Gold und Schwermetalle unter dem Mikroskop. Der Rohstoff wird Schritt für Schritt konzentriert. / Foto: Semarja Europafrika UG

  Anleihen / AIF

Eine Goldmine in Kamerun als nachhaltige Geldanlage?

Über 50 Prozent Rendite mit Gold? Mit diesem Versprechen lockt ein Anbieter Sparer dazu, in eine Goldmine in Afrika zu investieren, die „fair“ arbeiten soll. ECOreporter.de hat viele Fragen zu dem Projekt gestellt – von Umweltschutzaspekten über die finanzielle Sicherheit bis zu sozialen Problemen. Die Antworten sind im Folgenden nicht überprüft, nur geringfügig gekürzt und ansonsten wörtlich wiedergegeben – beurteilen Sie selbst! Der Interviewpartner Bernhard Rytz aus Basel ist Volkswirt und Wirtschaftsprüfer, bei dem Projekt ist er als Controller beschäftigt. Gesellschafter der beiden Unternehmen hinter dem Projejkt, der Semarja Europafrika UG mit Sitz in Karlsruhe und ihrer Tochter Semarja Europafrika S.a.r.l in Kamerun, ist Rytz nicht.

ECOreporter.de: Herr Rytz, Sie suchen deutsche Anleger, die sich in Form eines so genannten partiarischen Nachrangdarlehens in einem „fairen Goldminen-Projekt“ in Kamerun engagieren möchten. Wie würden sich die Anleger beteiligen?

Bernhard Rytz:  Interessierte Investoren engagieren sich bei uns mit einem partiarischen Nachrangdarlehen. Diese Darlehen werden an die Semarja Europafrika UG, Karlsruhe gewährt. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre ab Produktionsbeginn. Bis zur vollständigen Rückführung der Investition beträgt der Anteil der Investoren am maßgebenden Gewinn 80 Prozent, nach Rückführung 50 Prozent.

Bild: Bernhard Rytz ist Wirtschaftsprüfer der Semarja Europafrika UG. / Foto: Unternehmen


ECOreporter.de: Besitzt das Unternehmen die entsprechenden Grundstücke und die Rechte, um in Kamerun Gold zu schürfen?

Rytz:  Semarja Europafrika S.a.r.l Kamerun, die Tochtergesellschaft der Semarja Europafrika UG, besitzt die Abbaurechte für ein Gebiet von ungefähr 30 Hektar in Ostkamerun. Darüber hinaus werden weitere Explorationen zur Erschließung neuer Lagerstätten durchgeführt. Das Minenministerium von Kamerun vergibt die Abbaulizenzen mit der Auflage, dass die Dorfbevölkerungen weiterhin das Recht haben, in ihrer gewohnten Weise von Hand das Gold zu waschen.

ECOreporter.de: Wem gehört bzw. gehörte früher das Land, auf dem nach Gold gesucht wird und wo die technischen Anlagen stehen werden?

Rytz:
Die Lagerstätten befinden sich auf einem Gebiet, das dem Staat Kamerun gehört. Unser zentral gelegener mineralischer Aufbereitungsstandort befindet sich auf einem Grundstück, das sich im Eigentum der Semarja Europafrika S.a.r.l. befindet.

ECOreporter.de: Wozu benötigt das Unternehmen das Geld der Anleger - auch für Produktionsgeräte?

Rytz: Das jetzt dem Projekt zufließende Geld soll für die Schlussfinanzierung verwendet werden und in Produktionsmittel, Produktionsanlaufkosten und Liquiditätsreserve investiert werden.

ECOreporter.de: Was geschieht mit dem gewonnenen Gold - wird es vor Ort weiterverarbeitet oder direkt verkauft?


Rytz:  Das Erz wird mit Hilfe unserer Mitarbeiter abgebaut, welche größtenteils direkt aus den umliegenden Dorfbevölkerungen stammen. Zur Weiterverarbeitung des Erzes gelangt dieses über Zwischenlager zur Aufbereitungsanlage. Das gewonnene Gold wird nach Deutschland exportiert und in einer Scheideanstalt auf die marktübliche Reinheit gebracht.

Bild: Gold-Konzentrat unter dem Mikroskop. / Foto Unternehmenn

ECOreporter.de: Welche Rendite haben die Anleger zu erwarten?


Rytz:  Die Renditen werden im Wesentlichen vom Goldpreis bestimmt. Bei dem gegenwärtigen Goldpreis erwarten wir Renditen, die bei über 50 Prozent pro Jahr liegen.

ECOreporter.de: Goldminen arbeiten in vielen Fällen äußerst umweltschädlich. Welche Umweltschutz-Vorkehrungen soll dieses Projekt treffen?


Rytz:  Auf die hochgiftigen Stoffe Zyanid und Quecksilber wird bei diesem Projekt verzichtet. Unsere mineralische Aufbereitung basiert ausschließlich auf physikalischer Dichtesortierung und benötigt nur Wasser und elektrische Energie. Das Affinieren des Goldes erfolgt in einem nasschemischen Verfahrensprozess. Da wir ausschließlich die Reicherzgänge abbauen, die in der Nähe der Oberfläche liegen, ist der von uns betriebene Abbau der Lagerstätten wesentlich umweltschonender, da wir im Vergleich zu industriellen Minen-Gesellschaften nur sehr kleine Flächen öffnen und diese nach dem Erzabbau anschließend wieder renaturieren. Um das Erz abbauen zu können, müssen wir im Vergleich zum Bergbau im industriellen Maßstab nur ein Bruchteil von Nebengestein bewegen. Zur Gewinnung von 10 Kilogramm Gold benötigen wir ungefähr 600 Tonnen Erz; industrielle Bergbaugesellschaften benötigen für die Gewinnung der gleichen Menge Gold meist bis zu 10.000 Tonnen Erz. In unserem Projekt erfolgt der Erzabbau nach wie vor per Hand, unterstützt durch eine Mechanisierung.

