Ein neues Nachrangdarlehen bietet einen Basiszins von 5,25 Prozent bei einer Laufzeit von knapp 8 Jahren. Mit dem Geld der Anleger will ein österreichischer Solaranlagen-Betreiber sein Wachstum finanzieren. Ist das Anlagekonzept stimmig?

15.01.18 Crowd-Investment , ECOanlagecheck , Aktien, Darlehen und anderes , Solarenergie-Investments

Unabhängige Analyse: Crowd-Investment mit 5,25 Prozent Zinsen im ECOanlagecheck

Die GW Energie Holding-Gruppe aus Linz betreibt Solaranlagen in Österreich und Liechtenstein. Sie will wachsen. 2018 will sie ihr Geschäft mit der Expansion nach Deutschland deutlich erweitern.

Anleger in Deutschland können derzeit noch ab 250 Euro über die Crowd-Investment-Onlineplattform Econeers in die GW Energie Holding GmbH investieren. Das Nachrangdarlehen bietet einen Basiszins von 5,25 Prozent bei einer Laufzeit von knapp 8 Jahren. Wir haben das Angebot in einem ECOanlagecheck unter die Lupe genommen.

Die Laufzeit des Nachrangdarlehens endet am 30. September 2025. Anleger und die Emittentin können das Nachrangdarlehen nicht ordentlich kündigen. Die Emittentin plant, ab 2022 jährlich einen Teil des Nachrangdarlehens an die Anleger zurückzuzahlen. Die vertraglich vereinbarte Tilgungsquote beträgt am:

30. September 2022: 25 Prozent
30. September 2023: 25 Prozent
30. September 2024: 25 Prozent
30. September 2025: 25 Prozent

Der ertragsunabhängige Basiszinssatz des Nachrangdarlehens beträgt 5,25 Prozent pro Jahr. Zudem erhalten die Anleger einen gewinnabhängigen jährlichen Bonuszins. Dieser beträgt bei Erreichen des Fundinglimits (Emissionsvolumens) von 0,5 Millionen Euro 1 Prozent des Jahresgewinns der Emittentin. Beispiel: Bei einem Jahresgewinn der Emittentin von 10.000 Euro erhalten die Anleger des vorliegenden Nachrangdarlehensangebot zusammen 100 Euro.

Die Vermittlungsprovision, welche die Emittentin an die Vermittlerin Econeers zu zahlen hat, beträgt laut Vermögensinformationsblatt (VIB) insgesamt ca. 10 Prozent des Emissionsvolumens.

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Unternehmensprofil GW Energie Holding

Emittentin, Anbieterin und Darlehensnehmerin des Nachrangdarlehens ist die 2012 gegründete GW Energie Holding GmbH aus Linz in Österreich. Gründer, Geschäftsführer und alleiniger - 2,8 Prozent unmittelbar und 97,2 Prozent mittelbar - Gesellschafter der Emittentin ist Gerald Wirtl-Gutenbrunner (im Folgenden kurz: Wirtl). Er hatte 1998 chiliGreen gegründet, den laut Anlegerbroschüre größten Computerhersteller Österreichs, und war bis zum Verkauf 2008 Inhaber des Unternehmens.

Die Emittentin betreibt laut Anlegerbroschüre (Stand: 11. Dezember 2017) 51 Solaranlagen mit einer Nennleistung von zusammen 1,63 Megawatt (MW). Zudem ist sie Mehrheitsgesellschafterin von vier Unternehmen, die ebenfalls Solaranlagen in Österreich (3,28 MW) und in Liechtenstein (1,36 MW) betreiben. Darüber hinaus hält die Emittentin alle Anteile an der enerXia GmbH, die nach Angaben der Emittentin Solarprojekte der GW-Energie Unternehmensgruppe projektiert und als Generalunternehmer errichtet.

Die enerXia GmbH handelt laut Anlegerbroschüre auch mit Komponenten (Trina Solar-Solarmodule und Delta-Wechselrichtern). Laut Aussage der Emittentin ist es abhängig von der Verfügbarkeit, ob die Solarprojekte der GW-Gruppe alle - oder in der Regel - mit Trina Solar-Modulen und Delta-Wechselrichtern ausgestattet werden.

Das Stammkapital der Emittentin beträgt 36.000 Euro. Laut ungeprüftem Jahresabschluss 2016 liegt ihre Eigenkapitalquote bei rund 60,4 Prozent (2015: rund 0,7 Prozent). Die Eigenkapitalquote ist gegenüber Ende 2015 deutlich gestiegen, da sich die in der Bilanz 2016 ausgewiesenen, gebundenen Kapitalrücklagen auf 1,68 Millionen Euro erhöht haben (2015: 0 Euro).

