtung von Titeln aus Nord- und Südamerika im Forest Opportunity Index erklärt die LBB mit den großen natürlichen Holzvorkommen dieser Kontinente und der darauf zurückzuführenden Ansiedlung Holz verarbeitender Betriebe in deren Nähe. Insgesamt strebe man für den in Euro berechneten Index eine möglichst breite Diversifikation nach Ländern und nach den Branchenkategorien Holzanbau/Holzvermarktung, Holzverarbeitung/Holzveredelung und sonstiger Holzwirtschaft an. Die Emittentin betont die wirtschaftlichen Chancen des Investments in Holz. Die Branche boomt, schon jetzt ist der Holzmarkt nach Öl und Gas der drittgrößte Rohstoffmarkt weltweit. Dies ist etwa darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Brennholz aufgrund der hohen Öl- und Gaspreise seit Jahren stark zunimmt. Verbesserte Lebensstandards haben in bevölkerungsreichen Regionen wie China dazu geführt, dass Produkte wie Papier und Holz für Einrichtungen stark nachgefragt werden, hinzu kommt das steigende Interesse an ökologischem Bauen und Wohnen in vielen Industriestaaten. Ein Beispiel für die Gewinnmöglichkeiten in dieser Branche ist etwa die kanadische Sino-Forest, ein Holzunternehmen mit Firmenzentrale in Hong Kong. Wir haben es im Juli in einem ECOreporter.de-Beitrag ausführlich vorgestellt, zu dem Sie per Mausklick gelangen. Die im Forest Opportunity Index enthaltene Aktie hat in den letzten zwölf Monaten über 330 Prozent an Wert gewonnen.

Diesen Chancen steht jedoch gegenüber, dass das Forest Opportunity-Zertifikat keinen Kapitalschutz bietet. Aufgrund der vergleichsweise geringen Anzahl der Titel (andere Holzzertifikate wie etwa das UBS Global Timber Index Open-End-Zertifikat enthalten 20 Aktien) wiegt dies schwer. Schon wenige Fehlgriffe bei der Titelauswahl können da negativ durchschlagen. Zudem wird die Wertentwicklung des Forest Opportunity Index in den ersten 12 Monaten durch eine Emissionsgebühr belastet. Auf diesen Zeitraum verteilt entnimmt die LBB dem Index einen Abschlag von 2,50 Euro für jede der zehn Aktien. Sie benötigt dieses Geld nach eigenen Angaben, um die Anlauf- und Transaktionskosten für das Forest Opportunity-Zertifikat zu decken.

Fazit:
Ein wichtiges Argument für Holzinvestments ist der Umstand, dass die Wertentwicklung in diesem Sektor kaum mit denen der Aktien- und Anleihenmärkte korreliert. Daher kann die Geldanlage in Holz dazu beitragen, das Risiko im Portfolio zu verringern. Allerdings ist die Auswahl der aussichtsreichsten börsennotierten Unternehmen aus dieser Branche für den Laien schwierig. Es empfiehlt sich daher, auf einen Korb von Holzaktien zu setzen und so das Anlagerisiko zu streuen. Wie bei anderen Holz-Zertifikaten auch ist es aber fraglich, inwiefern das Investment in die Titel des Forest Opportunity-Index wirklich nachhaltig ist. Würden die Titel von einer Nachhaltigkeitsratingagentur genauer unter die Lupe genommen, wäre dies aussagekräftiger als das bloße Vorzeigen eines Nachhaltigkeitssiegels, dessen Aussagekraft nur begrenzt ist. So verfügt zum Beispiel Sino-Forest nur über einen kleinen Teil ihrer Holzplantagen über die Auszeichnung durch das FSC. Aus Renditesicht ist an dem Angebot zu kritisieren, dass die Emissionsgebühr für den kurzfristig orientierten Anleger die Gewinnaussichten drückt. Hinzu kommen Währungsrisiken und die Risiken, die in politischer, struktureller und rechtlicher Hinsicht mit Investments in Schwellenländen verbunden sind. So setzt Sino-Forest vollständig auf den chinesischen Holzmarkt und bleibt angesichts der mangelnden Rechtsstaatlichkeit in diesem Land offen, wie sicher die Eigentumsverhältnisse des Unternehmens sind. Dass die Zusammensetzung des Index ständig überprüft wird, mindert jedoch das Risiko für den Anleger, zumal er aufgrund der unbegrenzten Laufzeit Branchenkrisen zur Not aussitzen kann. Insgesamt können wir das Forest Opportunity-Zertifikat jedoch nicht zur Zeichnung empfehlen. Wer großen Wert auf die Nachhaltigkeit seines Investments legt, sollte auf andere Angebote setzen.


Forest Opportunity-Zertifikat
WKN: LBB118
ISIN: DE000LBB1183
Ende der Zeichnungsfrist: 5.11.2007
Emissionstag: 5.11.2007
Laufzeit: unbegrenzt
Preis: 100 Euro
Agio: 2 Prozent


Bildhinweise:
Die Nachfrage für Holz und Holzprodukte boomt weltweit: Papierfabrik von Stora Enso / Quelle: Unternehmen; Baum aus einer nachhaltig bewirtschafteten Plantage der Precious Woods AG / Quelle: Unternehmen
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