18.08.10 Anleihen / AIF , Wachhund

Eine-Millionen-Menschen.de – Sinnvolle Investmentidee oder riskante Kleinanlegerfalle?



Die Idee

Mit einer Investition zwischen 100 und maximal 500 Euro können Kleinanleger hier ein Unternehmen ihrer Wahl unterstützen. Wer sich für das EMM- Modell entscheidet, wird per Vertrag als stiller Gesellschafter der GmbH mit Sitz in Koblenz Mitglied der so genannten „Community“ der EMM. Über die Internetplattform eine-millionen-menschen.de soll so ein Netzwerk entstehen, das sozial engagierte Investoren mit ausgewählten Start-Up-Unternehmern zusammenbringt. Den Gesellschaftern - EMM nennt sie „Social Investors“ - winkt laut der Internetseite eine Beteiligung am Gesamtgewinn des Netzwerks. Dabei kündigt EMM an, zwei Drittel des Unternehmensgewinns an die Community ausschütten zu wollen. Wichtigste Vorrausetzungen für Unternehmer: Es muss sich um deutsche Unternehmen handeln, deren Geschäftsmodelle dem so genannten „LOHAS“ Ansatz (Life of Health and Sustainability) entsprechen.

Mit Videos und Schaubildern informiert die EMM auf ihrer Homepage über ihre Idee und das Geschäftsmodell. Mit Informationen, die über die Angaben auf der Homepage hinausgehen, tut sich EMM allerdings schwerer. Eine Anfang Juni telefonisch vereinbarte Stellungname zu den Hintergründen des EMM-Geschäftsmodells blieb trotz mehrmaliger schriftlicher und telefonischer Nachfrage unbeantwortet. Ende Juli erklärte Firmensprecher Lars Steinmann, EMM werde „zu gegebener Zeit über eine Pressemitteilung“ an die Öffentlichkeit gehen.

Ein Fahrrad-Unternehmen als erstes Investmentprojekt


Bereits am 22 März 2010 hatte die EMM GmbH das erste Beteiligungsunternehmen bekannt gegeben - wiederum online: die LeaseRad GmbH aus Freiburg. Sie bietet unter anderem Elektro-Fahrräder als Leasingangebot an. Unternehmen, Reiseveranstalter, Behörden oder Hotels können ganze Radflotten inklusive Service- und Reparaturleistungen für 38 Monate leasen, um sie an die Kundschaft, beziehungsweise Belegschaft zu verleihen.
Bildnachweis: LeaseRad-GmbH-Geschäftsführer Ulrich Prediger auf einem Rad des Unternehmen. / Quelle: LeaseRad

Weitere feste Investmentprojekte im EMM-Portfolio hat die GmbH noch nicht. „Mit den vielen Gesprächen, die wir derzeit mit potentiellen Investoren, Netzwerkpartnern, Kooperationspartnern, Freunden und vielen anderen führen, sammeln wir mehr Erfahrung, vergrößern unser Netzwerk und verbreiten unsere Idee“, ließ Steinmann die Community in einem News-Eintrag vom 16. Juni wissen.

Für Vorauswahl und Prüfung der Beteiligungsunternehmen ist ein fünfköpfiges „Kompetenzteam“verantwortlich, es besteht laut EMM aus Akteuren aus der Wirtschafts- und Finanzwelt. Das Gremium wird online ausführlich vorgestellt. „Zwei weitere Projekte werden in Kürze folgen“, sagt Rainer Mohr auf Nachfrage von ECOreporter.de. Der Finanz- und Anlageberater mit Sitz in Koblenz ist Vorsitzender des Kompetenzteams. Neben der Prüfung der Geschäftsmodelle gehe es dem Kompetenzteam darum, mit den geeigneten Kandidaten passende Beteiligungskonditionen auszuloten, die den „Social Investors“ Renditen brächten. „In vier bis sechs Wochen“, so Mohr weiter, werde das Portal mit voraussichtlich insgesamt vier Projekten „richtig starten“. „Wir wollen Ausfälle so gut wie möglich vermeiden“, erklärt Mohr. Deshalb gehe der Aufbau des Netzwerks vorsichtig und langsam voran.



Viel Ungewissheit

In ihrem Online-Videoclip wirbt EMM um das Vertrauen von Kleinanlegern in innovative und nachhaltige Geschäftsideen. „Die HBP Bruhrainer Revisionstreuhand GmbH überprüft regelmäßig den ordnungsgemäßen Ablauf aller finanziellen Vorgänge bei EMM“, schreibt die GmbH zudem auf ihrer Webseite. Die HBP Bruheiner ist eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Waghäusel im Landkreis Karlsruhe.

Der Gesellschaftervertrag über „eine typische stille Beteiligung“ an der EMM lässt allerdings Zweifel daran aufkommen, ob die Teilhaberschaft für Kleinanleger tatsächlich eine attraktive Geldanlage ist: Die „Social Investors“ treten beim Abschluss des zeitlich unbefristeten Vertrages sämtliche Rechte als Gesellschafter ab - mit Ausnahme des Gewinnbezugs- und des Kündigungsrechts. Allerdings müssen sich Anleger, die aus der Community aussteigen wollen, in Geduld üben: Die sechs Monate lange Kündigungsfrist beginnt erst drei Jahre nach Vertragsabschluss. Stimmzeichner, die seit Ende März 2010 dabei sind, müssten demnach im März 2013 kündigen, um im September selben Jahres endgültig aussteigen zu können. Hinzu kommt, dass die stillen Teilhaber - wie grundsätzlich üblich - nicht nur am möglichen Gewinn, sondern ebenso am Verlust beteiligt sind.

Bevollmächtigte Interessenvertretung der Anleger gegenüber der EMM ist ein dreiköpfiger Gesellschafterrat, der ebenfalls online vorgestellt wird. Immerhin stellt EMM allen interessierten Community-Mitgliedern in Aussicht, sich auf bis zu zwei weitere Plätze im Gremium zu bewerben.



Aktuell sind laut EMM-Internetseite elf Stimmanteile zu 100 Euro pro Stück für LeaseRad GmbH an Kleinanleger vergeben worden. Die EMM-Beteiligung kommt erst dann tatsächlich zu Stande, wenn insgesamt 1100 Stimmanteile vergeben sind. Bis die restlichen 99 Prozent der der Stimmanteile an der Rad Leasing GmbH gezeichnet sind, verbleiben die Anlegergelder laut Vertrag auf einem Konto der EMM. Wie EMM gegenüber der Community mit den Kontozinsen aus dieser Zeit umgeht, bleibt offen.


Fazit

Idee und Konzept der Eine Millionen Menschen GmbH klingen spannend und interessant. Das erste Investitionsprojekt erscheint innovativ und durchaus aussichtsreich. Angesichts der ECOreporter.de vorliegenden Informationen zum Stand des Gesamtprojekts EMM, der Konditionen für Anleger und der bislang mangelnden Auskunftsbereitschaft des Unternehmens, ist von einer Investition derzeit jedoch abzuraten. Wir stufen das Angebot bis auf Weiteres in unsere Wachhundrubrik ein.
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