Ursächlich hierfür ist die 2016 erfolgte Einbringung von Anteilen an verbundenen Unternehmen im Wert von 1,68 Millionen Euro, die im Finanzanlagenvermögen der Emittentin verbucht sind. Die Emittentin teilte auf Nachfrage nicht mit, welchen Kaufpreis sie für die Anteile insgesamt gezahlt hat. Die Emittentin verzeichnete 2016 einen Jahresverlust von rund 12.000 Euro (2016: Jahresgewinn von rund 79.000 Euro).

Ein konsolidierter Jahresabschluss 2016 für die Unternehmensgruppe der Emittentin inklusive ihrer Tochtergesellschaften liegt nicht vor. Laut Aussage der Emittentin ist auch aus Kostengründen nicht geplant, einen konsolidierten Jahresabschluss zu erstellen. Ein konsolidierter Jahresabschluss ist oftmals aussagekräftiger als ein Einzelabschluss, um beispielsweise Geschäfte innerhalb der Unternehmensgruppe und damit auch die wirtschaftliche Situation der Muttergesellschaft fundierter beurteilen zu können.

Beispielsweise hat die Emittentin (die Muttergesellschaft) 2016 einen Umsatz von rund 267.000 Euro erwirtschaftet, ein Rückgang von rund 30 Prozent gegenüber 2015. Laut Aussage der Emittentin ist der Umsatz gesunken, weil sie den Verkauf von Handelswaren an ihre Tochtergesellschaft enerXia GmbH ausgelagert hat.

Die Projektgesellschaften von Solaranlagen finanzieren sich in der Regel überwiegend mit Fremdkapital. Daher ist es möglich, dass die Eigenkapitalquote der Emittentin bei einer konsolidierten Betrachtung deutlich unter 60,4 Prozent (Einzelabschluss 2016) liegen könnte. Nach Angaben der Emittentin musste bislang die Eigenkapitalquote bei ihren Solaranlagen(portfolios) zwischen 10 und 30 Prozent liegen, um eine Fremdfinanzierung zu erhalten.


Investitionen

Die GW Energie Holding-Unternehmensgruppe plant laut Anlegerbroschüre, 2018 ihr Solargeschäft um 22 MW in Deutschland und 6 MW in Österreich zu erweitern. Das Gesamtfinanzierungsvolumen für diese geplanten Investitionen beträgt laut Anlegerbroschüre zusammen rund 25 Millionen Euro. Davon sollen Banken rund 20 Millionen Euro, Großinvestoren bis zu 2,5 Millionen Euro und Privatanleger als Crowdinvestoren ebenfalls bis zu 2,5 Millionen Euro finanzieren.

Vertragsabschlüsse oder verbindliche Finanzierungszusagen (in diesen genannten Höhen) von Banken und Großinvestoren gibt es nach Angaben der Emittentin noch nicht. Über die österreichische Online-Plattform firstcap hat die Emittentin bislang rund 682.000 Euro von Privatanlegern eingeworben (Stand: 15. Januar 2018). Dabei handelt es um Nachrangdarlehen, die hinsichtlich Basiszins, Laufzeit und Rückzahlungsterminen mit den über die Plattform Econeers zu vermittelnden Nachrangdarlehen übereinstimmen.

Die Emittentin hat in der Anlegerbroschüre geplante Solaranlagen in Deutschland (rund 44,2 MW) und Österreich (rund 3,4 MW) aufgelistet. Die aufgeführten Solaranlagenprojekte in Österreich sind jeweils kleiner als 0,2 Megawattpeak (MWp), während die Solarprojekte in Deutschland überwiegend eine geplante Nennleistung von mindestens 1 MWp haben.

Laut Aussage der Emittentin sind in der Liste Freiflächen- und Dachflächenanlagen enthalten. Freiflächenanlagen seien grundsätzlich die größeren Anlagen in der Auflistung. Der Fokus liege jedoch auf Aufdachanlagen von Gewerbebetrieben. Geplante Anlagen in Deutschland mit einer Nennleistung von über 0,75 MWp müssen an Ausschreibungen teilnehmen, um (einen Zuschlag vorausgesetzt) eine Vergütung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) für den eingespeisten Strom zu erhalten.

Die Emittentin plant aber nach eigenen Angaben nicht, an den Ausschreibungen in Deutschland teilzunehmen. Stattdessen sollen die Solaranlagen nach Angaben der Emittentin geteilt werden, um jeweils unter dem Wert von 0,75 MWp zu bleiben.