ECOreporter.de: Kamerun hat eine lange Grenze zu Nigeria, das derzeit von Terrororganisationen heimgesucht wird. Wie beurteilen Sie die politische Stabilität Kameruns?


Rytz:
  Im Norden Nigerias versuchen islamistische Extremisten schon seit 2009, einen unabhängigen Gottesstaat zu errichten, was immer wieder zu Todesopfern, zu Flüchtlingen und negativen Schlagzeilen in der Presse führt. Unser Projekt liegt ungefähr 800 Kilometer vom Krisengebiet entfernt. Wir glauben nicht, dass die politische Stabilität in Kamerun durch das Krisengebiet wesentlich beeinflusst wird.


ECOreporter.de: Sie wollen mit Dörfern vor Ort zusammenarbeiten. Wieviele Arbeitskräfte werden dauerhaft als Goldsucher beschäftigt werden?

Rytz:  Nach Erreichen der geplanten Produktionsmengen werden ungefähr 700 Menschen direkt bzw. indirekt in einer finanziell und sozial abgesicherten Existenz leben. Unser Projekt ermöglicht den Kindern, die Schule zu besuchen und den Frauen, sich künftig mehr auf die ihnen entsprechenden Arbeiten in den Dörfern zu konzentrieren. Da eine Infrastruktur bisher kaum vorhanden ist, werden wir unser Know-how für eine positive Entwicklung zur Verfügung stellen. Unter anderem gehören dazu eine medizinische Grundversorgung, Grundschulen und die Verbesserung der Wasserversorgung.


ECOreporter.de: Sie sprechen davon, ab Januar 2016 circa 20 Kilogramm Gold im Monat zu gewinnen. Worauf beruht die Einschätzung dieser Menge?


Rytz:
  Auf der Größe des Lizenzgebietes von etwa 30 Hektar, der Gesamtinvestitionen von 1,5 Millionen Euro, der Goldkonzentration von 10 bis 20 Gramm pro Tonne Erz sowie der Führungsstruktur.


ECOreporter.de: Werden Sie die Arbeitskräfte mit festen Arbeitsverträgen ausstatten? Bekommen sie ein festes Monatsgehalt, oder ist das Gehalt von der Menge des gefundenen Goldes abhängig?

Rytz:  Mit den Arbeitern schließen wir langfristige Arbeitsverträge ab und bezahlen sie wöchentlich.


ECOreporter.de: Sie schreiben, dass Sie weder Frauen noch Kinder beschäftigen wollen. Warum sollen Frauen nicht beschäftigt werden? Ab welchem Alter könnten Jugendliche in dem Projekt arbeiten?

Rytz:
  Bisher wird in den beiden Dorfgemeinschaften ausschließlich mit der Hand gearbeitet. Es ist die traditionelle Goldgewinnungsmethode, die seit Jahrhunderten in dieser Gegend angewendet wird. Durch die leichte Mechanisierung des Erzabbaus wie auch der Aufbereitung des Goldes kann auf Frauen- und Kinderarbeit verzichtet werden. Frauen und Kinder werden vor allem in der körperlich anstrengenden Zerkleinerung des Erzes eingesetzt, welche auch von Hand geschieht. Die Frauen stehen durch unsere Entlastung mehr den Familien und ihren Kindern zur Verfügung. Die Kinder haben dadurch die Möglichkeit, regelmäßig die Schule zu besuchen. Wir werden Männer ab dem 16. Lebensjahr beschäftigen.


ECOreporter.de: Werden die Dörfer am Gewinn des Unternehmens beteiligt?

Rytz:  Die Dörfer sind nicht direkt am Gewinn beteiligt. Eine zu große Transparenz würde Begehrlichkeiten wecken und das Projekt in Frage stellen.


ECOreporter.de: Gibt es einen Treuhänder für die Anleger, der sicherstellt, dass die Darlehen nur zu den Zwecken genutzt werden, die den Anlegern versprochen werden?

Rytz:
  Der partiarische nachrangige Darlehensvertrag wird direkt mit der Semarja Europafrika UG abgeschlossen. Schlussendlich wird unser Leistungsnachweis die Rechtfertigung der Investitionen darstellen.


ECOreporter.de: Welchen Kontakt pflegen Sie zu Organisationen, die sich um „faires Gold“ bemühen?

Rytz:  Sobald wir über die Schlussfinanzierung verfügen und erfolgreich mit der Produktion begonnen haben, werden wir uns selbsverständlich nach ähnlichen Projekten umsehen, um uns gegenseitig zu inspirieren und die Vision des Fair Minings weiterzutragen und an weiteren Standorten umzusetzen.

ECOreporter.de: Danke für das Gespräch, Herr Rytz.


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