Es gibt laut Aussage der Emittentin eine Rahmenvereinbarung mit einem (von der Emittentin nicht benannten) Immobilienfonds, der zahlreiche Gewerbeparks in Deutschland betreibe. Die GW Energie Holding-Gruppe dürfe auf jedem dieser Gewerbeparks Solaranlagen errichten. Es gebe nach Angaben der Emittentin bei den Solarprojekten sowohl die Möglichkeit, erzeugten Solarstrom nach dem EEG einzuspeisen als auch Strom direkt zu verkaufen. Die GW Energie Holding-Gruppe hat nach eigenen Angaben schon mit Grundstückseigentümern und/oder Hauseigentümern Pacht-/Nutzungs- und/oder Contractingverträge abgeschlossen.

Dachmiet- und Contracting-Modelle sind laut Anlegerbroschüre das Kerngeschäft der GW Energie-Gruppe.  Bei diesen Modellen vermieten Eigentümer ihre Dachflächen an Gesellschaften der GW Energie-Gruppe. Diese übernehmen in der Folge die Anschaffungs-, Errichtungs- sowie die laufenden Kosten der Solaranlagen und betreiben diese über die vertraglich vereinbarte Laufzeit.

Nach Ablauf des Mietvertrages (aktuell Österreich 13 bzw. Deutschland 20 Jahre) gehe die Anlage in das Eigentum des Vermieters über, der diese anschließend weiter nutzen könne.


Ökologische Wirkung

Die GW Energie-Gruppe errichtet Solaranlagen nach eigenen Angaben hauptsächlich auf Dachflächen, so dass in diesen Fällen keine Freiflächen verbraucht werden. Die bei einem angestrebten Gesamtinvestitionsvolumen von rund 25 Millionen Euro geplanten Anlagen mit einer Nennleistung von zusammen 28 MW könnten ungefähr rund 26 Millionen kWh Strom erzeugen, wenn der in der Anlegerbroschüre genannte, durchschnittliche Prognose-Ertragswert (Deutschland 900 kWh/kWp und Österreich 1.000 kWh/kWp) angesetzt wird.

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Mit dem Ökostrom aus Solaranlagen kann viel Kohlendioxid (CO2) eingespart werden. / Foto: Pixabay


Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh könnten sie so rechnerisch rund 7.000 Haushalte versorgen. Im Vergleich zur Stromgewinnung aus konventionellen Kraftwerken würde die CO2 Einsparung durch den Betrieb der Solaranlagen circa 16.000 Tonnen Jahr pro Jahr betragen.

Bei den Vermietern der Dachflächen kann es sich oftmals um Unternehmen handeln, die kein eigenes Kapital für die Errichtung einer Solaranlage aufbringen wollen oder können. Oder sie wollen die Realisierung und den anschließenden Betrieb auslagern, um beispielsweise keine eigenen Ressourcen (z. B. Personal) zu binden. Daher wäre es möglich, dass ohne Contracting-Modelle ökologisch wirksame Solarprojekte nicht realisiert würden.


Risiko

Beim Nachrangdarlehen ist die Verzinsung und Rückzahlung des Anlegerkapitals solange und soweit ausgeschlossen, wie deren Rückzahlung zur Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit bei der Emittentin führen würde. Es ist möglich, dass die Emittentin neben dem Nachrangdarlehenskapital weiteres (nicht nachrangiges) Fremdkapital aufnimmt. Zudem finanzieren sich Tochtergesellschaften der Emittentin, die Solaranlagen betreiben, voraussichtlich hauptsächlich durch Bankkapital, das in der Regel vorrangig zu bedienen und besichert ist. Die Ansprüche der Anleger sind hingegen nicht besichert.

Die GW Energie Holding-Gruppe entwickelt und errichtet Solaranlagen. Es bestehen daher Projektentwicklungs- und Fertigstellungsrisiken bei der Gruppe. Zudem trägt die Emittentin mittelbar und unmittelbar mit dem Betrieb von Solaranlagen verbundene Projektrisiken mit. Zu den marktüblichen Risiken zählen beispielsweise, dass die Sonneneinstrahlung geringer ist als prognostiziert, ungeplante Reparaturen anfallen und die tatsächliche Leistung von Solarmodulen unter der Erwartung bleibt.

Zudem handelt die enerXia GmbH, eine Tochter der Emittentin, mit Solarmodulen und Wechselrichtern. Hier können im Vergleich zum Projektgeschäft andersartige Risiken bestehen, welche die Emittentin mittelbar mitträgt. Zu nennen sind hier neben dem Zahlungsausfall von Kunden beispielsweise sinkende Nachfrage, Preisschwankungen, Materialfehler und Lieferausfälle mit entsprechender Haftung der enerXia GmbH.

Die Anleger haben als Nachrangdarlehensgeber keine Gesellschafterrechte bei der Emittentin. Insbesondere können sie nicht die zukünftige Geschäftsstrategie mitbestimmen. Mittelfristig will die Emittentin laut Anlegerbroschüre zu einem der größten Solarkomplettanbieter in Europa werden. Es ist möglich, dass die Emittentin ihre Geschäftsaktivitäten auf Länder ausweitet, in denen beispielsweise die Investitionssicherheit geringer ist als in Deutschland und Österreich. Dadurch kann sich das Risiko eines Kapitalverlustes für die Anleger erhöhen.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Emittentin, Wirtl, hält nach eigenen Angaben weitere Beteiligungen an verschiedenen Solargesellschaften z. B. in Bosnien, Serbien, Kroatien, Griechenland und in der Türkei. Es wäre grundsätzlich möglich, dass die Emittentin diese und/oder andere Beteiligungen während der Laufzeit der Nachrangdarlehen erwirbt.

Die Nachrangdarlehen haben eine Laufzeit von knapp acht Jahren. Die Laufzeiten der Solarprojekte und der Bankdarlehen sind aber – insbesondere in Deutschland – in der Regel deutlich länger. Daher ist es möglich, dass die Emittentin nach acht Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigt und/oder Projekte verkaufen muss, um die Nachrangdarlehen vollständig an die Anleger zurückzahlen zu können. Das kann insbesondere dann zu finanziellen Problemen bei der Emittentin führen, wenn das Zinsniveau in acht Jahren deutlich über dem aktuellen Zinsniveau liegen sollte.

Die Anlegerbroschüre ist in einigen Punkten weniger informativ. Auch das Risikokapitel in der Anlegerbroschüre ist im Vergleich zu einem durchschnittlichen, von der BaFin geprüften Vermögensanlagenprospekt kurz gefasst. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Angebot mit Risiken verbunden ist, die in der Anlegerbroschüre nicht aufgeführt sind und für die Anleger erst während der Laufzeit ersichtlich werden.

Stärken                    
Emittentin mit mehrjähriger Solarmarkterfahrung in Österreich

Schwächen
Geringere Erfahrung der Emittentin mit Solarprojekten in Deutschland
Kein konsolidierter Jahresabschluss 2016
Mittelbar Fertigstellungs- und Projektentwicklungsrisiken

Fazit:

Finanziell


Die Emittentin plant für 2018, ihr bisheriges Geschäftsvolumen auf rund 35 MW Solarleistung mehr als zu vervierfachen. Die Expansion soll hauptsächlich in Deutschland erfolgen.

Bei den geplanten Solaranlagen in Deutschland handelt es sich teilweise um Projekte, die sie in dieser Art und Größe bisher noch nicht oder nur im geringeren Umfang geplant und errichtet hat. Insofern liegt noch kein vollständigen Leistungs- und Kompetenznachweis der Emittentin vor. Zudem ist es möglich, dass die Emittentin ihre Aktivitäten auf weitere (riskantere)  Märkte Europas ausweitet und sich in der Folge auch die Risiken für die Nachrangdarlehensgeber erhöhen.

Nachhaltigkeit

Dachmiet- und Contracting-Modelle für Solaranlagen haben eine positive Nachhaltigkeitswirkung.

ECOreporter.de-Empfehlung

Die Schwächen des Nachrangdarlehensangebots überwiegen die Stärken.


Basisdaten
    
Emittentin, Darlehensnehmerin und Anbieterin: GW Energie Holding GmbH, Linz (Österreich)
Anlageform: Nachrangdarlehen
Nachrangdarlehensvolumen: 0,5 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 250 Euro
Agio: 0 Prozent
Vermittlungs-Internetplattform: Econeers GmbH (www.econeers.de)

Laufzeit: bis 30. September 2025
Zinssatz: 5,25 Prozent pro Jahr (zzgl. gewinnabhängiger jährlicher Bonuszins)
Tilgung (Prognose): jeweils 25 Prozent am Ende (30. September) der Laufzeitjahre 2022 bis 2025
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
BaFin-Billigung: Nein
Handelbarkeit: Keine Zulassung an einer Börse

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